Raffgier, Geiz und Co. (Teil 1)

14. März 2012: Raffzähne

Den Beitrag habe ich vor einigen Wochen vorbereitet. Die konkret genannten Preise können sich also mittlerweile geändert haben.

Das allgemeine Jammern über die Übelkeit des Spruchs „Geiz ist geil“ ist groß. Und unter politisch korrekten Menschen gilt die Marktwirtschaft mit dem Slogan „Angebot und Nachfrage regeln den Markt bzw. den Preis“ verpönt. Wir wollen alles teilen, keiner soll mehr verdienen als der andere – so höre ich das zusammengefasst theoretisch. Diese Verachtung der Geldgier gilt wohl nur für Diskussionen, nicht aber für das tägliche Leben.

Ich habe das an einem ganz einfachen Phänomen beobachtet, den gebrauchten Büchern. Ich schaue in diverse Quellen nach, als erste Orientierung nutze ich gerne Amazon – das gibt mir immer so ein warmes Gefühl um’s Herz, dass ich ihre Arbeit nutze, aber ihnen kein Geld zum Verdienen gebe 😉 Also zu den Büchern: In Amazon und anderen Buchshops und Antiquariaten können auch private Verkäufer ihre alten bzw. überflüssigen Bücher einstellen. Vor ein paar Jahren war das noch so, dass man dort Schnäppchen machen konnte bei Büchern, die nicht mehr gedruckt wurden. Heute ist das anders. Kaum wird ein Buch nicht mehr gedruckt, steigen die Gebrauchtpreise auf den Mond. Ich kann das an einem konkreten Beispiel belegen.

Ich habe mir ja eine kleine Bibliothek mit Kochbüchern aufgebaut. Da das ein größeres Unterfangen ist, kaufe ich gerne gebrauchte Bücher in gutem Zustand. Wenn es preislich vertretbar ist, auch gerne ein Neues. Ein Buch, nämlich „Die neue indische Küche“ von Atul Kochhar war mir vor etwa einem Jahr als neues Buch zu teuer (ich glaube, es kostete damals 29,90 Euro), denn ich hatte insgesamt eine größere Summe in diese Bibliothek investiert. Vor zwei Wochen begann ich nun die Shops einmal wieder systematisch nach Neuerscheinungen durchzukämmen und auch zu schauen, ob es andere Bücher, die mir einmal zu teuer waren, jetzt gebraucht gibt.

Das Buch von Kochhar gibt es nicht mehr druckfrisch. Gebraucht schon. Mir schlackerten die Ohren, als ich die Preise sah: 74,50 Euro! Ein Verkäufer in abebooks verlangt sogar 119 Euro. Ja ist die Welt bekloppt? Ich käme nie auf die Idee ein gebrauchtes Buch teurer zu verkaufen, als ich es selbst gekauft habe. Wie mondhaft diese Preis sind, die auch von Händlern gerne verlangt werden, lässt sich vor allem an diesem Buch gut erkennen: seit mehreren Wochen gibt es dieses Buch gebraucht in Amazon von einem bescheidenen Verkäufer für 15,50 (plus Porto). Niemand hat es wochenlang gekauft. Bei einem anderen Buch ist es mir per Zufall gelungen, das billig (4,00 Euro) zu bekommen. War das jetzt etwas ganz Besonderes? Überhaupt nicht, weder gut noch schlecht, einzig: nicht mehr gedruckt.

Das Phänomen können wir auch in allen anderen Bereichen sehen: Bitte schön, ich selbst will am besten für Markenware nur 3 Cent zahlen, aber für meine ollen gebrauchten Aldi-Latschen hätte ich aber doch gerne 50 Euro, die haben immerhin mal 10,50 Euro neu gekostet!

Ich kann da nur staunen.

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14 Gedanken zu “Raffgier, Geiz und Co. (Teil 1)

  1. Heike 14. März 2012 / 17:59

    Mir ging es ähnlich. Ich suche seit Jahren einen Film, den ich aus meiner Kindheit kenne, auf DVD. Tatsächlich gibt es den nur noch bei ebay gebraucht zu kaufen, dafür aber für sage und schreibe über 90 Euro . ( Film heißt „Miez und Mops“ ) Auf VHS ist er schon für wenige Euro zu haben, nur da kaum einer mehr einen VHS Recorder hat, ….nun ja,..ich hab mir dann doch die günstige VHS Kassette geholt und rumgefragt, wer mir die überspielen könnte….hab auch jemanden gefunden :-), …aber ich dachte auch, das ist ja voll bekloppt , 90 Euro für ne DVD …..

    • OneBBO 14. März 2012 / 18:12

      Vor allem halte ich den Film „Miez und Mops“ auch nicht unbedingt für einen weltbekannten Klassiker, auch dreist!

      • Heike 14. März 2012 / 19:48

        stimmt,…

  2. Seelenflüsterin 14. März 2012 / 18:25

    Ich nutze ja gerne die Suchmaschine bookbutler.com wenn ich auf Bücherjagd bin . Leider sucht die nicht bei ebay oder hood . Als ich mir ein ganz bestimmtes , vielleicht seit 8-10 Jahren nicht mehr gedrucktes Buch zulegen wollte , hab ich da suchen lassen . NP war mal 24,95 € , sollte jetzt beim günstigsten Anbieter , starke Gebrauchsspuren , 65,50 € + Porto kosten . War natürlich etwas niedergeschmettert , aber da es nicht sehr viele Exemplare gab , laut der Suchmaschine , dachte ich es wäre doch was besonderes . Ich hab dann aber irgendwie doch mal bei Ebay geschaut obwohl ich da ungerne was kaufe , aber siehe da , Buch für 6 € Inkl. Porto und sogar kaum Gebrauchsspuren .
    Ein ganz anderes Beispiel : Ich hab mal ein Geschenk gesucht , sollte ein besonderes Märchenset von Playmobil sein . Hab bei amazon geschaut : ca. 65 €. Bei ebay , auch neu und das selbe Teil : 9,99 € +Porto . Man kann das Set zwar nicht mehr im Laden kaufen und recht alt ist es auch nicht , aber ich hab mich doch schon gefragt wie amazon auf den Preis kommt .

    • OneBBO 14. März 2012 / 18:31

      Nicht nur Amazon ist immer teuer und Ebay immer günstig. Die anderen ziehen alle gerne mit, so habe ich es schon mehrmals beobachtet. In Ebay, Abebooks usw. Da hast du zweimal Glück gehabt, dass die Ebay-Verkäufer noch nicht woanders nachgeschaut hatten 😉

      Übrigens macht nicht Amazon die Preise für die Gebrauchtbücher, das sind die Verkäufer selbst!

  3. Seelenflüsterin 14. März 2012 / 18:55

    Also das Playmobil-Teil war von amazon selbst verkauft , also keiner der über amazon verkauft .

    Nein , ebay ist wirklich nicht immer günstig , deswegen kauf ich da ja auch nicht gerne . Früher war das anders , da hat man öfter wirkliche Schnäppchen machen können . Jetzt wenn ich was suche , fast nur Händler .

    • OneBBO 14. März 2012 / 18:58

      Ah so, sorry, das hatte ich dann falsch verstanden.

      Mit Ebay bin ich ganz mit dir auf einer Linie: Früher hat das richtig Spaß gemacht, nicht nur konnte man Schnäppchen machen, man konnte auch gut verkaufen. Es herrschte ein netter Umgangston. Heute ist das doch durch die ganzen Ebay-Formulare recht entmenschlicht – mit netten Ausnahmen, das sei auch mal gesagt.

  4. Morgenländer 14. März 2012 / 19:07

    Ja, das von dir beschriebene Phänomen kenne ich auch.

    Ich sammle ja englischsprachige Krimis (gern auch ‚Groschenromane‘) und habe mal verblüfft und fasziniert festgestellt, dass für ein Taschenbuch, das vor vierzig Jahren keine fünf Mark gekostet haben wird, über 150,- Euro verlangt wurden – dabei handelte es sich nicht etwa um eine Erstausgabe, sondern ein Reprint.

    Aber was kann man machen, wenn es Liebhaber (man kann sie auch ‚Verrückte‘ nennen) gibt, die solche Preise zahlen?

    Nun, ein geschäftstüchtiger Verlag hat die Rechte an dem Buch erworben und es für 11 Euro neu auf den Markt gebracht – und schon waren die Secondhand-Preise im Keller.

    Die Marktwirtschaft funktioniert halt doch.

    • OneBBO 14. März 2012 / 19:09

      Ich beobachte auch mit Freude, dass die Mondpreise gar nicht immer durchgesetzt werden können. Ich glaube, in diesen bestimmten Verkäuferhirnen geht das so vor sich: „Ich habe hier ein Buch. Sonst niemand. Aha! Jetzt werde ich reich!!“ 🙂

      • Morgenländer 14. März 2012 / 19:14

        So stelle ich mir das auch vor.

        Es gibt da ein Reisetagebuch eines englischen Philosophen, das ich um’s Leben gern in meinem Bücherschrank sehen würde – aber da es 120,- Euro kosten soll, verzichte ich halt und denke mir: 2013 erlischt das Copyright, da wird sich bestimmt ein Verlag finden, der das seltene Buch nachdruckt.

  5. Sophia 14. März 2012 / 19:53

    Mir ist es einmal anders herum passiert. Wir haben vor einem Jahr einen Marken Kinderwagen bei Ebay versteigert den wir selbst für 300€ gebraucht in den Niederlanden gekauft haben. Als wir den Kinderwagen bei Ebay einstellten haben Leute wie wild Geboten. Wir wurden das Teil dann für 380€ los obwohl wir ihn ca 3 Jahre lang in Betrieb hatten. Das Modell wird schon längst nicht mehr gebaut aber man bekommt von der Firma noch Ersatzteile wir waren echt platt!

    • OneBBO 15. März 2012 / 06:27

      Das ist genau das, was Ebay so reizvoll macht bzw. wie ich meine: früher gemacht hat.

  6. Margerite 15. März 2012 / 09:14

    Passend dazu: Gerade habe ich gesehen, dass Dein Schokoladenbuch bei Amazon von einem gewerblichen Verkäufer für 27,99 € + Versand angeboten wird, da es dort anscheinend sonst nicht mehr zu haben ist….

    • OneBBO 15. März 2012 / 09:17

      Das passt! Die alte Version (inhaltlich völlig identisch, ich habe das Buch nur aus Dingen, die mit dem Buch nichts zu tun haben, neu herausgegeben) gibt es nämlich nicht mehr.
      Was für ein schönes Beispiel. Frage mich, wann es auf über 100 Euro geht 😉

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