Journalisten und Blogger

Kommentar vom 21. Januar 2011: Prisma

Letzte Woche las ich genüsslich das Prisma, die wöchentliche Beilage zur Tageszeitung. Da gibt’s ja immer ein kleines Editorial, von schwankender Qualität. Diesmal musste ich es natürlich lesen, denn es geht um’s Bloggen.

Hui, da hat aber jemand einen dicken Hals auf die Blogger 😉 Ich empfinde den Artikel als recht aggressiv und frage mich: Warum sich so aufregen? Nur weil einige Journalisten absoluten Schwachsinn schreiben, behaupte ich doch auch nicht, dass Zeitungen überflüssig sind. Im Gegenteil, ich möchte morgens nach dem Frühstück nicht schon mit der Nase über dem PC hängen. Und auch wenn ich heute oft die Aufrichtigkeit und die Recherchefähigkeiten vieler Journalisten leider in Zweifel ziehen muss, so ist das Medium Zeitung auch wichtig, weil es eben nicht so flüchtig ist wie eine Website.

Nach einer kleinen schon leicht polemisch angehauchten Einleitung, zieht der Chefredaktuer Detlef Hartlap vom Leder: „Was Blogger nicht wahrhaben wollen: Das Internet hat sich […] zur übelsten Entprivatisierungsmaschine seit den östlichen Geheimdiensten entwickelt.“ Das wusste ich auch noch nicht, dass ich schlimmer bin als der KGB. Gut zu wissen 🙂 Oder anders herum, Herr Hartlap will wohl auch nicht wahrhaben, dass man nicht alle Blogger über einen Kamm scheren kann, genauso wenig wie alle Journalisten in einen Topf zu werfen. Dann kommt ein Satz, da habe ich laut gelacht: „Bei Zeitungen bleiben Stuss & Schund auf Reservate beschränkt (Boulevard, Yellow [Press; er meint: Regenbogenpresse]“. Schön wär’s, Herr Hartlap, wenn das stimmen würde. Dann würden ein Drittel meiner Blogartikel gleich unter den Tisch fallen, ich müsste sie nicht schreiben. Meine kleinen Funde stammen keineswegs aus der Frau im Spiegel, Tina oder wie sie sonst noch heißen, sondern gerne auch aus dem Hausblatt von Herrn Hartlap, dem Remscheider Generalanzeiger bzw. dem Prisma.

Es gibt blöde Blogs, das stimmt. Da wird einseitig dargestellt, argumentiert usw. Es gibt aber auch viele Blogs, die mit den Zeitungen gar nichts gemeinsam oder gegen sie haben, sondern einfach nur tagebuchartig durch anderer Leute Leben plätschern. Wem schaden die? Und dann gibt es auch viele Blogs, die Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und ähnliches aufdecken. Dabei arbeiten sie nicht gezielt gegen die Zeitungen, sondern es geht um gewisse Themen. Noch ein schöner Satz von Herrn Hartlap, der allen Bestrebungen vorarbeitet, doch endlich die Freiheit des Internets zu beschränken: „Die Freiheit des Internets hebt sich selbst auf, weil sie keiner Einschränkung unterliegt.“ Oder anders herum gesagt: Frei ist nur, wer eingeschränkt ist. Wie wär’s mit „alle Blogs verbieten“? Oder zum Beispiel beim Thema Ernährung nur solche Blogs zulassen, die sich guten Regeln unterwerfen, wie äh…. zum Beispiel den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung? Oder wie soll die Einschränkung vonstatten gehen? Übrigens: Blogs mit verfassungsfeindlichem Inhalt sind eh nicht zulässig. Wieso brauchen also Blogs, die sich im Rahmen der Verfassung bewegen, noch Einschränkungen?

Hartlaps Schlussfolgerung: „So wird das Internet zum Symbol für das unbesiegbare Nichtbescheidwissen der Masse.“ Das „So“ steht ja als Ergebnis einer Schlussfolgerung, die der Chefredakteur leider für mich nicht schlüssig herbeigeführt hat. Da Informationen aus Zeitungen heutzutage häufig leider auch nur noch ohne eigene Nachforschungen abgeschrieben werden – das gilt natürlich auch für viele Internetinformationen, wie ich ja schon mehrmals aufgezeigt habe -, gilt das doch für die Zeitungsartikel genauso. Die Masse wird weder durch Zeitungen noch durch das Internet sehr klug oder verdummt. Der Schritt liegt weit vorher, nämlich zum Beispiel in der Schule, wo es gilt Menschen zu kritisch lesenden Menschen zu erziehen. Dies am Rande.

Und zum Schluss, ja da gibt es „uns Bloggern“ Hartlap noch mal so richtig: „Die Blogger aber, statt darüber [zu] klagen, arbeiten sich an den Zeitungen ab – ihrem Leitmedium, immer noch.“ Einmal stimmt das natürlich gar nicht, denn ich würde mal sagen, Herr Chefredakteur liest die falschen Blogs. Ohne dass ich ihm Einseitigkeit vorwerfen möchte, vielleicht ein wenig Einäuigkeit-Blindheit? 😉

Und zum anderen wundert mich das auch gar nicht, wenn Leute wie ein solcher Chefredakteur uns das Futter doch mit solchen antidemokratischen Thesen, die sich auch noch auf Unwissen stützen, griffbereit auf den Tisch legen 🙂

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10 Gedanken zu “Journalisten und Blogger

  1. Monika 21. Januar 2011 / 17:53

    Hallo Ute!

    Bevor ich auf deine Vollwertseite gekommen bin, hatte ich keine Ahnung was ein Blog ist und was Blogger sind. (Vielleicht eine Bildungslücke) Aber ich hab mich bei deinem Blog umgeschaut und mich nach einiger Zeit auch getraut zu bloggen. Wie bei Zeitungen und diversen Heften ist es meine Entscheidung ob und wieviel ich davon lese. Und eine eigene Meinung zu diversen Berichten und Themen hab ich allemal. Egal wo es steht. Ich bin immer wieder erfreut deine täglichen Blog zu lesen und finde es für mich als Bereicherung und Info über Dinge die nicht in einer Tageszeitung stehen. Auch ich lese jeden Morgen die Zeitung. Das eine schließt das andere nicht aus.

    Viel Spaß beim bloggen und ein schönes Wochenende

    • OneBBO 21. Januar 2011 / 18:00

      Auch das zeigt- der Herr Chefredakteur unterschätzt die Menschen 🙂

  2. theomix 21. Januar 2011 / 18:47

    Ich habe einen Augenfehler. Ich lese immer „Leidmedium“.

    • OneBBO 21. Januar 2011 / 18:51

      Das gefällt mir 🙂

  3. mialieh 21. Januar 2011 / 19:26

    Und ich lese Hard-Lab… kommt von Laber… bestimmt nicht von Lap-Top!

    • OneBBO 21. Januar 2011 / 19:28

      Was so alles da steht, zwischen den Zeilen, tse tse

      • mialieh 21. Januar 2011 / 19:32

        aber ist es nicht toll, wie viel macht wir blogger bekommen? da wird jeder zu einem mini-assange! und wikileaks – ist am ende nur ein blog? und da steckt der kgb dahinter? blogger aller länder vereinigt euch?

        • OneBBO 21. Januar 2011 / 19:39

          Psssst…. nicht alle Blogger-Geheimnisse verraten… Die Vorstellung, dass da ein Mini-Assange neben dem anderen steht, hmm, muss ich mir das wirklich vorstellen? 😉

  4. Morgenländer 21. Januar 2011 / 20:21

    Ach, Ute, man muss den armen Herrn Hartlap auch verstehen:

    In den vergangenen Jahren hat seine Beilage jährlich 100.000 Leser verloren; und dann wurmt es ihn sicher auch, dass sein Blättchen von den meisten Lesern immer noch als Fernsehbeilage wahrgenommen wird und nicht etwa als ernstzunehmende Zeitschrift.

    Um dennoch bei guter Laune zu bleiben, muss ein Feindbild her. Da kommen die Blogger mit ihrem kostenlosen (wie unprofessionell!) Content gerade Recht.

    • OneBBO 22. Januar 2011 / 06:25

      Ups, ja, du hast Recht. Ich diene dann gerne als Feindbild, wenn Herr Hartlap dann besser schlafen kann 🙂

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