So bleiben wir jung, oder?

Kommentar vom 4. März 2010: „10 Tipps, die uns jünger machen“

Diese tollen Tipps – deren Krönung übrigens die jungmachende Ernährung ist, aber bitte, schön alles der Reihe nach – stammen aus der HörZu Nr. 7 aus diesem Jahr. Und schon geht’s los:

1. Der richtige Sonnenschutz verhindert Falten
Stimmt, wenn ich jemanden sehe, der wettergegerbt aus dem nächsten Sonnenstudio kommt, finde ich das unschön. Wer sich aber nicht gelangweilt  am Strand zu viel Sonne zuzieht, sondern z.B. in der Sonne arbeitet, sieht nach Arbeit im Freien aus. Macht das alt? Sehen alle Naturvölker alt aus, weil sie keine Sonnenschutzcremes benutzen?

2. Gelassenheit wirkt wie ein Jungbrunnen.
Gelassenheit macht jeden Menschen schöner, setze ich dagegen.

3. Konsequente Pflege ist das A und O jugendlicher Austrahlung
Dann folgen natürlich die ganzen Tinktürchen, die wir benutzen müssen. Jede Haut altert übrigens, und der Nutzen dieser Mittel ist allenfalls für die Hersteller groß. Eine gute Pflege des Körpers durch die richtige Ernährung und richtige Pflege (dazu empfehle ich das Buch „Alles klar mit Haut und Haar“ von Susanne Kehrbusch, das ich bei Gelegenheit vorstellen werde) lässt GESUND aussehen – in jedem Alter.

4. Make-up Tricks können etliche Jahre wegzaubern.
Wie grauenhaft! Jetzt stell dir vor -es geht hier übrigens interessanteweise immer nur um Frauen!, du lernst einen netten Mann kennen, der auf dein jugendliches Aussehen abfährt. Und stell dir weiter vor, Ihr kommt euch näher…. was ist denn dann am nächsten Morgen? Papiertüte übers Gesicht, bis du im Badezimmer bist?

5. Ausreichend Schlaf verjüngt über Nacht
Zu wenig Schlaf lässt alt und krank aussehen. Das heißt, ausreichend Schlaf ist auch für jeden für ein gutes Aussehen wichtig. „Verjüngen“ tut gar nichts – nur die Optik ändert sich.

6. bis 10. Energiezufuhr ist das Zauberwort für schönes Haare, Schonwaschgang, der perfekte Schnitt lässt Jahre verschwinden, Aufpolieren (wieder Shampoos) und ein Hauch von Farbe
Strähnchen gestalten den Übergang zwischen zu großem Kontrast von Haar- und Gesichtsfarbe weicher? ich HASSE Strähnchen 😆 . Auch hier geht es natürlich um Produkte, räusper. Eine Rohköstlerin, mit der ich regelmäßig-unregelmäßig in Kontakt stehe, schrieb mir letztlich, dass ihre erwachsenen Kinder sie um ihre wunderschönen Haare beneiden. Kommentar erübrigt sich 🙂 Auch Jugendlichen ist geraten, ihre Haare zu pflegen (womit ich nicht die Produkte wie Shampoos etc. meine). Noch ein Tipp zum Schnitt „Abzuraten ist von straffen Pferdeschwänzen sowie von Wellen oder Locken, die ‚gelegt‘ aussehen“. Warum eigentlich? Warum ist ausgerechnet ein straffer Pferdeschwanz im Alter nicht angebracht? Was für ein ausgekochter Blödsinn…

Von 10 Tipps zum jugendlichen Aussehen handeln fünf, also die Hälfte, von der Haarpflege. Nichts von geistiger oder körperlicher Beweglichkeit. So so.  Bei keinem einzigen Tipp werden Männer angesprochen. Aha. Aber nun endlich zur Ernährung:

So essen Sie sich jung

  • Rind und Lammfleisch enthalten Eisen und Zink, die nachweislich (ach ja?) die Zellfunktion anregen. […] Tipp: zweimal pro Woche auf den Speiseplan.
  • Nüsse – drei bis vier Paranüsse am Tag reichen aus.
  • Beeren (wegen des Vitamin C Gehalts): ein Glas Saft pro Tag.
  • Bitterschokolade mit 70 Prozent Kakao …. strafft das Gewebe. Nee klar. Deswegen sehen Leute, die regelmäßig Schokolade essen, auch immer so urgesund aus.
  • Soja strotz nur so vor Eisen, Magnesium …. und auch vor Genprodukten, aber das ist ja bei den alten Menschen eh egal, oder?
  • Lein- und Rapsöl – ein bis zwei Esslöffel Öl pro Tag sowie 2 Portionen fetten Fisch pro Woche (damit sind wir bei mindestens 4 x Tierfleisch pro Woche!)
  • Hülsenfrüchte: Oh eine Gemeinsamkeit
  • Und noch ein Zusatztipp: Käse und Milchprodukte sind gut zur Bildung neuer Hautzellen.

Ein Wunder, dass Kinder mir noch nicht auf der Straße ihre Hilfe beim Taschetragen anbieten, wo ich doch angesichts meiner falschen Lebensweise und Ernährung aussehen müsste, wie eine hinfällige Greisin.

Fazit: Mal wieder unsinnige bis gesundheitsgefährdende Tipps. Wer einmal z.B. Frau Richter in Lahnstein erlebt hat oder den Film mit Dr. Bruker gesehen hat, weiß, was eine vollwertige Ernährung für jede Altersklasse tun kann. Auch Waltraud Becker gibt noch schwungvolle Kurse. Und es gibt jede Menge Beispiele mehr. Wie passt denn das?

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9 Gedanken zu “So bleiben wir jung, oder?

  1. mialieh 4. März 2010 / 21:00

    mich hat gewundert, dass nirgends osteoporose erwähnt ist…
    sport fehlt tatsächlich
    bei 4. dachte ich: wieso papiertüte: plastiktüte ist doch besser, das konserviert wenigstens!

  2. onebbo 4. März 2010 / 21:02

    Erstickungsgefahr droht bei der Plastiktüte

  3. mialieh 4. März 2010 / 21:10

    Man muss Opfer bringen!

  4. Anna 5. März 2010 / 09:04

    Ich persönlich finde Falten, vom rein ästhetischen Standpunkt aus betrachtet, alles andere als schön, egal, ob bei Frauen oder Männern (wobei ich als Frau bei Männern natürlich genauer hinsehe. 🙂 )
    ABER was mich schon immer wirklich störte, war die Anmaßung der Allgemeinheit (überwiegend Männer?) dass Frauen mit Falten unattraktiv werden, während, sie – die Männer – dadurch Reife und dergleichen ausstrahlen. So ein Blödsinn! Geist zeugt von Reife, nicht die Falten! 😉

    Ganz nüchtern betrachtet, sind Falten nichts anderes als ein Zeichen physischen Verfalls. Und dem sind wir alle ausgesetzt durch das Gesetz der Natur.
    Operationen und Spritzen und das ganze andere Instrumentarium halte ich allerdings für nichts weiter als Zeichen subjektiver Verzweiflung. Es ist nichts anderes als eine Sisyphos-Handlung, weil trotz dieser Maßnahmen die Zeit obsiegt.

    Bei den Tipps vermisse ich übrigens: nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, keinen Kaffee konsumieren usw.

  5. onebbo 5. März 2010 / 09:43

    Ein junges Mädchen ohne Falten mag „pretty“ sein, aber Schönheit bedeutet eben mehr als eine glatte Oberfläche. Womit ich gar nicht mal den Begriff „innere Schönheit“ meine. Ein Mensch, der mit 50 noch keine einzige Falte hat, ist unnatürlich und somit auch unschön.

    Wenn ich mal versuche, alle medien- und kulturgeprägten Voreinstellungen beiseite zu lassen, komme ich zu dem Schluss: Natur ist Schönheit. Ein Rotkehlchen ist atemberaubend schön. Ein Mensch, der im Einklang mit der Natur lebt (womit ich nicht meine, das dies außerhalb jeglicher Zivilisation sein muss), ist schön. Wir bekommen heute fast nur alte Menschen zu sehen, die unter dem schädlichen Einfluss der Zivilisationskost gealtert sind. Dass wir dann von Verfall sprechen, auch noch geprägt von besagtem Jugendlichkeitswahn, liegt nicht an den Falten.

    Die Tipps, die du vermisst: Völlig korrekt. Diese Dinge hätten an erster Stelle stehen müssen.

  6. Anna 5. März 2010 / 10:03

    Mir gefällt die Kombination ’schöner Geist in schöner Hülle‘ am besten. Und Falten finde ich nun einmal nicht schön, egal, in welchem Alter.
    Aber man sollte sich damit arrangieren können, dass man früher oder später eben welche bekommt bzw. hat.

  7. onebbo 5. März 2010 / 10:17

    Jeder hat eigene Schönheitsvorstellungen. Das ist auch gut so. Stell dir nur vor, jeder hätte wirklich denselben Geschmack…. gruselig 😉

    „Sich mit etwas arrangieren“ klingt für mich nach Resignation. Das erinnert mich an einen Satz, den ich häufig von meiner Mutter gehört habe „Daran kann man nichts ändern…“ und dann kam ein resignierendes Schulterzucken.

    Natürlich gibt es Dinge, die ich nicht ändern kann. Ich kann aber meine Einstellung dazu ändern. Und das ist fast O-Ton Bruker in Zusammenhang mit lebensbedingten Krankheiten.

    Eine Falte an sich ist doch weder schön noch unschön – es ist ein Wort für eine Hautverformung, die du auch an Babys und vielen Tieren beobachten kannst.

  8. mialieh 5. März 2010 / 10:33

    Ich finde Lachfalten schön. Ich denke auch man wird überkritisch. Wenn ich mich angucke, dann habe ich über der Stirn eine Denkfalte. Davon war ich am Anfang befremdet. Aber sie gehört zu mir. Und sie macht mich doch nicht hässlich. Am Mund habe ich ein Grübchen, das ist jetzt ein bisschen tiefer als vor ein paar Jahren. Das ist doch nett.

    Wichtig ist, dass man entspannt bleibt. Wenn man aufhört, sich entspannt zu seinem Körper zu verhalten, dann bekommt man ein hässliches Gesicht: Botox hin oder her. Will ich ein maskenhafter Abklatsch von einem Magazin sein oder will ich ich sein?

  9. onebbo 5. März 2010 / 10:44

    Es ist auch immer schwierig, EIN einziges Merkmal zu bewerten. Wenn wir mal den kritischen Begriff „schön“ beseite lassen, so kennt doch jeder – denke ich – Fälle, dass wir einige Menschen als gutaussehend empfinden, die durchaus kleine „Eigenheiten“ haben, die wir einzeln diskutiert nicht unter „gutaussehend“ einsortieren würden. Im Gesamtbild passen sie aber und stören nicht, würden sogar fehlen, wären sie nicht vorhanden.

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