Wie steht’s mit den Falten?

22. Februar 2013: Falten und nun?

Dagmar Berghoff ist im Januar 70 Jahre alt geworden. Mir ist ihr – war ihr! – Gesicht von früher vertraut und so war ich ziemlich geschockt, als ich das maskenhafte Foto der jetzt 70-jährigen, blondgefärbten Berghoff sah. Sie gibt selbst zu, dass da „mit den Augen“ etwas falsch gelaufen ist. Mit den Augen? Ich habe schon in frühester Jugend mit Entsetzen beobachtet, wie sich fernsehbekannte Gesichter zu in Lächeln erstarrte Masken wandeln, weil einige Menschen das Alter aufhalten wollen. Die Sängerin klassischer Musik Anneliese Rothenberger war für mich ein richtiges Gruselbeispiel.

Zum Thema Falten sagt Berghoff nun: „Eine Frau, die sagt, dass sie ihre Falten liebt, lügt.“

Ich finde, da hat Frau Berghoff den Mund doch ziemlich voll genommen. Vielleicht liegt es daran, dass sie nur mit naturgemäß eitlen Menschen zu tun hat, wie sie in TV und Film-Welt herumlaufen. Wobei ich eitel gar nicht negativ meine. Das kommt wohl mit dem Beruf und gehört dazu. Außerdem hätte sie den Satz auch ruhig auf Männer erweitern können. Ich denke nicht, dass irgendein Mann ernsthaft seine Falten liebt. Männer neigen eher dazu, sie nicht zu sehen und sich für ewig jung zu halten 😉 (nur ein Scherz am Rande…).

Wie stehe ich selbst zum Thema Falten? Liebe ich meine Falten? Nein, ich liebe sie nicht. Warum sollte ich auch? Es gibt einige Dinge an mir, die ich nicht liebe. Aber STOP: Hier ist die böse Fußfalle. Wenn ich etwas nicht liebe, heißt das ja noch lange nicht, dass ich es – im Extremfall – hasse. Und das impliziert Frau Berghoff hier, als sei es ganz natürlich, dass wir Frauen, weil wir unsere Falten ja nicht lieben, die Falten bekämpfen.

Wenn ich alles auf dieser Welt bekämpfen wollte, was ich nicht liebe – da wäre ich von morgens bis abends mit Kampf beschäftigt. Zum Glück aber habe ich eine Gefühlspalette, die mehr zulässt als Liebe und Hass. Da ist zum Beispiel die Akzeptanz.

Ob ich das nun schön oder nicht schön finde, dass ich Falten bekomme: Das ist doch völlig egal. Sie kommen. Auch andere körperliche Erscheinungen des Älterwerdens kommen, ob wir sie wollen oder nicht. Ich finde nur: Je mehr wir krampfhaft versuchen, diese Zeichen zu vertuschen, umso lächerlicher machen wir uns. Mein Körper ist doch ein Spiegelbild meines Lebens. Habe ich Lachfalten, dann habe ich viel gelacht. Auch wenn ich die Lachfalten nicht mag. Habe ich Sorgenfalten, dann habe ich mich viel gesorgt. Das ist Teil meines Lebens. Habe ich Falten, die mir einen griesgrämigen Ausdruck verleihen, kann ich das nicht mehr ändern – aber ich kann meine Einstellung zum Leben jeden Tag überdenken und das Ruder umwerfen.

Wer in seinem Leben mehrmals kräftig zu- und wieder abgenommen hat, also quasi kräftig dem Jojo-Effekt gefrönt, weiß auch, wo das am Körper Spuren hinterlässt. Die muss niemand lieben. Aber sie sind ein Tagebuch: So hast du gelebt, und ich, dein Körper, erinnere dich daran. Lerne jetzt!

Nein, ich liebe meine Falten nicht. Insoweit hat Frau Berghoff recht. Aber ich hasse meine Falten nicht und ich würde keinen müden Euro dafür ausgeben, sie verschwinden zu lassen. Ich würde mich keines schmerzhaften körperlichen Eingriffs unterziehen, um sie zu glätten. Der Körper wird es mir nicht danken! Und auch meine Seele nicht. Denn ob ein Mensch am Ende im Körper einer vermeintlich 40-Jährigen oder einer 90-Jährigen stirbt: Das Sterben bleibt davon unbeeindruckt. Für mich ist es wichtig, im Frieden mit mir selbst zu leben. Daran arbeite ich. Ob ich dabei erfolgreich bin, wird sich zeigen. Es ist ein langer Weg. Aber ganz wichtig ist für mich auf diesem Weg, dass ich das Leben an sich akzeptiere und seine Spuren, die es an mir hinterlässt. Dass das für jemanden schwer nachvollziehbar ist, der kurz vor dem 30. Geburtstag in die „Hilfe, ich altere….“ Panik gerät, mag sein. Aber das Schöne am Älterwerden ist ja gerade, dass es uns begleitet. Es steht nicht plötzlich vor der Tür, wir haben Zeit, uns daran zu gewöhnen und mit dem Alter auch klüger zu werden. Keiner schläft mit glattem Babygesicht ein und wacht morgens auf, um in sein faltiges Spiegelbild zu starren. Dies war übrigens für mich einer der Gründe, mit dem Färben der Haare aufzuhören. Ich habe das noch keinen Tag bereut.

20 Gedanken zu “Wie steht’s mit den Falten?

  1. Follygirl 22. Februar 2013 / 17:36

    Bravo!
    Ich färbe nicht, lasse nicht raffen und straffen, lasse nix lahmspritzen oder unterspritzen.. und ich werde so bleiben wie ich bin… innendrinn bin ich eh ganz jung!
    LG, Petra

    • OneBBO 22. Februar 2013 / 18:00

      Innen drin sind wir alle jung… oder alt. Ich finde immer: Innen drin sind wir, das ist altersunabhängig, oder?

      • Follygirl 22. Februar 2013 / 18:25

        ganz genau! 🙂

  2. Susanne9 22. Februar 2013 / 19:13

    Ich mag meine Falten, denn ich mag mich so wie ich bin. 🙂 Nur an Tagen, an denen ich eh nicht gut drauf bin, nörgele ich hier und da mal rum aber ich weiß, das geht auch wieder vorüber.

    Ich finde es so schön, in einem Gesicht zu sehen, dass derjenige lebt!

    • OneBBO 22. Februar 2013 / 19:22

      So Nörgeltage hat ja jeder Mal… solange es andere gibt, ist ja gut 😛

  3. Michael 22. Februar 2013 / 20:35

    Jetzt habe ich nach diesem Photo gegoogelt. Das ist ja entsetzlich, warum machen die Menschen das, so sieht KEIN Mensch aus. Alles ist unnatürlich eine einzige Fratze pfui Deibel. Wer eine Männerfratze sehen möchte soll mal nach Schwarzenegger oder Berlusconi suchen, sehen genauso scheußlich aus. OK ich werde heuer 40 und habe schon seit ende zwanzig graue Schläfen bekommen, Hat mich nie gestört. Es gibt aber auch durchaus Dinge die ich ändern würde ohne opertative Eingriffe, gegen dichteres Kopfhaar hätte ich nichts, würde ich machen wenn ich nur eine Pille nehmen müsste 🙂 Aber wie oben schon gesagt wurde, man ist so wie man ist, pflegen und auf sein äußeres achten sollte man in jeden Alter und von daher finde ich eine gewisse Eitelkeit auch gut. Auch wenn es platt klingt, “Schönheit” und eine positive Einstellung kommen nicht von OPs das komm schon von “innen” Denk ich mal.

    • OneBBO 22. Februar 2013 / 20:38

      Oh ja, eine gewisse Eitelkeit finde ich auch angenehm 🙂

  4. sandra 23. Februar 2013 / 13:11

    Wieder ein schöner Artikel. Mir wäre das Risiko von Skalpell, Botox und Co. auch viel zu groß. Habe da schon Sachen gesehen… Klar, ich bin auch erschrocken als ich mein erstes graues Haar mit 30 Jahren fand, es gehört aber meiner Meinung nach zum Älterwerden dazu. Meine Mutter wurde auch um die 30 grau und färbt sich regelmäßig. Sie kann es nicht ertragen…nun gut. Mein Vater ist mit knapp 70 noch dunkelhaarig, nur die Schläfen sind seit zwei drei Jahren grau und er bekommt eine Platte. Mit den Falten sind beide noch ganz gut weggekommen. Ich finde maskenhafte Gesichter nicht schön und möchte so bleiben wie ich bin. Diesen Schönheitswahn möchte ich gar nicht mitmachen. Das hat für mich auch was mit Stärke zu tun. Ich passe mich nicht an, Schluß!

    • OneBBO 23. Februar 2013 / 14:28

      Stimmt – jede Operation ist ja auch ein Risiko, dass etwas schieflaufen kann….

  5. Adlerauge 24. Februar 2013 / 10:46

    Liebe Ute,
    ich stimme Deinen Ausführungen voll und ganz zu.
    Mein Gesicht hat noch 10 Monate länger Zeit gehabt, meinen Lebensweg und meine Lebenseinstellung widerzuspiegeln.
    Seit 1 Jahr (?) färbe ich mir auch nicht mehr die Haare (vorher rötlich).
    Erstaunlicherweise haben mich schon zwei gute Bekannte angesprochen, dass ihnen meine natürliche Haarfarbe in unterschiedlichen Grautönen gut gefällt – habe es beim ersten Mal gar nicht glauben können.
    Ich wäre gern so richtig „weiss“; wird sicher aber nur ein Wunsch bleiben.
    Hinsichtlich der Falten sind sicher auch die geerbten Gene, eine gesunde Lebensweise (z.B. nicht Rauchen, ausreichend Bewegung, eine vollwertige Ernährung, besonders wenn man rechtzeitig davon erfahren hat – kenne Dr. Bruker leider erst ca. 5 Jahre – habe mich vorher aber „gesund“ ernährt, entsprechend meinen Kenntnissen – heute: „Lach, Lach“) ausschlaggebend..
    Entscheidend ist aber die Austrahlung, egal mit relativ viel oder wenig Falten.
    Ich habe z.B. sehr die Falten von Inge Meisel „geliebt“.
    Ich erinnere mich gern an eine tolle Fotoausstellung in der 70-er / 80-er (?) Jahren in den unteren Räumlichkeiten des Fernsehturms (aus der Sowjetunion???).
    Ich habe mir lange die aufeinander gestapelten Würfel mit Porträts angesehen – vom Baby bis zum Greis. Mich haben vor allem die Greisengesichter begeistert und berührt, deren Falten beeindrückend über ihr vielfältiges, sicher oft auch schweres Leben „berichteten“.

    • OneBBO 24. Februar 2013 / 11:01

      Bei anderen Menschen die Falten interessant zu finden, ist relativ einfach …. statt bei sich selbst 🙂 Vor allem in einer Gesellschaft des „bekannthinlichen“ Jugendwahns.

      Was ich auch immer interessant finde – in der Jugend sind viele Gesichter „pretty“, weil noch unbeschrieben. Negative Eigenschaft wie Missmut, Neidgunst usw. können wir dann später als deutliche Spuren verfolgen.

  6. Frau Schmidt 24. Februar 2013 / 11:17

    Also sich im negativen älter fühlen ist schade….eher vielleicht „fortgeschritten“?
    😛

  7. Svenja 24. Februar 2013 / 19:06

    Schade, dass ich diesen Beitrag erst heute entdeckt habe. Er gefällt mir wieder sehr gut. Umkehrschlüsse mag ich auch überhaupt nicht. Nur weil ich etwas nicht mag, heißt es nicht dass ich es liebe. Das kann man auf viele Bereiche ausweiten.
    Zum Altern kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten, dass es mir vor meinem dreißigsten Geburtstag richtig grauelte. Auf menen vierzigsten habe ich mich dann gefreut. Das fand ich sehr, sehr merkwürdig. Bin aber zufrieden mit dieser Veränderung.
    Wenn man Falten hat, die einen griesgrämig erscheinen lassen, dann muss man eben ein freundlicheres Gesicht machen. Jedenfalls habe ich mir das für mich vorgenommen und es klappt im großen und ganzen auch ganz gut.

    • OneBBO 24. Februar 2013 / 20:06

      Zu einem freundlichen Gesicht kann man ja zum Glück jederzeit umwechseln 🙂

  8. Christian 24. Februar 2013 / 20:49

    …es ist schon ein sehr großes problem was der schonheitswahn ausgelöst hat wird uns doch suggeriert dass man um erfolg zu haben auch schön sein muss – und falten gehören wohl nicht dazu.
    ich arbeite im medienbereich u. habe so manche sehr sehr gute u. geschätzte weibliche moderatorin über 50 gehen sehen, verträge werden einfach nicht verlängert, wohingegen die älteren herren sehr wohl bis ins hohe alter vor die kamera gelassen werden.
    ich finde es unglaublich dämlich wie sich einige frauen nur über ihr äußeres definieren und sich zeitgleich beschweren wenn männer auf ihre brüste starren – die man sich vorher hat schön vergrößern lassen, bezahlt von einem verehrer…
    ich verstehe es auch nicht warum -zumeist- frauen teilw. hunderte euros für eine anti falten creme ausgeben, man sollte doch wissen dass die ergebnisse nicht annähernd an die versprochenen werbeaussagen heranreichen.
    ich habe bis 2009 täglich 50 zigaretten geraucht, kurze zeit später hat sich mein hautbild verbessert, gleiches gilt doch für die ernährung, dass schönheit von innen kommt wissen doch die meisten, trotzdem investiert man lieber geld für teure cremes die einem nichts bringen.
    ich bin nicht gegen schönheitsop´s aber die schwierigkeit ist doch einen arzt zu finden der ein natürliches ergebnis erzielen kann, die meisten sehen doch nach einer op schlimmer aus als vorher, ich finde auch dass man nicht pauschal sagen kann dass falten hässlich machen, ob man sie nun mag oder nicht, es gibt sehr viele damen und herren die unglaublich schön mit all ihren falten aussehen!

    • OneBBO 24. Februar 2013 / 21:12

      Sei herzlich gegrüßt mit deinem ersten Kommentar auf diesem Blog, Christian!

      Recht hast du: Es ist sehr traurig, dass einige Frauen sich nur über ihr Äußeres und damit aber auch nur über Männer definieren. Da sind viele Männer auch nicht ganz unschuldig dran, denn wer sitzt denn in den führenden Positionen überwiegend? Um nur ein Beispiel herauszupicken.

      Die Werbung jubelt ja nun, dass Männer endlich auch Wert auf ihr Äußeres legen (und Cremes kaufen). Dass jemand Wert auf sein Äußeres legt, also eine gewissen Eitelkeit, finde ich persönlich gut. Aber es heißt eben auch, die Grenze zur Würdelosigkeit zu erkennen.

  9. Christian 24. Februar 2013 / 21:26

    hallo ute, in meinem job (maskenbildner) habe ich folgende erfahrung gemacht…

    frauen wollen GUT aussehen
    männer wollen JUNG aussehen

    ja, und ich muss dir LEIDER rechtgeben, denn männer sind in der tat oft die entscheidungsträger, auch ich kenne diskriminierung von männern – auch wenn ich selbst einer bin – nach dem motto, herr x hat extra nach einer WEIBLICHEN maskenbildnerin verlangt…

    aber ich arbeite eh lieber MIT FRAU Y! 🙂

    toll das es frauen wie dich gibt!

    lg. christian

  10. OneBBO 24. Februar 2013 / 21:50

    Danke 🙂

    Interessant mit den Maskenbildnern. Da wäre interessant, ob es da wie mit dem Kochen ist: Auch wenn es viel mehr Frauen gibt, die kochen, gelten im öffentlichen Bewusstsein auch Männer viel mehr.

  11. Christian 24. Februar 2013 / 22:03

    ja, aber auch das ist schade, ich höre oft von den frauen dass sie männliche maskenbildner besser finden, ich finde dies merkwürdig, denn am geschlecht kann man doch nicht feststellen ob etwas besser ist, wenn DU ein mann wärst würden deine rezepte doch genauso funktionieren… 🙂

    • OneBBO 25. Februar 2013 / 07:01

      Meine Rezepten funktionieren auch in Männerhand. Die Frage ist nur: Würde sie sich ein Mann auch so ausdenken? 🙂

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.