Studie zum Einkaufsverhalten

Kommentar vom 16. August 2009: Frauen sind Einkaufsstrategen

Dies ist nicht etwa meine Meinung, sondern die Überschrift eines großen Artikels (3/4 Seite) in der Freitagsausgabe (14.8.) des Remscheider Generalanzeigers. Und was haben wir hier, juchhu? Mal wieder Ergebnisse einer Studie.

Auftraggeber dieser Studie ist die Firma Nestle. Wobei ich richtig gerührt bin, dass Nestle sich jetzt so Sorgen um uns Verbraucher macht, ob wir auch gesund genug essen.

Die Ergebnisse der Studie, die ich im Folgenden kurz zusammenfassen werde, sind einfach sensationell:

Frauen legen beim Einkauf Wert auf Qualität und Gesundheit, haben einen Einkaufszettel dabei und kochen zu Hause häufiger als Männer, auch wenn diese Frauen arbeiten gehen. Männer sind im Supermarkt eher ziellos, achten selten auf gesunde Ernährung und essen auch als Singles lieber Fertiggerichte.

Da kann ich ja mal wieder nur sagen: Potzblitz!! Wer hätte das gedacht? Wer hätte dieses Ergebnis in einer Kultur erwartet, in der Frauen traditionsgemäß für die Ernährung der Familie und die „Aufzucht“ der Kinder verantwortlich sind?

In einem Kästchen am Ende werden die Ergebnisse zusammengefasst. „Jeder Vierte isst zu fett, zu viel Süßes und zu unregelmäßig.“ Zu fett? Kein Unterschied wird gemacht zwischen gesundem Fett oder ungesundem Fett. Und schon gar nicht wird uns verraten, was denn zu fett im Gegensatz zu „mit der richtigen Fettmenge“ sein soll. Ebenso gilt das für „zu viel Süßes“. Da wird mit Maßstäben gemessen, die vor uns geheimgehalten werden bzw. es wird so getan, als wenn jeder weiß, was damit gemeint ist. Dabei ist der optimale Fettgehalt der Ernährung ein ganz besonders umstrittener Punkt.

„Insgesamt ernährt sich rund ein Fünftel der Bevölkerung falsch“ (und was ist bitte richtig? Das heißt meiner Einschätzung nach, das vier Fünftel der Bevölkerung sich richtig ernähren, also vollwertig? Das glaube ich kaum!), „hat Gewichtsprobleme“ (auch hier werden wieder Maßstäbe angelegt, die nicht offen dargelegt werden, ist hier z.B. nur Übergewicht oder auch Untergewicht angesprochen?), „treibt wenig Sport“ (was ist viel, was ist wenig? Was ist mit Sport überhaupt gemeint?) und „ist nur wenig bereit, seinen Lebensstil zu ändern“. Letzteres stimmt. Wobei ich das für einen menschlichen Grundzug halte.

Ansonsten werden wir reichlich mit Zahlen gefüttert, vor denen wir ehrfürchtig stehen sollen. Immerhin erfahren wir ein Detail über die Durchführung der Studie: „4000 Verbraucher wurden zu ihrem Ernährungs- und Einkaufsverhalten befragt“.

Wir erfahren nicht, wie viele Fragen es waren, ob es offene oder Multiple-Choice-Fragen waren, ein Life-Interview oder Fragebögen. Wir wissen nicht, ob es eine für Deutschland insgesamt repräsentative Umfrage war, wie viele Männer, wie viele Frauen  in welchen Altersgruppen befragt wurden.

Auch ist hier eines gar nicht berücksichtigt: Dass Befragte nicht immer die Wahrheit sagen. Wenn ich nämlich z.B. an meine Erfahrungen aus dem Supermarkt denke, kann ich die Ergebnisse der Studie gar nicht teilen. Ich sehe nämlich immer mit Staunen, wie gerade Mütter mit kleinen Kinder den letzten Schrott aus ihren Wägelchen auf das Band legen. Frisches finde ich da nur selten, eingepackt und vorgefertigt ist Trumpf. Auch hat wohl niemand nachgehakt, was jemand meint, wenn er sagt: „Ich koche zu Hause!“ Es gibt Leute, und dies ist kein Scherz, die glauben, wenn sie eine Fertigpizza noch mit Extrakäse belegen und in den Ofen schieben, dass sie selbst kochen. Welche Frau wird denn zugeben, dass sie zum Stillhalten der lieben Kleinen kein Obst, sondern lieber drei Tafeln Kinderschokolade kauft? Frauen „wissen“, was ihre Verantwortung ist, und lassen sich  bei ihren Antworten davon garantiert leiten.

Ich liebe Studien. Sie kosten viel Geld und sagen uns gar nichts. Wobei ich nicht glaube, dass die Firma Nestle ihr Geld zum Fenster rauswirft. Ich denke nur, dass sie uns kaum erzählen werden, was sie mit dieser Studie wirklich herausfinden wollten 🙂

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4 Gedanken zu “Studie zum Einkaufsverhalten

  1. Jean Rouge 17. August 2009 / 12:04

    dass sich ein fünftel der bevölkerung falsch ernährt und wenig sport macht ist blanker hohn.
    nachweislich haben bereits 42 % der deutschen einen body-mass-index von mehr als 25 (d.h. übergewicht). wie kommt das bloß ?

    wenn man mich fragt, so ernähren sich 99 % der leute falsch – meine definition ist hier halt anders. also eine völlig bescheuerte aussage der studie.

    wenn sich 4/5 der menschen „richtig“ ernähren würden, hätte nestle überhaupt keinen absatzmarkt mehr mit seinen gezuckerten und industriell verarbeiteten produkten. und wir müssten uns nicht so einen quatsch anhören.

  2. onebbo 17. August 2009 / 12:43

    Ja, die 4/5 Menschen, die sich „richtig“ ernähren, sind wirklich ein Witz…. Möchte mal wissen, wo die sich verstecken. Nicht in der Stadt, in der ich wohne 🙂

  3. sternenfrau 17. August 2009 / 21:38

    Wer „We feed the world“ gesehen hat und sich an die letzten Szenen mit dem Chef von Nestle erinnert, den wundert sowieso gar nichts mehr. Schön, wenn andere wissen, was für mich als Individuum die richtige Ernährung ist. Ich würde gerne mal den Versuch machen, und mit dem Chef von Nestle ein Experiment a la „Super Size Me“ machen und ihn einen Monat lang ausschließlich Nestle Produkte zu essen geben. Bin mal auf die Blutwerte gespannt… 😉

    • onebbo 18. August 2009 / 06:20

      Ach die Blutwerte…. mich würden mehr sein fahles Aussehen, der krumme Gang und die Schwächeanfälle faszinieren 🙂

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