Allergien

Kommentar vom 9. April 2011: Die Fachwelt und Allergien

So Sprüche wie „Alle Ärzte werden von der Pharmaindustrie bezahlt und bestochen“ finde ich ziemlich einfältig. Ja, es gibt sicher solche Fälle. Aber ich denke, es gibt auch genug Ärzte, die ihrem Beruf gewissenhaft nachkommen, auch wenn sie ein wenig verbohrt sind, neue Erkenntnisse in ihr Wissen einzubauen. Worauf ich anspiele – ist schon klar. Wobei das ja gar nicht einmal neue Erkenntnisse sind. Hinter allem und jedem die Pharmaindustrie zu wittern, die nur an ihren Profit denkt, egal auf wessen Kosten, ist auch nicht mein Ding. Ich sehe das gerne differenziert. Steht hinter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die Nahrungsmittelindustrie, so wie Dr. Bruker es andeutete, oder nicht? Die Frage kann sich einem schon ernsthaft stellen, wenn wir manche Empfehlungen lesen, die sie herausposaunen.

In der Apotheken-Umschau, B-Ausgabe März, steht eine Artikelserie über Allergie. Ich witterte natürlich gleich vieles, was sich für diesen Blog eignet, aber eigentlich ist es ja immer wieder dasselbe. Ich habe dann einiges gelesen, und für wahr: Ich wurde nicht überrascht. Genauer gelesen habe ich dann die Passagen, wo es um Ernährung geht, das sehe ich quasi als „meine Pflicht“ an. Empfohlen wird „Abwechlungsreich, ausgewogen und regelmäßig essen.“ Immer bereit, mich über einen neuen Ernährungswitz auszuschütten, las ich den Absatz. Allerdings konnte ich nach der Lektüre nicht mehr so recht lachen. Ich zitiere:

„Die Fachgesellschaften raten zu einer bewussten und ausgewogenen Ernährung […]. Auch Nahrungsmittel, die theoretisch ein hohes Allergierisiko haben, wie beispielsweise Milch, Fisch und Soja, sollten den aktualisierten Leitlinien zufolge nicht vom Speiseplan gestrichen werden.

Fragen, die sich mir spontan stellen:

  • Um welche Fachgesellschaften handelt es sich? Das Wort „Fachgesellschaft“ beeindruckt mich nun alleine wirklich noch nicht.
  • Wieso haben die später genannten Nahrungsmittel nur „theoretisch“ ein hohes Allergierisiko?
  • Wieso wird formuliert „sollten … nicht vom Speiseplan gestrichen werden“, statt allenfalls noch „müssen nicht vom Speiseplan gestrichen werden“?

Dieser Absatz beinhaltet ganz klar eine Aufforderung, Kinder als Allergieschutz mit Tiereiweiß und Soja abzufüttern! Da ziehen wir uns doch die Allergiker massenweise heran. Ich weiß aus zu vielen Gesprächen und medizinischer Lektüre, dass diese Substanzen hoch allergisierend sind, denn sie füllen die Eiweißspeicher. Wie können da Fachgesellschaften deren Verzehr nicht nur genehmigen, sondern sogar quasi noch vorschreiben? Wundert es da, wenn ich das Gefühl nicht loswerde, dass da die Nahrungsmittelindustrie mal wieder dick den Finger drin hat`?

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18 Gedanken zu “Allergien

  1. Rene 9. April 2011 / 18:21

    Hm, weiß nicht ob da die Nahrungsmittelindustrie ihre Finger drin hat. Ich würde eher auf die Pharmakonzerne tippen. Hört sich wirklich so nach „Kommt, wir züchten und mal eben die nächste Generation Allergiker heran“.

    Oder beide zusammen. Wieder mal so eine Unheilige Allianz….

    • OneBBO 9. April 2011 / 18:58

      Da können wir ja Zuchterfolge bestätigen.

  2. culinaria 9. April 2011 / 18:44

    Ich verstehe den Artikel so, dass auch Stoffe, von denen bekannt ist, dass sie ein höheres Allergierisiko beeinhalten als andere („die theoretisch ein hohes Allergie-Risiko haben“) zunächst nicht gemieden werden sollen. Unter „zunächst“ verstehe ich: Solange nicht im konkreten Fall eine tatsächliche Allergie für dieses Produkt besteht.

    Dieser Ratschlag scheint mir nicht falsch zu sein. Im Fall, den ich im Auge habe, meidet eine Mutter für ihr Kind alle Stoffe, auf die sie selbst allergisch reagiert (unter anderem Äpfe), und bietet dadurch dem Kleinkind ein höchst eingeschränktes Nahrungsmittelangebot an.

    Vielleicht ist ja ein solches Verhalten gemeint??

    • OneBBO 9. April 2011 / 19:00

      Ich verstehe deinen Gedankengang, der sicher richtig ist. Der ist aber so „kompliziert“, dass er in einem Artikel wenigstens in einem Halbsatz erläutert werden müsste. Daher glaube ich nicht, dass das hier gemeint ist.

  3. Bernd 9. April 2011 / 20:18

    ich denke, man kann diesen Zusammenhang zwischen tierischem Eiweiß und Allergien einfach nicht so offen „rausposaunen“

    Wo doch bei jeder Gelegenheit gebetsmühlenartig wiederholt wird, wie unerlässlich Fleisch und Milchprodukte für die Versorgung mit Eiweiß, Eisen, Calcium usw seien!

    Beides geht nicht: entweder man würde zugestehen, dass tierisches Eiweiß verzichtbar ist – dann aber würden damit die jahrelangen „Fleisch-ist-ein-Stück-Lebenskraft-und-nur-die-Milch-macht’s“-Parolen Lügen gestraft; mit einem unabsehbaren Vertrauensverlust. Oder, man bleibt dabei, dass tierisches EW doch gar nicht sooo schlimm ist – dann betrifft’s halt nur die, die es nicht besser wissen (sprich: die Schwächsten). Und das wird halt gesellschaftlich momentan die beste Lösung sein

    so ist die Welt

    • OneBBO 9. April 2011 / 20:20

      Und uns macht es Spaß, ein bisschen an der Welt, so wie sie ist, herumzukitzeln 🙂

  4. Heike aus Mainz 10. April 2011 / 08:15

    Apotheken-Umschau = Rentner-Bravo ,..grins….
    Übrigens: Ein Mittel zur Hyposenibilisierung in Spritzenform gegen Pollen,Hausstaub und / oderTierhaarallergie kostet knapp 600 Euro. Die Kosten werden übernommen von den gesetzl. Kassen. Empfohlen wird die „Kur“ 4 Jahre hintereinander…..So ein Allergiker ist für die Pharmaindustrie und eine Goldgrube….Mal von den freiverkäuflichen Mittelchen in der Apotheke ganz zu schweigen….Und Pollenallergiker haben oft Kreuzallergien, d.h. sie vertragen diverse Lebensmittel nicht….eins greift ins andere….voll krass irgendwie find ich…..

    • Heike aus Mainz 10. April 2011 / 08:21

      huch…ein Rechtschreibfehler,…da hat sich ein „und“ hinter Pharmaindustrie eingeschlichen, seht es mir nach…und ich will die Gefühle aller Apotheken-Umschau-Leser nicht verletzen….aber meine Schwiegermutter ( regelmäßige Leserin und Fan von darin für gut befundener Tipps ) nannte die Zeitschrift Rentner-Bravo und ich fand das cool..:-)

    • OneBBO 10. April 2011 / 09:41

      Schade, dass du deinen Rechtschreibfehler so nett korrigierst, sonst mache ich das für die Kommentatoren und lösche den Kommentar, aber der ist zu schön 😉

      Apotheker selbst, so sei verraten, nennen die Apotheken-Umschau und vor allem den Senioren-Ratgeber (aus demselben Verlagshaus) auch Rentnerbravo.

      Danke für die Kosteninfo. Ja, das gibt Einblicke….

  5. Andreas 10. April 2011 / 09:46

    Ich bin auch stark von Allergien betroffen *neben sich auf den Berg von Taschentücher schau* und würde sehr viel tuen, damit es aufhört. Ich habe schon so eine Sensibilisierung hinter mir und kann jedem empfehlen der auf Schmerz und Krippesymptome aus der Spritze steht. Ich für meinen Teil werde dies nie wieder machen. Oberarm so dick wie ein Tennisball und Fieberschübe gehören nicht zu meinen Lieblingen.
    Mit Leid und Angst anderer lässt sich viel Geld verdienen. Auch wenn jetzt kommt, dass es eine sehr einseitige Sichtweise ist, so würden solche Fehlinformationen nie veröffentlicht werden, wenn nicht irgendetwas dahinter steht.
    Wie heißt es so schön in der BWL „Ein Bedürfnis muss entstehen um es zu befriedigen.“
    Die Apotheken-Umschau halte ich persönlich für ein Käseblatt wie die Bild, ADAC Motorwelt usw. Da stehe immer abenteuerliche Sachen drin wie „Möhren dürfen nur gekocht verspeist werden“
    Dort wird wohl jedes Medikament im Selbsttest erprobt und dann kommt so ein geistiger Kartoffelbrei raus.

    • OneBBO 10. April 2011 / 09:49

      Das Problem mit der Apotheken-Umschau ist, dass ihr Inhalt zwar einem Käseblatt gleicht, nicht aber das Image, einfach dadurch, dass sie in der Apotheke verteilt wird.

      Oh das mit den Möhren muss ich verpasst haben… 😉

      • Heike aus Mainz 10. April 2011 / 10:30

        „Mit Käseblättern fängt man Mäuse“ 🙂 grins

        • vinci 11. April 2011 / 17:54

          Der ist gut! *lol*

    • Bernd 10. April 2011 / 11:32

      @ Andreas

      und was unternimmst Du nun wegen der Allergien?

      Hast Du mit der Vollwert angefangen, Brukers und Schnitzers Ausführungen zum Thema Allergien gelesen etc?

        • Andreas 10. April 2011 / 12:25

          danke.. ist halt nicht von heut auf morgen gelöst

          • culinaria 10. April 2011 / 20:37

            Nun, ich finde, die Lösung hat sich erstaunlich und für mich auch überraschend schnell angebahnt!! Vor allem in Anbetracht dessen, dass das Problem sich über Jahre hinweg entwickelt hat.

    • Moon 11. April 2011 / 15:53

      @ Andreas: Ich habe jetzt mehrfach gehört bzw. miterlebt, dass es bei Heuschnupfen nach (konsequenter) Umstellung auf tef-Voweko so weiterging: 1. Jahr: nur wenig bis mäßige Besserung, 2. Jahr: gut spürbare Besserung, 3. Jahr: kaum noch Beschwerden, z. T. schon komplett keine mehr. Dies ist nur auf den Heuschnupfen bezogen. Andere Erscheinungen, wie Du sie auch schon beschrieben hast (z. B. Gewichtsregulierung), bemerkt man zusätzlich „nebenbei“ schneller. In diesem Sinne: Gute Besserung und „dran bleiben“ 🙂

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