Frag doch mal die Ute: August-Fragen

31. August 2013: Frag doch mal die Ute

Frage 1 für August: Bist Du zuckersüchtig? In dem Beitrag klingt das so. Oder meinst Du, dass quasi alle Menschen süchtig nach Zucker sind und Du deshalb diesen starken Drang hattest, den Kuchen usw. aufzuessen?
Zuckersüchtig bin und war ich zum Glück nie, d.h. mir ist es sehr leicht gefallen, auch ohne Zucker zu leben. Ich glaube, dass alle Menschen zuckersüchtig werden können, so wie auch alle Menschen nikotinsüchtig werden können, aber nicht müssen. Zucker hat Suchtpotential, das steht für mich außer Frage.

Frage 2 für August: Was ich bislang nicht herausfinden konnte ist, ob der keimunfähige nackthafer nun gänzlich “unbrauchbar” ist, ist er gar gleichzusetzen mit den haferflocken aus den märkten, obwohl er ja immerhin noch frisch geflockt wurde, hast du da eine idee?
Die Produktion von Nackthafer, sodass die Keimfähigkeit erhalten bleibt, ist eine äußerst heikle Angelegenheit, wie mir letztlich ein Biobauer versicherte. Hafer ist auch von den Standardgetreiden am schwierigsten zum Keimen zu bringen. Eben weil er „nackt“ ist, können die Keime sehr leicht beschädigt werden. Besagter Biobauer trägt seinen Hafer sogar vorsichtig quasi mit der Hand, und dennoch kann es passieren, dass der Hafer die Keimfähigkeit verliert. Deshalb ist er jedoch keinesfalls gleichzusetzen mit den Haferflocken aus der Tüte, die immer, auch im Bioladen, wärmebehandelt sind, damit sie nicht ranzig werden. Ich hatte letztlich das Pech, 5 kg Nackthafer zu kaufen, der nicht keimfähig war, nicht einmal 50 %. Ich halte es so: Diese 5 kg verbacke ich in Brot und Fladen oder mische sie in meinen Kakao, ins Frühstück. Aber wenn es ums roh Essen geht, dann kommt für mich nur keimfähiger Nackhtafer in Frage.

Frage 3 für August welche Erfahrung hast du damit Frischkorn-Gericht-Verschmähern die Speise näher zu bringen (nein ich will niemanden missionieren oder zwingen)? Welche Variante würdest du auftischen, wenn jemand überall das frische Getreide heraus schmeckt und das Essen dann verschmäht? Folgende Varianten habe ich schon probiert: Traditionelles Frischkorngericht nach Bruker in diversen Varianten mit geschrotetem Getreide, Frischkorn nach Dr. Ewers (aus deinem Buch), Frischkorn als Salatbeigabe, Eis mit Frischkorn, Frischkorn in einem sahnigen, fruchtigen selbst gemachten Frühstücksdrink. Hast du auf obigem Gebiet vielleicht schon eine interessante persönliche Erfahrung gemacht und oder einen heißen Tipp, vielleicht gibt es ja ein Rezept von dir, das deiner Erfahrung nach wahre Wunder bewirken kann?
Ich hatte noch nie einen Frischkornverschmäher am Tisch sitzen 🙂 Ich weiß nicht, ob du es schon einmal mit Flocken versucht hast? Einen Wundertipp habe ich da leider nicht, ich würde einfach anfänglich das Verhältnis von Getreide zu Obst z.B. sehr obstlastig halten, d.h. die Getreidemenge erst einmal sehr klein halten. Dann ist auch noch die Frage: Ist es ein Erwachsener? Wenn es da Geschmacksvorurteile gibt, kann man kaum noch etwas machen. Bei Kindern kann man mit Minimengen „versteckt“ anfangen. Gut ist auch Buchweizen, weil der durch seinen Knackeffekt im Obst (oder Gemüse) nicht so auffällig ist.

Frage 4 für August Was hältst du als Vollwertlerin von Matcha Tee? Hast du schon mal davon gehört? Beim Matcha Tee wird ja das ganze Blatt getrunken nicht nur ein Auszug davon. Man kann ihn roh oder erhitzt trinken. Ist Matcha Tee deiner Ansicht nach vollwertig?
Ich hatte von Matcha-Tee noch nie gehört. Daher habe ich im Internet nachgeschaut: Es handelt sich um zerkleinerten Grünen Tee und Grüner Tee ist genau wie Schwarzer Tee im strengsten Sinne nicht vollwertig. Ich selbst trinke gelegentlich aus Genuss oder auch mal zum Aufputschen eine Tasse schwarzen Tee und fühle mich dennoch nicht schuldig 😉 Als regelmäßiges Getränke würde ich aber Matcha-Tee daher genausowenig empfehle wie schwarzen Tee oder Kaffe.

Frage 5 für August (1) Ich frage mich, ob man den für Rohkost üblichen Nuss-Teig auch aus
– frisch gemahlenem Getreide (z.B. Hirse) mit pürierter Banane vermischt bzw. aus
– gekeimten und anschließend pürierten Getreidekörnern (wie für das Essener Brot) mit pürierter Banane vermischt
herstellen kann und zu einem schmackhaften Ergebnis kommt. Okay, ich kann es ausprobieren,aber vielleicht kannst Du weiterhelfen und mir eine Enttäuschung ersparen. (2) Immer wieder stößt man in der Vollwertküche und insbesondere auch in der Rohkostküche auf diverse Küchengeräte (Vitamix, Thermomix, Rohofen, Spirelli…). Kommt man denn langfristig auch mit einer normalen Küchenmaschine (550 W) aus?
(1) Viele Rohköstler haben sich meiner Ansicht nach erheblich Falsches über Getreide im Internet angelesen. Insoweit, klar, kannst du Getreide nehmen oder zumindest zum Teil, wie du auch in meinen Rohkostrezepten sehen kannst. Getreide hat jedoch Nüssen gegenüber einen Nachteil: Es verändert sich stärker im Geschmack. Nach drei Tagen schon kann es merkwürdig schmecken. Ich persönlich finde gekeimte und anschließend pürierte Getreidekörner nicht schmackhaft.
(2) Selbstverständlich kommst du ohne teure Geräte aus. Je schlichter du in deinem Essensleben sein möchtest, umso weniger Geräte brauchst du. Es ist immer eine Frage dessen, was du willst. Ein cremiges Eis ohne Sahne geht nicht ohne teures Gerät, Schokolade selbst machen erfordert zumindest einen dieser kleinen Mixer. Einen Salat kannst du genauso gut nur mit dem Messer schneiden statt mit einer Elektroraspel. Je nach Salatmenge dauert es einfach länger. Ein Dörrgerät ist Luxus, wenn man nicht einen riesigen Garten hat. Ich finde sowieso den Anteil des Getrockneten in der modernen Rohkost viel zu hoch. Ein Spirelli ist ein lustiges Spielzeug, das nach anfänglicher Begeisterung nicht nur bei mir nach zwei- oder dreimaliger Begeisterung irgendwo vor sich hinrottet. Die genannten Geräte sind ein kleiner Luxus, den Vollwertler (und nicht nur die) sich leisten. Für einen Vollwertler ganz wichtig halte ich allerdings eine Getreidemühle. Auf jeden Fall ist es möglich auch ohne Gerät köstliche Vollwertgerichte zu machen. Eben einfach andere.

Frage 6 für August: Mir fällt bei deinen rezepten auf, dass man das gemüse nicht in öl anbrät, sondern in wasser dünstet, ich nehme mal an, dass ist schonender für den vitaminerhalt (?) oder aus welchem grund wird das so gemacht? kannst du mir da weiterhelfen?
Du hast schon einen Aspekt richtig erkannt: Es ist besser für die Inhaltsstoffe des Gemüses, wenn man es dünstet statt anbrät. Wichtig ist auch, dass die Wassermenge möglichst gering ist, damit das Gemüse sozusagen im eigenen Saft bleibt. Waltraud Becker, quasi die Erfinderin der Gemüsepfanne, nimmt 5 EL Wasser. Das kommt bei mir nicht mit allen Deckeln und Öfen hin, ist aber eine gute Ausgangsbasis. Der zweite Grund ist das Öl: Es gibt nur wenige Öle, die sich zum Anbraten eignen (Erdnussöl sehr guter Qualität, Kokosöl, ebenfalls Topqualität). Noch gesünder ist, wenn du erst nach dem Dünsten ein kaltgepresstes, natives Öl unterziehst.

14 Gedanken zu “Frag doch mal die Ute: August-Fragen

  1. Daniela 31. August 2013 / 20:44

    Wieder sehr interessant, Ute, vielen Dank für die Infos. Ich mache gar nie Keimproben meines Nackthafers, sollte ich vielleicht auch mal tun.
    Die Frage mit dem Matcha Tee ist insofern für mich aktuell, als ich mir neulich auch mal so ein Döschen gekauft hab, recht teuer das Pülverchen, aber ich wollte es unbedingt mal testen. Und dann soll der ja soooo gesund sein, also direkt gesund. 😉
    Also, ich muss sagen, er schmeckt recht, hm, heumäßig. Wenn jemand schon mal Henna für die Haare angerührt hat, so riecht das ungefähr. Mir hat der Tee überhaupt nicht geschmeckt, daher kaufe ich ihn nicht mehr, abgesehen vom aberwitzigen Preis. Da finde ich ein gelegentliches Tässchen Schwarztee dann leckerer. Das ist natürlich aber auch nicht das Kultgetränk der Samurai. 😉

    • OneBBO 31. August 2013 / 20:50

      Ich habe ja viele Jahr lang meine Haare mit Henna gefärbt, das Schlimmste war immer der Geruch. Also wird dieser Matcha-Tee wohl so ähnlich riechen wie Mate-Tee…. nach Kuhdung 😉

      • Daniela 31. August 2013 / 20:51

        Genau so, Ute! Das trifft es gut. 😉

        • eco2021 2. September 2013 / 10:42

          😀 Auch was den Geruch betrifft kommt es auf die Preiskategorie an. Möchte man einen Matcha Tee der wie „Tee“ schmeckt kann man gut und gerne um die 100€ pro 30g ausgeben.

          • OneBBO 2. September 2013 / 10:45

            Nun ja, ich spare zwar nicht an der Qualität der Lebensmittel, aber so reich könnte ich persönlich nicht sein, um für ein paar Tässchen Tee 100 Euro auszugeben 🙂 Hat halt jeder seine Prioritäten woanders.

  2. Adlerauge 31. August 2013 / 21:56

    Liebe Ute, wie überprüfst Du die Keimfähigkeit von Nackthafer?
    Liebe Grüße

    • OneBBO 1. September 2013 / 07:48

      Indem ich den Nackthafer in einem Bio-Snacky-Glas zum Keimen ansetze.

  3. Christian 1. September 2013 / 14:39

    hallo ute, vielen dank für die beantwortung der fragen. ich habe zwischenzeitlich beim demeterhof schwab nackthafer gekauft und auch eine erfolgreiche keimprobe gemacht, ich frage nun immer nochmal vorab nach ob das getreide auch wirklich keimfähig ist, ich will auf nummer sicher gehen. bislang bin ich naiverweise davon ausgegangen das getreide in bioqualität selbstverständlich keimt… das buch von waltraud becker habe ich – wie immer – in meinem antiquariat gefunden, dass ist das gute an der vollwert, die älteren vollwertbücher bleiben liegen.. 🙂 supertipp übrigens mit dem öl dass man im anschluß unterrühren kann, auf sowas komme ich naütrlich nicht.

    • OneBBO 1. September 2013 / 15:11

      Am Anfang ist der Wald halt unübersichtlich 😉 Dass mit dem Öl ist leider auch keine Erkenntnis von mir ….. 😛

  4. Petra 1. September 2013 / 22:52

    Hallo Ute, von mir auch vielen Dank für die Beantwortung der Fragen bzw. Deine Meinung dazu.
    Liebe Grüße und gute Nacht …

    • OneBBO 2. September 2013 / 07:08

      Guten Morgen 🙂 und: Gerne geschehen.

  5. Marek Kosmala 2. September 2013 / 07:16

    Da hätte ich eine kleine Ergänzungsfrage zum keimfähigen Hafer. Mag sein, dass sie dumm ist, aber gerade ist mir das folgende theoretische Konstrukt in den Sinn gekommen: falls der Hafer seine Keimfähigkeit alleine durch eine etwas unsanfte mechanische Behandlung (also ein Teil des Korns ist irgendwo an der Ecke abgebrochen), und nicht durch Hitzeeinwirkung/Bestrahlung/Pestizide/Genmanipulation etc. verloren hat, was ist dann genau der Unterschied zwischen solchen Hafer und einem keimfähigen, aber *frisch geschrotteten* Hafer, der ja nach dem Schrotten auch nicht mehr keimfähig ist…? Verstehst Du, worauf ich hinauswill? Ist der Unterschied nun tatsächlich so groß? 🙂

    • OneBBO 2. September 2013 / 07:24

      Sobald das Korn verletzt ist, setzt die Oxidation ein und können weitere Außeneinflüsse leichter eindringen. Das wäre meine laienhafte Erklärung.

      Außerdem bin ich ganz subjektiv nie sicher, ob ein keimunfähiger Hafer dann auch wirklich nur wegen der Probleme beim Transport oder eben doch wegen mir unbekannter Behandlunge nicht keimt. Vielleicht ist er irgendwo auf dem Weg zu mir doch wärmer geworden, als ihm lieb war?

      Keimt der Hafer bei mir, bin ich sicher.

      • Marek Kosmala 2. September 2013 / 07:49

        Ok, das ist einleuchtend, danke.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.