Wie weit sollte Hygiene gehen?

Kommentar vom 3. September 2009: Bin ich ein Schweinchen?

Als ich ein Kind war, da wurde wahrhaftig noch einmal in der Woche gebadet, die restliche Körperhygiene erfolgte „unter der Woche“ am Waschbecken. Deshalb genieße ich es heute sehr, dass ich jeden Tag „unter die Dusche springen kann“. Das geht schnell, wenn nötig Haare noch waschen. Mein Duschtuch wechsle ich einmal in der Woche. Was ich bis Montag noch für ein hygienisches Leben hielt.

Am Montag kam meine Putzhilfe aus dem Urlaub zurück. Wie war’s? Super, ihre Tochter war zwei Wochen da und da die beiden sehr einander hängen, hat sie es sehr genossen. „Tja“, eröffnete ich ihr dann, „jetzt haben Sie allerdings von mir hier Berge von Wäsche liegen“ (die sie faltet und in die Schränke räumt). Sie lachte, das machte ihr nichts. Sie hat ja in den letzten Wochen jeden Tag mindestens eine Maschine, wenn nicht gar zwei gefüllt und gewaschen. Ich guckte verduzt. Also ihre Tochter braucht zum Duschen drei Tücher: eins für die Haare, ein großes für den Körper und eins auf dem sie steht. Sie dusche manchmal zweimal am Tag, und jedes Mal nehme sie neue Tücher. Und ihr Freund auch.

Ich war platt, habe noch einmal nachgefragt. Doch, genauso sei das. Und bei sich selbst in der Wohnung mache die Tochter (Anfang 20) das auch.

Dann habe ich nochmal nachgedacht. Bin ich ein kleines Ferkelchen? Eigentlich finde ich das nicht 🙂 Denn wenn ich aus der Dusche steige, bin ich sauber. Warum soll ich dann das Handtuch nicht im Normalfall ein paar Tage benutzen, wie es ja auch schon in Hotels angeboten wird? Ich finde so etwas Verschwendung von Tüchern, Wasser und Haut – mehrmals am Tag duschen ist erwiesenermaßen nicht hautgesund. Und das alles mit Trinkwasser…. (Aber ich gehöre ja auch zu diesen altmodischen Menschen, die den Kühlschrank zwischen zwei Einräumvorgängen schließen.)

Dazu passt ein kleiner Artikel aus der Tageszeitung von heute: „Gebühren für Schulklos – An immer mehr Schulen in NRW müssen Gebühren bezahlt werden, damit die Schüler dort saubere Toiletten benutzen können…. An einigen Schulen entrichten die Schüler vor der Klo-Tür einen Obulus von bis zu 20 Cent.“ Toilettenhygiene gab es in meiner Kindheit allerdings noch umsonst 😉

17 Gedanken zu “Wie weit sollte Hygiene gehen?

  1. morro 3. September 2009 / 20:19

    Wenn du ein kleines Ferkelchen bist, dann bin ich wohl ’ne alte Drecksau *gg* 😉

  2. morro 3. September 2009 / 20:20

    Huch! Wir müssen ja aufpassen: Nicht dass uns noch die Schweinegrippe erwischt!! 😆

  3. onebbo 3. September 2009 / 20:27

    Oink oink…. 😉

  4. andrea 3. September 2009 / 22:04

    in der Beziehung eine kleine andere Sache-bei uns in GB werden, wenn du im Restaurant bist, die Tische gar nicht mehr normal „abgewischt“, mit Tuch und Spueli und so, sondern gleich mit irgendeinem Desinfektionsmittel abgesprueht, und das Zeug dann ueber den ganzen Tisch gewischt, und die Essensreste dann damit vom Tisch gewischt. Das haut mich um, denn erstens frage ich mich, was denn da fuer boese Keime auf dem Tisch sein koennten, wenn da Essen drauf war, das ist doch normal nicht kontaminiert. Dann kommt der naechste Kunde und legt seine Patschehaendchen auf den Tisch, und alles ist beim Alten. Was alles so in Bezug auf Hygiene passiert, finde ich schrecklich. Auch dieses taegliche Duschen, sogar zweimal, moeglichst lange, findet die Haut bestimmt ganz toll. Wird doch dann jeden Tag gleich zweimal der Schutz-und Fettfilm abgespuelt, und dann kann sie sich doppelt anstrengen, um den wieder herzustellen. Was der Ottonormalo doch alles normal findet…

  5. sternenfrau 3. September 2009 / 22:06

    Da fehlt der jungen Frau wohl das rechte Umweltbewußtsein… schade eigentlich. Samstag war bei uns immer Badetag, ansonsten auch Waschbecken mit Waschlappen und Seife und: warum auch nicht heute so? Oder zumindest jeden zweiten Tag. Das würde der Haut sicher gut tun und außerdem ne Menge Wasser sparen.
    Hinsichtlich Handtücher handhabe ich das auch so wie Du onebbo. Ist ja auch vernünftig so. Hmpf. Hätte nie gedacht, daß tatsächlich jeden Tag eine Maschine Wäsche waschen… krass… ;-(

  6. Petra 3. September 2009 / 22:27

    Ich dusche i. d. R. nur alle 2 Tage (oink, oink), an den anderen Tagen reichen mir das Waschbecken und der Waschlappen. Diese Angewohnheit, Handtücher nur einmal zu benutzen, kenne ich von den Kindern meines Freundes. Mir völlig schleierhaft, wie man als Mutter seinen Kindern soetwas sinnloses anerziehen kann. Als ob der „normale“ tägliche Wäscheanfall nicht völlig ausreicht, um ewig zuviel zu sein. Waschen, Aufhängen, Abnehmen, ggf. Bügeln, Zusammenlegen, Einsortieren … und so „Öko“ wäscht nicht mal der Lavamat, dass das nicht Unmengen von Wasser verbraucht.

    Wir waren zuhause drei Töchter und die Eltern in einem „übersichtlichen“ Badezimmer. Jeder hatte 2 Handtücher, eines für oben, eines für unten. Die reichten für eine Woche. Für’s Trocknen musste umschichtig gehängt werden, da nicht alle 10 (!) Handtücher Platz auf Stangen hatten. Finde ich heute noch sinnvoll. Allerdings gönne ich mir den „Luxus“ eines zusätzlichen Handtuches fürs Händewaschen.

    Grüße aus der Suhle!

  7. onebbo 4. September 2009 / 06:26

    Wenn ich mir die Kommentare hier so durchlese, bekomme ich das Gefühl, dass es bald eine neue Krankheit geben wird. Diagnostiziert zum ersten Mal von einem Arzt, der diesen Blog las und spontan sagte:

    Das sind ja alles Oinkoretikerinnen!

    🙂

  8. Sandra 4. September 2009 / 08:42

    Ach herrje…

    Ich kenne sogar noch Zeiten (dabei bin ich erst 28), wo „wir Kinder“ doch tatsächlich ins selbe Badewasser gesetzt wurden, in dem vorher Vater oder Mutter gesessen hatten…

    Wie wir das nur überlebt haben… ;o)

    • onebbo 4. September 2009 / 08:43

      Unglaublich (das Überleben). Und dann noch so fröhlich und munter – das muss ein fieser Virus sein 😉

  9. mialieh 4. September 2009 / 08:55

    also ich glaube, das ist auch so eine Modeerscheinung. Meine große Tochter fing auch damit an, jeden Tag ihr benutztes Handtuch einfach auf den Boden zu werfen. Ganz wie im Hotel. Bis ich voll ausgeflippt bin. Ich sage meinen Kindern auch immer, dass man ein Duschtuch richtig aufhängen muss und es dann auch zwei, drei, vier Mal benutzen kann. Aber die jungen Mädels neigen eben auch dazu, viel nachzuplappern und zu -ahmen, was sie so im Werbefernsehen oder in Schrottsendern sehen. Und ein hingehauchtes „Hach, ohne meine tägliche Dusche bin ich nur ein halber Mensch“ wird dann gerne mal imitiert. Ich versuche dann immer mal gegenzusteuern und auf Umweltschutz hinzuweisen. Ich selbst, dusche, wenn ich mich danach fühle: im Sommer öfter, im Winter seltener, nach dem Sport immer und manchmal genieße ich auch ein gemütliches Bad… bei uns gibt es ein großes und ein kleines Handtuch pro Woche …

    • onebbo 4. September 2009 / 09:07

      Das erinnert mich an meinen Ägyptenaufenthalt vor vielen Jahren. Ich besuchte dort einen Freund, der ein Stipendium hatte, und dementsprechend auch viel Kontakt mit „normalen“ Menschen. Am Wochenende waren wir aufs Land eingeladen. Die Leute dort waren supernett – aber eine Dusche gab’s nicht. Auch kein Waschbecken. Eine Übernachtung war das. Nach unserer Rückkehr in Kairo war ich dann bei einer deutschen Familie zu Gast, der Mann hatte dort ein Jahr Arbeit als Ingenieur glaube ich. Als ich von diesem Wochenende erzählte schrie die Frau auf „Also NEINNNNNNNNNNNNNNN, das könnte ich nicht, ohne Dusche!“ Ich dachte mir dann so meinen Teil, was wir Menschen durchaus alles können – wenn wir müssen. Und da gibt es auch Schlimmeres, als sich mal einen Tag weder zu duschen noch zu waschen.

  10. Carmen 4. September 2009 / 08:55

    Den Gedanken, bei jedem Duschen ein neues Handtuch zu nehmen, finde ich genauso krank, wie das Argument einer Freundin zum Thema Bio-Gemüse. Sie kauft nämlich kein Bio-Gemüse, weil es immer so schmutzig ist und sie oftmals kleine Tierchen darin findet… Auf meine Frage, ob sie schon einmal überlegt habe, warum die kleinen Tierchen nur im Bio-Gemüse sitzen und ob das nicht doch im Zusammenhang mit den nicht vorhandenen Schadstoffen stehen könnte, sagte sie tatsächlich, dass ihr das egal sei.
    Jedenfalls würde ich in meinem 6-Personen-Haushalt mit vier Kindern (Jugendlichen) in Wäsche ersticken, müsste vermutlich aufhören zu arbeiten und geschätzte 100 m Wäscheleine zusätzlich anbringen…
    Da bleibe ich doch lieber ein Schweinchen!

    • onebbo 4. September 2009 / 09:12

      Ich gebe zu, Tierchen im Gemüse mag ich auch nicht – aber einmal den Bioladen drauf hingewiesen, finde ich auch so gut wie nix mehr. Das kann man ja auch aussuchen 😉

      Zum Gemüse habe ich auch noch ne passende Geschichte: Als ich mal nichtvollwertige Freunde besuchte, die auf meine fleischlose Ernährung Rücksicht nehmen wollten, gab es einen afrikanischen Möhren-Weißkohleintopf. Ich saß in der Küche dabei (die beiden kochen übrigens sehr lecker) und schaute noch kommentarlos zu, wie die blitzeblanken Möhren erst gewaschen und dann geschält wurden. Als aber dann auch noch der arme Weißkohl von innen (!!!) gewaschen wurde, konnte ich mir ein kleines „Ähäm“ nicht verkneifen.
      Ebenso habe ich keinen Ton dazu verloren, als ich mal woanders zu einem Spargelessen eingeladen war und der geschälte Spargel dann insgesamt in Wasser aufbewahrt wurde bis zum Kochen – natürlich in neuem Wasser.
      Schade, jetzt habe ich schon Pulver für einen neuen Blogbeitrag verschossen 😉

  11. mialieh 4. September 2009 / 09:27

    Zwar steht ja fest, dass die Säuglingssterblichkeit und allgemeine Gesundheit sich seit der gesteigerten hygiene verbessert haben, aber ich habe auch mal gelesen, dass das Allergierisiko gestiegen ist. Manche Leute hier im Osten erzählen sogar, dass sie sich nicht erinnern können, dass mal jemand Allergien hatte, als sie Kind waren, außer so ein ganz paar. Heute haben doch alle (mich eingeschlossen) zahllose Allergien, weil sich kein Körper mehr an die normalen Keime gewöhnt – die Ernährung tut ihr übriges dazu… wir können einen Club gründen: Werdet dreckiger, esst gesünder! hihi

    • onebbo 4. September 2009 / 09:32

      Das mit den Allergien stimmt. Es ist schwierig – offenbar – den Mittelweg zu finden zwischen mangelnder Hygiene und Sagrotan-Sauberkeit. Der vielgepriesene medizinische Fortschritt bei der Seuchenbekämpfung ist, so habe ich mehrfach gelesen, nicht so sehr eine medizinische Errungenschaft sondern eine Folge verbesserter Hygiene. Also eben nicht die Toilette direkt neben der Küche. Keine Schaben in den Schränken. Keine Kloake neben dem Krankenbett.

  12. morro 4. September 2009 / 11:54

    In Bezug auf die Steigerungsrate der Allergien und weiterer klassischer Zivilisationskrankheiten in der ehemaligen DDR habe ich mal gelesen, dass dies auf den Umstand zurückzuführen sei, dass eben vor der Wiedervereinigung das Warenangebot noch ganz anders aussah. Es gab zu dieser Zeit noch nicht all die stark denaturierten Fabriknarungsmittel aus dem „Westen“ zu kaufen. Naturbelassene und regionale Lebensmittel machten da angeblich noch den Hauptteil der Ernährung aus. Erst mit der Wiedervereinigung fanden die Industrieprodukte massig Einzug in die Regale und feierten ihren Einzug in die privaten Haushalte…

    Das ist jetzt gut 20 Jahre her – also genügend Zeit, damit sich diverse Zivilisationskrankheiten bzw. Stoffwechselstörungen voll entwickeln können. Daher also die auffällige Zunahme der Allergien im Gegensatz zu früher. Das muss also nicht zwingend etwas mit veränderten Gewohnheiten in Sachen Hygiene zusammenhängen. Was m.E. wohl eher einen hilflosen Erklärungsversuch der Ärzteschaft darstellt, da sie ja die eigentlichen Ursachen dieser Erkrankungen meist nicht kennen.

    • onebbo 4. September 2009 / 12:13

      Ich denke, da lässt sich überhaupt nicht nur EIN Faktor herausfinden. Als ich noch weit vor dem Ende des Regimes mehrmals in Dresden zu Besuch war, da war also von naturbelassenen Lebensmitteln keine Rede. Ich erinnere mich da ein ein Glas (gekaufte) eingemachte Himbeeren, das war so süß, dass ich es unangenehm fand. Und das war keine Natursüße. Also Zucker und Weißmehl gab’s da auch endlos. Vielleicht gab’s weniger Fleisch, weiß ich nicht so genau.

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