Mein Wochenendbesuch

2. August 2013: Veganer Besuch

An dem heißen Juli-Wochenende, 26. bis 28. Juli, hatte ich veganen Besuch, meinen 17-jährigen Neffen M. Er ist seit einem knappen Jahr Vegetarier und seit Silvester Veganer. Als ich das mitbekommen habe, lud ich ihn zu einem veganen Kochwochenende ein. Ja, da hätte er Spaß dran… Wir hatten erst Karneval geplant, aber das klappte nicht. Dann hatten wir das obige Wochenende ins Auge gefasst. Auch wenn alle Schicksalsstränge sich dagegen verbunden hatten – die Kunden deckelten uns mit Arbeit zu, die Temperaturen gingen in schwindelnde Höhen -, habe ich den Termin nicht sausen lassen. Es sind jetzt Schulferien, und wer weiß, ob es an einem anderen Wochenende geklappt hätte? Also Temperaturaugen durch und zu.
Um das Ende gleich vorweg zu nehmen – es wurde ein tolles Wochenende und ich hoffe, ich konnte dem jungen Mann ein wenig auf den Veganweg mitgeben zum Überdenken (in Sachen natürliche Lebensmittel). Für mich ist vegan in der praktischen Umsetzung kein Problem, nur mit dem Honig musste ich ein wenig umdenken, denn M. ist da konsequent (für sich selbst). Gleich am ersten Abend hätte ich beinahe einen Missgriff getan, es sollte Salat geben. „Magst du scharfes Essen?“ M. nickte freudig. Ich gab also Hoisan-Soße mit Cashewnüssen usw. in den Mixbecher und ups, da fiel es mir ein: Ich habe ja einen Teelöffel Honig in der Soße. Zum Glück habe ich noch daran gedacht, und konnte so ein neues Dressing herstellen und das halbfertige Dressing für die kommende Woche verwahren.
In einem hat er großes Glück: Er wird von der Familie akzeptiert, ja, sogar unterstützt. Seine Mutter kocht für ihn vegan, die ganze Familie ist schon ein bisschen beeinflusst. Ein wenig lustig finde ich das schon, ich meine…. es ist ja nicht so, als hätte man über die Verwandtschaft mit mir nicht schon einmal über Tiereiweißlosigkeit nachdenken können, oder? 😉 Aber was soll’s… das Ergebnis zählt und das Schicksal des Propheten im eigenen Land ist ja nicht ohne Grund ein gängiges Sprichwort.
Mein Neffe ist als einziger in der Familie sehr schlank. Seine Mutter findet, er braucht dringlich ein paar Kilos drauf. Ich finde das nicht. Klar, er ist sehr schlank, aber gesund, munter und belastbar. Außerdem – 17 Jahre alt…. Da kann noch viel passieren. Als Veganer ist er natürlich auch nicht der Gefahr ausgesetzt, ständig und überall rumzufuttern, das ist ja „gefährlich“. An dem heißen Samstag hat er in der Küche rumgewerkelt, ohne Schwächen zu zeigen, ist zweimal mit mir shoppen gewesen und kein Tröpfchen Schweiß auf der Stirn war zu sehen (bei mir schon eher, aber ich bin auch sicher nicht sehr schlank). Wofür soll er da mehr Kilos mit sich rumtragen? Für irgendwelche theoretischen Vorstellungen?
M. ist auch locker in seinem Veganismus, für andere meine ich, nicht für sich selbst. Ich hoffe, das bleibt so. Als wir Samstag einkaufen waren, habe ich eine kleine Flasche Ahornsirup gekauft. Das ist zum Plätzchenbacken und vor allem für die Herstellung von Schokolade einfach besser als Rosinen- oder Dattelsoße. Da er sonst alles Vollwertige mit viel Freude gegessen hat, käme ich mir dämlich vor, wenn ich da plötzlich die Vollwertigkeit des Honigs ständig ins Spiel bringen muss. Ich muss die Dinge nicht essen und habe ihm auch alles mitgegeben. Im Übrigen schmeckt Ahornsirup im Gegensatz zu Zucker lecker in Plätzchen und Schokolade, probiert habe ich natürlich schon. Er ist gerade mal ein paar Monate dabei, da möchte ich nicht durch übermäßige Linientreue anderen gegenüber der Vollwert ein so unrühmliches Denkmal setzen.
Ich habe auch keine Grundsatzdiskussion über Honig angefangen. Ich persönlich weiß genug aus direkten Berichten und auch aus dem Internet, dass Bienenhaltung und Honiggewinnung nicht mit der Massentierhaltung verglichen werden können – wenn man sich nicht gerade Discounterhonig in die Bude holt. Das wird er eines Tages lernen oder auch nicht. Ich finde, da gibt es wichtigere Dinge im Essensleben, über die es sich zu sprechen lohnt.
„Eigentlich“ frühstückt M. nicht – aber ein kleines Frischkorngericht hat er Samstag trotzdem mitgegessen. Ich hab’s extra mit Flocken gemacht, eingeweichtes Getreide ist eben nicht für jedermann gleich ein guter Einstieg. Weniger als sonst, mit ein bisschen Erdbeer-Bananepüree und ein paar Heidelbeeren oben drauf. Am zweiten Tag – ich bin ja undogmatisch, wer nicht frühstücken will, soll’s bleiben lassen – hat er es quasi „verlangt“. Fein. Die Erinnerung wird bleiben – auch wie schön satt das macht.
Das Tiramisu für die Commitment-Aktion haben wir zusammen gemacht, eine Lasagne, Plätzchen, Knäckebrot, Cracker, bestimmt 5 oder 6-Mal Eis aus dem Vitamix :-). Einen Aufstrich, zweimal Schokolade (mit Ahornsirup), Brötchen gebacken, eine Salatplatte und Suppe vorbereitet für die Familie, die ihn wieder abgeholt hat.
Abends haben wir auf der Terrasse gesessen und den Grillduft (haha) der Nachbarn geatmet. Auch da waren wir uns einig – das ist fies.

14 Gedanken zu “Mein Wochenendbesuch

  1. nini5887 2. August 2013 / 17:40

    Oh da kann er sich aber glücklich schätzen, dass er dann bei dir war und aus deinem fundus an geräten, ideen und zuzaten schöpfen konnte. ein praktikum bei ute, sozusagen. das hat sicherlich spaß gemacht. mir hätte das auch gefallen. den honig finde ich auch so eine sache. wenn bei uns gesüßt wird, dann meist auch damit, trotz veganismus. nur bei kuchen, die es bei uns zu geburtstagen etc. schon noch gibt, finde ich es immer so viel honig, der da rein müßte. das ist immer schade, da nehme ich dann doch zucker. probleme macht er mir ja an sich noch nicht, ich möchte zucker nur nicht gern öfter essen.
    na, dann hoffen wir, dass es ihm gefallen hat und er sich vielem vielleicht annehmen konnte.

    lg,

    nini

    • OneBBO 2. August 2013 / 17:46

      Ich habe ganz gewiss den Eindruck, dass es ihm gefallen hat. Ich denke, 2,5 Tage sich zu verstellen ist doch ein wenig schwierig 😉 Er war auch immer eifrig dabei, wenn ich fragte: Sollen wir noch was machen?

  2. Oud 2. August 2013 / 18:15

    Hallo Ute,
    Biete doch mal bitte ein Kochwochenende an.
    Es gibt ja genug Räumlichkeiten für sowas zu mieten.
    Das wäre ratzi fatzi ausgebucht, auch wenn es 200 Euro kostet. Also raus aus der Komfortzone 🙂
    Gruesse Oud

    • OneBBO 2. August 2013 / 18:20

      Klar, ich hab ja auch sonst nix anderes zu tun, als mich um Räumlichkeiten zu kümmern, mir ein Wochenende freizuhalten (mein Beruf geht immer vor), das Ganze vorzubereiten, also Einkaufen, Anmeldungen entgegen nehmen, Geldeingang kontrollieren 😉

      Also ich fürchte, da gebe ich dir ein kleines Körbchen 😛

  3. Oud 2. August 2013 / 20:08

    …vielleicht gibt es ja eine engagierte ggblerin, die das alles eintütet, natürlich auch einen Teil der gebühren bekommt, einkauft, die Rezepte druckt etc.
    und La Ute muss nur noch die Küche betreten…
    Mit Ute Olk gibt es sowas ja auch!
    Auch ein Ute, ob das Zufall ist? 🙂

    • OneBBO 2. August 2013 / 20:19

      Wenn es denn Zufall gibt, so ist das gewiss ein Zufall.

      Mit Küche betreten ist das nicht getan, wenn man es vernünftig machen will. Ich weiß nicht, was Frau Olk sonst noch so macht, aber ich habe einen sehr anstrengenden Beruf, der meine volle Konzentration erfordert, gelegentlich auch am Wochenende. Da ist das, was ich bisher mache, mehr als genug. Ich habe Gründe gehabt, warum ich meine Aktivitäten in Sachen Vollwert vor einer Weile eingeschränkt habe. Nicht, um mir jetzt neue Dinge aufzuladen, wie reizvoll die auch sein mögen.

      Es gibt ein Leben neben der Vollwert für mich. Auch wenn das den einen oder anderen erstaunt …. :mrgreen:

  4. Tom 2. August 2013 / 23:15

    Das war auch so eine Sache, die mich an der veganen Ernährungsweise sehr gestört hatte: diese Künstlichkeit.

    Margarine, Tofu, Sojaschnetzel, Sojamilch…. in meinem Kopf hatte sich dafür regelrecht der Begriff „Plastikessen“ gebildet. Mal ganz abgesehen von der Problematik, die mit den ganzen unerwünschten Begleitstoffen (Phytohormone, Oxalsäure, Pyhtinsäure, Lektina u.a.) verbunden ist.

    Allerdings dieses stark betonte „sehr schlank“ macht mir doch etwas Sorgen. Wenn es eine Schlankheit aufgrund geringer Körperfettmasse ist, dann okay. Aber hoffentlich kommt seine Schlankheit nicht aufgrund geringer Muskelmasse…. nicht, dass der Körper sein Eiweiß, das er zur Bildung von Hormonen, Haut, Haaren, Fingernägeln, Immunsystem usw usf braucht, durch Abbau seiner Muskulatur deckt?

    • OneBBO 3. August 2013 / 07:01

      Ich mache mir mehr Sorgen um all die jungen Leute, die ich sehe, wenn ich so durch die Stadt gehe: ungesunde Haut, pummelig bis stark übergewichtig oder ebenso schlimm: mit schrottiger Ernährung untergewichtig, den Döner oder das Eishörnchen in der Hand, die nicht einmal wissen, wie man eine Kartoffel oder einen Salat zubereitet.

      Der Eiweißbedarf in der Ernährung kann ausreichend auch ohne Tierprodukte gedeckt werden. Sonst würde die Fleischindustrie garantiert mit kreischender Stimme vor Veganismus wegen Eiweißmangel warnen. Gerne wird als Buhmann der B12-Bedarf an den Pranger gestellt, nicht aber Eiweißmangel.

      • Tom 5. August 2013 / 13:27

        tja, und weil das eben alles so kompliziert ist, mach ich es mir leicht: ich schau einfach, wo die meisten körperlich fitten 100jährigen pro Quadratkilometer leben und wie diese Menschen sich so ernähren.

        Und da finde ich als Antwort: Die Einwohner von Okinawa mit ihrer Kost aus Gemüse und Fisch.

        • OneBBO 5. August 2013 / 13:35

          Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass es vielleicht gar nicht am Essen alleine liegt, was Langlebigkeit ausmacht? Du hast mir quasi einen Artikel vorweggenommen, wo ich mal schreiben wollte, wie bekloppt das von den sogenannten Wissenschaftlern ist, Langlebigkeit an einem Faktor festzumachen. Ich fürchte, es ist doch komplizierter als du denkst.

          Aber mach es dir ruhig einfach – wir sprechen uns dann an deinem 100. Geburtstag 🙂

          • Tom 5. August 2013 / 18:26

            Es wird sicher nicht so sein, dass die Ursachen beobachteter Phänomene von den sogenannten Wissenschaftlern an einem Faktor festgemacht werden.

            Vielmehr wird man im Verlauf des Forschungsprojektes sehr genau festgestellt haben, welche Größen tatsächliche Einflussfaktoren darstellen und welche nicht. Zumal heutzutage, wo ja neben den nötigen Großrechnern und statistischen Rechenmethoden insbesondere auch umfangreiches Datenmaterial über alle möglichen Lebensstile, Naturvölker etc zur Verfügung steht. Insgesamt kann man dadurch sicher Faktoren wie bspw Lebensweise, Genetik, psychische Konstitution u.ä. sehr präzise herausrechnen.

            Aber ich kann mir andererseits durchaus vorstellen, dass die ganz am Ende veröffentlichten Forschungsergebnisse dann auf den Laien durchaus den Eindruck oberflächlicher Schnellschlüsse machen können….. daran ist aber nichts ungewöhnlich. Denn würde derjenige von der zugrundeliegenden Studienarchitektur, all der Datenerhebungs- und Auswertungsarbeit präzisere Kenntnis haben, dann – wär er ja kein Laie mehr 🙂

          • OneBBO 5. August 2013 / 18:45

            Möge dein Glaube an die Exaktheit der Wissenschaft dir noch lange erhalten bleiben. Ich habe genug davon gesehen, um zu wissen, was ich davon zu halten habe.
            Ich schließe hiermit das Tor zu dieser Diskussion, bevor sie hässlichen werden könnte.

  5. Daniela 3. August 2013 / 21:02

    Sicher ein sehr sympathischer junger Mann, dein Neffe. Das find ich richtig süß, dass er sich fürs Kochen und Backen interessiert und dafür so zu begeistern ist – gibt es bei jungen Männern in diesem Sturm-und-Drang Alter bestimmt nicht oft. Toll, dass du dir so viel Zeit für ihn genommen hast, das hat er bestimmt richtig genossen!
    Schön auch, dass seine Familie seine Entscheidung akzeptiert und ihn unterstützt.

    • OneBBO 3. August 2013 / 21:10

      Genau so ist es 🙂

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.