Herabgesetzte Lebensmittel

Kommentar vom 26. November 2010: Niemand will billige Bananen

Dieser Tage war ich beim kleinen Supermarkt um die Ecke einkaufen, mir fehlte ein Salat, außerdem wollte ich mit Bananen aufstocken, um etwas für diverse Eissorten einzufrieren. Gerade für Eis und Shakes ist es ja besser, wenn die Bananen etwas reifer sind. Rechts neben dem großen Obst- und Gemüseregal stehen immer ein paar Kisten mit weniger schönen Dingen. Ich wusste nicht, ob die zum Wegwerfen oder Verschenken oder wozu auch immer gedacht waren. Also fragte ich die Verkäuferin, die dort gerade frische Ware einräumte: „Das sind die alten, fleckigen Bananen, die gibt’s zum halben Preis.“ Ich staunte, für meine Augen sahen die nämlich gar nicht so schlecht aus. Normalerweise lasse ich die frischen Bananen extra liegen, damit sie etwas süßer fürs Eis werden. Okay, ein paar braune Stellen, reif, aber noch keinesfalls „hinüber“ – wobei die zum Süßen in der Rohkost ja gerade besonders vorteilhaft sind.

Ich packte also eifrig ein, fast zwei Kilogramm. Bezahlt habe ich 80 Cent. Zu Hause habe ich bis auf zwei Stück alle geschält, in Scheiben geschnitten und eingefroren. Dabei stellte ich fest, dass die meisten Bananen innen völlig in Ordnung waren. Einige hatten kleine Druckstellen, die sich leicht wegschneiden ließen. Während ich da so meiner Tätigkeit nachging, ließ mich der Gedanke nicht los: Wieso war dieser Karton mit Bananen nicht leer, als ich um ca. 14.30 Uhr kam? Gerade in diesem kleinen Markt kaufen viele Menschen, denen man ansieht, dass sie nicht viel Geld haben. Wieso stürzen die sich nicht auf diese tollen Bananen? Ich weiß zwar, dass es Menschen gibt, die partout nur Bananen mögen, die noch rübenartig sind. Ich war früher selbst so. Aber das trifft doch nicht für alle Menschen zu. Ähnliches gilt übrigens auch für die Angebote von Bäckern, die Brot nach 17 Uhr für den halben Preis verschleudern. Wird ihnen das aus der Hand gerissen? Mitnichten! Vielmehr ist es mittlerweile üblich, dass Bäckereien ab 17 Uhr (trotz Ladenschluss 18.30 Uhr) gar kein Brot mehr haben: Denn sie wissen, dass Reste abends weggeworfen werden müssen.

Ich habe für 80 Cent acht oder neun Bananen gekauft. Da zieht der Spruch „Wir leben in einem Land, wo Schokolade billiger ist als Obst und Gemüse!“ nicht mehr. Der stimmt nur, wenn wir so quatschig und verwöhnt sind, dass wir nur Obst und Gemüse der Klasse Ia zu essen bereit sind.

Ich frage mich: Warum sind solche Kisten nicht innerhalb von 10 Minuten leer gekauft? Warum bringt die Tageszeitung nicht einmal einen Bericht über diese Billigaktionen und wie wenig sie genutzt werden?

Wir brauchen uns dann auch nicht zu wundern, wenn die Gentechnik überall Einzug halten wird. Denn auch hier sind wir nicht nur eine Masse von Menschen, über deren Köpfe hinweg Profit gemacht wird. Wir bestimmen mit, was gekauft wird und was nicht. Wenn auch kleine etwas schrumpelige Äpfel, Bananen mit kleinen Flecken, Gemüse mit Druckstellen wenigsten in Billigaktionen blendend verkauft werden, ist doch der Druck, nur perfektes Obst und Gemüse anbieten zu können, viel geringer.

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2 Gedanken zu “Herabgesetzte Lebensmittel

  1. sandra 27. November 2010 / 12:51

    Ja, es ist traurig. Mir macht eine Druckstelle am Apfel nichts aus. Leider wünscht die Mehrzahl an Verbrauchern aber angeblich Hochglanz-Model-Äpfel 😉
    Wie die Natur einen Apfel (oder etwas Anderes) erschafft, gilt als nicht schön und ungenießbar. Überall wird nachgeholfen. Schade, dass ich keinen Garten habe. Ich würd‘ alles selbst anbauen.

    • OneBBO 27. November 2010 / 12:59

      Wobei ich ganz ehrlich: Tierchen im Gemüse und Obst mag ich nicht. Wie der Bioanbau aber ja zeigt, geht das auch ohne.

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