Vegetarismus in der Apotheken-Umschau

Zuerst einmal sei euch herzlich gedankt für die Umfrage zur Apotheken-Umschau & Co. Ganz klar ist: Die meisten möchten diese Artikel nicht aus den Augen verliere. Heute habe ich etwas für euch aus der aktuellen Ausgabe rausgepickt, das im Rahmen der AU neu ist. Los geht’s:

Kommentar vom 23. September 2011: Vegatarisch ist im Kommen!

Das ist jetzt nicht meine persönliche Meinung, sondern Zentrum der Apotheken-Umschau, B-Ausgabe, vom 15. September. Der Chefredakteur Dr. Hans Haltmeier weiß das nämlich mittlerweile auch und begrüßt uns dann auch gleich auf der ersten Seite mit der witzigen, äh, Überschrift „Rot-grün auf dem Teller“. Daneben ein Bild von einem lächelnden Gesicht aus Fenchel, Tomaten und einer Bohne. Noch nie habt ihr so etwas gesehen, gell?

Nun ja, aber im Text geht es wirklich zur Sache. Herr Dr. Haltmeier kann es überhaupt nicht verstehen, warum so wenige Menschen Vegetarier sind, wo es doch für Umwelt und Gesundheit so viel besser ist. Aber er möchte das alles lieber entspannt sehen, nicht als Glaubenskrieg. Und deshalb bekommen wir schöne Rezepte, die sogar eine Redakteurin mit dem vegetarischen Namen Ute Essig (ehrlich!) zum Umdenken brachten. Und so ein Chefredakteur weiß natürlich, wie er schreiben muss, um die Massen zu begeistern: er bringt den Höhepunkt im letzten Satz:

„Und weil es so gut schmeckt, haben wir ab Seite 82 einige Rezepte ohne tierische Zutaten für Sie entwickelt – alle äußerst nahrhaft und völlig ideologiefrei.“

Toll, also nicht nur vegetarisch, auch noch vegan? Ich war ja soooo neugierig, und schlug sofort Seite 82 auf. Fenchel mit Reis und äh, geriebenem Käse. Huch, ist das keine tierische Zutat? Wächst Käse mittlerweile auf Bäumen? So geht es mit den Rezepten weiter. Käse hier, Käse dort. Sorry, Leute, wenn ich euch immer vom Käse abgeraten habe – ich dachte immer, er sei ein Tierprodukt. Andererseits: So wie heute industriell verarbeitet wird, ist vermutlich im Käse wirklich nichts Tierisches mehr? Ist es das, was Herr Dr. Haltmeier uns durch die Blume sagen wollte…. oder hat er einfach, die Wurst in der Hand, sich nicht mal die Mühe gemacht, auf die eigens vorgestellten Rezepte zu schauen?

Es gibt auch noch einen weiteren großen Artikel zur vegetarischen Ernährung. Dabei ein hübsches buntes Foto von Judith Drechsel und ihrem Freund, die sich beide seit vielen Jahren vegan ernähren. Wie geht das mit vegan? „Mit Hefeflocken macht sie Aufläufe herzhaft. Durch Sojamehl ersetzt sie beim Kuchenbackern die Eier …“ Kräuseln sich eure Nägel schon? Keine Sorge, es kommt NOCH besser: „Einem Vitamin-B12-Mangel beugen beide mit Nahrungsmittelergänzungsmitteln vor.“

Da sind wir doch alle wieder beruhigt….  Und an anderer Stelle kommt endlich mal wieder jemand von der DGE zu Wort, Frau Antje Gahl (nicht zu verwechseln mit Frau Antje aus Holland, die uns den Käse anpreist): „Vegetarische Ernährung halten wir grundsätzlich als Dauerkost für geeignet, wenn auch Milch und Milchprodukte auf den Teller kommen“, sagt Gahl. Milch – und Eier – enthalten wie Fleisch das Vitamin B12, das der menschliche Körper braucht, aber nicht selbst herstellen kann.“

Wo ist die Gahlsche Tüte, in die ich spucken darf? Der menschliche Körper stellt das Vitamin nicht her, richtig – aber die Bakterien und Mikroorganismen im Darm tun das gerne. Womit ich auch gleich auf meinen nächsten Monatsfilm verweisen kann….

Chefredakteur und Fachfrau haben hier eine schöne Gemeinsamkeit: Sie reißen die Klappe über Dinge auf, über die sie sich nicht ausreichend informiert haben. Aber das macht nichts, ihre Leser werden das schon glauben. Oder auch nicht 😉

20 Gedanken zu “Vegetarismus in der Apotheken-Umschau

  1. sandra 23. September 2011 / 18:37

    Sehr schöner Artikel 😉
    Eine vegetarische Freundin kauft auch nur Käse mit (oder aus?) mikrobiellem (mikrobi…irgendwas) Lab. DANN!!! wäre der Käse in Ordnung für Vegetarier. Wo zum Teufel kommt die Milch her? Ach so… das wären dann die Veganer. Du siehst, liebe Ute, alles in Ordnung 😉
    Es ist ja tierfrei…………
    Nun gut räusper

    • OneBBO 23. September 2011 / 19:14

      Wieso, liebe Sandra, bist du im Spam gelandet? Habe dich gerade gerettet 🙂

      Ich kann das ja nie nachvollziehen mit diesen ganzen gruseligen Ersatzprodukten. Meine Backe, wenn ich ein Grillwürstchen essen wollte, dann äße ich eins. Wenn mir aber die Tiere so leid tun, dann kann ich auch kein künstliches Grillwürstchen essen, denn ich würde doch ständig den Geschmack von „totem Tier“ im Mund haben.

      • sandra 25. September 2011 / 12:53

        Danke für die Rettung aus der SPAM-Falle. Habe schon Angst bekommen 😉
        Hatte bei mir Problemchen mit dem Netz. Lag vielleicht daran. Ich muss gestehen, dass ich schon einmal veganen Käse aus Cashewnüssen?? und sonstigen Bestandteilen bei einem Versandshop gekauft habe. War echt lecker… Als ich die Zutatenliste gelesen habe nicht mehr. Über die Apotheken-Umschau wundere ich mich kaum noch. Da stehen oft Artikel drin über die man sich nur noch „wundern“ kann.

        • OneBBO 25. September 2011 / 12:57

          War der Kunstkäse nur lecker oder schmeckte er wie Käse? Wie lange warst du schon auf konsequenter Vollwert, als du ihn „lecker“ fandest? Alles hochinteressante Fragen – da gibt es sicher noch mehr – die sich in einem solchen Zusammenhang jeder selbst stellen sollte.

          • sandra 25. September 2011 / 13:09

            Das war zu Beginn. Ich habe Käse echt vermisst. Ob er wie Käse geschmeckt hat? Hm, mal überlegen. Würde sagen ja, wie Cheddar. Vor Kurzem habe ich festgestellt, dass mir Käse nicht mehr schmeckt. War zum Pizza eingeladen. Vegetarisch natürlich. Bloß der viele Käse… bäh. Ich hatte echt eine Art Entzug. Käse, Schokolade und Kaffee. Als ich das wegließ, kamen Schüttelfrost, Kopfweh, Aggressionen und ein Lustgefühl auf gerade diese Sachen auf. Bin jetzt relativ clean 😉

  2. Gulaschkanone 23. September 2011 / 20:21

    Das mit dem B12 ist wirklich blöd… ich habe auch gedacht ich bräuchte es nicht, wasche ich doch mein Bioobst nicht, FKB und und und… naja… mein Level war mit den ersten Ausfallerscheinungen
    ganz schön tief (95). Ich wäre davon wohl aber auch als Fleischesser betroffen gewesen und ich helfe mittlerweile mit Nahrungsergänzung nach. Also würde ich sagen, dass Supplemente nicht zwingend, im pathologischem Falle aber, nützlich seien können. Denn Fleisch zu essen, vor allem Innereien,
    in denen das B12 gehäuft vorkommt, nein danke, das überlasse ich lieber den Instinktos.

    • OneBBO 23. September 2011 / 20:25

      Ein wichtiger und interessanter „Fallbericht“, vielen Dank!

      Wenn ich Brucker richtig verstanden habe, ist das B12 in den Innereien auch von Mikroorganismen produziert.

      Wie äußerten sich denn die ersten Ausfallerscheinungen?

  3. Gulaschkanone 23. September 2011 / 20:41

    Da das B12 ja wichtig für den Nervenerhalt ist habe ich teilweise kein Gefühl mehr in den Extremitäten gehabt, Nervenentzündung, Haarausfall (schlimm), Abgeschlagenheit. Das legt sich wirklich schnell, da ich schnell Injektionen bekommen habe. Ich kann aus eigener schmerzvoller Erfahrung auch noch die Beobachtung des Calciumhaushaltes empfehlen (Grünkohl, Sesam, Mangold,…) regelmäßig auf dem Speiseplan…. ich habe mein Lehrgeld bezahlt.

    • OneBBO 24. September 2011 / 07:15

      Hast du dich den in den Zeiten des Mangels bereits vollwertig ernährt? Ich meine das nicht anklagend, sondern ich will das wirklich wissen 🙂

      • Gulaschkanone 24. September 2011 / 18:40

        Ja, ich habe vor ungefähr 2,5 Jahren auf Vollwert umgestellt und bin 4 Monate später, nach einem vegetarischen Intermezzo, Veganer geworden. Im Januar diesen Jahres ist der oben genannte Wert im Blut gemessen worden. Was mir wirklich fehlt um eine stichhaltige Aussage zu treffen ist wie der Wert zu Beginn waren.
        Wie Joachim, der diese komplexe Problematik wirklich gut darstellen kann, ja schon schrieb ist die Krux der „intrinsic factor“ – wenn der spinnt, dann kann man so viel b12 mampfen wie man lustig ist und wird über kurz oder lang einen Weg finden müssen dies über Blutbahn oder Muskelgewebe direkt aufzunehmen.

        • OneBBO 25. September 2011 / 09:11

          Es würde für diese Problematik wirklich nötig sein, einmal Langzeitstudien mit regelmäßigen Blutmessungen durchzuführen. Aber wer glaubt denn noch daran, dass die objektiv und sachlich durchgeführt würden?

          • Gulaschkanone 25. September 2011 / 18:31

            Letztendlich denke, ich dass vielmehr auch das Körpergefühl wichtig ist… ich habe die eindeutigen Symptome zu lange ausgeblendet, weil ich nicht zum Arzt gehen wollte… wenn dieses an´ber vorhanden ist, dann glaube ich können schlimme Mangelerscheinungen, wie in meinem Falle, verhindert werden.

    • sonnenkind 27. September 2011 / 12:49

      @Gulaschkanone

      Wie meinst du das mit dem Calciumhaushalt? Das man regelmäßig den Gehalt im Blut messen sollte? Und welche Erfahrung hast Du denn gemacht bezgl des zu geringen Calciumgehalts? Hast Du Deine Knochendichte messen lassen und es wurde Osteoporose diagnostiziert oder wie hat sich das geäussert?

      Ich dachte nämlich wenn ich kein Produkte mit konzentriertem tierischen Eiweiß esse, dann benötige ich auch nicht soviel Calcium (der von der DGE festgelegte Bedarf von 800mg ist ja nur für eine Gemischtkost berechnet, allerdings sind ja diese Werte auch mehr willkürlich festgelegt hatte ich mal irgendwo gelesen.) und die natürliche Nahrung würde alles mitbringen was der Körper braucht, auch bezgl des Calciums!?

  4. Joachim 23. September 2011 / 21:13

    B12 wird immer von Mikroorganismen produziert, die auf Pflanzen leben. Die Tiere nehmen sie über die Nahrung auf und so kommt das B12 in die Tierprodukte. Was beim Tier funktioniert, klappt beim Mensch auch, allerdings etwas eingeschränkt. Beim Tier leben die Mikroorganismen bspw. im Pansen weiter, der dem Darm vorgeschaltet ist, so daß das B12 im Darm resorbiert werden kann. Beim Menschen klappt das nicht ganz so einfach, weil die Mikroorganismen primär im Dickdarm leben und dort wird nichts mehr resorbiert. Die Resorption ist daher auf den Übergangsbereich von Dünn- zu Dickdarm beschränkt, der im Gegensatz zum restlichen Dünndarm nicht keimfrei ist. Hinzu kommt, daß die B12 produzierenden Mikroorganismen offenbar auch auf den Schleimhäuten in Mund und Rachen leben und dort B12 produzieren. Wenn wir sie nicht gerade mit Fluoriden oder antibakteriellen Mundspülungen töten, wie das wohl eher die Regel ist. Was die B12 Normwerte angeht: Diese Werte wurden durch die Untersuchung eines repräsentativen Ausschnitts der Bevölkerung ermittelt – mit anderen Worten: An Fleischessern. Ein Vegetarier bzw. Veganer wird daher in der Regel einen niedrigeren B12 Spiegel haben und bei ärztlichen Untersuchungen die üblichen Horrormärchen zu hören bekommen. Natürlich gibt es dennoch einen echten B12 Mangel, der meist auf Resorptionsstörungen zurückgeht. Folgt man Gill Langley („Vegane Ernährung“), dann sind solche Störungen bei Veganern aber keineswegs häufiger als bei Fleischessern. Die Ursachen liegen also sehr wahrscheinlich nicht in der B12 Zufuhr. sondern in der Verwertung.

    • OneBBO 24. September 2011 / 07:15

      Vielen Dank für die fundierte Ergänzung, sehr schön und verständlich zusammengefasst.

  5. Andreas 24. September 2011 / 07:33

    Liebe Ute ich verzeih dir dein Unwissen. Die Industrie hat doch extra für Veganer den Analogkäse entwickelt. (Vorsicht witz!!)

    Bevor ich dich kannte und mir Gedanken um meine Ernährung gemacht habe fand ich das was da steht ganz normal.
    Jetzt denk ich anders und mir tuen sowohl die Leser als auch die Redakteure leid, weil sie es einfach nicht besser wissen.

    • OneBBO 24. September 2011 / 07:42

      Nicht zu vergessen den Analogschinken oder wie der heißt 😉

      Naja, wir kommen ja alle mehr oder weniger aus dem Unwissen. Als Redakteur habe ich aber im Gegensatz zum Normalmensch eine Informationspflicht, und das heißt nicht nur, dass ich andere informiere, sonder mich auch selbst.

  6. OneBBO 25. September 2011 / 13:13

    @Sandra: Interessante Entwicklung 🙂 War bei mir so ähnlich, ich mag Käse auch kaum noch, vor allem nicht auf Pizza.

    • sandra 25. September 2011 / 13:16

      Ja. Bloß doof bei Einladungen. Die meisten Menschen verrollen schon die Augen, wenn man sagt „Bitte kein Fisch und Fleisch“. Wenn ich jetzt noch mit Vollwert und ohne Käse und Milchprodukte anfange…. Zum Glück sind Einladungen ja doch recht selten. Sie lassen sich eher von mir einladen 🙂

      • OneBBO 25. September 2011 / 13:39

        Ich weiß, das ist für viele schwierig. Aber das ist nur eine Übergangsphase – irgendwann gewöhnen sich die Menschen daran. Oder machen halt ständig dumme Bemerkungen, die wir aber – da wir ja dank der Ernährung so gelassen sind :mrgreen: – überhaupt nicht mehr hören 😛

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