Umweltschutz quillt aus allen Poren

Kommentar vom 19. August 2011: Ketzerisches zum Umweltschutz

Manchmal hängt mir dieser ganze Umweltschutz zum Halse raus. Ich sortiere brav meinen Müll, damit er nachher doch insgesamt verbrannt wird, kaufe wesentlich kostspieligere ökologische Putzmittel und kriege einen Tobsuchtsanfall, wenn die Putzhilfe die Küche kurz verlässt und dabei den Kühlschrank offen stehen lässt. Nun gut, bei manchen Dingen kostet es auch mein Geld. Hoher Stromverbrauch heißt hohe Stromrechnung, zumindest für mich als Endverbraucherin, ich glaube, die Industrie hat günstigere Tarife. Papier benutzen wir im Büro von beiden Seiten. Beim Einkauf von Kleidung achte ich möglichst darauf, dass sie nicht aus Ländern mit Kinderarbeit kommt.

Es gibt übrigens durchaus Gründe, kein Recycling-Papier zu verwenden: Es hat einen höheren Abrieb und schadet damit Drucker und Kopierer. Seit wir damit vor Jahren mal einen sauteuren Kopierer fast ruiniert haben, sind wir auf normales Papier zurückgegangen. Lieber normales Papier im Drucker von zwei Seiten benutzen, statt den Kopierer zum Erliegen zu bringen. Ständige Reparaturen oder die Anschaffung eines neuen Gerätes nach 2 Jahren statt 10 Jahren ist auch nicht umweltfreundlich 😉 Auch gibt es einen weiteren Grund: Wenn man einen Text auf Korrektheit usw. liest, ist man kritischer, als wenn man ein „billigeres“ Papier vor Augen hat. Wer also beruflich mit Texten umgeht, so wie ich das für meinen Lebensunterhalt tue, wird sich ebenfalls gut überlegen, welches Papier er nimmt.

Wie gesagt, manchmal geht mir das auf den Keks, dass ich bei jedem Handschlag über die Umweltverträglichkeit nachdenken soll. Ja, beim beidseitigen Gebrauch des Papiers spare ich Geld. Aber ob ich brav alle Kartons zerschnetzelt in das Altpapier gebe (Arbeit!) oder nicht, da kräht kein Geldhahn nach. Es erscheint mir teils im Gegensatz zur Ernährung sehr sinnlos. Warum sparen wir hier Sprit wie verrückt, wenn in anderen Ländern nicht einmal ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Knappheit des Rohstoffs herrscht? Wofür kaufe ich teure Bioputzmittel, wenn schon meine Nachbarin gar, die Industrie auch nur in wenigen Fällen darauf achtet? Warum soll ich mir das Leben teuer und unbequem machen? Viele sogenannte umweltfreundliche Dinge sind auch Nepp und qualitativ schlechter, wie zum Beispiel Parkettversiegelung – der Parkettmeister, der mir das vor ca. 10 Jahren verlegt hat, wusste ein Lied davon zu singen.

Ich tue das für die Nachwelt, wird mir dann gesagt. Ach ja? Und was habe ich von der ganzen Sparerei, wenn in China rumgequast wird ohne Ende? Was interessiert mich meine Nachwelt, hat sich meine Vorwelt darum gekümmert, wie ich zurecht komme? Warum soll ich mich für eine Nachwelt kasteien, während die Besitzer von Gentechnikfirmen offenbar überhaupt kein Problem damit haben, die Nachwelt zu zerstören? Wofür grünen Strom kaufen, wenn die großen Firmen wie RWE und eon bemüht sind, beim Aufbau von Kernkraftwerken in anderen Ländern zu helfen?

Dann gibt es endlose Diskussionen darüber, ob man nun ein Handy eine Stunde lang am Tag eingeschaltet lassen darf oder nicht – bewiesen ist nicht wirklich etwas, aber Technik ist ja von vorneherein böse. Und diese Diskussion über schädliches Handy, schädliche Kunststoffe, furchtbare WLAN-Strahlen, DECT-Strahlung… alle diese Diskussionen werden geführt – am PC. Vor einem Bildschirm. Strahlt der mich nicht an? 😉

Ich soll ein Zeichen setzen, ein Vorbild sein? Ey, wofür? Ich habe den Eindruck, in Deutschland herrscht ein rechter Umweltfimmel, der in anderen Ländern nicht so ausgeprägt ist (ich lasse mich in Bezug aufs Ausland gerne auch eines besseren belehren). Political Correctness in Deutschland bedeutet auch die Umwelt zu schützen bis zum geht nicht mehr.

Hier wird ein Umweltbewusstsein gelebt, das vor allem eins tut: Es kostet mich als Bürgerin dieses Landes viel Geld. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein und die Argumente „na einer muss doch anfangen“, interessieren mich wenig. Anfangen ja, aber so lange alleine bleiben?

Manchmal hab‘ ich’s eben einfach satt.

Werbung

21 Gedanken zu “Umweltschutz quillt aus allen Poren

  1. Marienkäfer 19. August 2011 / 17:47

    Du sprichst mir aus der Seele. In diese Rubrik gehören für mich auch die Energiesparlampen und das Wasser sparen (mit dem Ergebnis, dass die Leitungen verkeimen).
    Und ebenfalls Wäsche nicht mehr bei 60° C zu waschen … stattdessen lieber eine Menge Chemie für die „porentiefe Reinheit“ in unsere Waschmaschinen zu kippen.

    • OneBBO 19. August 2011 / 17:49

      Oh ja, auch das sind auch drei Punkte, die ich „liebe“. Danke für die Ergänzung 🙂

  2. Morgenländer 19. August 2011 / 18:16

    „Manchmal hab’ ich’s eben einfach satt.“

    Liebe OneBBO,

    das bist du wirklich nicht allein.

    Ein verantwortungsvoller Umfang mit begrenzten Ressourcen ist sicherlich wichtig; man sollte aber nicht übersehen, dass die angeblich höhere ‚ökologische Veträglichkeit und Nachhaltigkeit‘ eines neuen Produktes oft nur dem Hirn eines Marketing-Expertenj entsprungen sind.

    • OneBBO 19. August 2011 / 18:19

      Stimmt – mit „Umwelt“ lässt sich ja fast alles noch besser verkaufen als mit „Bio“

  3. sternenfrau 19. August 2011 / 22:36

    Der Gedanke „Ich bin mit meinen Umweltschutzbemühungen ganz alleine“ ist einer, der sich zu überprüfen lohnt. 😉

    Für mich hat umweltbewußtes Handeln schlicht und einfach damit zu tun, daß ich meinen Heimatplaneten liebe. Daß ich durch mein Verhalten ihm nicht unnötig Schaden zufügen möchte und daß ich nicht möchte, daß andere Lebewesen meinetwegen (z.B. Tiere für die „Lebens“mittelgewinnung) leiden müssen. Ich tue das nicht aus Nächstenliebe meiner Mitmenschen wegen, sondern für die Erde. Und mir sind die Kampagnen und Machenschaften Industrieller egal.

    Es geht auch nicht darum, für irgendwen Vorbild zu sein. Das ist gar nicht meine Angelegenheit. Wie könnte ich mir anmaßen, für jemanden ein Vorbild zu sein? Tue jeder, was er für richtig hält – es ist jedermanns/fraus eigene Verantwortung.

    Natürlich ist unsere Zeit von Konsum, Geld, Gier und Macht besessen. Aber das hindert mich kein bißchen daran, für mich selbst anders zu handeln. Und: ich genieße es und bin dankbar für das Privileg, mir teures Ökowaschmittel und Biolebensmittel leisten zu können, keinen Mangel erleben zu müssen und mich daran zu erfreuen, sparsam mit den Ressourcen umzugehen.

    Wenn ich mein Leben damit zugebracht hätte, darauf zu warten, daß andere zuerst dieses oder jenes tun oder einsehen, dann wäre ich jetzt sehr wahrscheinlich ein deutlich weniger glücklicher Mensch.

    „Mögen alle Wesen glücklich sein –
    und die Ursachen des Glückes erfahren!
    Mögen sie frei sein von Leiden –
    und den Ursachen des Leidens!“

    • Morgenländer 20. August 2011 / 06:13

      Dagegen ist wenig zu sagen. Natürlich ist ein schonender Umgang mit Ressourcen wichtig, zumal unsere Generation ja nicht die letzte sein sollte, die diesen Planeten bewohnt.

      Umweltschutz macht auch ökonomisch Sinn, denn ökonomisches Handeln ist ja gerade ein solches, das beim geringsten Einsatz von Mitteln den größten Nutzeffekt erzielt.

      Problematisch wird es für mich erst dann, wenn mit dem positiv besetzten Begriff ‚Umweltschutz‘ ganz andere Ziele und Ideologien durchgesetzt werden sollen und wenn man Menschen die Freiheit nimmt, ihre Prioritäten selbst zu setzen.

    • OneBBO 20. August 2011 / 08:09

      Eine Vorbildfunktion bekommen Menschen manchmal automatisch. Das ist eine Verantwortung, die wir nicht einfach abstreifen können.

      Verbohrtheit beim Umweltschutz nur um der politischen Korrektheit willen ist es, die ich völlig ablehne. Viele denken dann gar nicht weiter – wie das Beispiel, das ich für das Papier gebracht habe.

      Wer hat die ganzen gelben Tonnen gezählt, deren Inhalt bekanntlich nicht wirklich weiter verwertet wird? Hier laufen Azubis durch die Gegend und mahnen Anwohner, wenn sie etwas Falsches in der gelben Plastiktonne finden. Und von den Medien wird so etwas auch noch unterstützt.

  4. Inge Henneberg 19. August 2011 / 23:26

    Jeder der sich umweltbewußt verhält, sich tierfrei und weitestgehend roh und gesund ernährt, verbessert die Welt inkl. Umwelt ein wenig. Daher freue ich mich über jeden der mit unseren Recourcen sparsam umgeht bzw. sich umweltbewußt verhält.

    Auf daß es allen Lebewesen auf dieser Welt gut gehen möge, dafür lohnt es sich.

    • OneBBO 20. August 2011 / 08:12

      Wie war das mit dem Orchester von Bruker? Wenn von 20 Spielern einer falsch spielt, klingt alles falsch. Das lässt sich von der Ernährung auch auf viele andere Bereich übertragen. Es wäre schön, wenn dein Satz mit der Verbesserung der Umwelt stimmte. Wenn mein Nachbar – fiktiv – Pestizide wie doof in seinem Garten rumstreut, ist das völlig egal, ob ich meinen Abfall sortiere. Da wird die Umwelt nicht besser, der Untergang wird nicht einmal aufgehalten 🙂 Meine Meinung.
      Was nicht heißt, dass ich hier mit den Ressourcen rumquase 🙂 Ich möchte die Verhältnismäßigkeit gewahrt sehen.

  5. Frau Schmidt 20. August 2011 / 15:01

    Ich sehe es so, wenn jeder ein wenig bewusster mit Ressourcen etc. umgehen würde, wäre sicherlich mehr geholfen, als wenn wenige akribisch auf deren Schonung achten.
    Chinesen, Inder etc. leben ja inzwischen, als hätte man eine zweite Welt irgendwo in der Schublade. Schicken wir ruhig weiter Milliarden Euro von Entwicklungshilfe hin…(Sarkasmus!)

    Was mich im direkten Umfeld aber richtig zum Schäumen bringt: gerade Familien mit Kindern machen sich (sehr oft) am allerwenigsten aus Umweltschutz, Nachhaltigkeit etc., dabei sollte man meinen, sie hätten den besten Grund…

    • OneBBO 20. August 2011 / 15:14

      Vielleicht meinen diese Eltern, sie hätten genug für Nachhaltigkeit gesorg? 😉

  6. Inge Henneberg 20. August 2011 / 17:02

    Ja – das Beispiel mit dem Orchester kenne ich, aber ich denke man kann es nicht auf unser Thema anwenden.
    Da bin ich eher der Meinung, daß – jeder – der sich für eine gesunde Lebensweise inkl. besserer Umwelt entscheidet, ein Gewinn für das Gesamtergebnis – alle Lebewesen sollen zufrieden und glücklich sein – ist.

    Meine direkten Nachbarn (Hausmeister) sind starke Raucher, Fleischesser und lieben den Alkohol, aber deswegen lasse ich mich doch von meiner veganen und gesunden Ernährung nicht abhalten.

    Will sagen, jeder Einzelne ist selbst verantwortlich – er hat es in seiner Hand, in welche Richtung sich unsere Erde entwickeln wird, unabhängig davon wie sich die anderen verhalten. Nach einer Verhältnismäßgikeit wird man vergeblich suchen.

    Andererseits verstehe ich Deinen Frust absolut, ist aber schade, denn jeder negative Gedanke zieht Dich hinunter.

    Sieh es positiv, daß Du Dich für eine langfristig bessere Welt (Lebenshaltung, Ernährung, Umwelt) einsetzt und z.B. mit Deinen Büchern oder auch dem Internet versuchst Aufklärungsarbeit zu leisten. Wohl wissend, daß Du nicht „alle“ überzeugen kannst und wirst, aber es zählt jeder der bereit ist sich umzustellen.

  7. OneBBO 20. August 2011 / 17:10

    Ich bin keine Anhängerin des ewig-positiven Denkens. Ich gönne gönne mir daher auch negative Gedanken, die mich keineswegs herunterziehen 🙂

  8. Carmen 21. August 2011 / 09:02

    Oh ja, diese Gedanken kenne ich nur zu gut! Wenn ich intensiv nachdenke, kann ich damit vermutich einen eigenen Blog eröffnen 😉

    Gerade eben (Sonntag morgen, kurz nach acht!) habe ich wieder einmal mit meinem Nachbarn diskutiert. Er hat geklingelt (Noch einmal zur Erinnerung: Es ist Sonntag, 8 Uhr!) und wollte wissen, ob er sich den zerlegten (lackierten!!!) Schrank mitnehmen kann, den wir beim Sperrmüll angemeldet haben. „Der Schrank ist doch aus gutem Holz, den kann man prima als Anmachholz für den Ofen nehmen!“ Auf meine Anmerkung, dass er lackiert sei und ich gar nicht wissen möchte, welche Giftstoffe da beim Verbrennen alle frei werden, machte er nur eine abfällige Handbewegung und sagte in einem ebenso abfälligen Ton „Ach, so ein Quatsch, diese ganzen Ökos wissen doch schon gar nicht mehr, was sie uns alles verbieten sollen. Die haben doch keine Ahnung! Also kann ich mir den Schrank nun nehmen?“

    Toll, so ein Sonntagmorgen, da helfen mir auch alle positiven Gedanken nicht! Ich würde das Gefühl, das in dem Moment in mir aufgestiegen ist, eher mit „Hass“ bezeichnen! Will ich aber auch nicht – bin ja schließlich so was wie ein „Gutmensch“ und will immer alles richtig machen…

    • OneBBO 21. August 2011 / 09:09

      Musste ich lachen beim letzten Absatz – einer meiner geplanten Artikel ist nämlich „Warum ich kein Gutmensch sein möchte“ 👿

  9. culinaria 21. August 2011 / 20:41

    Was „die anderen“ machen – seien das nun einzelne andere Menschen, Gruppen oder ganze Länder, kümmert mich weder bei meiner Entscheidung, wie ich mich ernähre noch wie ich mich sonst verhalte. (Banales Beispiel: Würde ich anfangen darüber nachzudenken, wie wenig das Verhalten von mir als Einzelperson bewirkt, dann bräuchte ich zum BS auch gar nicht erst wählen zu gehen.) Ich glaube, dass jeder Gedanke und jede Tat in der Welt eine Wirkung hat. Wobei ich zugebe, dass wir Menschen wenig positive Wirkungen auf die Erde tragen, so dass ich glaube, die Erde wäre schon längst vernichtet, wenn sie nur auf menschliche gute Taten angewiesen wäre …

    • OneBBO 22. August 2011 / 06:10

      Meines Erachtens ist das nicht mit dem Wählen zu vergleichen, weil das eine Sache ist, zu der wir regelmäßig aufgefordert werden und bei der die Anzahl der Wähler ja auch begrenzt ist und die Anzahl der zu wählenden auch.

  10. Andreas 21. August 2011 / 22:26

    Wir können das Denken anderer nur wenig beeinflussen. Unsere Wirtschaft ist darauf gebaut neues zu Erschaffen und vermeidlich altes zu vernichten. Dieses Konsumdenken führt zu einem riesigen Berg von Müll.
    Ich glaube daran, dass egal wie man sich verhält der Wagen so oder so gegen die Wand fährt. Die meisten Leute denken an ein neues IPhone als an die Umwelt.
    Ich für meinen Teil mach das nur für mich. Ich bin was besonderes und will mich einem System nicht unterwerfen. Ich denke dabei weder an die anderen die sorglos Müll durch die gegen werfen, oder Politiker, die den Grünen Punkt als gerechtfertigt diskutieren.
    Das ist mir alles egal. Nur ich frage mich immer: „Brauche ich das wirklich?“ Das gleiche gilt beim Essen. Brauche ich Lebensmittel aus allen Teilen der Welt oder reicht es nicht Produkte aus der Region zu kaufen.
    Ich finde es nicht unbequem wenn ich Omas Pflaumen vom Baum pflücke anstelle welche aus der Türkei zu kaufen. Ernten ist ein schönes Erlebnis und die Frische garantiere ich mir selbst 🙂

    • OneBBO 22. August 2011 / 06:11

      Ich klettere nicht auf Bäume, habe ich noch nie getan … und kaufe daher lieber Pflaumen von meinem Bauern aus Solingen. Muss ja nicht gleich die Türkei sein 😉

      • Andreas 22. August 2011 / 07:17

        Ich verstehe sehr gut was du mit deinem Artikel meinst.. Trends erkennen und vermeiden ein Teil davon zu sein. Momentan ist ein Umwelttrend im Gange. Produkte werden Grüner, obwohl sie genauso schädlich sind wie früher. Dabei muss man einfach das gleiche Schema der Kontrolle anwenden, was in der Lebensmittelindustrie so machen lug und trug aufgedeckt hat. Firmen wollen einfach verdienen und wenn es Geld bringt ihre Produkte lila-weiß gestreift zu färben, dann machen sie es und wenn es hilft ein Umweltsiegel oder schön viel grüne Farbe zu verwenden, dann wird auch das gemacht.

        • OneBBO 22. August 2011 / 07:19

          Genau so ist es! 🙂

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.