Everything’s better in the USA?

Kommentar vom 14. Februar 2011: Alles ist gut-roh in Amiland…

Es gibt verschiedene Typen der Rohköstler, damit meine ich jetzt nicht die Unterscheidung in Instinktos usw. Nein, ich meine die Typen, wie sie uns im Alltag begegnen: Überzeugte Rohköstler, Quartalsrohköstler (zu denen ich mich zähle), Rohkost-Schickimickis und Rohkost-Rapper.

Überzeugte Rohköstler sind meist solche, die über Krankheit den Weg zur Rohkost gefunden haben, davon begeistert sind, sich ganz dieser Lebensform verschrieben haben und mit mehr oder weniger großer Konsequenz doch fast ausschließlich Rohkost essen. Sylvia, die hier ja schon Gastbeiträge geschrieben hat, ist ein Beispiel hierfür.

Quartalsrohköstler sind Menschen, die zwar Rohkost hin und wieder als Quelle der Erfrischung oder Gesundung verstehen, sich aber darauf nicht ausschließlich einlassen möchten, aus welchen Gründen auch immer.

Und dann gibt es eben noch die Schickimickis. Für sie kann kein rohes Obst frisch genug sein. Es wird aus Thailand eingeflogen? Egal, Hauptsache roh. Ökonomie des Flugbenzins egal. Rohkostbücher taugen für diese Sorte Menschen nur, wenn sie durchgestylt sind bis in die letzte Ecke. Mindestens drei verschiedene, schwierig zu beschaffende Zutaten muss das Rezept enthalten. Ihr Ideal ist „Amiland“. Dort nämlich, so behaupten sie, wird Rohkost echt praktiziert. Es gibt Restaurants, Läden usw. Ein Paradies für Rohköstler.

Mich hat das mal gewundert, denn von persönlichen Berichten weiß ich, dass Reisende in den USA Schwierigkeiten haben, überhaupt frisches Obst und Gemüse kaufen zu können. Bringe ich dieses Argument, wird das dann gleich niedergeschmettert. Ach, das stimmt nicht, ich weiß von meiner Freundin, dass es überall Bioläden gibt, die  tollsten Restaurants (garantiert in modischster Aufmachung) usw. Da ich selbst noch nie in den USA war, kann ich nicht viel dazu sagen. Führende Rohkostidole kommen wirklich aus den USA, wie z.B. David Wolfe. Ich habe ja immer so meine Vorbehalte, wenn ich so „Lichtgestalten“ sehe und höre. Das liegt an dem mir eingebauten Skeptizismus 😉 Aber gut – vielleicht ist es ja wirklich so, dass dort alles besser ist?

Schwenk nach Virginia. Dort wohnt A. seit vielen Jahren. Eine realistische Frau, kein Küken mehr (sie hat schon eine erwachsene Tochter) – also eine Frau, der ich Urteilskraft zutraue. Sie hat schon zweimal in meiner Telefonstunde angerufen, manchmal fragt sie mich nach Quellen. Unser letzter Kontakt entstand anlässlich meines Films über das Cashewmus. Sie wollte von mir nämlich wissen, ob ich ihr die Einkaufsquelle nennen könnte. Ich staunte nicht schlecht und schrieb:

„Warum bestellst du die Nüsse nicht in Amerika? Dort ist die Rohkostszene doch viel aktiver als hier und somit dürfte das Angeobt an rohen Cashewnüssen auch gut sein und preiswerter.“

Am nächsten Morgen erhielt ich die Antwort:

„Liebe Ute, ich lebe im Staat Virginia und wir haben nicht soviel Bioware wie zum Beispiel Californien oder Florida. Die Biogesetze sind auch nicht so streng hier wie in Deutschland. Ich muss doch schon schauen, ob alles Bio ist.Die Amis nehmen dies alles nicht so genau und verkaufen dir alles fuer Bio. Ich bin im Maerz fuer 10 Tage in Berlin und  kaufe dann alles ein was ich brauche, ausserdem weiss ich dann, dass alles roh und Bio ist. Wenn ich hier einkaufen gehe muss ich hier ueber 1 Std fahren um einen Natukost Laden zu erreichen.“

Mag ja sein, dass in New York oder ähnlichen Städten ein schönes Rohkostangebot vorhanden ist. Wenn ich das aber lese, kann ich erfreut sagen: Da sind wir hier doch besser dran! 🙂

18 Gedanken zu “Everything’s better in the USA?

  1. mialieh 14. Februar 2011 / 17:41

    Also ich war ja ein paar Mal in den USA. Und man scheint schon sehr genau wissen zu müssen, wo man hinwill, wir jedenfalls haben keinen Bioladen gefunden und ernteten lächend-mildtätige Güteblicke als wir nach Müsli ohne Zucker fragten. Man verwies uns an die Schonkost und Diät-Abteilung (wo wir nichts fanden). Und das Brot… ich sage nur: mein Mann erbarmte sich, wir kauften Hefe und Mehl und buken es im Campingofen schließlich selbst. In den Supermärkten gibt es schon immer große Frischeabteilungen. Aber Bio war das nicht…

    • OneBBO 14. Februar 2011 / 17:46

      Das deckt sich mit dem, was ich schon öfter gehört habe. Mag sein, dass es ein paar Schicki-Micki-Ecken für Eingeweihte gibt. Hier kriegst du doch in fast jedem Supermarkt jetzt Bioobst und -gemüse.

  2. Barbara 14. Februar 2011 / 18:35

    Ich war mal drei Wochen in Texas, da ist auch nicht so viel her mit Bio, so jedenfalls mein Eindruck. Ich war in einem Whole Foods, das war super, aber sonst… Im normalen Supermarkt gab es sehr wenig Frischkost (viele Amis gehen nur 1-2x im Monat einkaufen, da kann man ja dann auch nicht so viel Frisches mitnehmen). Beeindruckt hat mich in der Gemüseabteilung, daß man geschälte gelbe Rüben kaufen konnte. Na ja. Ich denke, die vielen Bioläden wirds wohl in Städten wie Bosten oder New York geben.
    Das tolle in Texas war, daß es überall reife Avocados und Mangos gab (aus Mexiko und damit quasi aus der Region). Das habe ich sehr genoßen. Ich finde es nämlich auch völligen Unsinn, Flugware zu kaufen und Schiffsware schmeckt meistens nicht so gut.
    PS. Ich hab schon wieder eine Bienenpatenschaft verschenkt. 🙂

    • OneBBO 14. Februar 2011 / 18:40

      So eigene Erlebnisberichte ergänzen das Gesamtbild.
      (Und die Bienen freuen sich….)

  3. A. 14. Februar 2011 / 23:17

    Da passt irgendwie der 3-teilige Videoclip mit David Wolfe:

    Der Clip ist zwar in Englisch, aber die Untertitel sind auch in Deutsch dabei.
    Ich hatte mir vor einigen Tagen diese Clips angeschaut und mich entsetzt gefragt, wieso etwas so Banales einem „verkauft“ wird wie die Entdeckung eines Genies.
    Für sowas wird in meinen Augen ein Affentheater ohne gleichen inzeniert…

    • OneBBO 15. Februar 2011 / 05:39

      Immerhin hat David Wolfe auch aufgedeckt, was es mit dem rohen Agavennektar auf sich hat, da kann er dann auch mal ein paar Banalitäten in Szene setzen 😉

    • OneBBO 15. Februar 2011 / 11:41

      Ich habe mir das gerade mal angesehen – das ist ja fast gemeingefährlich mit den Ausführungen wie „Alles Flüssige ist leichter verdaulich“ und wir sollten „eine Mahlzeit am Tag flüssig zu uns nehmen“.

      Ich habe mich jetzt durch 1,5 Filme gequält. Da kommt wohl nur tiefgekühltes oder getrocknetes Obst und pulversierter Krempel rein? Igitt! Länger konnte ich mir das nicht anschauen.

    • michi 15. Februar 2011 / 13:53

      Muss man dann auch so eine heilige Kutte anziegen, wenn man sich Rohkost-Guru nennt?…

      • OneBBO 15. Februar 2011 / 14:11

        Hihi, gute Frage. Du solltest also langsam mal deinen Kleiderschrank ein wenig aufstocken.

        • michi 15. Februar 2011 / 15:34

          Ich lasse mir am besten zuerst die Harre lang wachsen und gehe dann 5 Mal in der Woche auf die Sonnenbank. Schnell noch eine Blondierung auf die Haare und die Zähne bleechen lassen. Anschließend müssen noch ein paar Muskeln im Fitness-Studio aufgebaut werden, denn ein Rohkost-Guru mit Bauchansatz ist nicht glaubhaft genug.

          Wenn ich das gewusst hätte…

          • OneBBO 15. Februar 2011 / 15:36

            Ich bin ehrlich gesagt enttäuscht von dir, Micha. Ich hatte eigentlich gedacht, das hättest du alles schon hinter dir und du würdest schon nur noch guruhaft über die Wiesen schweben. Und jetzt dieser Schock!

        • mialieh 15. Februar 2011 / 18:21

          Ich finde den Typ eher anstrengend. Wahrscheinlich bekäme ich Hunger auf Chickennuggets – wie beim Buch von Jonathan Safran Foer 🙂

  4. Ines 14. Februar 2011 / 23:18

    Of cause!
    Everthing is better in Amiland – made by Monsanto!!!

    Wo sollen die denn da die viele Bioware herholen?
    Vom kleinen rückständigen Brüderchen etwa, wo sie gegen jeden geplanten Monsanto-Versuchsanbau Sturm laufen? 😉

    Geschälte Rüben? Ach!
    Vielleicht ist das die Rübe die sie versuchsweise in Sachsen-Anhalt angebauen wollen. Da haben sie bestimmt die Round-up-Restistenz rein und die Schale rausgezüchtet, wie praktisch!

    Zynische Grüße
    Ines

    • OneBBO 15. Februar 2011 / 05:40

      Das ist überhaupt genial, Schale (mit allen Vitalstoffen) wegzüchten, dann essen wir die schalenlosen Gemüse und dazu ein wichtiges Nahrungsergänzungsmittel, hergestellt aus getrockneten Schalen!

  5. Joe Boden 15. Februar 2011 / 12:06

    Weil es in der USA zugelassen ist und bei uns in Deutschland noch nicht…eine kurze Anmerkung wegen Stevia, der süßenden Pflanz aus Südamerika. Was hält die Blogbetreiberin davon? Ich selber habe damit mal versuchsweise meinen Tee gesüßt; schmeckt süss aber auch wieder anders als der gewohnte Zucker.
    Also was denkt man in der Vollkostecke über Stevia?

    • OneBBO 15. Februar 2011 / 12:14

      Zu Stevia habe ich bereits in meinem Film über das Süßen etwas gesagt.

      Hier nochmal in Kürze:

      Es gibt Vollwertler, die es verwenden. Es ist nicht im Brukerschen Sinne, die Natürlichkeit zu erreichen. Die Verwendung von Stevia wird die Süßigkeitenschwelle niemals auf ein Normalmaß bringen. Außerdem ist Stevia selten hier als frische Pflanze erhältlich, und nur dann ist es überhaupt vollwertig.

    • OneBBO 15. Februar 2011 / 12:47

      Eine Übersichtsseite zu allen meinen Videos, auch für zukünftige, ist hier: http://www.vollwertkochbuch.de/videos.htm
      Der Film ist einer aus der Vollwertecke, bzw. es gibt da zwei, einmal einen selbstständig, und dann noch mal einen über Industriezucker.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.