Niedrigerer Umsatz bei Bio

Kommentar vom 9. August 2009: Umsatzrückgang bei Bio

Tageszeitung (Remscheider Generalanzeiger) vom 8. August 2009:

„Verbraucher greifen in der Krise seltener zu Bioprodukten, zudem achten sie mehr auf die Preise als noch im Vorjahr, berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Im ersten Halbjahr hätten Verbraucher für Biolebensmittel vier Prozent weniger ausgegeben. Zwei Prozent resultieren aus gesunkenen Preisen, zwei Prozent aus Absatzrückgängen.“

Die Zahlen akzeptiere ich mal als korrekt, weil sie nicht so wichtig sind. Ich frage mich allerdings, wieso der Rückgang jetzt auf die Krise zurückgeführt wird. Zwei Prozent weniger haben Verbraucher also Biolebensmittel gekauft. Das finde ich jetzt auch nicht so überaus dramatisch – andere Branchen haben ganz andere Rückgänge hinnehmen müssen. Vor ein paar Tagen las ich z.B., dass die Discounter sich weitere Rabattschlachten liefern und immer mehr Leute (wegen der Krise) dort einkaufen. Da finde ich zwei Prozent Käufe weniger im Biosektor, der ja im allgemeinen als teuer verschrieen ist, eher wenig. Das spricht für mich dafür, dass (bei all meinem Wehklagen über die Bioszene) die Biokäufer noch ein wenig mehr Sinn für Qualität beim Essen haben.

Gar nicht gefällt mir der erste Satz, der nicht zwischen Bio- und anderen Lebensmitteln unterscheidet. Subjekt des Satzes sind die Verbraucher (also egal ob Bio oder Nicht-Bio). Sie greifen weniger zu Bioprodukten. Alles klar. Und sie (die Verbraucher!) achten mehr auf die Preise. Das heißt, ALLE Verbraucher achten mehr auf die Preise. Hier wäre aber doch jetzt wichtig gewesen, einmal zu unterscheiden, ob jetzt auch die Bio-Käufer auf die Preishatz gehen. Oder konkreter gesagt: Wenn die GfK 1000 Verbraucher befragt hat – wie viele von den 1000 Verbrauchern waren regelmäßige Biokunden? Wie viele von den 1000 achten mehr auf die Preise? Und wie viele der Biokunden achten stärker auf die Preise?

Ich meine gelesen zu haben, dass die Deutschen besonders gerne zuerst am Essen sparen. Wobei das auch nicht ganz stimmt – sie sparen nicht am Döner oder den Pommes zwischendurch, wie ich immer mit Gruseln feststellen kann, wenn ich durch die Stadt gehe.

Wer einmal den Schritt zu Bio oder Vollwert gemacht hat, wird den Preiskampf bei Lebensmittel nicht mehr mit so viel Freude betrachten wie die „Normalbürger“. Dies finde ich durch diese Nachricht durchaus bestätigt. Aber es hätte natürlich dem allgemeinen Vorurteil gegen die Bio- und erst recht die Vollwertkäufer widersprochen, wenn der Artikel gelautet hätte:

„In der Krise achten Verbraucher vermehrt auch auf die Preise der Lebensmittel, wobei in Deutschland sowieso eine starke Tendenz zum Billiglebensmittel besteht. Die Lebensmittelbranche reagiert mit Preisreduzierungen, so sind sogar in der als teuer verteufelten Biobranche die Preise um 2 Prozent gesunken. Zusätzlich ist auch der Absatz mit Bioware um 2 Prozent rückläufig. Ob dies nun eine Folge der Krise ist oder eine Folge allgemeiner Biomüdigkeit aufgrund von Bioskandalen, die von der Presse gerne hochgespielt werden, wäre noch zu untersuchen. Auch hier zeigt sich einmal mehr, dass Biokäufern das Essen mehr wert ist, denn bei Verkäufen im Supermarkt (nicht bei den Discountern) ist der Absatz im gleichen Zeitraum um 5 Prozent zurückgegangen.“

(Wobei der letzte Satz jetzt mal einfach eine freche Behauptung von mir ist <G>).

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3 Gedanken zu “Niedrigerer Umsatz bei Bio

  1. Jean Rouge 10. August 2009 / 13:50

    muss was dran sein. mein umsatz an biolebensmitteln ging ebenfalls drastisch zurück. grund : jeden tag kommen frisch gepflückte früchte aus der natur auf den tisch (zwetschgen, mirabellen,beeren) 😉

    ansonsten : 95 % meiner gekauften produkte sind bio. das essen ist das EINZIGE wo ich keine kompromisse eingehe – ich mag keinen dreck im essen haben.

  2. onebbo 10. August 2009 / 14:01

    Das hast du schön gesagt 🙂

  3. Jean Rouge 10. August 2009 / 16:09

    ja, echt irreführend der artikel :

    niemand sagt, um wieviel der verbrauch von normalen lebensmitteln zurückging. wenn der nämlich auch um 2 % zurückging, bleibt rechnerisch fast alles gleich…
    gezielte faktenweglassung zur interpretation nach eigenem gusto…

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