Eine Tomatenfamilie

27. Januar 2012: 3 Gedichte – eine Familie

Heute können wir die vielfältig schlummenernden Talente einer durchweg optimistischen Familie sehen. Für neue Leser: Den Hintergrund zu dieser Text- und Gedichtreihe findet Ihr hier

 Ich bin eine Tomate im Jahr 2316, Mutter

Oje, wie ist mein Leben jämmerlich,
hier liege ich ganz kümmerlich!
Wie gerne wäre ich,
zusammen mit Gurke und Rettich
vereint in einer Rohkost-köstlich!
Ganz traurig zumute ist mir,
einsam verbringe ich meine letzte Zeit hier.
Ich fühle mich völlig allein,
das ist gar nicht fein.
Oh Schreck, was sehe ich da?
Droht mir etwa Gefahr?
Ein kleiner Junge, blass und dick,
-das ist gar nicht schick-
steuert auf mich zu
und greift mich im Nu!
Schnell trägt er mich auf die Straße hinaus,
spielt mit mir Fußball-
welch ein Graus!
Achtlos lässt er mich auf der Erde liegen.
Ich bin frei, wir Tomaten werden siegen!
Meine Samen verbreiten sich schnell
und sind des Lebens neuer Quell.
Welch Glück, im Jahr zweitausenddreihundertsechzehn
müssen wir Tomaten doch nicht gehen!

Ich bin eine Tomate im Jahr 2316, Sohn 10 Jahre

Oh Graus, wie ist mein Leben schrecklich!
Seit Tagen liege ich auf diesem Tisch ganz unnatürlich.
Ich vermisse meine Artgenossen sehr,
aber die gibt es nun nicht mehr.
Eine Schande ist dies,
ich finde das ziemlich mies.
Es gehen um die Gerüchte,
es seien schlecht die Früchte.
Die Menschen essen Pampe aus der Dose
und dies mit künstlicher Soße.
Ganz eklig finde ich dies!
Da kriege ich glatt die Kris’.
Plötzlich schwebe ich in der Luft!
Was ist das denn für ein Schuft?
Zermatscht lande ich in einem Haufen Dreck!
Jetzt ist alle Hoffnung weg!
Doch da, nach einigen Tagen im Dreck,
wächst eine kleine Staude gut im Versteck!
Der Wind die kleinen Pflänzchen wiegt,
bis ein großes Feld Tomaten die Industrie besiegt.
Au bange-
jetzt stehen die Menschen Schlange!
Wie soll man sie alle ernähren
und ihnen den Hunger entbehren?
Der Besitzer vom Feld
verdient sehr viel Geld.
Dabei war doch groß die Vermutung, dass am dritten August
Gemüse von der Erde muss – welch großer Verlust.
Dank der Tomate mussten zweitausenddreihundertsechzehn
nicht die wichtigsten Bestandteile der Ernährung gehen.

Ich bin eine Tomate im Jahr 2316, Sohne 8 Jahre

Ach, wo sind denn nur die anderen Tomaten?
Oder gibt es gar keine Arten?
Plötzlich kommt eine große Hand,
trägt mich auf das Land.
Dort pflanzt mich einer ein.
Oh, das macht er fein!
Jetzt fallen meine Kerne raus
oh nein, die Samen frisst eine kleine Maus!
Doch welch ein großes Glück,
da ist ja noch ein kleines Stück!
Von Jahr zu Jahr wächst immer mehr.
Geerntet wird alles leer.
Die Leute verstehen jetzt auch,
was man alles zum Leben brauch’.
So fühlen sich die Menschen und Tiere gut
und ihnen ist wohlgemut.
Nun geht es schnell herum auf der Erde,
dass ich wieder angepflanzt werde.

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2 Gedanken zu “Eine Tomatenfamilie

  1. sandra 28. Januar 2012 / 11:19

    Wirklich schön, danke auch hierfür.

  2. Daniela 28. Januar 2012 / 12:50

    Das ist ja klasse, eine ganze Familie textet Tomatengedichte! Super, gefällt mir sehr gut, das Talent liegt wohl in der Familie!

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