Auf dem Weg zur Vollwertkost

16. November 2013: Was ist Vollwertkost?

Vor einigen Wochen habe ich mir einmal wieder das Buch „Lust ohne Reue“ von Waltraud Becker durchgesehen. Es ist und bleibt eines meiner Lieblingsbücher, weil es die tiereiweißfreie Kost (nach Bruker) wirklich erlebbar macht. Becker habe ich die Grundsätze der Gemüsepfanne zu verdanken genauso wie Reis- oder Hirsebrei (relativ neuentdeckt) als Füllmittel und Strukturgeber. Daraufhin habe ich mir das Buch eines schönen Sonntagnachmittags erneut sorgsam vorgenommen und darin geblättert und gelesen.

Für meinen Geschmack heutzutage ist da zu viel Fett drin, aber das hat mich nicht überrascht. Öl mehr als Zitrone oder Essig im Dressing, das habe ich vorher anders gemacht und mache das auch jetzt wieder anders. Es gibt Dinge, die haben mich einfach verwundert und die mich dann auch fragen lassen, ob wir die Vollwertkost entkrampfen müssten oder ob wir heute einfach bessere Erkenntnisse haben: Polenta wird mehrmals benutzt, Hartweizengrieß ebenso. In den Rezepten steht einfach Mehl, nicht immer „frisch gemahlenes“ Mehl. Becker verwendet auch gelegentlich gekaufte Vollkornnudeln, da steht kein Hinweis „nur aus Mehl, nicht aus Grieß“! Obst wird sowieso munter verbacken, aber auf dem Vollwertohr ist man ja in Lahnstein sowieso taub 😉 In eine Senfcreme kommen 2 TL Senf. Kein Hinweis, dass man darauf achten sollte, dass der Senf ohne Zucker hergestellt wurde. Wurde den Vollwertlern damals mehr Mitdenken zugetraut oder war das nicht so wichtig?

Da denke ich dann an die Rezepte von Forks over Knives, wo teilweise Kichererbsen (und Schlimmeres) aus der Dose verwendet werden, gekaufte Nudeln sowieso. Und ich frage mich: Wenn schon Frau Becker, quasi ein Urgestein der Vollwerternährung nach Bruker, Grieß und Fertignudeln verwendet, müssen wir uns dann heute darum raufen, ob die Nudeln aus Grieß oder Mehl sind? Wie weit müssen wir in unserer Vermeidung der Zivilisationskost letztendlich gehen?

Ich habe sehr viel in meiner Küche selbst hergestellt, mache das immer noch und finde das auch für mich richtig. Aber müssen wir den Anfängern den Weg in die Vollwert verbarrikadieren, in dem wir ihnen die Hartweizengrießnudeln aus der Küche reißen? Wäre es nicht wichtiger, die Betonung noch stärker auf die Vermeidung von Industriezucker und Auszugsmehl zu legen? Muss es uns wirklich den Schlaf rauben, wenn jemand das Mehl abends mahlt und erst morgens weiter verarbeitet?

Auf diese Fragen habe ich für mich noch keine endgültigen Antworten gefunden. Das heißt, für mein eigenes Leben weiß ich schon, dass ich nichts verwenden möchte, was ich sinnvoll selbst machen kann. Ich bin mir aber einfach nicht schlüssig darüber, wie weit wir bei einem Anfänger gehen können bzw. auch müssen.

Noch zwei Dinge weiß ich mit Sicherheit: Für mich hat die Forks over Knives-Ernährung zu viele Fertigprodukte und die tiereiweißfreie Vollwertkost nach Bruker, so wie sie heute von und in Lahnstein vorgeführt wird, viel zu viel Fett.

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21 Gedanken zu “Auf dem Weg zur Vollwertkost

  1. inge 16. November 2013 / 18:36

    Die Entscheidung ist vielleicht:
    willst du viele von der Ernährung begeistern, ihnen den Einstieg erleichtern
    oder ist es für dich eher wichtig, dass sich nicht jemand schon als Vollwertler darstellt der (noch) nicht alle Regeln/Vorgaben/Ideen der Vollwertkost einhält…
    ich denke es ist sicherlich so, dass man bei einer Ernährungsumstellung mit so vielen zu bedenkenden Dinge anfangs überfordert ist und dann eventuell den Spaß daran verlieren könnte…
    von dem her wäre vielleicht wirklich mal eine Liste interessant was deiner Meinung am wichtigsten ist und wenn man sich erfolgreich an diese Umstellung gewöhnt hat, was der nächste Schritt sein könnte
    lg

    • OneBBO 16. November 2013 / 18:48

      Sei gegrüßt auf diesem Blog, Inge!

      Den Einstieg erleichtern ist eine schwierige Sache. Ich versuche das einmal so zu beantworten: Ich versuche Anfängern den Einstieg zu erleichtern, indem ich ihnen aufzeige, wie einfach das Leben mit der Vollwertkost ist. Ich halte es nicht für eine gute Idee, die Vollwerternährung aufzuweichen, um den Einstieg (angeblich) dadurch einfacher zu machen.

      Eine Liste mit Schritten ist eine interessante Sache. In meinem Buch „Vollwert? Gold wert!“ habe ich eine solche Umstellung beschrieben.

  2. Daniela 16. November 2013 / 18:36

    Ich hab das Buch von Waltraud Becker nicht, aber ich gehe mit dir völlig konform in dem Fazit, das du im letzten Abschnitt ziehst, Ute!
    Am ungünstigsten finde ich, wenn dann das Fett in großen Mengen auch noch tierischer Herkunft ist, wie Butter, Sahne und Schmand. Ich persönlich halte das für noch ungesünder als größere Mengen hochwertiges pflanzliches Fett, wie Saaten, Nüsse oder auch gutes Öl.

    • OneBBO 16. November 2013 / 18:49

      Ich denke mal, Bruker würde das heute auch ähnlich sehen….. Aber das ist eine Spekulation, und führt daher leider zu nichts 😉

  3. doris 16. November 2013 / 21:13

    Ich sehe mich als Anfaengerin und habe zum Einstieg eigentlich fast nur rezepte von deiner website gekocht ute. jetzt langsam hab ich mir ein paar buecher dazubestellt. unter anderem auch das eben genannte. noch habe ich aber nicht viel probiery daraus. ich verwende ziemlich viel fett ( sauerrahm und schlagobers, auch butter) derzeit und kaufe auch fertige nudeln aus vollkornmehl der firma gradwohl. ohne die nudeln waere die umstellung noch schwieriger. am schwierigsten finde ich den frischkostanteil in die ernaehrung einzubringen. das schaffe ich eigentlich kaum. mir fehlen auch die brotbelagvarianten ohne butter. habe mir extra das buch streicheleinheiten bestellt, aber der grossteil der aufstriche ist wieder mit sehr viel butter.
    ich glaub mittlerweile, dass der umstieg nur mit der zeit erfolgen kann. seit juli hab ich erstmal zucker gestrichen und esse so gut wie kein auszugsmehl mehr. mit den restlichen schritten gehe ich es langsam an- gut ding braucht weile.

    • OneBBO 16. November 2013 / 21:47

      Es ist individuell unterschiedlich.

      Ich habe von einem Tag auf den anderen umgestellt, da hatte ich allerdings Bruker noch nicht selbst gelesen. Nachdem ich dann Unsere Nahrung, Unser Schicksal gelesen hatte, habe ich nochmals „verschärft umgestellt“. Es gab natürlich am Anfang einige Dinge, die ich nicht wusste, aber die kommen mit der Zeit.

      ch habe auch das Rauchen vor vielen Jahren von einem Tag auf den anderen aufgehört. Es gibt Leute, die machen das schrittweise – nichts für mich, da würde ich heute vermutlich noch rauchen 😉

      Da muss eben jeder wissen, was für ihn der richtige Weg ist. Und auf dem Weg zu sein ist erst einmal das Wichtigste, denke ich.

  4. oud 16. November 2013 / 22:53

    essen muss schmecken, und wer von junk food kommt, ist auf fett gepolt.
    von daher schafft lahnstein doch einen leckeren übergang 🙂
    und wer dann fett reduzieren will, findet genug anregungen.
    ich vertraue auf die eigene kompetenz und verantwortung,
    die jeder für sich hat.
    ich habe auch kein schlechtes gewissen,
    wenn die vollkornnudeln bei meiner freundin aus grieß sind…

    man muss ja auch mal ehrlich sagen, leben ist mehr als essen 🙂
    (bitte im sinne von verhältnismässigkeit sehen)

    grüsse oud

    • OneBBO 17. November 2013 / 08:07

      Wer von Junk Food kommt ist vielleicht auf versteckte Fette, vorwiegend aber auf Zucker gepolt. Lahnstein verwendet auch keine Soyafrikadellen und Saitanschnitzel, Ahornsirup oder Agavendicksaft um den Übergang zur VWk zu erleichtern (was ich unbedingt unterstütze!).

      Außerdem propagiert Lahnstein das, was sie für die richtige Vollwertkost halten, keinen Übergang. Was – egal, was ich jetzt für „richtig“ halte – der einzig mögliche Weg ist.

      Ich halte es für falsch, da auf eigene Kompetenz und Verantwortung zu setzen. Die kommt doch, wenn überhaupt, erst sehr viel später!

      „Leben ist mehr als Essen“, klingt erst einmal nach einem weisen Spruch. Du weißt ja, wie ich das mit den Sprüchen halte: Ich klopfe sie gerne ab. Da Leben auch stark von Gesundheit und Gesundheit in mindestens 90% der Fälle von der Ernährung abhängt, ist (richtiges) Essen aber ein ganzhöriger Anteil des Lebens, nämlich die Grundlage. Wenn du bedenkst, dass Aggressionen beispielsweise auch durchaus eine Folge von zu viel Fleisch und zu viel Zucker in der Ernährung sind – da nimmt die Bedeutung des Essens für mich aber doch einen sehr großen Teil ein!

      Noch ein letztes: Wenn du in ein Forum über Mathematik gehen und mitlesen würdest, kämst du dann auf die Idee bei der Diskussion einer Formel zu schreiben: Leben ist mehr als Mathematik? 😛

  5. Jutta 17. November 2013 / 13:14

    Ich bin begeisterte Brukeranerin. Habe Zucker und Auszugsmehl ganz von meinem Speisezettel verbannt.Ich habe jetzt auch FoK versucht und vegan. Vegan und FoK werde ich nicht mehr essen, eben weil mir zu viel Tofu, Seitan, Konserven usw. drin ist.
    Das Motto nach Kollath: Laßt die Nahrung so natürlich wie möglich, ist auch meines. Allerdings sind mir die Fettmengen auch zu hoch.
    So werde ich auf deiner und Danielas und Barbaras Seite sein und mir Anregungen holen, weil auch mir Essen in erster Linie schmecken muß, und das Kochen Spaß

    • OneBBO 17. November 2013 / 13:17

      FoK ist gut, um sich mal wieder Gedanken über gewisse Dinge zu machen, finde ich auf jeden Fall. Wir nehmen uns eben das Beste aus beiden Welten 😉

  6. sandra 17. November 2013 / 13:34

    Aller Anfang ist schwer. Bei mir gibt es heute noch ab und zu Hartweizengrießnudel oder zumindestens welche aus Vollkornhartweizengrieß (nette lange Wörter). Das sich Anfänger schwer tun kann ich bestätigen. Meine Mutter wollte wegen ihrer CED-Erkrankung umstellen. Ich sollte ihr dabei helfen. Bloß scheiterte es schnell an ihrem innerem Schweinehund und da konnte ich sagen was ich wollte. „Zu teuer. Da brauche ich 150 g Honig, hallo? Und dann noch Nüsse…ne Sandra, ich bin nicht reich“
    oder: „Zu aufwendig“, „so ganz ohne Wurst und Fleisch?“ „Alles selbermachen??? Ich glaube es hackt, dazu habe ich keine Zeit!“ Öhm… sie ist Hausfrau und mein Vater Rentner. Papa zieht auch nicht mit, schade. Nur gut, dass ich alleine wohne 😆
    Ich backe ihnen ein Brot mit, Kekse und rühre Brotaufstriche an. Wenigstens da ziehen sie mit.

    So eine Umstellungsliste habe ich mir selbst hergestellt und stolz abgehakt. Gestern habe ich einer Freundin wieder das Essen abgesagt. Sie akzeptiert meine Ernährung und meine Wünsche nicht. Es findet sich immer Fleisch im Essen und Käse, Thunfisch, Ei im Salat. Ach ja, ohne Zucker im Salat geht es auch nicht. Da rede ich gegen eine Wand aus Stahl 😡

    • OneBBO 17. November 2013 / 13:37

      Deine Eltern wollen sich gar nicht umstellen, das wird aus jeder Silbe klar 🙂 Sie lieben ihre Krankheiten, gönn sie ihnen. Völlig großzügig… aber auch mitleidslos 😛

      Sehr eigenartig mit angeblichen Freunden, die einem was unterjubeln wollen. Würdest du jemandem versuchen ein Stück Kuchen mit Honig zu geben, wenn derjenige ausdrücklich sagt, ich bin Veganer?

      Die Welt ist manchmal merkwürdig….

      • sandra 17. November 2013 / 13:47

        Da stimme ich dir zu. Leider ist es so… soll sie ihre CED behalten.

        Wenn ich einer anderen Freundin Nüsse unterjubel, weil es mir so wichtig ist, fällt sie tot vom Stuhl (Allergie). Das würde ein normaler Mensch ja nicht machen. Aber bei meiner seltsamen Ernährung…das kann nicht gesund sein. *Schulterzucken*
        Manchmal wollen sie wissen was Vollwert bedeutet, winken dann aber ab. Na ja… schönen Sonntag noch.

  7. Christian 17. November 2013 / 14:30

    also ich hatte nicht sonderlich große schwierigkeiten bei der umstellung, hab lediglich paar tage den schwarzen tee am morgen vermisst. ich habe mir einige bücher zugelegt u. bin von den meisten doch recht enttäuscht, ich glaube dass würde man bestenfalls als „üppige vollwertkost“ bezeichnen, wenn – wie in einem aktuellen vollwertkochbuch beschrieben- 12 eigelb in einen kuchen sollen dann ist dass nicht in meinem sinne. mir fällt auch auf dass in vielen büchern, sahne, schmand u. massenhaft eier verarbeitet werden. die infos zu den JA´s und NEIN´s finde ich nicht ausreichend, so habe ich auch nur so ganz nebenbei erfahren dass man gemüse besser andünstet statt anzubraten. die kollath tabelle fand ich sehr verwirrend, kursieren im netz doch einige unterschiedliche. extrem schade finde ich dass die vollwert einen derart schlechten ruf hat, ich kann auch das wort „vegan“ schon nicht mehr hören, wobei mich dieser hype nicht sonderlich verwundert kann man doch wunderbar verarbeitete lebensmittel unters volk bringen. ich bleibe bei der vollwert, sie ist wesentlich einfacher in der umsetzung und ich spare eine menge geld und schmecken tuts natürlich auch.

    • OneBBO 17. November 2013 / 15:22

      Schön, dass außer mir noch jemand gut umstellen konnte 😉 Den schwarzen Tee (4-5 Liter am Tag) habe ich allerdings doch eher langsam ausgeschlichen…

      Ich habe übrigens in allen neuen Büchern die JAs und NEINs, aber die meintest du sicher nicht 😉

      Kollaths Buch zu lesen, Titel fällt mir gerade nicht ein, ist übrigens lohnend, fand ich. Habe es zweimal gelesen, und diese Ehre widerfährt bei mir nur selten einem Buch.

  8. Christian 17. November 2013 / 17:09

    nein, deine bücher meinte ich natürlich nicht… 🙂 ich hatte bis zur umstellung noch täglich 4 liter cola light getrunken, alles von einem tag auf den andern weggelassen, war kein problem u. meine geschmacksnerven haben es mir auch noch gedankt.

    • OneBBO 17. November 2013 / 17:31

      Wow, nicht schlecht…. über einen Liter Cola pro Tag bin ich nicht gekommen, und das nur eine kurze Weile. Mir war das auf Dauer zu süß.

  9. Dan S. Leb 23. November 2013 / 23:30

    Welches Buch siehst Du denn heute als Vollwertstandard, quasi als Escoffier in Vollwert?

    Selbst bin ich über den Umweg USA (google und youtube machen’s möglich: infos über Schonkost, Vegan, Rohkost, McDougall, 80/10/10 usw.) wieder zurück zu Vollwertrezepten aus D/EU gekommen (bislang nur einzelne Rezepte ergoogelt, noch kein Buch gut gefunden). McDougall finde ich zum Erkenntnisgewinn über gesundes Essen sehr überzeugend; die Umsetzung in Rezepte – wie bei vielen aus USA – eher nicht meins.

    • OneBBO 24. November 2013 / 09:07

      Als Einstieg in die Vollwerternährung empfehle ich immer „Unsere Nahrung, unser Schicksal“ von Bruker. Für die praktische Umsetzung empfehle ich dir guten Gewissens meine eigenen Bücher.

      Du wirst sehen, dass ich deinen Kommentar radikal gekürzt habe. Selbstvorstellungen in dieser Länge gehören in ein Forum, nicht jedoch auf diesen Blog. Ich hoffe, du verstehst das 🙂

      • Dan S. Leb 24. November 2013 / 18:56

        Ja klar, verstehe ich gut. Die längeren Erläuterungen sollten nur erläutern, was ich genau suche, als Basis für eine maßgefertigte Empfehlung.
        Schliesslich war bisher beim Durchblättern im Buchladen mein Eindruck bei der überwiegenden Anzahl Rezepte, dass die zwar schmecken/gesund/gut gemacht sein mögen – aber nicht genau meinen Zielvorstellungen entsprechen. Oft knapp daneben ist letztlich dann auch insgesamt am Ziel der Arbeitserleichterung vorbei.

        • OneBBO 24. November 2013 / 19:14

          Du kannst doch mal ein paar Rezepte aus dem Vollwertnetzwerk (siehe rechts) ausprobieren, von meiner Webseite oder von meinen Videos. Dann weißt du ja, ob das knapp vorbei ist 🙂

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