Veganer, die gar keine sind

5. Juli 2012: Veganer, die Soyawürstchen essen

Meine Hypothese ist: Veganer, die Soyawürstchen und Seitanschnitzel essen, sind im Grunde keine Veganer.

Einleitung

Zuerst möchte ich meine Vor-Gedanken präsentieren. Es geht mir hier natürlich nicht um alle Veganer und Vegetarier, sondern speziell um diejenigen, die Sojawürstchen, Seitan-Schnitzel und ähnliches kaufen. Meiner Ansicht nach sind sie nur Möchtegern-Veganer oder Möchtegern-Vegetarier. Den Nachweis dafür kann ich schnell erbringen:

Warum sind Veganer Veganer?

Immer wieder betone ich, dass ich aufgrund der Vollwertigkeit Sojaprodukte ablehne. Ebenso finde ich, dass ich – so ich denn Hunger auf ein Würstchen hätte – ein solches essen würde. In Diskussionen mit Veganern (weniger veganen Vollwertlern oder Vegetariern) höre ich häufig als  Argument für diese Soyawürstchen und Cashewkäse-Ungetüme, dass die betreffenden Personen den Geschmack dieser Dinge schon mögen, aber sie wollen halt nicht, dass Tiere dafür sterben.
Das ging mir letztlich wieder einmal durch den Kopf.

Ein Parallelmodell

Und ich dachte an eine Parallele. Ich muss vorausschicken, dass ich nicht weiß, wie Menschenfleisch schmeckt und es auch nicht wissen möchte. Bei den meisten Menschen ist das ja ein Tabu, was ich begrüße. Normale Menschen schütteln sich bei dem Gedanken an Kannibalismus.
Wie wäre das jetzt, wenn ich eine Salami auf den Markt brächte, mit dem Slogan „Komplett Menschenfleisch-frei, schmeckt aber 100%ig wie Menschenfleisch“.
Wetten, das kauft keiner?
Ich möchte also nichts essen, das aussieht, riecht oder schmeckt wie Menschenfleisch. Weil ich bekennender Nicht-Menschenfleischesser bin, aus rein ethischen Gründen.

Logischer Schluss

Und nun, das ist nicht so ironisch gemeint, wie es klingt, meine Frage an die, ich nenne sie mal „Tofu-Veganer“:  „Warum kaufst du Dinge, die schmecken wie vom toten Tier, aussehen wie vom toten Tier und riechen wie vom toten Tier (also je schnitzel-/wurst- und käseähnlicher umso besser)? Wenn du vorrangig gegen das Töten von Tieren bist und anderen Leuten die Tierleichen auf dem Teller vorwirfst, nur weil sie ein Schnitzelchen essen wollen – wieso ekelt es dich nicht vor Kunstschnitzeln, die mit Original-Fleischgeschmack angepriesen werden und somit nichts anderes verbreiten als den Geruch und Geschmack vom sonst so verpönten toten Tier?“

Fazit

Wer den Geschmack vom toten Tier schätzt, hat nichts gegen Tierleichen. Er macht sich nur etwas vor.

🙂

23 Gedanken zu “Veganer, die gar keine sind

  1. Sophia 5. Juli 2012 / 18:16

    Ich oute mich jetzt als ehemalige Seitanbratling Liebhaberin. Ehemalig, weil ich jetzt vollwertig lebe aus Überzeugung, nicht weil mir Anderes nicht schmeckt!

    Bei mir war es genau anders herum. Ich bin ohne Gleischaufgewachsen und habe dann in der Pubertät Seitan, Tofuwürste und Co kennen gelernt. Das mag bestimmt eine große Ausnahme sein….aber mir haben die überwürzten Fleischimitate hervorragend geschmeckt. Inzwischen weiß ich das es die Würzmischung die für Würstchen und Co. verwendet ist die mir so gut schmeckt. Bei Fleisch und Wurst stört mich hingegen schlicht der Tiergeschmack. Ich kann obigem Statement daher nicht zu stimmen, dass Veganer nach Tiergeschmack suchen.

    • OneBBO 5. Juli 2012 / 18:23

      Gut, dann stimmst du nicht zu 🙂

  2. culinaria 5. Juli 2012 / 18:38

    Das ist logisch und messerscharf gedacht und auf eine Weise richtig.
    Auf eine andere Weise nicht. Wer mit Fleisch und seinem Geschmack groß geworden ist, verbindet damit viele angenehme Erlebnisse und Gefühle von gemeinsamen Feiern usw. Er verbindet das mit einem Geschmack, der gar nicht mal vom Fleisch selbst kommt, sondern von der Art, wie es geröstet und gewürzt ist. Er verbindet es mit der Erinnerung an eine bestimmte Textur, ein bestsimmtes Mundgefühl. Nie hat er beim Essen an Schlachthöfe und tote Tiere gedacht. Das kam später über den Kopf hinzu und ist woanders abgespeichert.

    Ich finde es ehrenwert, wenn sich jemand mit dem bescheidenen Geschmack des Ersatzprodukts bescheidet, weil er am Tierleid möglichst wenig Anteil haben will.

    Und sowieso: Die Begriffe helfen für ein grobes Schubladendenken. Echter oder unechter Veganer – ich finde das egal. Das wichtigste bleibt der Effekt.

    Ich vermisse übrigens auch etwas am Fleisch: Den Biss. Darum brate ich mir hin und wieder eine Schnitte Vollkornbrot. Und sowieso verhalte ich mich an allen möglichen Ecken und Enden inkonsequent oder unlogisch. Wie der GöGa zu sagen pflegt: Bei mir ist „nichts wie immer“.

    • OneBBO 5. Juli 2012 / 18:45

      Du sagst Textur, Mundgefühl… Ich bin ja Nichtfleischesserin aus Gesundheits- nicht ethischen Gründen. Wenn ich Fleischtextur, Mundgefühl lese: Mir wird dann merkwürdig. Wenn ich Tiere als quasi gleichwertige Geschöpfe betrachtete, möchte ich das Mundgefühl von Fleisch nicht mehr haben! Das Würzen würde ich eher akzeptieren, aber Textur und Mundgefühl bestätigen eher meine Hypothese.

      Mir geht es um das hohe Ross (schon wieder ein Tier), auf dem manche (!) Veganer sitzen. Das sollte sie herunterholen, wird es natürlich nicht, und dass ich Zustimmung für diesen Artikel allenfalls von gering bis „stimmt überhaupt nicht“ bekomme, habe ich einkalkuliert :mrgreen:

  3. Doris 5. Juli 2012 / 19:47

    Hallo!
    Dem nicht-gegessenen-Tier ist das vollkommen egal aus welchen Gründen auch immer es nicht geschlachtet wurde.

    Darum lass ich den Veganer Soja-Würstchen, Soja-Schnitzel Soja-Dellen etc. essen.

    Und ansonsten empfehle ich jedem sich einmal vergleichend Tierfabrik, Schlachthof und eine Soja-Ernte und Tofurei anzuschauen. In diesem Sinne!
    Doris

    • OneBBO 6. Juli 2012 / 06:34

      Hallo!
      Lies doch bitte meinen Artikel noch einmal. Es ist immer gut, nicht einfach runterzuschreiben, was einem gerade so einfällt, sondern erst einmal einen Artikel in seiner Absicht abzuwägen 😛

      Außerdem habe ich mir erlaubt, ein kleines „ich“ an einer Stelle in dein Argument einzufügen, es war sicher ein Tippfehler und kein Befehl an mich 🙂

  4. heike 5. Juli 2012 / 19:58

    Hallo, Ute, hallo an Alle, Ich hab das früher auch gekauft…mittlerweile find ich es doof. 1. schmeckt Sojaschnitzel und Co. bääh und 2. brauch ich es nicht wirklich,..Schnitzel ist Schnitzel und das ist halt aus Fleisch. Wenn ich Schnitzel will , bzw eher mein Mann , kauf ich Fleisch. Wenn ich keines will, aus ethischen oder ernährungstechnischen Gründen , ess ich was Anderes, bzw was Besseres 🙂

    • OneBBO 6. Juli 2012 / 06:28

      Natürlich habe ich früher auch mal Sojawürfel gekauft und fand die lecker. Da war ich weder vollwertig noch vegetarisch.

  5. Nicole 5. Juli 2012 / 20:24

    Dein Parallelmodell gefällt mir, und bei der These mit den Möchtegerns stimme ich Dir voll zu. Ich bin seit 15 Jahren Vegetarier und bin bei den Vegetariern (2) in meinem Bekanntenkreis immer auf Unverständnis gestoßen, weil ich keine vegetarische Leberwurst oder Tofu Wiener essen wollte. Zugegeben, am Anfang war beim Grillen die Versuchung schon groß, es riecht so lecker und ist ja kein Tier, aber nein, ich will das nciht! Jedesmal gab es hitzige Diskussionen in denen mir vorgeworfen wurde, ich sei intolerant (stimmt wohl) und sie hätten noch nie jemanden erlebt, der so sich so streng an seinen eigenen Prinzipen hält. Seit 2 Jahren lebe ich Vollwert Vegan und mache es mir einfach: „ich esse vollwertig, d.h. so natürlich wie möglich, da kann ich das vermanschte Zeug nicht essen“…und die Diskussion ist beendet

    • heike 5. Juli 2012 / 20:34

      Die „Anderen “ sind auch intolerant, wenn die das doof finden, wenn ich kein Sojawürstchen grillen mag…:-)

    • OneBBO 6. Juli 2012 / 06:30

      Toleranz heißt für mich, dass ich Soyawurstliebhaber ihre Soyawürstchen essen lasse, Fleischliebhaber ihre Schweinschnitzel und ich das esse, was ich für mich für richtig halte. Intoleranz ist doch nicht, wenn ICH konsequent bin. Deine veganen Grillfreunde passen gut in die von mir skizzierte Kategorie 😉

  6. Frederika 6. Juli 2012 / 09:24

    meine erfährung ist eine ganz andere. ich habe auch aus gesundheitlichen gründen vegetarisch gegessen. bei mir war es dann so, dass ich nach einiger zeit eine sehr starke abneigung gegen flesch entwickelt habe. ich konnte es nicht mehr riechen, ohne dass mir schlecht wurde. auch angebotene fleischersatzprodukte von „gutmeinenden“ mitbürgern konnte ich einfach nicht essen( abgesehen davon, dass sie sowieso nicht vollwertig sind9.einmal hat eine ggb’lerin einen aufstrich (mandel/tomatenmark) so verpackt, dass es wie mettwurst aussah. ich konnte das nicht probieren, weil es so echt aussah. das ist mein grund, warum ich nicht verstehe, wie jemand all diese fleischersatzprodukte essen kann. es wird ja auch immer betont riecht und schmeckt nach fleisch, is aber keins. das beispiel von nicole könnte auch aus meinem leben stammen……

    • OneBBO 6. Juli 2012 / 09:29

      Deine Erfahrung deckt sich doch exakt mit dem Artikel, was ist da anders?

  7. NicoleVerena 6. Juli 2012 / 14:26

    Was Frederika sagt, kann ich nur bestätigen. Ich esse seit fast 30 Jahren kein Fleisch und keine Wurst, da es mir nie schmeckte. Meine Mutter war eine große Fleischliebhaberin, daher gab es das oft bei uns (auch Innereien, igitt oder Nudeln mit Fleischsoße, wenn ich nur dran denke wird mir heute noch schlecht), aber mit dem Tag des Auszugs von zu Hause (als ich 19 war), hab ich das nicht mehr angerührt. Ich finde, diese ganzen Ersatz-Produnkte riechen genauso schrecklich. Wenn man wirklich Fleisch mag und nicht darauf verzichten kann, sollte man es essen ab und an.

    • OneBBO 6. Juli 2012 / 14:32

      Da sind wir drei uns ja zumindest mal einig 🙂

  8. inge henneberg 6. Juli 2012 / 17:55

    Vom vollwertigen Standpunkt her sind Sojaprodukte ja sowieso indiskutabel.
    Allerdings freue ich mich über jeden ehemaligen Fleisch- und Produkteesser, der – weil er auf den „Geschmack“ nicht verzichten will – die Tiere in Ruhe läßt und Ersatzprodukte nimmt.

    • OneBBO 6. Juli 2012 / 17:57

      Und freust du dich auch über jeden, der lieber Ersatzprodukte mit Menschenfleischgeschmack verzehrt als echtes Menschenfleisch? :mrgreen:

      • culinaria 6. Juli 2012 / 18:11

        Eine böse rhetorische Frage. Rhetorischer als andere rhetorische Fragen, denn so jemanden gibt es schließlich gar nicht.

        Nebenbei möchte ich darauf hinweisen, dass Sojaprdukte indiskutabel sind, nicht aber Sojabohnen, sofern sie nicht genmanipuliert sind, sondern aus Bio-Anbau stammen.

        Die Verwendung von Sojaprodukten ist wahrscheinlich für werdende Vollwertler ein Übergangsstadium in einer Zeit, in der sie noch alten Essgewohnheiten nachhängen und noch nicht komplett vollwertig leben; nur die Veganer, für die Vollwertigkeit keine Rolle spielt, bleiben dauerhaft daran hängen. (Auch in meinem Schrank gibt es noch eine Türe abgelaufenes Sojageschnetzeltes, die entsorgt werden muss – Kompost oder Restmüll?)

        • OneBBO 6. Juli 2012 / 18:17

          Ich verweise mit dieser Frage nochmals auf die INTENTION meines Artikels.
          Habe ich irgendwo was davon geschrieben, dass es um die Vollwertigkeit von Soja geht? Nein? Eben!

    • culinaria 10. Juli 2012 / 23:38

      Ein unglaubliches Ersatzprodukt habe ich hier gefunden: Frittierte Hühnchen vegan !

      Drei Kommentare habe ich wieder gelöscht. Also: No comment. Oder doch einen? Wer das mit Appetit isst, der muss wirklich ungeheuren Hühnchenhunger und ungeheures Tiermitleid aufbringen. Zwei Seelen in einer Brust.

      • OneBBO 11. Juli 2012 / 06:45

        Sag ich doch 🙂 Schon das Titelbild des Films reicht mir 😉

  9. inge henneberg 6. Juli 2012 / 19:01

    Eindeutig ja, besser Menschenfleisch-Ersatzprodukte, alsdaß Menschen dran glauben müßten.

    • OneBBO 6. Juli 2012 / 19:03

      Ich glaube, ich habe hier eine echte Marktlücke aufgetan.

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