Gastbeitrag: eine Vollwertgeschichte

Kommentar vom 13. Juli 2010: Gastbeitrag: ‚Meine Vollwertgeschichte‘

Diese Geschichte, auch eine Einsendung zum vorletzten Preisausschreiben, ist ein Trost für alle vollwertigen Mütter, deren Kinder irgendwann einmal dem Moloch der Zivilisationskost zu verfallen scheinen….

Ich hatte das Glück, mit einer vollwertigen Brukerernährung aufzuwachsen, die erste Nahrung (nach bzw. neben der Muttermilch) war der Frischkornbrei, später gab es keinen Zucker und dafür immer einen Salat vor dem Essen, der erste Familienurlaub ging in eine Vollwertpension im Bayerischen Wald und wir hatten eine Getreidemühle aus Holz in der Küche stehen.

Meine Eltern haben allerdings nie Vollwert gepredigt und den Namen Bruker habe ich zu Hause nie gehört (seine Bücher standen im Kochbuchregal (neben Walkers übrigens!), mehr aber auch nicht). Zuhause war die Vollwerternährung selbstverständlich und wurde nicht groß thematisiert, auch war die Normalkost nicht Feindbild und auswärts wurden Ausnahmen gemacht.

Als ich nach dem Abitur ausgezogen bin und aus der Großstadt in eine kleine süddeutsche Studentenstadt gezogen bin, und kochtechnisch auf mich alleine gestellt war, ging es mit der Vollwerternährung erst mal bergab.

Nach zwei Jahren Studium und Wohnheimsküche hatte sich meine Haut allerdings sehr verschlechtert und meine Mutter schlug mir vor, den Zucker aus der Ernährung zu verbannen. Das habe ich auch getan (und tue es bis heute konsequent, die von sämtlichen konsultierten Hautärzten vorgeschlagenen Alternativen Antibaby-Pille oder Antibiotika waren mir sehr unsympathisch), wenn ich mich auch am Anfang leicht täuschen ließ und gerne  Fruchtsaft trank oder Honigwaffeln aus dem DM-Markt aß, denn das Apfelsaftkonzentrat oder Maisstärkesirup auch Industriezucker enthielten bzw. waren, ahnte ich noch nicht.

Nach weiteren drei Jahren stieß ich auf meinen Streifzügen im Internet auf das Vollwertforum und las mich fest. Dort entdeckte ich auch Bruker. Unsere Nahrung, unser Schicksal habe ich mir dann sofort aus der Unibibliothek ausgeliehen, obwohl ich das Wort Schicksal nicht mochte. Ich begann die Getreidemühle meiner Eltern zu vermissen, führte den Frischkornbrei ein (meistens nahm ich Buchweizen, manchmal fuhr ich ins Reformhaus und ließ mir ein Pfund Getreide schroten) und begann, Salate zu machen, die nicht nur aus grünen Blättern bestanden.

Im Forum bin ich dann auch der tiereiweißfreien Ernährung begegnet, für die ich mich entschied, nachdem eine mehrmonatige Testphase dazu führte, dass ich (fast) keine PMS-Symptome mehr hatte – davor war der erste Tag meiner Tage nämlich immer so schlimm gewesen, dass ich mich gefragt hatte, wie ich das wohl mal im Berufsleben machen sollte – einmal im Monat ein-zwei Tage freinehmen, um mit Wärmeflasche und Paracetamol auf dem Sofa zu leiden? Zum Glück ist es anders gekommen!

Im letzten Jahr wurde mir sehr bewusst, was für eine Rolle die lebensbedingten Umstände für das körperliche Wohlergehen spielen (eigentlich banal, aber ich war die Zeit davor sehr auf die Ernährung fixiert gewesen). Letzten Winter war ich sehr, sehr oft erkältet, praktisch den ganzen Februar durch war ich erkältet (Mitte März habe ich dann eine wichtige Entscheidung getroffen, die davor natürlich schon im Raum stand). Diesen Winter war ich kein einziges Mal erkältet und ich bin mir sicher, dass das daran liegt, dass sich in meinem Leben einiges geändert hat (nicht aber die Ernährung).

Die Haut ist übrigens besser geworden (viel besser sogar), wenn auch (noch?) nicht so, wie ich sie mir wünschen, was sie vielleicht auch nie sein wird (meine Überzeugung, dass mir wohl nie eine richtig reine Haut vergönnt sein wird, ist sicher nicht förderlich bei der Heilung, aber im Moment ist es so.)

Utes Seite habe ich auch über das Forum entdeckt. Sowohl diese Seite als auch das Forum lese ich ganz gerne, weil mir in meinem Alltag die Vollwertler oft fehlen, und ich es schön finde, wenigstens online Gleichgesinnte zu lesen. Das einzige verbleibende Problem ist das auswärtige Essen. Die Balance der Ausnahmen zu halten ist oft nicht einfach. Mein Beruf führt mich desöfteren auf Empfänge und Firmenfeste, wo es manchmal nicht möglich ist, den ganzen Abend nur am Mineralwasser zu nippen und Salat zu essen, geschweige denn eigenes Essen mitzubringen. Auch privat ist es manchmal schwierig, ich habe z.B. viele Freunde, die ich nur einmal im Jahr sehe, und die daher nicht so sehr in meine Ernährung involviert sind, wie die Menschen in meinem Alltag. Wenn ich dann zu Besuchen in die verschiedenen Ecken Europas reise, ergeben sich oft ganz schön viele Ausnahmen hintereinander, das möchte ich langfristig noch besser hinbekommen.

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Ein Gedanke zu “Gastbeitrag: eine Vollwertgeschichte

  1. mialieh 13. Juli 2010 / 19:28

    Ein schöner Bericht! Ich kenne das mit den Ausnahmen… ich denke aber, es ist wichtig, dass die Grundlinie stimmt. Und wenn ich dann Simsen bekomme aus den Ferien meiner Kinder, die schreiben, sie freuen sich wieder auf die heimische Küche, das Müsli und das Brot und das Gekochte, dann habe ich auch ein gutes Gefühl für die Ernährung bei ihnen. Da hat der Bericht durchaus auch unterstützt…

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