Ute, wie geht ein Baiser ohne Ei?

18. März 2012: Das Umwandeln alter Rezepte

Ich kann’s nicht mehr sehen. Ehrlich. Diese ewige Fragen ach dem „Äh, wie kann ich denn meine Lieblingsplätzchen / -torten / -Schinkenbrote / -Putenschnitzel auf Vollwert umwandeln?“ Meine Güte, wo ist das Problem? Warum um Himmels willen immer in den alten Ecken rumkrosen? Die Leute, die stets ihre ollen Kamellen (wie passend) ins Vollwertkleid pressen wollen, tragen doch auch nicht mehr die Schuhe, die vor zehn Jahren mal angesagt waren. Das gipfelt teils in wirklich ekelhaften Umwandlungen (zum Beispiel Reiswaffeln statt Mett, würg, eine nette Beschreibung gibt’s hier) und anderen mehr oder weniger guten Versuchen, Althergebrachtes zu tradieren (= zu übertragen).

Gerade die Anfänger sind da ganz heiß drauf, was ich noch nachvollziehen kann. Was ich nicht nachvollziehen kann, dass dann altgediente Vollwertveteranen wirklich noch Tipps geben: „Deinen Zitronenbaiser kannst du mit Biozitronen, Essigschaum und Mehl nachempfinden“ (frei von mir erfunden), statt mal ein Machtwort zu sprechen: „Du bist in einem neuen Leben. Da gibt es so viele leckere Sachen, da brauchst du den alten Krempel nicht mehr.“ Versuch doch mal was Neues, statt das alte nachzuempfinden – was immer fehlschlagen wird, denn nur Nutella schmeckt wie Nutella, weil kein vollwertiges Lebensmittel – zum Glück – den Nachgeschmack von billigen Fetten und Milchpulver imitieren kann.

Ich habe zum Beispiel früher wirklich gerne rheinischen Sauerbraten gegessen, früher bei meiner Mutter – einer ausgezeichneten Köchin -, dann aus dem eigenen Kochtopf, anders – aber auch wirklich lecker. Nie im Leben käme ich auf die Idee, einen Sauerbraten vielleicht mit Roggenflocken etc. vegan nachzumachen. Ich esse heute ganz andere Sachen gerne, z.B. Hülsenfrüchte mit Reis und ein wenig Gemüse ist derzeit der Hit bei mir. Der Sauerbraten ist eine schöne Erinnerung, vorbei, nicht vergessen, aber auch nicht mehr aktuell. Genau wie ich heute nicht mehr im Sandkasten spiele, obwohl ich das als Kind gerne gemacht habe. Die alte Essphase ist vorbei, lasst doch endlich mal die ollen Sachen von vorgestern im Karton und entsorgt den Karton! Es gibt – um nur einmal ein Beispiel zu nennen – auf meiner Website über 4000 leckere Vollwertrezepte. Auch wenn euch vermutlich nicht jedes davon schmeckt, so werdet ihr bestimmt Lieblingsgerichte darunter finden können. Wie viel Lieblingsgerichte hattet Ihr früher? Drei oder vier? Jetzt habt Ihr sicher bald 10 oder 20! Denn vermutlich kocht Ihr auch jetzt viel mehr, zumindest mir geht das so.

Vielleicht mache ich mal ein Preisausschreiben: Sendet mir eurer leckerstes vollwertig-veganes Sauerbratenrezept? 😉

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18 Gedanken zu “Ute, wie geht ein Baiser ohne Ei?

  1. garfffield 18. März 2012 / 18:42

    Dem kann ich nur ganz und vollkommen zustimmen. Die Ersetzerei von Althergebrachtem treibt schließlich auch bei den Industrieprodukten enorme Blüten … und verspricht anscheinend hohe Gewinne. Wenn man sich mal anschaut, was bei diesen ganzen „Ersatzfleischen“ so zusammengerührt wird, da rollen sich einem doch die Fußnägel hoch. Ich möchte das nicht essen. Von den Preisen wollen wir besser mal gar nicht reden.

    • OneBBO 18. März 2012 / 18:52

      Hohe Preise? Ups…. ich war etwas voreilig, vielleicht sollte ich doch noch den Saitan-Roggenflocken-Supperdupi-Sauerbraten entwickeln und reich werden? 😈

      • vinci 19. März 2012 / 16:08

        So’n Mist, ich hatte schon die Feder gespitzt um das Rezept für den Saitan-Sauerbraten zu entwerfen. Nun hattest du die Idee auch schon.

        • OneBBO 19. März 2012 / 16:53

          Du kannst dich ja noch an dem Schweinebraten-mit-Kruste-Tofu versuchen!

  2. Sophia 18. März 2012 / 21:36

    Heute bekam ich eine E -Mail vom VEBU (Vegetarier Bund) mit der Überschrift, „Fraunhofer-Institut entwickelt neuartige Fleischalternativen, (…) Es sieht aus wie ein Schnitzel, es ist saftig und faserig wie ein Schnitzel, es kaut sich sogar wie ein richtiges Schnitzel – doch die Zutaten sind 100 Prozent pflanzlich (…)“ . Mir wird schonnschlecht beim Lesen. Der VEBU scheint ganz stolz auf diesen Fortschritt zu sein.

    • OneBBO 19. März 2012 / 07:25

      Ich kann dem VEBU auch ein Stück Essbares liefern, das sieht aus wie ein Schnitel, ist saftig und faserig wie ein Schnitzel, kaut sich wie ein Schnitzel – es ist nämlich ein Schnitzel 🙂

      Da wird für mich Weltanschauung pervers.

    • vinci 19. März 2012 / 17:09

      Das ist der Grund, warum ich mit dem VEBU wirklich nicht warm werden kann. Ich persönlich MÖCHTE nichts essen, das wie Fleisch schmeckt oder aussieht. Ich möchte die Vielfalt der planzlichen Nahrung genießen und nicht irgendwelche Fabrikerzeugnisse, Fleischimitate, Eiweißkonzentrate etc.

      Ja, es ist eine Sache der Weltanschauung. Und solange ich den Geschmack von Fleisch vermisse, habe ich etwas Grundsätzliches nicht verstanden. So meine Meinung.

      Vielleicht liest ja hier auch jemand vom VEBU mit und der Groschen fällt.

  3. heike 19. März 2012 / 12:49

    Früher fand ich diese Fleischalternativen hipp. Mittlerweile find ich diese Sachen einfach nur unnötig, teuer und gesund sind sie auch nicht. Entweder ess ich Fleisch oder ich lass es.

    • OneBBO 19. März 2012 / 12:52

      Ja, genauso sehe ich das auch… Ich habe ja auch Tofu-Zeiten hinter mir (allerdings laaange vor der Vollwert), so ist das nicht 😉

  4. culinaria 19. März 2012 / 14:20

    Ich habe vor einigr Zeit den GöGa mit einem Parmesan-Nussbraten höchlichst beglückt und fand ihn selbst auch sehr lecker. Das einzig Abartige war allenfalls die Bezeichnung „Braten“ – zumal ich meinen Nussteigling in einer Guglhupfform gebacken habe, war die Bezeichnung “ (pikanter) Kuchen“ eher passend.

    Der Geschmack ist nicht in Richtung Fleisch angepasst – aber selbst wenn – wenn es jemanden (meinen GöGa) nach solchen Dingen gelüstet, er sie aber aus gesundheitlichen Gründen nicht essen darf, warum sollte ich ihm madig machen? Madig mach ich ihm nur Industrieprodukte.

    • culinaria 19. März 2012 / 14:23

      Bytheway: Der „Nussparmesan“ auf meinem gestrigen Gemüse war Spitze – obwohl ich den leicht käsig schmeckenden Schabzigerklee durch ein leckeres Currygemisch ersetzt habe.

    • OneBBO 19. März 2012 / 14:37

      Es geht mir in diesem Artikel ja nicht um Bezeichnungen, sondern um das krampfhafte Bemühen, die alten Sachen wirklich „nach-zu-kochen“. Ich persönlich meide zwar diese Alt-Namen, aber manchmal nutze ich sie auch (z.B. Rohkost-Pizza usw.)

  5. Hendrik 19. März 2012 / 15:13

    Mich beeindruckt die enorme Vielseitigkeit der Vollwertkost und vor allem die Tatsache, so viele „neue“ Lebensmittel kennen zu lernen. Die geschmackliche Vielfalt und die unzähligen Gerichte lassen mir gar keinen Raum, konventionelle Rezepte zu imitieren.
    Es ist auch jedem klar, dass ein Marmorkuchen mit Vollkornmehl und Honig nie so schmecken kann wie das Gegenstück mit Weißmehl und Zucker. Die Enttäuschung ist meist das Letze, was von einem Nachempfindungsversuch übrig bleibt. Ich versuche ja auch nicht, aus Hackfleisch Grünkernbratlinge zu machen 😀
    Darum genieße ich das Neue, langweilig wird´s bei mir auf dem Teller die nächsten Jahre sicherlich nicht.

    • OneBBO 19. März 2012 / 15:14

      Hihi, die Umkehrung ist genial: Aus Hackfleisch Grünkernbratlinge machen 🙂 Merke ich mir, das ist ein Superargument.

  6. Drea 20. März 2012 / 22:27

    Eine Freundin (Vegetarierin) von mir meinte mal, dass wer ne Soja-Bratuwrst braucht, sich nicht eingestehen will, dass er/sie Vegetarier ist 🙂

    • OneBBO 21. März 2012 / 06:08

      Hmmm, da stehe ich jetzt etwas auf dem Schlauch, ich hätte erwartet, dass es heißt „Wer eine Soja-Bratwurt braucht, will sich nicht eingestehen, dass er KEIN Vegetarier ist.“ Denn ein Nichtvegetarier ist ja keine Soja-Bratwurst, oder?

    • culinaria 21. März 2012 / 09:29

      Ich entdeckte gestern in einem meiner indischen Kochbücher (nicht durchgehend vegetarisch) ein Rezept mit indischer und deutscher Bezeichnung – deutsche Bezeichnung „Indische ´Currywurst´“ – klingt trotz dieser mich nicht unbedingt reizenden Bezeichnung sehr lecker und ist aus erst gekochtem und dann in Gewürzen gebratenen Kichererbsenteig gemacht … Ob sich ein waschechter Vegetarier damit anfreunden könnte? Ich werd´s jedenfalls ausprobieren.

      • OneBBO 21. März 2012 / 09:36

        Ich gebe manchmal auch solche Namen, einfach aus Blödsinn 🙂

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