Schwachpunkte von Umfragen

Kommentar vom 9. Mai 2011: Die Sinnlosigkeit von Umfragen

Der Eurovision Song Contest wird ja neuerdings immer so schick abgekürzt als ESC. Mich erinnert das eher an die ESC-Taste vom PC 🙂 Nun gab es im Remscheider Generalanzeiger vom 7. Mai eine nicht repräsentative Umfrage. „Nicht repräsentativ“ fiel mir auch erst auf den zweiten Blick auf. Da frage ich mich doch gleich: Was soll eine Umfrage, wenn sie sowieso nicht repräsentativ ist? Platz füllen? Nun, die lebenswichtige Frage lautete:

Freuen Sie sich auf den Eurovision Song Contest?

Darunter können wir eine Torten-Grafik sehen, wie sehr wir uns alle nun darauf freuen. Nun ist es so, dass ich persönlich mich überhaupt nicht darauf freue: Ich habe keinen Fernseher, mir hängt Lena zum Hals raus, das Getue um Düsseldorf nervt mich und das Ganze hat schon seit mindestens 10 Jahren seinen letzen Rest von Charme verloren. Also interessierte ich mich vor allem für die Nein-Antworten. Offenbar war das eine Umfrage mit vier vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, immerhin: wir erfahren die Frage und die möglichen Antworten, Infos, die uns sonst ja gerne vorenthalten werden. Und weil wir hier die vorgegebenen Fragen vorgesetzt bekommen, können wir auch wunderbar sehen, warum Umfragen häufig einfach an der Sache vorbeigehen. Irgendjemand denkt sich da nämlich Fragen und vor allem Antworten aus, die angeblich alles abgedecken, und vergisst das Wichtigste. Firmengelenkte Umfragen sind da besonders nett, wenn ich nämlich die Fragen stelle: Finden Sie unsere Firma (a) toll, (b) gut, (c) zufriedenstellend und (d) nicht ganz so gut, können wir uns ausmalen, dass diese Firma kein niederschmetterndes Ergebnis bekommt.

Aber zurück zum ESC, an dem mich ja nun die vorgegebenen „Nein“-Antworten interessierten:

Nein, für mich ist das ein reines Fernsehereignis
Nein, ich vermeide solche Massenveranstaltungen

Noch bescheuerter kann’s nicht sein, oder? Was haben diese Antworten denn mit der Frage zu tun, ob wir uns auf den ESC freuen? Recht wenig. Logische Antworten wären gewesen: (a) Nein, interessiert mich dieses Jahr nicht, (b) hat mich noch nie interessiert, (c) ist mir egal.

Wer die Antworten nun genauer liest, auch die „Ja“, erkennt, dass die Frage falsch gestellt ist. (Ja, so ein Ereignis ist einmalig in der Region“ und „Ja, man kann Menschen aus vielen Ländern kennenlernen“).

Offensichtlich richtet sich die Frage an Menschen aus dem Düsseldorfer Raum, die life dorthin gehen KÖNNTEN. Da machen diese Antwortmöglichkeiten gerade noch Sinn. Dennoch fehlt immer noch die Antwort „Das ganze interessiert mich überhaupt nicht, höre eh nur Klassik“ Und wen interessiert diese Umfrage jetzt noch, außer dem Layouter des RGA vielleicht , der noch einen Platz füllen musste? 😉

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2 Gedanken zu “Schwachpunkte von Umfragen

  1. Andreas 11. Mai 2011 / 07:57

    Umfragen =/ Repräsentativ , da man die Leute aussuchen kann, die Frage so stellen kann, dass ein bestimmtes Ergebnis raus kommt und man die Antworten vorgeben kann. Auch diese Stichproben der Bevölkerung ist immer nur eine Annahme, au deren Ergebnis die Umfrage dann auf die ganze Bevölkerung hochgerechnet wird.
    Das wär so als wenn ich hier eine Umfrage um den Fleischkonsum machen würde und dieses Ergebnis (wenn alle sozialen Schichten abgedeckt sind) auf die deutsche Bevölkerung hochrechne. Ok an diesem Beispiel sieht man extreme Unterschiede, aber das Prinzip ist immer das gleiche.
    Ich für meinen Teil bin froh, dass Berlin dieses Spektakel nicht bekommen hat. Ich find das ganze so schrecklich… alle singen Englisch, kein Kulturaustausch, weil es da keine Kultur gibt.. Schlechte Künstler mit noch schlechteren Liedern zeigen wer der Beste ist und bewertet werden sie von der Bevölkerung.. Also bei uns Bildleser, DSDS Gucker, Big Brother Kosumierer und ewigen Nörgler.. Also sehr repräsentativ diese Sendung..

    • OneBBO 11. Mai 2011 / 08:03

      Die Stadt Düsseldorf erhofft sich davon einen guten Ruf und Steuereinnahmen. Was ich zu bezweifeln wage.

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