Vollwert und Rohkost sind Geisteskrankheiten

Kommentar vom 17. August 2009: Vollwertler? Rohköstler? Ab in die Psychiatrie!

Mein Kollege stieß mich heute auf einen Artikel im englischen Observer über Orhorexia nervosa. Was ist das? Wikipedia erklärt es so:

Orthorexia nervosa ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen ein auffallend ausgeprägtes Verlangen danach haben, sich möglichst „gesund“ zu ernähren. Die Existenz eines solchen Krankheitsbildes wird vielfach bestritten. (Ich ergänze: NOCH bestritten).

Dazu fand ich in Stern online einen Test. Jede Frage, die ich hier mit „Ja“ beantworte, ist ein Zeichen dafür, dass ich in diesem Sinne krank bin. Und die  Sterndefinition wird schon konkreter:

Orthorektiker essen Vollwertkost [!], kaufen in Bioläden [!]und meiden Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen [!].

Das alles ist gesund – unbestritten. Bedenklich ist aber ihre Besessenheit, mit der sie die Regeln gesunder Ernährung an sich selbst anwenden. Essen und Einkaufen, Rohkost und naturnahe Anbaumethoden werden Menschen mit Orthorexie zum Lebensinhalt. Fast nur um diese Themen kreisen ihre Gedanken. Damit ist die Grenze des Gesunden  überschritten, findet Stephen Bratman. Der US-amerikanische Arzt war nach eigenen Angaben selbst so strikt. Er hat der Fixierung auf die richtige  Ernährung 1997 einen Namen gegeben: Orthorexie. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet, frei übersetzt, „der richtige Appetit“. Das Wort  erinnert an Anorexie, den medizinischen Namen der Magersucht. Die Ernährung wird zur Religion erhoben

Und der „Stern“ weiter:

Orthorektikern geht es nicht um die Menge, sondern um die Qualität dessen, was sie essen. Nicht um abzunehmen, haben sie Schnitzel und Pommes vom  Speiseplan gestrichen, sondern um einem Herzinfarkt vorzubeugen [! Anmerkung: Um abzunehmen, ist das Streichen dieser Nahrungsmittel offensichtlich ok. Aber nicht aus Gesundheitsgründen!]. Manche verzichten auf bestimmte Lebensmittel, um chronische Leiden zu lindern. [Anm.: Sachlicher Fehler: Viele lindern durch richtige Ernährung nicht ihre chronischen Leiden wie Allergien, Asthma und Rheuma, sondern heilen sie fast komplett.] Sie meiden vielleicht erst Milchprodukte [!], dann Weizen und schließlich alles, was Spuren von Soja enthält. Immer strenger werden die selbst auferlegten Regeln. Gleichzeitig wird es immer komplizierter und zeitaufwändiger, eine streng makrobiotische Mahlzeit zu planen, ökologisch korrekt einzukaufen oder den Vitamingehalt von Wirsing beim Kochen zu erhalten. Genuss und Freude treten zunehmend in den Hintergrund. Orthorektiker fühlen sich als Sachverständige in Ernährungs- und Warenkunde. Ob Rohkost, Vollwertküche oder veganes Essen [!] – einige erleben ihre Willenskraft in spirituellen Dimensionen. Nach einem Tag mit Sojasprossen und selbstgebackenen Amaranth-Keksen fühlen sie sich körperlich und geistig rein. Medizinische Lehrbücher kennen die Orthorexie nicht.

Noch wird hier betont, dass es nur um die Übertreibung geht. Aber wer bestimmt, was Übertreibung ist? Wer noch nie einen Rohköstler gesehen hat, findet das Essverhalten garantiert übertrieben. Der Stern nennt die gefährdete Gruppe beim Namen: Vollwertler (vor allem die, die wie ich auf Milch verzichten), Rohköstler, Veganer. Die Grenze, „uns“ in den kranken Bereich abzuschieben ist schwammig. Noch ist Orthorexie kein anerkanntes Krankheitsbild, aber wann werden die ersten Rohköstler in die Psychiatrie zwangseingewiesen? Das scheint lächerlich, aber wenn ich diese Dinge zum zweiten Mal lese, bleibt mir schon fast das Lachen im Halse stecken. Dann bringt der Stern noch einen Selbsttest zur Orthorexie:

  1. Denken Sie mehr als drei Stunden am Tag über gesunde Ernährung nach?
  2. Planen Sie Ihre Mahlzeiten mehrere Tage im Voraus?
  3. Ist Ihnen der ernährungsphysiologische Wert Ihrer Mahlzeit wichtiger als die Freude am Essen?
  4. Hat Ihre verbesserte Ernährung Ihre Lebensqualität verringert?
  5. Sind Sie in letzter Zeit strenger mit sich geworden?
  6. Verzichten Sie auf Lebensmittel, die Sie früher gerne gegessen haben, um nun die richtigen Lebensmittel zu essen?
  7. Steigert sich Ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Ernährung? Schauen Sie auf Menschen herab, die sich nicht gesund ernähren?
  8. Fühlen Sie sich schuldig, wenn Sie von Ihrem Ernährungsplan abweichen?
  9. Sind Sie durch Ihre Ernährungsgewohnheiten gesellschaftlich isoliert?
  10. Haben Sie das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, und macht es Sie glücklich, wenn Sie Ihrem Ernährungsplan entsprechend essen?

Die Fragen wirken auf den ersten Blick vielleicht eher oberflächlich und banal, welcher Vollwertler oder Rohköstler wird Frage 4, 5, oder 6 mit „Ja“ beantworten? Aber man stelle sich einmal vor, wie jemand anderes uns und unser Essverhalten bewertet. Natürlich wird uns z.B. in Frage 3 kein „Nein“ zugestanden – weil z.B. die Nicht-Vollwertler ja ständig unter dem Komplex leiden, dass wir (wie auch die Rohköstler) ständig „verzichten“. Dasselbe gilt für Frage 4 und 5 – wir verneinen das, aber die Umwelt wird das freudestrahlend mit einem Kopfnicken bejahen. Am besten ist Frage 6. Die Fragestellung ist ja schon suggestiv. Ich verzichte ja auf nichts, ich esse einfach Dinge nicht mehr, die ich früher gegessen habe, weil sie mir nicht mehr schmecken. Aber das wird ein Psychiater nach meiner Zwangseinweisung, der gerade sein Mittagessen in Form einer Portion Currywurst mit einem dicken Eis hinterher eingenommen hat, garantiert anders sehen, um es einmal übertrieben darzustellen.

Gerade Frage 9 ist natürlich völlig richtig. Das gesellschaftliche Leben wird uns schwer gemacht. Darüber klagen viele Vollwertler & Rohköstler – aber bin ich nur geistig gesund, wenn ich mir Pommes und Haribo hinter die Binde kippe?

Es ist alles nicht so lachhaft, wie es auf Anhieb scheint. Ich kann nur sagen: Wehret auch hier den Anfängen!

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28 Gedanken zu “Vollwert und Rohkost sind Geisteskrankheiten

  1. sternenfrau 17. August 2009 / 21:49

    Oje, ich bin, glaube ich, auch krank 😉 Zumindest, wenn ich nach den obigen Definitonen ausgehe. Und mein Liebster erst! Uiuiui – vielleicht haben wir Glück und bekommen in der Klapse zwei Zellen nebeneinander.
    Kann man mal wieder sehen: entstehen Dinge/Strömngen/Sinneswandel, die gut sind und einen unabhängig machen, wird das gleich als Krankheit stigmatisiert. Natürlich halte ich jede Form von übertriebenem um-die-Nahrung-kreisen für nicht wirklich gesund (also, wenn der Tag ausschließlich und zwar zwanghaft im psychologischen Sinne, nur um dieses Thema kreist) – aber jetzt werden Menschen, die sich eigenverantwortlich um ihren Körper und ihre Gesundheit kümmern, als krank hingestellt. Ist schon irgendwie krass, aber eigentlich wundert´s doch auch nicht, wenn seitens der Medizin die Normbereiche bei Blutwerten immer mal wieder „nachkorrigiert“ werden und dann gleich Tausende plötzlich Leberkrank oder Diabetiker sind, die vorher quietschvergnügt waren.

    🙂 Was ist normal? Normal ist, wenn man so bekloppt ist, dass man unter den anderen nicht mehr auffällt! 🙂

  2. Marienkäfer 17. August 2009 / 22:22

    ach, du meine Güte! Dann bin ich ja auch krank!

    Wir sollten schleunigst eine Selbsthilfgruppe gründen, damit wir unsere Umwelt auf unser „Leiden“ aufmerksam machen können. 🙂

  3. Silke 17. August 2009 / 22:45

    Ich kenne Leute, die sich ausschließlich von legalen Drogen ernähren (sprich Kaffee, Zucker, Nikotin, Alkohol). Meiner Erfahrung nach, wirkt das alles Bewusstseinverändernd. Das ist ziemlich krank…

    Alles Liebe,

    Silke

  4. onebbo 18. August 2009 / 06:19

    @sternenfrau: Ja, besonders den letzten Satz sollten wir uns alle als Tagesmotto an die Stirn klatschen 😉

    @marienkäfer: Blendende Idee, die Selbsthilfegruppe bekommt sicherlich auch kostenlos Schokopudding, Plätzchen und Currywurst zu schnellen Heilung kostenlos geliefert.

    @silke: Eben. Aber wenn die Mehrheit krank ist, wird der Gesunde plötzlich zum Kranken.

  5. Jean Rouge 18. August 2009 / 09:26

    dieser artikel schlägt dem fass den boden aus.
    aber wir lassen uns nicht aufhalten.
    gesunde ernährung wird sich durchsetzen – denn alle anderen werden mit der täglich schlechter werdenden nahrung krepieren. und das ist kein zynismus oder schadenfreude – das ist mein voller ernst.

    schon heute generiert die industrienahrung unfruchtbarkeit und frühe chronische krankheiten. das alles wird noch viel schlimmer werden.

    • onebbo 18. August 2009 / 09:31

      Hmm, das wäre schön, ich weiß nur nicht, ob ich deinen Optimismus teilen kann…. Aufhalten? Nee, da hast du Recht, solange es noch keine Zucker-Zwangsernährung gibt halten wir durch 🙂

  6. Jens 18. August 2009 / 11:50

    Ein wenig besser, aber nicht weniger bedenklich ist der Artikel aus der taz…

    http://www.taz.de/index.php?id=wissen&art=998&id=479&cHash=cef5c8cee8

    So kommt der Schluss auf, das Vollwertler ihre Ernährung nicht aus Rücksicht auf ihrer Körper, sonder rein aus psychischen Gründen umstellen
    „Menschen wollen mit dem gesunden Essen etwas kaschieren oder von eigentlichen Problemen ablenken“
    und keinerlei Sozialkompetenz besitzen
    „Orthorektiker seien absolute Profis in Sachen Ernährungs- und Warenkunde, kennen den Proteinanteil in Sojamilch und den Mangangehalt von Lauch. Der Blick über den Tellerrand hinaus allerdings gelingt ihnen nicht mehr. Vielmehr landen sie in einem Tunnel, konzentrieren sich nur noch aufs gesunde Essen, die Gedanken kreisen ausschließlich um die nächste Mahlzeit und deren Bestandteile. „Sie kommen nicht, wenn man sie zum Abendessen einlädt, und sie gehen nicht mehr aus“, sagt Baeck. Alle anderen sind für sie „Schlechtkostesser“, sogar Freundschaften geraten dadurch in Gefahr. Mangelerscheinungen und Magersucht kommen teilweise dazu.“

    Den Schluss zwischen Vollwert und Magersucht finde ich äußerst bedenklich. Ich persönlich habe zwar nach nach meiner Umstellung (vor einem 3/4 Jahr) auf Vollwerternährung ca. 10 kg (95 auf 85) abgenommen, achte aber in keinster Weise darauf wie viel ich esse, sonder nur was. Sprich ich habe nicht bewusst abgenommen, sonder mein Körper hat durch die Umstellung gesundes Gewicht angenommen.

    Auch Mangelerscheinungen, einseitige Ernährung und fehlenden Genuss mit Vollwertkost zu verbinden finde ich mehr als kritisch, den mit damit hat die Vollwertkost meiner Meinung nach nichts zu tun. Ich bin leidenschaftlicher Koch und liebe es zu essen. Daher genieße ich die vielfältigen Möglichkeiten die mir saisonal und regional ausgerichtetes Einkaufen ermöglicht. Mein Horizont hat sich mit der Vollwertkost nicht verringert, sondern im Gegenteil deutlich erweitert. Ich esse ausgewogener und genieße das Essen mehr als jemals zuvor. Mein Geschmackssinn hat sich deutlich verbessert seit er nicht mehr mit Zucker oder Geschmacksverstärkern konfrontiert wird.

    Völlig banal finde ich den letzten Abschnitt
    „Zwanghafte Einstellungen zum Thema Ernährung müssten aufgeweicht werden, fordert Dr. Christiana Gerbracht vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Das Leistungsprinzip ersetze auch beim Essen mehr und mehr das Genussprinzip. Essen ist aber mehr: Essen heißt Vergnügen und Genuss, Essen heißt Kommunikation und Sichkennenlernen, Essen heißt Pause machen, faul sein und den Kalorienzähler ausschalten.Viele Menschen würden aufs Essen komplett verzichten, wenn es eine Ersatzpille für die Nahrungsaufnahme gäbe, schätzt Woite“

    Es ensteht der Eindruck, dass gesundes Essen nicht schmecken kann und man nur genießen kann wenn man sich an eine Fast Food Theke stellt und nach drei Minuten seinen genormten Einheitsfraß bekommt ohne einen Handschlag zu tun. Das Ernährung mehr ist als Essen und die Zubereitung ein großer (und meiner Meinung nach sehr entspannender) Teil davon ist, wird völlig verkannt.
    Abgesehen davon möchte ich den Vollwertler mit Kalorienzähler und Nahrungspille sehen…

    Aber da wir Verrückten nur unter uns bleiben und im eigenen Sud kochen muss uns wohl extern geholfen werden…
    „Hier sei der Freundeskreis gefragt. „Die Leute ansprechen und sie fragen, was das Ganze soll“, rät Woite. Je nach Typ mit der Holzhammermethode oder einfühlsam. „Ich würde den Leuten klarmachen, was sie verlieren, und nach individuellem Ersatz für den Zwang suchen“, sagt sie weiter.“

    Naja, das war ein wenig lang um zu dem Schluss zu kommen, dass ich die Disskussion um Orthorexie bedenklich finde, aber sich anscheinden keiner der darüber schreibenden Journalisten oder „Experten“ (Frau Buschek ist nebenbei erwähnt Medizinerin) mal mit den Hintergründen der Vollwertkost beschäftigt hat…

  7. onebbo 18. August 2009 / 12:50

    Danke Jens für den Kommentar, der wichtig ist: Also nicht nur die „Mainstream“-Presse ist schon soweit! Deine Erfahrungen mit den erweiterten Schmeck- und Geschmacksvarianten unter Vollwert machen ja eigentlich alle Vollwertler. Es ist wirklich eine üble Kampagne. Mediziner tun sich ja gerne durch unmögliche Aussagen hervor.

  8. sternenfrau 18. August 2009 / 21:37

    Offensichtlich ist die Nahrungsmittelindustrie der Ansicht, dass es genügt, uns etwas auf den Tisch zu bringen, das „zum scheißen reicht“ – denn mehr ist Mainstreamessen für mich nicht: magenfüllend, durch fragwürdige Zusatzstoffe oberflächlich zufriedenstellend. Im Grunde werden wir durch die Fertignahrung manipuliert – ein groß angelegter Versuch an lebenden Menschen. Nundenn, diese meine Aussage macht mich ja erst recht zu einer Orthorektikerin… 😉 … vielleicht komme ich auch in Sicherungsverwahrung, weil ich so revolutionäre Gedanken habe *g*.

    Problem ist, denke ich, dass auch dieses Beispiel ein Beweis dafür ist, wie sehr sich mensch von der Natur entfernt hat. Ein normaler, gesunder, halbwegs in Einklang mit sich und der Natur lebender Mensch würde Fertigessen und Schwabbelburger eklig finden, was eine durchaus natürliche Reaktion ist. Aber das archaische, wilde, ungezähmte in uns, unsere ursprüngliche Natur im Einklang mit der Erde ist uns dermaßen aberzogen worden, dass es natürlich als „pathologisch“ angesehen werden muß.

    Schlimm finde ich halt, dass ein waches Interesse an Gesundheit und Ernährung in einen Topf mit psychischen Erkrankungen wie Anorexia Nervosa etc. geworfen wird. Das ist albern, unreflektiert und dumm. Aus der anderen Seite schreien sie aber laut danach, dass auch in Schulen „gesunde Ernährung“ gepredigt werden soll.

    Ich weiß ja nicht, in welchen Töpfen die Lebensmittellobby und die Presse so rührt, in meinem jedenfalls nicht. Und als Herrin in meinen Königreich entscheide auch immer noch ich selbst, was ich auf´m Teller haben will.

    Bleiben wir beharrlich als „Nischenflöhe“ unserer Eigenverantwortung treu! 🙂

    • OneBBo 19. August 2009 / 05:59

      Interessanterweise ist ja auch, dass der Erfinder der Orthorexie ein Arzt ist, der selbst wohl mehrere gescheiterte Versuche hinter sich hatte, gesund zu essen. Das lässt sich dann auch als ein Rachefeldzug erkennen so nach dem Motto: Ups, ich schaffe das nicht, wie rechtfertige ich dann mein eigenes Verhalten? Äh…. am besten, in dem ich die anderen zu krank erkläre. So ist ja auch der Weg von U. Pollmer zu verstehen, der sogar in Lahnstein eine Weile eifrig war und nun ein Verfechter der Fast-Food-Zucker-Nahrung ist. Wer sich die Fotos ansieht, weiß Bescheid.

  9. Andrea 18. August 2009 / 23:03

    Also ich kann vor allem im Artikel aus der TAZ gar keinen roten Fadenerkennen, oder bin ich da zu bloed? Mir scheint, oft haben die Journalisten von heute garkeine Kompetenz mehr, einen Artikel zu verfassen, der Sinn und Verstand hat
    Erstmal reden die von der Krankheit, dass das Leute sind, die nur noch ganz gesunde Sachen essen. Dann sollen die teilweise Mangelerscheinungen oder Magersucht haben-das kriegen doch nur Leute, die erstens sehr sehr einseitig essen, und zweitens viel zu wenig. Das stimmt doch ganz und garnicht ueberein mit Leuten, die viele gesunde Sachen essen, also im ersten Teil beschrieben werden. Dann unten-Essen ist sinnlich und so, und dann wuerden die Leute am liebsten Pillen statt essen haben. Da koennen doch schon wieder nicht die gemeint sein, die sich sehr gesund ernaehren, denn die achten doch dadrauf, dass sie sehr natuerliche Dinge essen. Und dann sind die Leute,d ie nur Pillenfressen, doch wohl am ehesten die, die Essen nicht mehr mit Genuss verbinden koennen, und ganz undgar nicht die, die gute Naturprodukte essen. Häh?? wieder mal was total ohne Sinn und Logik. Vielleicht sollte als erstes Mal der Artikelschreiber in dieTherapie, um zu lernen, dass ersich mal ein bisschen anstrengen muss, um was „Sinnliches!“ zu schreiben….

    • OneBBo 19. August 2009 / 06:00

      Eine gute Idee, einige Artikelschreiber mal in Therapie zu schicken… aber vielleicht täte auch eine gute und fundierte journalistische Ausbildung gut? 😉

  10. Jean Rouge 19. August 2009 / 09:26

    hier möchte ich noch kurz was anfügen. und zwar war das essen seit jeher etwas, das stets im vordergrund stand. essen beschaffen war immer schon wichtig. nur unsere gesellschaft hat uns hier entfremdet, das essen hat seinen stellenwert verloren. es wird in der pause schnell etwas hineingestopft, schlingfraß wie bei hunden.
    in meiner firma sitzen die leute mittags kaum 10 minuten an ihrem teller mit nudeln und fleisch, während ich 25-30 minuten für meine rohkost benötige und alles gut kaue. und anschließend fallen sie dann ins mittagsloch und pennen halb ein.

    sich mehr als andere mit dem essen beschäftigen heißt, wieder natürlicher werden.
    die pille mit dem nahrungskonzentrat könnte uns helfen, noch mehr zu arbeiten, noch mehr unterwegs zu sein, noch mehr zeit für materielle dinge aufzuwenden.
    wir könnten es aber auch einfach umgekehrt machen. essen DARF, ja SOLLTE wichtig sein. es gehört von natur aus ganz essentiell zu unserem täglichen leben. der computer mit seinen spielen und büroanwendungen nicht.

    • onebbo 19. August 2009 / 09:28

      Wozu ja auch passt – dass wir im Gegensatz zu dem angeblichen Krankheitsbild – unser Essen viel mehr genießen und nicht nur vom Fernseher (noch so eine Horrorvision) runterputzen, ohne noch wahrzunehmen, was es ist.

  11. mialieh 19. August 2009 / 10:09

    Ich finde es krass, dass das Bild der Orthorexie so verdreht wird. Das klingt wahrhaftlig nach Rachefeldzug derer, die es nicht schaffen, gesund zu essen und damit ein Problem haben.

    So wie ich das, was zu dem Krankheitsbild gehört verstanden habe, bisher gehört habe, klang das etwas anders. Da ging es darum, dass aus der gesunden Ernährung ein zwanghaftes Verhalten entsteht, das heißt, dass die Betroffenen in psychische Krisen geraten, wenn sie meinen, das, was vor ihnen steht, entspreche nicht ihren Ernährungsregeln. UND: dass sie meinen ALLES heilen zu können, wenn sie nur richtig essen. Damit will ich nicht sagen, dass man nicht vieles heilen kann, wenn man nur richtig isst. Und ich teile die Verwunderung darüber, dass es als krankhaft angesehen wird, wenn man dem Herzinfarkt vorbeugen will (und anderen in der Regel ernährungsbedingten Krankheiten). Dass das viele nicht wollen, scheint mir die kränkere Einstellung.

    Aber so wie ich das verstanden hatte wurde ein Kontrollzwang (wie ihn manche ja auch beim Waschen oder Aufräumen oder Putzen haben) auf das Essen projiziert. Wenn man es so versteht, dann wird die Diagnose einer Krankheit nachvollziehbar. Nun aber alle Vollwertköstler darunter zu subsumieren ist dumm und hat nichts mehr mit faktenbezogenem Journalismus zu tun.

    • onebbo 19. August 2009 / 10:15

      Das Krankheitsbild enthält auch in der „klassischen“ Definition eben Dinge, die je nach Betrachtungswinkel übertrieben sind oder nicht. Wenn ich z.B. im Restaurant im Salat rumstocher, weil ich keinen Joghurt will, dann ist das für mich nicht übertrieben. Das sehen aber andere Leute durchaus anders, und da liegt die Gefahr. Kollath sagt übrigens im Buch „Die Ordnung unserer Nahrung“ sehr richtig, dass überhaupt KEIN Essen eine Krankheit heilen kann. Aber eine gesunde Ernährung kann den Körper in einen Zustand versetzen, mit der Krankheit fertig zu werden und DAMIT dann natürlich doch wieder fast jede Krankheit zu heilen. Und wer diesen Standpunkt vertritt, fällt ja auch schon wieder unter die Orthorexie, wenn der Zuhörer nicht ganz genau hinhört.

    • Anna 8. Oktober 2009 / 13:54

      Dämlicher geht es auch nicht, wie mir scheint.

  12. Anna 8. Juli 2010 / 23:53

    Sieh einmal an (habe ich soeben aus deinem angeführten Text kopiert):

    „Sie meiden vielleicht erst Milchprodukte [!], dann Weizen und schließlich alles, was Spuren von Soja enthält.“

    Ein paar Zeilen später dann das:

    „Nach einem Tag mit Sojasprossen und selbstgebackenen Amaranth-Keksen fühlen sie sich körperlich und geistig rein.“

    Also, erst wird Soja bzw. sogar Spuren davon gemieden, DANN aber verhilft es angeblich zu gefühlter ganzheitlicher Reinheit, weshalb es auf einmal in Form von ganzen Sprossen gegessen wird?!! Hm… 😆

  13. Alexander Gottwald 20. September 2011 / 15:55

    Hola,
    ja, das ist auch wieder so eine gekaufte Aktion der Pharma-/Ärzte-/Nährmittelmafia … es darf einfach nicht sein, dass Menschen von anderen Menschen dazu inspiriert werden, sich gesund zu ernähren und dabei auch noch Lebensfreude, Unabhängigkeit und geistige Gesundheit zu erlangen! Puh, solche Leute sind gefährlich und müssen als psychisch krank stigmatisiert werden, wie das auch Mike Adams 2010 in einem Artikel thematisiert hat […]
    Der o.g. Test ist natürlich in vielfacher Hinsicht perfide… er erinnert mich von der inneren Logik her an diesen „Psycho“-Test, den Scientologen Passanten vor ihren Centern angeboten haben (keine Ahnung, ob die das noch tun?). Dieser Test war auch so konzipiert, dass egal wie Du antwortest, Du am Ende als gestört und behandlungsbedürftig da stehst …
    Aber das Schöne an Rohkost ist ja, das sie nicht nur den Körper reinigt und heilt, sondern dass sie eben auch den Geist und die Gefühle klärt, so dass wir diese dummen Tricks durchschauen und dahinter blicken …. ich habe hier z.B. in Bolivien den deutschen Arzt Prof. Dr. Karl Probst kennen gelernt, der seit über 30 Jahren Rohkost isst und dies auch kurativ bei Patienten mit großem Erfolg anwendet … dieser wird im Internet massiv verleumdet, als Scharlatan und Nazi dargestellt, was er nach meinen Begegnungen zu urteilen beides nicht ist … naja, dann wurde ich neulich abends hier in Bolivien eingeladen. Da war auch ein anderer Deutscher zu Gast, der von Karl ebenfalls gehört hatte und mich gleich ängstlich fragte, ob ich denn die schlimmen Dinge gelesen hätte, die da im Internet über ihn stünden. Ich antwortete: „Klar, habe ich.“ Worauf er meinte, dass er das ganz schön beängstigend fände, worauf ich erwiderte, dass das ja genau der Effekt ist, den die Schreiberlinge dieser Schmutzartikel beabsichtigen. Er solle ja gerade Angst bekommen und brav weiter sein Essen im Supermarkt und seine „Medikamente“ in der Apotheke kaufen … Daraufhin wechselte er schnell das Thema und den Gespächspartner *gg …
    Zum Schluß noch ein Zitat, das ich in dem Zusammenhang sehr passend finde: „Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein.“ Krishnamurti
    Also leben wir weiter unangepasst und entdevcken die Geschenke, die das Leben in der Fülle der göttlichen Schlpfung für uns bereit hält!

    Alles (IST) Liebe,

    Alexander Gottwald

    • OneBBO 20. September 2011 / 17:25

      Ich möchte es mir nicht so einfach machen, und alles auf die Industrie schieben. Es ist auch ein normal-menschliches Phänomen, dass wir uns erst einmal von allem distanzieren, was nicht bekannt ist. Vermutich sogar ein ursprünglich gesunder Instinkt. Es ist doch viel einfacher, Voll- und Rohköstler als Kranke zu sehen, statt an der eigenen Wahrnehmung zu arbeiten.

  14. Alexander Gottwald 20. September 2011 / 23:52

    Klar, da spielen viele Faktoren mit hinein … und natürlich wird ein von der Industrie von Geburt an auf toteund zugleich abhängig machende Nährmittel konditionierter Mensch seine Sucht nach diesen Substanzen dann auch als williger und sogar unbezahlter Apologet der Industrienahrung jederzeit streitbar verteidigen …

    • OneBBO 21. September 2011 / 06:20

      Dass Industrieprodukte in der Ernährung süchtig machen, ist keine Frage. Die Industrie insgesamt zu verteufeln halte ich für gefährlich, schwarz-weiß ma(h)len trifft ja die Wirklichkeit nie.

      Das birgt die Gefahr, dass man dem Einzelnen die Verantwortung nimmt.

      Warum zum Beispiel wollen sich auch Kranke nicht von einer gesunden Ernährung überzeugen lassen? Warum es nicht wenigstens einmal ein paar Wochen ausprobieren, sich vollwertig oder von mir aus auch rohköstlig zu ernähren? Es kostet nichts extra, es hat keine Nebenwirkungen.

      Der Grund liegt nicht in einer Abhängigkeit von Industrienahrung – ich habe ja jahrzehntelang auch nur Normalkost gegessen. Viele Kranke wollen ihre Krankheit behalten, vielleicht brauchen sie sie sogar. Was sie natürlich abstreiten werden, aber es ist so, ich beobachte es immer wieder. Krankheit hat für viele Menschen eine Funktion, das habe ich zu akzeptieren gelernt, ohne gleich die laienpsychologische Keule rauszuholen.

  15. Andreas 21. September 2011 / 08:25

    Es scheint mir so als wenn die Lebensmittelindustrie, Ärzte und Pharmaindustrie angst haben. Das amüsiert mich als das es mich entsetzt. Ärzte können alles in ein Krankheitsbild pressen und so den Anschein erwecken es sei eine Krankheit. Andersartigkeit wird in unserer Gesellschaft als Krankheit wahrgenommen und das hat System.
    Ich glaube aber auch, dass es wirklich Menschen gibt die sehr radikal anderen gegenüber reagieren. Die Freundschaften aufkündigen und ihre Mitmenschen Zwangsmissionieren. Ich glaube aber nicht, dass es sich bei den Menschen nicht nur auf die Ernährung beschränkt.
    Wir müssen bald damit rechnen, dass wir dieses öfter zu hören bekommen. Dies ging den Grünen in den 80er Jahren genauso. „Kranke Ökos“ wurden sie genannt und von ihrer Umwelt belächelt, aber dies hat sich auch geändert. Genauso wird es sich ändern, wenn die Volkskrankheiten irgendwann schon Babys betreffen. Auf dem richtigen Weg sind wir ja. Es sind schon Schlaganfälle und Herzinfarkte bei Kindern diagnostiziert wurden.

    • OneBBO 21. September 2011 / 08:30

      Die Grünen haben sich aber auch geändert! Nämlich ans System angepasst. Insoweit finde ich das Beispiel hier schwierig.

      Dann eine Frage, du schreibst:
      „Ich glaube aber nicht, dass es sich bei den Menschen nicht nur auf die Ernährung beschränkt.“
      Dass ist eine doppelte Verneinung, und würde daher dasselbe bedeuten wir:
      „Ich glaube, dass es sich bei den Menschen nur auf die Ernährung beschränkt“
      Kann es sein, dass du dich vertippt hast? Bin mir jetzt wirklich nicht sicher, was du meinst, will nicht lehrerhaft korrigieren 😛

      • Andreas 21. September 2011 / 22:29

        Ja oder das Bewusstsein des Systems hat sich geändert. Am besten passt, dass beide sich angepasst haben:-)

        Ja vertippt habe ich mich und es soll heißen:

        „Ich glaube aber nicht, dass es sich bei den Menschen nur auf die Ernährung beschränkt.“

        Das war die ursprüngliche Variante und nochmal drüber gelesen hat es sich irgendwie komisch angehört.

        • OneBBO 22. September 2011 / 07:07

          Bei dem Satz stimme ich dir vorbehaltlos zu. Danke für die Richtigstellung.

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