Rauchende Vegetarier

10. Februar 2012: Unvegetarische Stunden

Die Beilage der Tageszeitung, Prisma, habe ich ja hier auch schon öfter ausgeschlachtet. In Woche KW 4 hatte sie wieder einen bemerkenswerten Artikel. Bzw. eigentlich ist es kein Artikel, eher Teil einer Miniserie. Die Serie heißt „Tisch für zwei“, geschrieben aus der Perspektive eines Mannes über ein Pärchen. Pseudohumorvoll werden da irgendwelche Sachen abgearbeitet, so richtig lustig oder lehrreich finde ich das nie, aber irgendwie „muss“ ich es immer lesen 🙂

Nun also die unvegetarischen Stunden. Ich zitiere den Anfang:

„Zum Abendessen die Truderings. Sie aß kein Fleisch ‚grundsätzlich nicht‘. Quälende Debatten über Massentierhaltung, Antibiotika und Schächten. Er qualmte nach dem Essen eine Zigarre was wortlos geduldet wurde.“

Ich war auch mal Nicht-Vegetarierin und habe in der Zeit einige Vegetarier kennengelernt. Keiner von ihnen hat mich je versucht zu bekehren, keiner hat je von sich aus eine Debatte, und schon gar keine quälende begonnen. Natürlich gibt es ein paar solcher Typen, aber sie sind nicht typische für die sehr heterogene Gruppe der Vegetarier.

Was bewegt einen Kolumnisten nun, das war für mich hier die Frage, so etwas zu schreiben? Wer soll darüber lachen? Die Nicht-Vegetarier, die nun endlich einsehen, dass sie die besseren Menschen sind? Dabei ist der Vegetarismus mittlerweile durchaus anerkannt, also man könnte schon fast sagen „hip“. Da hat die Prisma-Redaktion wohl den Zug der Zeit verpasst. Laienpsychologisch könnte ich nun ausführen, dass Nichtvegetarier so etwas schreiben, weil sie sich bedroht fühlen – irgendwo wissen sie ja auch, dass Massentierhaltung nicht okay ist. Aber irgendwie ist mir diese Erklärung zu einfach.

Diese Geschichte ist so primitiv aufgebaut, dass sie mich eher tröstet als ärgert. Wenn schon zu solchen plumpen Keulen gegriffen werden muss, ist der Vegetarismus wohl schon ziemlich stark 🙂

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4 Gedanken zu “Rauchende Vegetarier

  1. Petra 10. Februar 2012 / 21:30

    Nach meiner Erfahrung gibt es zumindest Ansätze zu dererlei Tischgesprächen schon ab und an. Nur: Es war bislang nie der Nicht-Fleischessende (o.k., also ich), der das Gespräch darauf gebracht hat. Falls das erwähnte Tischgespräch also tatsächlich mal stattgefunden haben sollte, hat es vermutlich der Verfasser mit einer ach so lustigen Bemerkung wie „Schmecken Tofuwürstchen eigentlich durchgebraten oder noch blutig besser?“ selbst ausgelöst. Wie weit diese Gespräche gehen, liegt stets an der Bereitschaft des Vegetariers, die Erwartungshorizonte des Gegenübers zu erfüllen. Muss man Lust zu haben … Du und ich haben die jedenfalls nicht, soviel ist mal klar. 😆

    • OneBBO 11. Februar 2012 / 08:37

      Ich finde Gespräche über (meine) Ernährung eh immer etwas quälend, weil das selten aus echtem Interesse kommt – eher so: Meine Güte, wie freaky ist das denn, erzähl mal… 🙂

  2. Frau Schmidt 11. Februar 2012 / 22:14

    Ach ja, das kennen wir ja irgendwie alle:
    „Du frisst meinem Essen das Futter weg“ oder
    „mein Essen sch… auf dein Essen“.

    Man könnte sich eigentlich rund um die Uhr vor Lachen biegen. 👿

    • OneBBO 12. Februar 2012 / 10:31

      Ja, immens lustig, vor allem, wenn wir es erst zum 1735. Mal hören …

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