Wie ich zur Fleischesserin werde

In Deutschland kann nichts ungeregelt bleiben und so verlangen die Grünen einen fleischlosen Tag in der Woche. Auch wenn das Gegenargument von Frau Aigner – die sich stets durch, äh, sehr eigenartige Äußerungen hervortut – natürlich Blödsinn ist „Am Ende brauchen wir eine ausgewogene Ernährung. Da gehört Fleisch dazu.“ Mich wundert immer wieder, mit wie wenig Sachkenntnis man so einen Ministerposten erreichen kann. So gesehen bin ich quasi prädestiniert für den Job als Verteidigungsministerin.

Schön auch die Argumentation der Grünen: Freitags habe es früher auch kein Fleisch gegeben. Nee, stimmt, es gab Fisch. Fein, dass da wieder jemand mal Fische nicht zu den Tieren zählt 😉

Zurück zum fleischlosen Tag. Wann ist es dann soweit, dass sich Fleischesser in einer dunklen Ecke verkriechen müssen, ohne dass sie zusammengeschlagen werden, weil sie eine Frikadelle mampfen? Gibt es passive Mitfleischesser, die gesundheitlichen Schaden nehmen, weil ihr Gegenüber ein Steak isst?

Warum nicht einen zuckerlosen Tag einführen? Hat die Zuckerlobby mehr Einfluss als die mächtige Fleischindustrie? Müssen wir bald alle morgens zusammen eine Stunde Zwangsgymnastik machen, damit die Deutschen fit und munter werden?

Ich bin selbst dem Begriff nach Vegetarierin, Teilzeit-Veganerin 🙂 und engagiert für geringeren Fleischverzehr. Aber an dem Tag, an dem die Fleischportionen, die ich täglich essen darf, mir nur noch portioniert verkauft werden, mutiere ich zurück.

Verbote und Befehle sind einfacher als Überzeugungsarbeit und Vorleben. Ich kriege bei Verboten steife Nackenhaare und fahre die Hörnchen aus.

Vegetarismus auf Anordnung? Nicht mit mir!

Remscheider Generalanzeiger, 6. August 2013, Titelseite

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25 Gedanken zu “Wie ich zur Fleischesserin werde

  1. Frau Schmidt 6. August 2013 / 07:42

    Genau SO dachte ich, als ich den Vorschlag gelesen habe.
    Muss denn alles reguliert werden? Druck erzeugt Gegendruck..umso mehr „anti-veggie“ werden einige werden.
    Oder wird hier nur das Sommerloch bedient?

    Was Frau Aigners Aussage angeht….meiner Meinung nach kann man sowieso kaum was ernstnehmen, was sie von sich gibt.
    👿

    • OneBBO 6. August 2013 / 08:01

      Sie macht sich eigentlich gut, um sich mal richtig schräg zu lachen 🙂

  2. Petra 6. August 2013 / 09:03

    Gähn, Aktionismus im Sommerloch. Grundsätzlich finde ich regelmäßige Diskussionen zum Thema Fleischkonsum sehr sinnvoll, weil m.E. viele keine Vorstellung von der Menge des Fleisches haben, die sie so pro Woche essen und der dadurch entstehenden Schwierigkeiten. Aber Verbote erzeugen Trotz und führen ja nicht zum Reflektieren. Also nichts gewonnen. Der Vorschlag ist auch so dumm, dass man ihn eigentlich nur ignorieren sollte. We will man das denn umsetzen? Kommt dann einmal die Woche die Fleischpolizei und macht Topfkontrolle? Andersrum funktioniert es: Mein Mann, der, als ich beschloss, vegetarisch zu essen, zunächst Angst bekam, nimmt nun zum Grillen bei seiner Familie extra Gemüse mit, weil es ihm sonst zu viel Fleisch ist.

    • OneBBO 6. August 2013 / 09:13

      Solche Einzelaktionen finde ich gut, weil das anderen Menschen die Möglichkeit, weniger Fleisch viel näher bringt.

  3. Renate 6. August 2013 / 09:58

    Ich hab heute bei uns in der Augsburger Allgemeine gelesen, dass es bei in der Betriebskantine bei dem Maschinenbauer MAN schon seit 2 Jahren einen Veggie-Day gibt. Der Kantinenbetreiber hat diesen Tag vor 2 Jahren eingeführt. Zuerst wurde gemosert, aber inzwischen gehen am fleischfreien Tag 3/4 der Belegschaft zum Essen. Allerdings gibt es auch einen Imbiss, wo weiterhin kleine Fleischgerichte angeboten werden. Der Kantinenbetreiber experimentiert gerne und bietet auch indische und arabische Gerichte an. Vor kurzem hat er auch die Cajun-Küche für sich entdeckt. Inzwischen gilt der Veggie-Day als etwas Besonderes bei den Mitarbeitern. So kann es doch auch gehen, ohne Verbote.
    Die, die absolut nicht vom Fleisch lassen können, gehen dann eben zum Imbiss.

    • OneBBO 6. August 2013 / 10:01

      Das ist ja ein superschönes Beispiel wie es geht! Da wünsche ich mir ja, eine Kantine so haben 🙂

  4. Christian 6. August 2013 / 10:08

    …als ich gestern früh um 7 uhr die meldung hörte, da wusste ich, spätestens um 13 uhr gibts eine gegenbewegung… ich wundere mich wie unsensibel die teils medienerfahrenen politiker sind, anstatt den leuten einen veggie day anzubieten u. schmackhaft zu machen holt man gleich die befehlskeule raus, ist doch klar dass das nach hinten los geht, in einen nachbarland, ich glaube dänemark – bin mir aber nicht sicher – gibts donnerstags einen veggie day der auf freiwilligkeit beruht u. sehr gut angenommen wird, so suggeriert man dann den fleischessern dass sie mit einem tag fleischverzicht nun absolut gesund leben… 🙂

    • OneBBO 6. August 2013 / 10:16

      Es gibt – meine ich mal gelesen zu haben – auch deutsche Städte, wo einfach ohne Verpflichtung Veggie-Tage gefeiert werden.

      Mir wären zuckerlose Tage eigentlich noch lieber… aber die feiert komischerweise niemand und danach ruft auch keiner.

      • Christian 6. August 2013 / 10:24

        ja, stimmt, ich frage mich auch immer warum auf zigarettenschachteln aber nicht auf alkohol hinweise zur abhängigkeit u. gesundheitsgefährdung stehen, dass ist lobbyismus pur!

        • OneBBO 6. August 2013 / 10:29

          Ich hätte am liebsten nirgendwo so einen Stuss drauf. Wüsste keinen Raucher, den so ein Aufdruck verschreckt hätte. Das Geld zieht und das allgemeine Wissen um die gesundheitlichen Schäden – wenn man Glück hat.

  5. Adlerauge 6. August 2013 / 10:47

    Hallo, liebe Ute, ich teile Deine Meinung, auch zu unserer „tollen“ Ministerin Frau Aigner, bei deren Auftritte sich ständig meine Nackenhaare aufstellen und nicht nur bei dieser Politikerin, sondern auch bei anderen selbst ernannten Ernährungsexperten, einschließlich Ärzten.
    Auch mit Deinen sarkastischen Vorschlägen kann ich noch „mitgehen“.
    Ich gehe zwar davon aus, dass Deine persönlichen Schlußfolgerungen / Androhungen nicht ernst gemeint sind. Trotzdem möchte ich Dir „sagen“, auch auf die Gefahr, dass ich bei Dir ins Fettnäpfchen trete: „Lasse Deine `Feinde´nicht wissen, wie Du zu manipulieren bist.“ Da fällt mir auch noch der Spruch ein: „Schadet meiner Mutter gar nichts, wenn ich friere, warum kauft sie mir keine Handschuhe“.
    Isst Du als Vegetarierin auch Tofu? Ich war bisher der Meinung, dass Du Dich vollwertig, weitgehenst nach Dr. Bruker, ernährst. Fasse meine Frage und Bemerkung bitte nicht falsch auf. Sie sind ganz neutral, ohne Wertung. Ich habe unterdessen schon so viel Ernährungsweisen kennen gelernt, sogar in der Familie die Instinktive Rohkost.
    Ganz liebe Grüße.

    • OneBBO 6. August 2013 / 10:53

      Ich esse kein Tofu, und ich ernähre mich nach Bruker, richtig.

      Ich denke nicht, dass die Grünen sich als meine Feinde sehen, und ich denke nicht, dass sie mich durch ihr – zumindest an diesem Punkt für meinen Geschmack – dummes Geseiere zum Fleischverzehr manipulieren wollen.

      Insoweit sehe ich deine Frage hier nicht gerechtfertigt 🙂 Damit sie passt, müssten die Fleischereien einen Zwangsveggie-Tag einführen wollen 😆

  6. culinariaa 6. August 2013 / 11:00

    Die Aufregung resultiert aus der Überschrift in der Bildzeitung; die entsprechende Passage des Grünen-Wahlprogramms, die sich mit dem Veggie Day befasst, ist dagegen sehr vorsichtig formuliert: „Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein ‚Veggie Day‘ sollen zum Standard werden“, heißt es darin. Keine Rede von einem flächendeckenden Gesetz – geschweige denn einem Verbot.
    Außerdem ist das Wahlprogramm der Grünen eh schon drei Monate alt, und hat vor dem Sommerloch noch keinen aufgeregt. Im übrigen: „Der Bundesgesetzgeber kann so etwas überhaupt nicht flächendeckend festlegen. Das wissen eigentlich auch alle, die sich mit Ernährungsfragen befassen“ so Ernährungspolitikerin Maisch.
    Hoffentlich wissen auch alle, dass die Formulierung von Ilse Aigner- Fleisch gehöre zu einer ausgewogenen Ernährung dazu – im Zusammenhang mit der Zurückweisung eines vegetarischen Tages Unsinn ist. Sie postuliert, dass die Bürger am Veggie-Tag ihr Recht auf ausgewogene Ernährung nicht wahrnehmen könnten. Richtig dürfte es allenfalls heißen: Nach heutigen Erkenntnissen ist aus ernährungsphysiologischer Sicht gegen den Genuss von wöchentlich ein bis zwei kleinen Fleischportionen, die nicht aus Massentierhaltung stammen, nichts einzuwenden.

    • OneBBO 6. August 2013 / 11:07

      Ja, der Aigner-Spruch zeugt von Nichtwissen, ich meinte, ich hätte darauf hingewiesen? – Und das Grünen-Zitat mit dem ehemals freien Fleisch-Freitag ist nicht minder dumm. Oder ist das falsch zitiert?

      Ich persönlich möchte auch keinen Veggie-Tag, wenn er zum Standard werden soll. Ich persönlich finde nach wie vor Zucker deutlich schlimmer als Fleisch, weil Zucker süchtig macht.

      Nun, wenn die Grünen es gar nicht so gemeint haben, werden sie sich sicherlich bald von diesen Forderungen distanzieren und haben es vielleiciht schon getan, ohne dass ich das mitbekommen habe.

      • culinariaa 6. August 2013 / 11:32

        Das Zitat zum Fisch-Freitag stammt meines Wissens von der CSU, genauer gesagt vom Sprecher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, der darauf hinwies, dass es durch die religiöse Tradition des Fischgerichts am Freitag de facto schon einen Veggie Day in vielen Kantinen gebe. Aber natürlich kann von den Grünen auch jemand so etwas gesagt haben, es gibt ja auch schon etliche Kochbücher in die Richtung „Grüner kochen“ mit Rezepten zu Freitags-Fisch und Sonntags-Braten. Unsere schulkantine hatte, als ich vor 5 Jahren aufhörte, auch bereits einen Veggie-Day.

        Viele Kantinen (Mensen) sponsern täglich ein bestimmtes Gericht/Menü, das ist dann erheblich billiger als das übrige Angebot. Das ist zumindest in der Mensa meines Sohnes leider ein Gericht mit Fleisch. Wenn die Grünen sich dafür einsetzen würden, dass das vegetarische Gericht gesponsert wird – wie fändest du denn das?

        • OneBBO 6. August 2013 / 11:40

          Im RGA wird zur Fischtag-Aussage die Verbindung (indirekte Rede) mit Frau Göring-Eckardt gezogen. Wenn der RGA falsche indirekte Rede benutzt, nehme ich das zurück.

          Auf Suggestivfragen und Spielchen-Fragen antworte ich nicht. Und schreib jetzt bitte nicht „Das war eine ernst gemeinte Frage“. Danke.

  7. Tom 6. August 2013 / 14:17

    Hahaha Politiker immer mit ihren Nebelbegriffen

    Das Schöne ist, dass sie mit ihren Äußerungen nie falsch liegen können.

    Was bedeutet denn „ausgewogen“ konkret? Ich las einmal von einer Ernährungsberaterin, das auch Fast Food zu einer „ausgewogenen Ernährung“ dazugehöre 🙂

    Wundervoll solche Worthülsen. Erinnert mich an „Bio“, „nachhaltig“, „flexibel“, „dynamisch“, …. 😀 😀 😀

    • OneBBO 6. August 2013 / 14:18

      „Ausgewogen“ ist herrlich, fand ich auch. Bitte vergiss in deiner Aufzählung von Worthülsen nicht „innovativ“. Ganz wichtig 😆

  8. Marita Rüter 6. August 2013 / 19:29

    Ich schlage einen “ Sugar-free-Day“,vor, dafür gibt es dann
    einen “ a- little-Honey-mo(o)nday 🙂

    • OneBBO 7. August 2013 / 06:56

      Eine hübsche Kombination 🙂

  9. Daniela 6. August 2013 / 19:33

    Das sehe ich genau so, jeder soll selbst verantwortlich dafür sein, was er isst!
    Übrigens gibt´s in Bayern wirklicht den Brauch, dass es an Freitagen kein Fleisch gibt, nur Mehlspeisen oder dergleichen, Fisch ist da vielleicht nicht verboten, aber nicht üblich. Das wird in Teilen unserer Familie bis heut so gehandhabt, meine Großeltern waren da noch ganz strikt.

    • OneBBO 7. August 2013 / 06:57

      Obwohl der Freitags-Fischtag ein katholischer Einfluss ist, gab’s in unserem protestantischen Elternhaus am Freitag häufig Fisch. Fischstäbchen mit Kartoffeln und Senfsoße waren immer ein Hit bei uns 🙂

  10. Adlerauge 6. August 2013 / 23:38

    Liebe Ute, ich habe jetzt mehrmals an einem Kochkurs von Vegetariern teilgenommen, um mich einmal zu informieren. Dort spielte Tofu und Sojamilch eine große Rolle. Deshalb auch meine rein sachlich, informativ gemeinte Frage. Ich war nur erstaunt über Deine Aussage. „Ich bin Vegetarierin“. Ich wollte Dir nicht zu nahe treten. Ich musste beim vegetarischen Kochkurs feststellen, dass wir als „Brukeraner“ wenig Gemeinsames haben, zumal auch z.T. Zucker und gekauftes Mehl verwendet wurde.
    Bedenke bitte auch, dass ich mich erst nach der Wende intensiv mit Ernährungsfragen, die teilweise in den Büchern sehr kontrovers dargestellt wurden, beschäftigen konnte. Viele Rezepte musste ich erst verstehen lernen, weil viele Zutaten total unbekannt waren. Mit Dr. Bruker wurde alles „einfach“, verständlich und überzeugend. Ich habe meine Ernährung vor jetzt fast 6 Jahren sofort rigeros umgestellt, mit erheblichen „Nebenwirkungen“ einer verbesserten Gesundheit. Die Bruker Bücher habe ich „verschlungen“. Ich hatte leider nicht das Glück, über Vollwertkost früher zu erfahren. Bis dahin war ich der Meinung, Ich ernähre mich gesund und bin dann „aus allen Wolken gefallen“. Heute muss ich schmunzeln, wenn ich von „Unwissenden“ einen solchen Satz höre. Damit wären wir wieder beim Thema, wie unsere Bevölkerung bewusst, aus Ignoranz oder Dummheit desinformiert wird.
    Meine Anmerkung zu den „Feinden“ war nicht auf die Grünen gemünzt, sondern ganz allgemein als „provokativer Scherz“ gemeint, wie ich Deine Überschrift auch interpretiere.
    Liebe Grüße.

    • OneBBO 7. August 2013 / 07:08

      Bruker, Vegetarismus oder meine Ernährung ist hier nicht das Thema, sondern Staatsgewalt bzw. Möchtegern-Staatsgewalt und wie weit sie meiner Meinung nach gehen darf.

      Im Übrigen hielt ich die Frage nach meinem Tofu-Verzehr für einen kleinen Scherz, weil ich mich in allen meinen Aussagen deutlich dagegen ausspreche.

  11. sandra 8. August 2013 / 13:13

    Es sollten einfach mehr vegetarische und vegane Gerichte angeboten werden und FERTIG. Wer Fleisch essen will wird eine Nische finden. Meine Leute hier haben mit Unverständnis und Zorn reagiert. „SInd wir unmündige Kinder?“ war noch harmlos. Die Vorurteile halten sich hartnäckig. „Zu teuer“, „Mangelernährung“ und „Hasenfutter“. Mit Gewalt erreicht man wirklich NICHTS und Fleischesser schauen sich in der Regel auch keine Filme über Vegetarismus oder „Akte Fleisch“ an.

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