Musik und Story

6. August 2013: Musik und Geschichte Nr. 46

Verdammt lang her von BAP hat mir damals in den 80ern unheimlich gut gefallen, ich habe mir die LP gekauft, konnte mich aber mit den anderen Liedern nicht so recht anfreunden. Das ist auch so geblieben. Aber dieses „Verdammt lang her“ höre ich immer noch gerne – auch wenn ich die Studioversion deutlich bevorzuge.

Geschichte Nr. 46

Es ist Nacht. Irgendwo knarrt eine Holzbohle. Das Mondlicht scheint durch das gardinenlose Fenster in einen Raum. In der Mitte des Zimmers steht ein großer Tisch mit vier Holzstühlen. Mehr kann man nicht erkennen. In der rechten Ecke ist ein kleines weißes Licht zu sehen. Ab und zu schiebt sich eine kleine Wolke über den Mond, je weiter er über den Horizont kommt, umso besser kann man erkennen, was auf dem Tisch liegt: Bestecke, vielleicht aus Silber, die im Mondlicht funkeln. Eine Glasvase, deren Rundung ebenfalls das Mondlicht reflektiert. Irgendwo im Haus schlägt eine Uhr: Es ist 2 Uhr nachts. Wenige Minuten später klingelt es im Raum, drringgg-drringg, viermal geht das so. Dann springt eine Maschine an, das ehemals kleine weiße Licht ist nun rot und beginnt zu flackern. Nach einer Weile macht es klick und klock… die Stimme einer Frau ist zu hören “Ja, hallo, ich bin’s, tut mir Leid, dass ich so spät anrufe, aber…. ich muss einfach mit jemandem reden” Pause. “Eine blöde Idee, jetzt anzurufen, aber ich wollte …”. Pause. Ein unsicheres “Ja, dann bis bald, und… äh, tschüss.”. Man kann hören, wie der Hörer aufgelegt wird. Das kleine Licht leuchtet nun stetig grün. Wenige Stunden später durchflutet das erste Grau den Raum, Vogelstimmen verkünden den neuen Morgen. Ein Radio plärrt los, irgendwo knallt eine Tür. Wasser fließt, ein Fenster wird geschlossen, Lichter gehen an.

Eine Nacht ohne Folgen

Der Radiowecker beendet für Thomas eine unruhige Nacht. Die Tür zum Badezimmer knallt hinter ihm ins Schloss, er wäscht sich das Gesicht mit kaltem Wasser um die Gedanken der Nacht und die Benommenheit zu vertreiben. Er schließt das Fenster, das fröhliche Vogelgezwitscher ist jetzt wirklich nichts für seine Stimmungslage. Für eine Dusche oder ähnliches fehlt ihm jetzt einfach die Kraft. Er geht in den Flur und schaltet das Licht an, der Morgen ist noch ähnlich grau und düster, wie seine Stimmung. Er geht in die Küche und setzt sich an den noch immer gedeckten Esstisch. Sofort nimmt das Gedankenkarussell wieder Fahrt auf. Warum ist Sabine gestern nicht gekommen? Nach all den Jahren, in denen er geschwiegen hatte um die Beziehung seines Freundes nicht zu gefährden, kam vor einigen Wochen der Moment, dass sein Freund ihm das Ende seiner Beziehung mit Sabine gestand. Für seinen Freund tat es ihm leid, aber er konnte nicht verhindern, dass etwas in ihm auch einen Salto rückwärts schlug. Seine Gedanken purzelten durcheinander, sollte es doch eine Chance für ihn geben? Er war sich schnell im klaren, dass er alles auf eine Karte setzen würde und Sabine gestehen musste, dass er seit Jahren immer nur sie im Kopf hatte. Anders machte es für ihn keinen Sinn, er musste es ihr einfach gestehen. Wenn sie ihn auslachen würde, hätte er zumindest Gewissheit, aber diese Gedanken: „Was wäre wenn…“ machten ihn mürbe. Er hatte ihr, aber auch sich Zeit gegeben, wollte sie nicht überrumpeln. Gestern wollte er es ihr endlich gestehen und mit seiner Rolle des „guten Freundes“ aufräumen. Er hatte sich alles so genau ausgemalt. Er hatte sie zum Essen zu sich eingeladen und sich Sätze im Kopf zurechtgelegt, es schien in greifbarer Nähe, dass er sein Versteckspiel endlich beenden könnte. Aber dazu kam es nicht. Gegen sieben waren sie verabredet, es war weit nach neun.  Er schlich unruhig durch das Haus. Sie kam einfach nicht, ihr Handy war ausgeschaltet. Der Geruch der frisch zubereiteten Speisen schnürten ihm die Kehle zu und ihm wurde schlecht. Er rührte nichts an, bis auf die Flasche Wein, die er ganz gegen seine Gewohnheit allein austrank. Deutlich angetrunken legte er sich gegen Mitternacht schlafen und wachte von düsteren Träumen mehrfach auf.

Da saß er jetzt als Häufchen Elend am Esstisch und spielte gedankenverloren mit dem Besteck auf dem Tisch, als sein Kater sich durch die Tür schob und mit lautstarkem Protest anzeigte, dass er noch kein Futter bekommen hatte. Er raffte sich auf und wollte in die Küche gehen, als sein Blick auf das flackernde Licht am Anrufbeantworter fällt. Sein Herzschlag beschleunigt sich. Hektisch drückt er den Knopf und hört die Nachricht ab. Es ist Sabine. Aber was um alles in der Welt sagt sie da? Hatte sie ihn völlig vergessen? Was war es denn, worüber sie mitten in der Nacht reden wollte. Für ihn hatte das Treffen alles bedeutet, sie hatte es wohl einfach vergessen.

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4 Gedanken zu “Musik und Story

  1. Tausend 6. August 2013 / 17:45

    Ich frag mich ja, was wohl etwas Ähnliches wie eine Dusche wäre… 😉

    • OneBBO 6. August 2013 / 17:51

      Ein Schnellbad?

      • Tausend 6. August 2013 / 17:55

        Naja, da käme das Wasser ja nicht von oben.

  2. Tausend 6. August 2013 / 18:00

    Übrigens interessant, dass youtube nach dem Lied als Empfehlung „Joseph Beuys – Ein Portrait“ vorschlägt. Da wird erklärt, wie er sich die Haare schneiden ließ.

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