Die vorletzte Tomate!

2. März 2012: Ne olle Tomate, die Nr. 35

Für neue Leser: Den Hintergrund zu dieser Text- und Gedichtreihe findet Ihr hier

Ich bin eine Tomate im Jahr 2316

Alles läuft ab wie in einem Film, ich dachte noch einmal zurück an meine schöne Kindheit und Jugend am Mutterstrauch, wie ich von Mama weggepflückt wurde und dann mit einigen anderen zusammen weggetragen wurde. An einem kalten dunklen Ort verbrachten wir die nächste Zeit, bis ich mit vier anderen Freunden dort weggeholt wurde. Wir wurden in ein durchsichtiges hartes Etwas gelegt, dort reiften wir zusammen munter vor uns hin. Einige Zeit später wurden drei von uns weggenommen, wir wussten nicht wohin. Als Sie später wiederkamen waren Sie mächtig verfroren und wurden sofort kleingeschnitten und verkocht. Verkochen, das war das sichere Ende einer Tomate. Einer meiner Leidensgenossen hatte mir vor kurzem erzählt wie er einmal nur knapp dem Messer entrollt war. Grausam so ein Tomatenleben, jetzt waren wir also nur noch zu zweit. Plötzlich wurden wir aus dem harten Behälter gerissen und fort getragen. Es ruckelte stark hin und her, mein letzter Freund hakte sich noch mit seinem Strunk an meinem ein, versuchte sich zu halten. Doch es half nichts, er war bald weg, ich bekam noch einen Spritzer Tomatensaft von Ihm ab, er wurde wohl zerquetscht. Dann wurde ich wieder irgendwo anders hingelegt. Ich weiß nicht wo ich bin, ich weiß nur das mein Ende naht, früher oder später. Ich fühle mich total alleine und ich werde auch immer weicher und langsam auch schrumpelig. Wie gerne würde ich noch einmal zum Mutterstrauch. Wenn ich es mir recht überlege wäre es auch besser verkocht zu werden als hier vor sich hinzusiechen. Am Strauch wurden wir immer vor dem weißgrünen Todespilz gewarnt, wir sollten uns bloß nicht verletzen, sonst würde uns der Pilz holen. Manche von uns wurden aber auch so vom Pilz dahingerafft, früher wären wir nicht so empfindlich gewesen hatte mir mal einer gesteckt. Trotz allem, eine Hoffnung bleibt mir: Wenn ich gehe bleibt vielleicht ein Teil von mir hier zurück.

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