Was sollen Senioren denn essen?

Kommentar vom 24. April 2010: „Gesundes Essen für Senioren“

Im neusten Seniorenratgeber findet sich in der Rubrik „Essen & Trinken“ ein Artikel mit der Überschrift „Bewusst genießen“. Daneben ein Foto einer 70-jährigen Dame mit einem Ferkel im Arm, vor einem Schweinekoben. Und sie sagt „Ich kaufe nur Fleisch von glücklichen Tieren“. Ich finde das pervers. Ich kann verstehen, dass Leute Fleisch essen, wenn sie nicht wissen, dass ein Tier dahinter steckt. Das macht man sich ja heute nicht unbedingt klar, wenn so ein Lappen Steak vor einem liegt. Wie man aber diesen Spruch tun kann, während man ein niedliches Ferkel im Arm hält, finde ich … bemerkenswert.

Auch der Untertitel ist schön: „FLEISCH: In Steak, Salami und Gulasch steckt viel Gutes – aber auch Ungesundes. […]“ Ach ja? Was ist denn gesund an Steak, Salami und Gulasch? Frau Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, die geben ja ständig solche Klopper von sich) betont: „Es liefert viele Vitamine, vor allem B-Vitamine“. Ach ja? In anderen Lebensmitteln gibt es keine B-Vitamine? Und ist es nicht so, dass erst der Verzehr von Fleisch dazu führt, dass der Körper diesen überhöhten Bedarf an bestimmten B-Vitaminen hat? Aber davon weiß Antje Gahl nichts. Fleisch enthält eine Menge Mineralstoffe, für Eisen etwa ist es der Hauptlieferant. Das mag ja sein, nur kleine Zwischenfrage: Brauchen wir denn so viel Eisen, dass nur über Fleisch der Körper damit versorgt werden kann? (Natürlich nicht, sonst wären Vegetarier nicht gesünder als Fleischesser, was selbst in der Wissenschaft mittlerweile, wenn auch ungerne, zugegeben wird.) Gerade über 70-Jährige sollten tierisches Lebensmittel als Eiweißquelle nehmen. Warum das? Antje Gahl weiß es: „Im Alter kann es durch Abbau von Muskelmasse zu einem Verlust von körpereigenem Eiweiß kommen [….] Fleisch kann den Mangel ausgleichen, es enthält wichtige Eiweißbausteine.“

Das hat die gute Antje sehr geschickt formuliert. Körpereigenes Eiweiß klingt schon so… fleischig. Da ist der Gedankengang doch „logisch“, dass dann das Körpereiweiß auch nur durch Fleischeiweiß ersetzt werden kann. Es wird einmal gerade wieder so getan, als sei eine Ernährung ohne Fleisch minderwertig. Dabei haben Bruker und neuerdings Campbell eindeutig nachgewiesen, dass tierisches Eiweiß – also nicht nur Fleisch – unserer Gesundheit unzuträglich ist. Egal, ob es von glücklich lächelnden oder unglücklichen Tieren kommt. Übrigens bin ich sicher, dass auch das kleine Ferkel, das Ingrid Käpernick (die 70-jährige im Foto) auch nicht mehr glücklich guckt, wenn es an einem Haken hängt und ausblutet.

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6 Gedanken zu “Was sollen Senioren denn essen?

  1. tempeh-reiter 24. April 2010 / 18:16

    „Was ist denn gesund an Steak, Salami und Gulasch?“ das ist doch ganz klar:
    Medikamentenrückstände!

    Es müsste einmal untersucht werden, wieviel Geld Rentner mit dem Verzehr von Fleisch an Medikamenten einsparen können. 🙂

    • onebbo 25. April 2010 / 08:43

      Welche kreativer Gedankengang, das da bisher noch niemand drauf gekommen ist. Solltest du mal bei den Krankenkassen mit vorstellig werden 😯

  2. Anna 24. April 2010 / 21:49

    „Übrigens bin ich sicher, dass auch das kleine Ferkel, das Ingrid Käpernick (die 70-jährige im Foto) auch nicht mehr glücklich guckt, wenn es an einem Haken hängt und ausblutet.“

    Viele Menschen verdrängen aber das Leid, das sie durch den Konsum von Fleisch produzieren. Sie wollen sich schließlich als gute, tugendhafte, verantwortungsbewusste, ehrenwerte etc. Menschen sehen – auch wenn sie es nicht sind und nie sein werden, solange sie dieses Leid produzieren bzw. fördern.

    • onebbo 25. April 2010 / 08:45

      Das Verdrängen verstehe ich bei Menschen, die nur ihr Leben lang die Fleischstücke gesehen haben. Ich kann auch noch nachvollziehen, dass jemand nur in der Theorie von Fleisch von glücklichen Tieren spricht. So sind wir doch meist erzogen worden. Dass der Gedankensprung aber vom Ferkel im Arm zu dem Fleisch auf dem Teller so ohne Bedenken ausgeführt hat, verwundert mich sehr.

  3. mialieh 24. April 2010 / 22:09

    Der Satz müsste eigentlich enden: „von ehemals glücklichen Tieren.“ Denn wenn man sie isst, sind sie ja meistens tot. Ich frage mich auch: wie kann man das Lebensflück eines Tieres eruieren.

    Auf deine Frage, was Senioren essen sollen, gibt es eine einfache Antwort. Seniorenteller. Am Besten auch, sie bringen sich gleich den Pürierstab mit ins Restaurant und machen sich sowieso alles Essen nett klein, denn nicht nur die Zähne, auch die Kaumuskeln leiden doch unter allzu starker Beanspruchung. Wissenschaftliche Untersuchungen haben das ergeben!

    • onebbo 25. April 2010 / 08:45

      Danke für die wissenschaftlichen Seniorenteller. Wie recht du hast 👿

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