Lärmschutzgesetze

Kommentar vom 18. August 2010: Kinderlärm

Schon am Samstag stand es kurz in der Zeitung, gestern gab es einen längeren Artikel mit der Überschrift: „Regierung will Klagen gegen Kinderlärm erschweren.“ Worum geht es? Kindergärten und Kindertagesstätten sollen jetzt auch in reinen Wohngebieten zulässig sein, und Klagen gegen Kinderlärm sollen deutlich erschwert werden. Dass sie das nicht sind, wundert mich – ich entdecke bei meinen Spaziergängen gelegentlich Kindergärten. Und dann kommt der Satz, der mir so richtig den Kamm anschwellen lässt: Hermann Kues, parlamentarischer Staatssekretär im Familienministerium, sagte nämlich: „Toleranz und Akzeptanz gegenüber dem Lachen, Kreischen, Singen und Rufen spielender Kinder muss eine Selbstverständlichkeit sein.“

Was für ein unausgegorener Schwachsinn. Es gibt nämlich spielende und spielende Kinder. Es gibt solche, die wie Kinder spielen, lachen, nicht immer leise sind. Es gibt aber auch die von der Tyrannensorte (siehe hierzu das überaus empfehlenswerte Buch von Michael Winterhoff „Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit“), die rumschreien und kreischen. Kreischen ist nichts, was ich akzeptieren muss, das hat mit Toleranz auch nichts zu tun. Herr Kues versucht hier, uns mit völlig unsachlichen politisch korrekten Wörtern in die Ecke zu drängen. Wetten, Herr Kues wohnt nicht neben einer Kindertagesstätte und wird auch dafür sorgen, dass er es in Zukunft nicht wird? Spielende Kindergruppen von 2 bis 8 normal erzogenen Kindern –  daran wird sich außer ein paar ganz eigenen Menschen niemand stören. Aber mehrere Gruppen in einer Kindertagesstätte, denen offenbar jegliche Geräuschfreiheiten gewährt werden sollen, sind kein Lärmpegel, der irgendetwas mit Toleranz zu tun hat.

Wikipedia definiert den Begriff Toleranz so: Toleranz […] ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.“

Der Lärm von Kindermassen ist keine Überzeugung, keine fremde Handlungsweise oder Sitte. Wenn es in Kreischen und Schreien ausartet, ist das einfach ungezogen.

Toleranz hat auch etwas mit gegenseitigem Respekt zu tun, mit Duldsamkeit – aber nicht mit ergebenem Erdulden, denn das ist Märtyrertum. Lärmpegel wird in Dezibel gemessen und die Schädlichkeit des Lärms hat doch nichts mit der Quelle zu tun. Ob mich ein Schlagbohrer stresst oder eine Horde johlender Kinder – für den Stresspegel, die Unmöglichkeit, sich zu entspannen, ist das völlig egal.

Alle vermeintlichen Kinderfreunde stimmen jetzt in dieses Lied ein – ja, wir müssen den Kindern Platz geben, sie sind unsere Zukunft. Das ist nichts Neues. Kinder waren immer schon die Zukunft der Menschheit. Das ist aber kein Grund, sie uns endlos nerven zu lassen. Ich habe es praktisch vor Augen: Neben mir wohnen an jeder Seite Familien mit Kindern. Links: vier Kinder, die mittleren beiden Jungen. Rechts eine Familie mit zwei Kindern, zwei Jungen etwa im gleichen Alter wie links (schätzungsweise 12 und 14 Jahre alt). Links die Kinder sind selbstbewusst, dass es eine wahre Freude ist, höflich, verschmitzt, spielen im Garten, fröhlich lachend, rufen schon mal, oder spielen gelegentlich eine halbe Stunde Fußball vor der Garage. Stören sie mich? Nein. Rechts die Jungen spielen bei schönem Wetter im Garten Fußball. Kick-kick-kick, ob Sonntag oder Samstag, wird das von plötzlichem Schreien und Gekreische begleitet. Mitunter mischt der Vater mit. Niemals werden sie angehalten, vielleicht Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Wenn ich ihnen auf der Straße begegne, fällt mir immer auf, dass sie keinesfalls so selbstbewusst sind, wie die Kinder von „links“. Sie können einem kaum in die Augen schauen. Wenn ich ihre gröhlenden Stimmen aus dem Garten höre, vergeht mir die Freude am eigenen Grün. Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass Gegröhle und Gekreische keinesfalls die Entwicklung positiv beeinflusst. Beide Familien sind von gleichem Bildungsniveau, falls jemand in diese Richtung denken sollte.

Kinder sind unsere Zukunft, ja. Deshalb müssen wir sie aber nicht verhätscheln und gewähren lassen und unsere Nerven strapazieren. Deshalb muss ich nicht ertragen, dass direkt neben mir eine Kindertagesstätte entsteht, in der Erzieher und Erzieherinnen meinen, dass GEKREISCHE und SCHREIEN an der Tagesordnung sind.

Es ist ganz klar, dass ich Kindern ihre Fröhlichkeit gönne, auch Singen, normales Spielen. Aber hemmungslose Geräuschkulissen sind nicht erforderlich, um aus Kindern glückliche Erwachsene zu machen (siehe das genannte Buch).

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18 Gedanken zu “Lärmschutzgesetze

  1. mialieh 19. August 2010 / 08:24

    Das genannte Buch verursacht leider bei mir Pickel, auch wenn ich darin mit dir übereinstimme, dass Kinder Regeln brauchen und Erwachsene, die sich ihnen verantwortungsvoll widmen. Warum ich Winterhoff dennoch schwierig finde:
    1. Er beschreibt Kinder als Tyrannen. Meistens sind die Erwachsenen aber viel nerviger. Neben mir wohnen auch Kinder, die laut sind. Aber ihr Rufen und Lachen, ihr Ballspielen und Bobbycar fahren nervt lange nicht so, wie die Erwachsenen, die zu faul sind, um aufzustehen, wenn die Kinder sie brauchen und ihnen immer nur Befehle zurufen. Oder die eben gar nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Im Urlaub habe ich das gesehen. Da habene Eltern einen Aussichtspunkt mit ihren Kindern besucht und standen da 10 Minuten rum. Alle (auch die Kinder) hatten die Aussicht bewundert. Dann wollten die Kinder gehen. Fngen die Elern an zu strieten. Wurden die Kinder unleidlich und begannen zu quengeln. Bis die Mutter sagte: „Wir gehen erst, wenn der Papa das Foto gemacht hat, was er machen soll.“ Da denke ich mir: wenn Erwachsene sich untereinander und vor den Kindern ohne Respekt behandeln, wie sollen es die Kinder da lernen.
    2. Er schert alle über einen Kamm, indem er großee Thesen von gesellschaftlichem Missstand eröffnet und meint, mit ein bisschen Erziehung würden diese Missstände beseitigt. Das ist mir zu pessimistisch.

    Kinder stören. Mich stören sie auch manchmal, weil sich eben nicht alle kontrollieren können. Das gehört aber zur Kindheit. Es ist die Aufgabe der Eltern, ihnen angemessenes Verhalten beizubringen. Aber nicht mir Drill und Konsequenz bis ins Letzte. Ich bin auch nach 17 Jahren Erziehung da mmer noch Fan von Jan-Uwe Rogge, der genau behauptet, dass Regeln wichtig sind, aber eben nicht das sture Beharren darauf. Im Gegensatz zu Winterhoff, der meint, dass die Nervenzelle es eben lernen muss, indem immer wiederholt wird (genau wie beim, Schreiben: ein A ist ein A ist ein A ist es bei der Erziehung: sei leise, sei leise, sei leise). Man muss den Kindern Freiräume geben, wo sie auch mal laut sein können.

    • OneBBO 19. August 2010 / 08:30

      Ich verstehe Winterhoff da völlig anders. Zum Beispiel so, dass er Kindern gerade Freiräume lassen will und sie nicht zu früh mit Verantwortung überhäufen. Auch sehe ich in dem Buch keine Aufforderung zu Drill und Konsequenz bis ins Letzte. Da zeigt sich wieder einmal, wie verschieden zwei Menschen etwas Geschriebenes verstehen können.
      Was ich auch hervorgehoben habe – meine ich zumindest: Dass ich einen Unterschied zwischen „laut“ und „laut“ sehe.

  2. Carmen 19. August 2010 / 10:29

    Als – lange Zeit alleinerziehende – Mutter von vier Kindern bin ich bei dem Thema natürlich vorbelastet. Inzwischen sind meine Kinder „groß“ (11 bis 21 Jahre) und ich schlage mich hauptsächlich mit den beiden mittleren Pubertisten herum.

    Sie zanken sich nicht mehr lautstark um das Bobby-Car, kreischen nicht mehr mit den Nachbarskindern im Planschbecken herum, oder spielen stundenlang Basketball, was unsere Nachbarin noch vor wenigen Jahren fast in den Wahnsinn getrieben hat. Dafür hört man ihre Musik jetzt meist noch eine Straße weiter. Es hört sich an, als würden Handwerker mit schwerem Gerät Wände in unserem Haus einreißen. Natürlich war ich immer auf Rücksicht zu unseren Nachbarn bedacht. Beim Bobby-Car-Streit und beim Wasserplanschen habe ich selbstverständlich eingegriffen und habe immer und immer wieder auf „unsere“ Spielregeln hingewiesen. Meine beiden Mittleren stellen ihre Musik heute ohne Widerworte ab, wenn ich nach Hause komme. Sie wissen, dass sie nicht nur mich stört/nervt! Aber sobald ich aus dem Haus bin, kann ich darauf wetten, dass Bushido und Co. wieder loslegen.

    Irgendwann sollte man erkennen, dass Eltern eigentlich mehr oder weniger vergeblich versuchen, Grenzen und einen verbindlichen Rahmen zu setzen, während die Kinder/Jugendlichen nahezu unablässig versuchen, diesen Rahmen zu sprengen. Daher pflege ich den Kontakt zu allen Nachbarn und bitte um Nachsicht und Geduld.

    Erziehung ist schon über tausende von Jahren ein Problem (und bleibt es auch), für das es keine endgültige Lösung gibt. Seit Jahrhunderten werden laufend neue Erziehungskonzepte vorgestellt und neue Erziehungsratgeber geschrieben. Es wird so weiter gehen, weil es kein Rezept geben kann, das eine erfolgreiche Erziehung garantiert, trotz weiterer Erkenntnisse der Gehirnforschung. Kinder und deren Erziehung wird immer ein Wagnis bleiben, auf das man sich einlassen muss.
    Dazu bedarf es aber Eltern und Erzieher, die selbst Wertevorstellungen haben und vorleben. Und es bedarf der Liebe zum Kind, die ein unbedingtes Zutrauen mit dem Respekt vor der eigenen Persönlichkeit der Kindes verbindet. Hierbei müßten Eltern, Erzieher und Kinder mehr unterstützt und nicht bevormundent werden.

    Grundsätzlich kann ich Dir, liebe Ute, aber auch voll zustimmen – auch ich kenne den Unterschied zwischen „laut“ und „laut“. Aber aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich einfach, dass es eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis die ewigen Wiederholungen wie „Seid bitte leise!“ „Schlag die Tür nicht zu!“ „Schieß den Ball nicht gegen das Garagentor!“ „Schrei deine Schwester nicht an!“ usw. fruchten. Bei meiner ältesten Tochter hat es bis Herbst 2009 gedauert – da war sie 20 und ist zwecks Studium ausgezogen 🙂

    • OneBBO 19. August 2010 / 10:37

      Ich kann gut nachvollziehen, was du schreibst 🙂

      Erziehung ist Schwerstarbeit – sie wird aber nicht dadurch erledigt, dass sie ganz ausfällt 🙂 Bei allem, was du schreibst, nicke ich und denke – ja, das verstehe ich.

      Wenn ich Bemühungen der Eltern sehe – ist das noch was anderes. Wenn ich aber im Garten zur Rechten sehe, dass der Vater mitspielt und nicht EINMAL sagt: Versucht es doch mal leise! dann ärgert mich das. Genauso wie ich es unverschämt finde, dass sie die Kinder auch gerne sonntags nachmittags rauslassen, eine der wenigen Zeiten, wo doch wirklich mal jeder ein bisschen entspannen möchte im Garten…

      • Anna 19. August 2010 / 12:42

        „dass sie die Kinder auch gerne sonntags nachmittags rauslassen“

        Ute, so wie du das sagst, klingt es, als würdest du von kleinen Hunden oder dergleichen reden. 😉

        • OneBBO 19. August 2010 / 12:49

          Das liegt vermutlich daran, dass die Eltern das so handhaben 🙂

      • Svenja 20. August 2010 / 19:04

        Kinder müssen sich austoben, auch sonntags nachmittags.
        Denn wenn sie immer ruhig gestellt werden, lassen sie ihre Energie zum Beispiel in der Schule raus. Das finde ich persönlich viel schlimmer, als den Ärger mit den Nachbarn…

        Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass mich die Anwesenheit und die damit verbundenen Geräusche von meinen Nachbarn, die ich nicht so gern mag, mehr stören, als die Geräusche von den Nachbarn, denen ich gegenüber keine negativen Gefühle hege.

        Ansonsten weiß ich aber auch, dass die heutige Zeit sehr kinderunfreundlich ist.

        • OneBBO 20. August 2010 / 19:18

          Es gibt doch nicht nur die Extreme stumme-verschreckte Kinder und gröhlend-kreischende. Normale Spielgeräusche, auch ruhig mal etwas lauter, sind etwas anderes als Rumgekreische. Kinderfreundlichkeit setze ich nicht gleich mit Grenzenlosigkeit.

          • Svenja 20. August 2010 / 20:02

            Da stimme ich mit Dir überein.
            Ich habe nur wirklich die Erfahrung gemacht, dass viele Mitmenschen Rasenmäherlärm und auch Hundegebell gegenüber toleranter sind, als Kinderlachen gegenüber. Das meinte ich unter anderem auch mit Kinderunfreundlichkeit. Wenn zum Beispiel Unterschriften gegen einen Spielplatz gesammelt werden, der schon lange im Bebauungsplan eingeplant war, wegen des befürchteten Lärms. Das denke ich, ist auch etwas, dass Herrn Hermann Kues ein wenig aufstößt.
            Ich unterstelle allen Eltern, dass sie sich Gedanken um die Erziehung ihrer Kinder machen und da gibt es viele verschiedene Meinungen. Mir gefällt es auch nicht, wenn meine Kinder aus der Schule kommen und sich mit mir brüllend unterhalten, einfach weil es in der Schule so laut ist. Immer und immer wieder muss man von vorn anfangen und da kann ich auch die Eltern verstehen, die dann auch resignieren. Für mich kommt das nicht in Frage, da habe ich andere Ansprüche. Es ist alles nicht so einfach. Ich denke aber, dass Deine lauten Nachbarskinder für Dich kein Grund sein sollten, dass Du Dich ärgerst.

  3. Petra 19. August 2010 / 11:07

    Ich habe das angesprochene Buch von Winterhoff bereits 2x gelesen und finde die von Mialieh angesprochenen Punkte darin nicht wieder. Im Gegenteil. (zu 1.) Er beschreibt lediglich drei verschiedene Beziehungsstörungen zwischen Eltern und Kindern, die dazu führen, dass Kinder Tyrannen werden. (zu 2.) Immer wieder weist er darauf hin, dass es durchaus auch noch „normale“ Kinder gibt, diese jedoch in jedem Jahrgang weniger werden.

    Es geht ausdrücklich nicht um Schuld, sondern um Erklärung von Missständen. Die Verantwortung für die Fehlentwicklung der Kinder sieht er bei Eltern, mehr noch in den gesellschaftlichen Verhältnissen. Letztere bringen vom Alltag überforderte und damit verunsicherte Erwachsene hervor. Diese geraten in Versuchung oder gar den Zwang, Kinder zur Kompensation eigener Unsicherheit zu missbrauchen.

    Alle drei Beziehungsstörungen führen dazu, dass Kinder z.B. bereits im Alter von drei Jahren als „kleine Persönlichkeiten“ gesehen und behandelt werden. Für diese Kinder stellt der vermeintlich liebevolle „Freiraum“ eine große Überforderung dar. Daher auch der Untertitel „Die Abschaffung der Kindheit“. Wer bereits mit drei Jahren als „kleiner Erwachsener“ angesehen wird, der ist kein Kind mehr. Kinder brauchen aber, so Winterhoff, eine viel längere „Reifezeit“ und fortdauernde Anleitung, damit sie einmal verantwortungs- und gemeinschaftsfähige Erwachsene werden können.

    • OneBBO 19. August 2010 / 11:19

      Vielleicht hat der Verlag auch diesen unglücklichen, aber sensationsheischenden Titel gewählt, um das Buch besser zu verkaufen. Ich habe das Buch beim Lesen genauso wie du verstanden.

  4. Ryby 20. August 2010 / 21:01

    Bei diesem Beitrag geht mir der Kamm hoch. Man merkt mal wieder, wie ahnungslos die Leute ohne Kinder sind.

    Vor einigen Jahren habe ich übrigens ähnlich gedacht. Jetzt habe ich ein psychisch krankes und erziehungsresistentes Kind. Eines von vielen, die in jeder Kita oder Schule rumlaufen.

    Und ich bin eine von den vielen Müttern, die für das Verhalten ihres Kindes abgestraft wird. Da helfen keine Erziehungskurse, keine Vollwertkost und nix. Kinder haben keinen AUS-Schalter.

    Wenn ein Herr Winterhoff Kindern eine eigene Persönlichkeit abspricht und mit psychologischen Fachtermini um sich wirft, zwei Bücher lang anklagt, ohne Handlungsoptionen für ratlose Eltern aufzuzeigen, dann fehlen mir einfach die Worte. Das waren die blödesten Bücher über Erziehung, die ich je gelesen habe.

    Also Ute, sei mal froh, dass Du keine Kinder hast. Es ist besser für Dich. Aber maße Dir bitte kein Urteil über die Kinder anderer Leute an. Du kannst ja mal fragen, ob Du mal einen Tag in einem Schulhort aushelfen darfst, vielleicht erweiterst Du da Deinen Horizont.

    • OneBBO 20. August 2010 / 23:28

      Keine Kinder zu haben bedeutet nicht, keine Erfahrung mit Kindern zu haben. Was weißt du von meinem Leben, wie viel Tage, Monate oder Jahre ich mit Kindern gearbeitet habe oder nicht, dass du so mit Polemik um dich wirfst?
      Ich stehe übrigens hier mit vollem Namen für das, was ich schreibe. Deshalb vielleicht auch habe ich einen höflichen Umgangston. Anonym ist einfach, gell?

    • mialieh 21. August 2010 / 00:39

      Ich denke nicht, dass es jemandem, der keine Kinder hat, verboten ist, Urteile über Kinder abzugeben. Die berühmtesten Pädagogen hatten keine eigenen Kinder oder haben sie abgegeben. Dennoch hatten sie fundierte Meinungen. Das ist das eine. Das andere ist, dass ich zum Beispiel als Kind super Erfahrungen gemacht habe, mit Personen, die selbst keine oder noch keine Kinder hatten. Diese Personen haben mich bestimmt auch geprägt und ich war auch bei ihnen nicht orientierungslos, obwohl ich nicht aus ihnen kam oder von ihnen gezeugt worden war. Und daneben gibt es auch Eltern, die keine oder eine schädliche Haltung zu ihren Kindern einnehmen… da können die Kinder doch froh sein, wenn sie auf Personen treffen, die sich ihnen widmen.

      Ich meine nciht, dass die Eltern an allem, was ihr Kind verbockt schuld sind. Das ist verzerrte Psychoanalyse. Aber wieso sollen überhaupt Kinder mehr Rechte haben als Erwachsene. Klar, sie sollen spielen und sich entfalten können. Sie wissen noch nicht über alles Bescheid und übertreten deshalb häufiger Regeln. Aber man muss doch auch mal seinen Garten nutzen können, ohne dass einem ständig die Ohren vollgeplärrt werden. Wenn man das immer erduldet, dann zieht man als Erwachsene den Kürzeren. Da würde ich auch auf meinen Blog mal schreiben: Boh, was nerven mich die Nachbarskinder heute mal, kann die keiner erziehen? Ich kenne das von hier. Meine Kinder: immer schön vor sich hingespielt. Die Kinder von nebenan: immer den Ball in mein Blumenbeet geschossen. Ihn wiedergeholt: trampel, trampel – zack die Hortensie kapputt. Da soll ich sagen: „Ach, kein Problem, es sind doch Kinder?“ Nein. Damit ist den Kindern nicht geholfen und ich kriege am Magen.

      • OneBBO 21. August 2010 / 06:38

        Gutes Beispiel mit den kinderlosen Pädagogen. Ähnlich ist ja auch die Frage: Wenn jemand zu einer Eheberatung geht: Erkundigt derjenige sich, ob der Berater bzw. die Beraterin in einer Partnerschaft lebt oder setzt eine 30-jährige gelungene Beziehung voraus, bevor er auf dem Stuhl Platz nimmt? Mit Sicherheit nicht.

    • meingedankengarten 21. August 2010 / 12:00

      Ich habe, was Kinder angeht, eine recht einfache Ansicht: wer Kinder in die Welt setzt, sollte sich seiner Aufgabe und Verantwortung für das Gedeihen des Kindes und der Gesellschaft durchaus bewußt sein. Eltern, die jammern, sie seien überfordert, hätten sich das mit den Kinderkriegen vorher überlegen können. Und ja: die Eltern haben wesentlichen Einfluss auf die Erziehung und das Benehmen des Kindes. Viele geben ihr Kind, das noch nicht mal aus den Windeln ist, in irgendwelche Krippen und überlassen die Erziehung irgendwelchen anderen Leuten. Natürlich ist es (insbesondere auch durch den stark zugenommenen Medienkonsum) vielleicht schwieriger, Kinder heutzutage ausgeglichen groß zu kriegen. Nichts desto trotz: mir gehen weniger spielende Kinder, als jammernde Eltern auf die Nerven, die für alles Verständnis haben wollen (z.B. meine Teilzeitkollegin, die so gut wie nie da ist, weil immer irgendwas mit den Kind ist, für die ich doppelt mitarbeiten darf und die sich dann auch noch beklagt, dass Fortbildungen nicht nur vormittags stattfinden, aus Rücksicht auf die Teilzeibeschäftigten).

      • OneBBO 21. August 2010 / 12:20

        Ja, das hat auch etwas. Es erinnert mich an meine Studienzeiten – ich weiß, es ist eine „böse“ Geschichte, aber sie ist mehrmals passiert: Es gab gewisse Seminare, die nach Vereinbarung abgehalten wurden. Abstimmung war dabei unabhängig davon, ob es Hauptfachstudenten, Nebenfachstudenten oder Gasthörer waren. Die Mütter mit Kindern sorgten dann immer dafür, dass Sprachkurse abends nach 20 Uhr stattfanden – eine Zeit, in der ich nicht mehr lernen kann. Sie kamen dann auch ein- oder zweimal. Das war’s – und die anderen mussten weiter diese horrenden Zeiten einhalten, weil nun natürlich die ganze Zeit verplant war.

        Wobei ich im eigenen Verwandtenkreis durchaus auch bessere Beispiele habe. Wo die Mütter erfolgreich studieren, nicht auf Kosten der anderen, nicht jammern, und dennoch ihre Kinder so erziehen, dass ich meinen Hut ziehe. Und so kenne ich – ebenfalls kein Fan von Krippen – auch diesen einen Fall, wo es funktioniert hat. Das erfordert aber natürlich, damit das Wohl des Kindes erhalten bleibt, von den Eltern quasi doppelten Einsatz, der in dem mir bekannten Fall geleistet wurde.

  5. OneBBO 20. August 2010 / 23:32

    @svenja: So fern sind wir beide uns gar nicht 🙂 Rasenmäher und Hundegebell finde ich, wenn sie unkontrolliert über mich ergossen werden, wirklich nicht besser, in dem Punkt hast du völlig Recht.

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