Mitleid? Mal schauen…

Kommentar vom 8. Mai 2010: „Mitleid ohne Mitleid“

Am vergangenen Wochenende telefonierte ich mit einer Freundin, die einen starren Blick bekommt. Mit starrem Blick meine ich folgendes: Sie leidet seit vielen Jahren an schwerem Asthma. Wir hatten viele Jahre keinen Kontakt, als ich sie zum letzten Mal in den 70er Jahren gesehen hatte, litt sie noch nicht darunter. Wie üblich habe ich dann nach unserer erneuten Kontaktaufnahme auch etwas über tiereiweißfreie Vollwertkost berichtet. Nicht zu viel, nicht zu engagiert, das stößt ab, ich weiß. Dennoch bekommt sie schon diesen starren Blick und diesen Stock ins Kreuz, wenn ich nur „Ernährung“ sage. Also sprüht sie weiter ihr Spray in hoher Dosis, bevor sie zu Bett geht. Bitte schön. Ich habe ihr bzw. ihrer Familie vor drei Jahren das Buch „Unsere Nahrung, unser Schicksal“ geschenkt. Haben sie es gelesen? Nein, haben sie nicht.

Letzten Sonntag rief ich an. „Wie geht’s dir?“, fragte ich. Nun, es geht S. nicht so besonders. Schmerzen in den Fingern, die Knochen werden krumm. Sie war bei einer Ärztin, die festgestellt hatte, dass sie – „wie heißt das noch, nee nicht Osteoporose, nicht Rheuma, ach ja, Arthrose“ habe. Da könne man nichts machen, habe die Ärztin ihr gesagt und Brennesseltabletten verschrieben. Wobei man da ja noch jauchzen kann, dass die Ärztin meine Freundin hat so billig davonkommen lassen. Trotzdem machte mich das doch böse. Und so sagte ich ihr:

„Pass bitte einmal gut auf. Ich sage dir das Folgende genau einmal und dann werde ich das nie wieder ansprechen: Es ist nicht wahr, dass du bei Arthrose nichts machen kannst. Du weißt vermutlich schon, was ich jetzt sagen werde, aber ich sage es dir noch einmal: Auch hier kannst du mit Ernährung etwas bewirken. Ich kenne Leute, die eigentlich heute schon im Rollstuhl säßen, wenn sie ihre Ernährung nicht umgestellt hätten. Ich weiß, ich höre es schon daran, wie du nicht reagierst, dass du es nicht versuchen willst, nicht einmal 4 Wochen? Weil die Vollwerternährung so gefährlich ist, weil du ja gesund werden könntest? Gut, dann brauchst du deine Krankheit und möchtest krank bleiben. Aber erwarte von mir kein Mitleid mehr, erzähle mir nichts mehr darüber, dass es dir schlecht geht, jammer nicht bei mir!.“

Sie sagte nur „Nein, ich werde nichts mehr dazu sagen.“ Und damit gingen wir zu anderen Themen über. Ich meine das übrigens ernst. Ich ärgere mich, dass ich horrende Summen in meine Krankenkasse einzahle, weil die Menschen keine Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen wollen, aber dagegen kann ich mich nicht wehren, außer selbst die geringstmögliche Versorgung zu beanspruchen. In meinem kleinen eigenen Umfeld kann ich mich dagegen zur Wehr setzen. Ich bin es einfach Leid, die große Schulter zu haben für alle die, die so gerne krank sind. Ja, ich akzeptiere es, dass sie krank sein wollen. Das habe ich mehrmals schon gesagt und das meine ich auch. Das heißt aber nicht, dass mich auch nur das kleinste Mitleid ergreift, wenn Menschen, die es aus meinem Umfeld ja besser wissen könnten, einfach nicht auf sich nehmen wollen, gesund zu sein. Das ist ihre Sache. Aber eben IHRE Sache, und nicht meine. Klagen über Asthma, Heuschnupfen, Gelenkerkrankungen, Alterserscheinungen (haha) – ich höre sie mir an. Die Kranken tun mir auch Leid. Sie tun mir aber nicht Leid, weil sie krank sind, sondern weil sie so gerne krank bleiben möchten.

Meine Freundin S. behauptet übrigens von mir, wie das einige Menschen tun, ich sei „stur“ und „dickköpfig“. Ich finde ihr Bestreben und das vieler anderer Menschen, die sich für flexibel und im Vergleich zu mir für überhaupt nicht dickköpfig halten, sich aber an ihre Krankheit klammern als sei es ein Rettungsring, eine Sturheit, die ihresgleichen sucht.

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10 Gedanken zu “Mitleid? Mal schauen…

  1. morro 8. Mai 2010 / 21:22

    Sehr treffend! Seh ich auch so. *gg*

  2. Ines 9. Mai 2010 / 13:03

    ‚Ach Ute, was weisst DU denn schon?
    DU hast ja kein Asthma, keine Arthrose, kein …!
    Sonst wüsstest du, dass das ja doch nichts hilft!‘ 😉

    Mitgefühl JA – Mitleid NEIN!
    Leiden dürfen sie meiner Meinung nach gerne allein unter ihrer Sturheit und ihrer Feigheit. Denn darum handelt es sich häufig, wenn man sich die psychologischen Hintergründe einer Krankheit mal ansieht.

    Krankheit ist dann tatsächlich ein Rettungsring, auf dem groß aufgemalt ist: „Ich will doch so gerne, aber ich kann ja nicht!“

    Aber auch davon hast DU, liebe Ute, natürlich keine Ahnung!
    Und ICH natürlich auch nicht!
    WIR haben ja keinen Rettungsring (mehr), sonst wüssten wir ja, dass das nicht stimmt 😉

    Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!

    • onebbo 9. Mai 2010 / 13:16

      Ich habe Gallensteine, aber das ist natürlich nicht so schlimm wie Asthma oder Arthrose 😉
      Bei allem bemühe ich mich immer, auch das Krankseinwollen zu akzeptieren. Mit einem einfachen „ach, die wollen sich nur wichtig machen“ oder „ach, die wollen auf diese Art nur Liebe erheischen“ möchte ich es nicht bewenden lassen, das ist so eine Art Küchenpsychologie wie „Wer zuviel isst, hat Frust und wird nicht genug geliebt“. Es sind auch nicht immer Menschen, die ansonsten feige oder stur sind. Nicht ohne Grund hat Thorwald Dethlefsen zusammen mit Rüdiger Dahlke das Buch geschrieben „Krankheit als Weg“. Eine Art Akzeptanz ohne Mitleid ist hier mein Ziel 🙂

  3. Ines 9. Mai 2010 / 13:45

    War von mir auch keineswegs als ‚oberflächlische Küchenpsychologie‘ gemeint, sondern im Sinne Dethlefsens und Dahlkes!

    Die beiden haben mich nämlich vor vielen Jahren dazu veranlasst, die Aufschrift auf meinem eigenen Rettungsring mal einer intensiven Prüfung zu unterziehen. Die Aufschrift liess sich leider nicht entfernen – da musste ich schon den ganzen Ring wegwerfen. Hat ein bisschen länger gedauert, bis der Bumerang nicht mehr zurück kam 😉

    Jeder fängt woanders an, wenn er denn den Mut aufbringt überhaupt anzufangen.

    Zur Vollwertkost kam ich übrigens erst sehr viel später.

    Deshalb ist die Vollwertkost für mich auch nicht das alleinige Allheilmittel.

    • onebbo 9. Mai 2010 / 13:59

      Sorry, ich wollte nicht sagen, dass du so eine oberflächliche Küchenpsychologie anwendest- deswegen hatte ich auch extra andere Beispiele gebracht.
      Stimmt, meiner Meinung nach gibt es kein alleiniges Allheilmittel, das ist ja schon klar, wenn wir alleine Brukers Dreifachgerüst betragen:
      ernährungsbedingte
      lebensbedingte und
      umweltbedingte
      Erkrankungen.
      Jeder Aspekt für sich alleine reicht nicht!
      Ja, das Dahlke-Dethlefsen-Buch, auch da hast du meine Zustimmung: ein prima Spiegel, wenn wir dann bereit sind, uns selbst zu sehen 🙂

  4. Anna 9. Mai 2010 / 21:35

    Ich vermute, es gibt noch einen weiteren Aspekt, warum andere unwillig sind, ihre Ernährung umzustellen („einzuschränken“).

    Das Urvertrauen in den Staat, so nach dem Motto „es kann doch nicht ungesund sein, was auf dem deutschen Markt zugelassen ist“.

    Und zur Not gibt es immerhin noch unsere Superärzte und Supermedizintechnologen. Da gibt es inzwischen sogar, sich nach der Heilung auflösende Arterien-Prothesen.

    • onebbo 10. Mai 2010 / 07:07

      Das ist auch ein wichtiger Aspekt. Uns wird ja täglich mehr Eigenverantwortung abgenommen, und so wird diese Haltung mehr und mehr gestärkt.

  5. payoli 11. Mai 2010 / 09:53

    Ja, absoluter Wahnsinn solche Leute, gell!
    Sind auch mein ‚tägliches Brot‘ und ich schick sie schon regelmäßig zu Therapeuten bevor ich etwas mit ihnen mache. Allerdings klappt das auch nicht immer, weil sie sich ja für ok und normal halten in ihrer Sucht, was ihnen ja von Werbung und Ärzten auch noch bestätigt wird.
    Ich ‚tröst‘ mich meist damit, dass sie einfach diese Erfahrungen machen wollen.
    Kindern kann man die vielen Blödheiten die man selber bestens kennt, auch nicht ersparen … Die ‚müssen‘ auch da durch um jeden Preis 😉

  6. Anemone 13. Mai 2010 / 22:22

    Nun ja, ich denke, die Ernährung alleine oder „perfekte“ Umwelt und lebensbedingte Umstände (die ja auch nicht alle vom Einzelnen beeinflussbar sind) sind nicht ausreichend für eine vollkommen gesunde Lebensweise. Die altersgemäßen Abnutzungserscheinungen oder auch genetisch bedingten körperlichen Verfallserscheinungen werden mir bei Eurer obigen Diskussion schon einfach unter den Tisch fallen lassen, was ich nicht richtig finde. Es ist nicht so, dass jede/r nur für seine eigene Gesundheit zu 100 % verantwortlich ist, da gibt es schon noch eine Menge Faktoren mehr als Herr Dr. Bruker meint. Ich find auch Zucker und Weißmehl nicht toxisch, sondern schlicht mehr oder weniger ungesund. Recht gebe ich Euch darin, dass die Einzelnen zu sehr der Werbung, einseitig orientierten Ärzten (die leider immer noch allzu oft keine Ahnung von Ernährung oder geschweige denn Psychologie im ärztlichen Verhalten zum Patienten hin haben, besonders die Fachärzte) und den falschen Versprechen wegen der Gewinnmaximierung großer Pharma- und „Gesundheits-“ Unternehmen vertrauen, statt sich der unbequemen Auseinandersetzung mit den eigenen Krankheiten zu stellen. Genau so wenig, wie sich hinzustellen und noch selbst zu kochen – das muss ja nicht nur nach Bruker sein, der nicht alleinseligmachend ist. Es ist einfach bequemer, sich ne Pille einzuschmeißen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Viele Ärzte fragen ja gar nicht erst, sondern schreiben gleich irgendeinen unnützen Pharmamist auf, den man oft gar nicht braucht. Tja, so sind sie halt, die meisten Menschen. Und keine/r kann mir erzählen, dass es solche menschlichen Schwachstellen nicht auch bei ihm gibt. Sie sind nur mehr oder weniger groß und je nach persönlicher Eigenart ausgeprägt.

    Ich wünsch Euch viel Glück! Und Ute vielen Dank für die tollen Bücher und Videos, durch die ich hier gelandet bin. Viele Grüße von Anemone

    • onebbo 14. Mai 2010 / 07:01

      Herzlich willkommen auf dem Blog, Anemone

      Altersgemäße Abnutzungserscheinungen oder genetisch bedingte körperliche Verfallserscheinungen gibt es, das bestreitet wohl niemand, die Frage ist nur: Wie weit gehen sie oder dienen als Entschuldigung für Bequemlichkeit? Ich behaupte z.B. nicht, dass du mit Vollwerternährung niemals stirbst 🙂 Es gibt aber Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma, Arthrose, Allergien, die so gerne einfach hingenommen werden, als seien sie Schicksals- oder Gen-„Schläge“ – sind es aber nicht.

      Wenn du Zucker „nicht toxisch“ (= giftig) findest, dann versuche mal 4 Wochen zucker- und auszugsmehlfreie Ernährung. Mach dir mal den Spaß und siehe, wie es dir geht. Ich kenne auch genug Menschen, die vom Zucker echte Entzugserscheinungen haben. Was anders ist das als Toxizität?

      Ich habe einen Fall einer jungen Frau, Anfang 30, die kaum noch laufen konnte, bis sie ihre Ernährung umgestellt hat. Nach zwei Jahren kann sie nicht nur wieder normal gehen, sondern ist auch komplett schmerzfrei. Das ist keine Wunderheilung, das ist kein Einzelfall (die Schilderung ihres Leidenswegs werde ich demnächst hier veröffentlichen). Wenn aber Krankheiten nach – um es einfach zu sagen – Ausschalten von Zucker und Auszugsmehl verschwinden, ist doch die logische Schlussfolgerung für mich, dass die beiden eben doch Gift für den Körper sind.

      Natürlich haben wir alle Schwachstellen. Es ist aber ein Frage für mich, welche ich an mir akzeptiere und welche ich erst akzeptiere, um mich dann mit ihnen auseinanderzusetzen und sie zu korrigieren.

      Du bist auch mit deiner eigenständigen Meinung hier gerne gesehen und insoweit sieh dich bitte nicht als ein „ich“ und „ihr“ 🙂

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