Schokolade schadet nicht, im Gegenteil!

Kommentar vom 2. April 2010: „Schokolade“

Zu Ostern gibt’s Ostereier, das ist so richtig was für Vollwertler: Hühnereier und Schokoladeneier. Zur Schokolade gibt es zurzeit wieder eine große Kampagne, wie gesund sie ist. Natürlich in Maßen genossen…. Da beziehe ich mich einmal auf einen kleinen Artikel in der Tageszeitung vom 30. März, Überschrift „Schokolade löst keine Migräne aus„. Eine Studie (was sonst) hat herausgefunden, dass die Migränepatienten selbst häufig Nahrungsmittel als Auslöser überschätzen. Das ist schon einmal immer gut, wenn bewiesen werden kann, dass Patienten gar nichts wissen über sich selbst. Nicht, was sie krank macht, und wer kennt nicht den Satz „Das kann nicht weh tun“?

Wir erfahren auch ein ganz klein bisschen darüber, wie die Studie durchgeführt wurde: Es gab nämlich zwei Gruppen von Patienten, „Beide Gruppen bekamen in einer Blindverkostung einmal Schokolade und einmal einen Ersatzstoff.  Zwischen den Gruppen wurden keine Unterschiede festgestellt – die Migräneattacken traten ähnlich häufig auf.“

Das finde ich ja echt köstlich, nein nicht die Schokolade. Sondern: Was für ein Ersatzstoff wurde den Teilnehmern denn gegeben? Etwas, das aussieht und schmeckt wie Schokolade, aber keine Schokolade ist, müsste das sein. Sonst wäre es keine Blindverkostung. Blind in Studien bedeutet nämlich nichts anderes, als dass niemand weiß, was echt ist und was nicht echt.

Und hier ist für mich der Knüller. Ohne zu wissen, was dieser geheimnisvolle Ersatzstoff ist, kann ich doch gar keine Schlüsse ziehen. Ein Placebo unterscheidet sich normalerweise vom echten Medikament dadurch, dass es alle Bestandteile des Medikaments enthält außer dem Wirkstoff. Das heißt, ein Schokoladenersatzstoff müsste alles enthalten, was eine normale Schokolade enthält, außerdem dem Schokoladenwirkstoff. Ja, und was ist das bitte schön? Was ist der Wirkstoff in Schokolade: der Kakao, der Zucker, die Emulgatoren, die Trockenmilch, der Soyabestandteil? Wäre es Kakao, hätte die Studie herausfinden müssen, dass Kakao keine Migräne verursacht. Es wird aber eindeutig von Schokolade gesprochen. Was wurde zum Süßen des Ersatzstoffes genommen? Süßstoff? Zucker?

Ich bin fassungslos bei so viel Unwissenschaftlichkeit, die hier einmal wieder mehr unkritisch vorgestellt wird.

Das zweite Beispiel schickte mir eine Blogleserin als Link: Schokolink. Hier werden wir gleich beeindruckt: „Ernährungswissenschaftler [beobachteten] über eine Dauer von mindestens zehn Jahren die Lebensweise und Gesundheit von mehr als 19.300 Erwachsenen zwischen 35 und 65 Jahren. Diejenigen, die am meisten Schokolade aßen (im Schnitt 7,5 Gramm pro Tag), hatten einen niedrigeren Blutdruck und ein um 39 Prozent vermindertes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden als diejenigen, die mit durchschnittlich 1,7 Gramm pro Tag am wenigsten Schokolade aßen“. Ich meine: zehn Jahre lang beobachten und dann soooo viele Erwachsene, das muss doch wissenschaftlich sein, oder? Mir fällt nur auf, dass überhaupt keine Gruppe gar keine Schokolade gegessen hat. Gibt es die Menschen nicht? Ebenso fällt mir auf, dass wir ansonsten auch nichts über diese Menschen erfahren. Wie wurde sichergestellt, dass es sich hier nicht um einen zufälligen Zusammenhang handelt? Haben diese Menschen wirklich diese ganzen zehn Jahre lang immer gleichmäßig Schokolade verzehrt? War das bei allen Altersgruppen gleich? Auch wieder lauter Fragen (deren Reihe ich fortsetzen könnte), ohne deren Beantwortung das Ergebnis doch mehr als fragwürdig ist.

Ach ja… wer hat eigentlich diese beiden Studien finanziert? Würde mich ja mal interessieren.

7 Gedanken zu “Schokolade schadet nicht, im Gegenteil!

    • onebbo 2. April 2010 / 18:01

      Och, das mit dem Carob ist ja niedlich 🙂 Von Emulgatoren oder Zucker bekommt man natürlich keine Migräne….

  1. Ines 2. April 2010 / 20:59

    Wahrscheinlich haben sie nur ‚vergessen‘ zu erwähnen, dass die Viel-Schoki-Esser auch immer ein Glas Rotwein zur Schoki getrunken haben.
    Denn genau die gleichen positiven Wirkungen haben die Wissenschaftler doch auch schon für den Rotwein nachgewiesen! *gg*

    Und natürlich ernähren sich diese Menschen ausschließlich davon! 😉

    • onebbo 2. April 2010 / 21:08

      Vergisst du da nicht den Kaffee und seine segensreichen Wirkungen? Das wird doch jetzt auch immer betont :mrgreen:

    • onebbo 3. April 2010 / 16:42

      Hmmm, das Schokoladenmuseum hat einen Link zu meinem Blogbeitrag gesetzt. Ob die den vorher gelesen haben? Das bezweifle ich doch 🙂

      • Anna 3. April 2010 / 16:50

        Das frage ich mich auch. 😉

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