Kochbücher

24. April 2014: Was erwarte ich von einem guten Kochbuch?

Das ist jetzt nicht eine Vorgabe, was Ihr erwarten solltet, sondern ich schildere einfach einmal, was ich erwarte. Was dann vielleicht auch erklärt, warum ich meine Bücher so geschrieben habe, wie sie euch vorliegen. Denn logischerweise schreibe ich ein Buch so, wie ich es auch bei anderen Autoren finden möchte.

Für mich ganz wichtig ist, dass die Rezepte wirklich erprobt sind. Wirklich gekocht. Und das sind sie leider in den seltensten Fällen. Mittlerweile habe ich schon einen Blick dafür. In der Vollwertbäckerei sehen wir es häufig sehr gut an den Wasserangaben. Fantasiezahlen – ob zu kleiner oder zu groß – beleidigen das wissende Auge. Ja, je nach Getreide kann die Wassermenge stark variieren. Aber dann bitte: dazuschreiben, das dies nicht typisch ist. Wenn eine Wassermenge stark von der Zahl 310-320 g/500 g Getreide abweicht und der Teig noch geknetet werden soll, ist Vorsicht geboten!

Außer in den gern zitierten Dr.-Oetker-Büchern von früher habe ich noch kein einziges Kochbuch gefunden, dass sich daran hält, in aller Bescheidenheit: meine eigenen Rezepte ausgenommen. Sei es die von mir grundsätzlich geschätzte Gabriele Kurz, sei es Barbara Rütting – sie alle schummeln irgendwann einmal, was das Zeug hält, schreiben ein Rezept aus dem Gedächtnis, oder lassen sich etwas einfallen und denken „ach, so wird das schon gehen“. Ich finde das ein „Verbrechen“ vor allem bei Anfängern.

Gerne bemängele ich auch, dass die Autoren nicht angeben, mit welchen Gerätschaften sie arbeiten. Immer wieder liest man: Der Hefeteig verdoppelt sich in 20 (30) Minuten. Wenn man nicht gerade 2 Päckchen Hefe auf 200 g Mehl gibt, ist das nicht so! Es sei denn… man hat einen Gärofen oder eine andere Möglichkeit, eine Temperatur von 30-35 °C zu erreichen. Was aber im normalen Haushalt nicht so ist. Was täte denn daran nun so weh, wenn ein Autor schreibt: Der Teig verdoppelt sich in einem Gärofen oder ähnlichen Gerätschaften in 20 Minuten. Es hätte natürlich die Konsequenz, die ich auch kenne: So wird mir häufig vorgeworfen, meine Rezepte könne man nur mit teuren Geräten nacharbeiten. Warum kommt das als Vorwurf? Weil ich die verwendeten Geräte dazu schreibe! Andere tun das nicht, und wir wundern uns dann, wenn wir mit dem Handrührgerät keinen wunderbaren Hefeteig oder mit dem normalen Haushaltsmixer keinen glatten Smoothie hinbekommen. Würden aber alle Autoren konsequent ehrlich schreiben, wie sie arbeiten, bliebe dem Anfänger viel Verzweiflung erspart. Der Fortgeschrittene wüsste dann auch, wie er die Geräteklippe möglicherweise umgehen könnte.

Was mich auch ärgert, dass Autoren teils immer wieder dieselben Rezepte in neuen Bücher verarbeiten – und ich meine hier keine Grundrezepte wie Gemüsebrühe o.ä., das natürlich in jedem Buch drinstehen muss, in dem es verwendet wird. Aus guter Quelle weiß ich, dass häufig bis zu 30 % bereits Gedrucktes sein können. Oder mit winzigen Änderungen…. Ey, da packt mich das Grausen!

Ein anderer Stein des Anstoßes sind für mich die Fotos. Wenn ich schon sehe, dass mehr als die Hälfte der Fotos von sogenannten Agenturen bezogen wurden, weiß ich doch: Das wurde so nie gekocht. Ich brauche keine perfekte Sahnetorte vor Augen, wenn ich sie selbst so nicht hinkriege. Natürlich kann ein gelernter Koch mit – hoffentlich geringem! – Aufwand etwas optisch besser hinbekommen als ich. Das hat aber nichts mit dem zu tun, was uns da häufig vorgemogelt wird. Da wird das Rezept verdreht, nur damit das Foto „schön“ ist. Da tauchen plötzlich Sesamkörnchen in einem Bild auf, die nirgendwo erwähnt sind. Oder es fehlen wichtige Bestandteile. Dieser Drang nach „schönen“ Fotos ist eine Krankheit der jetzigen Kochbuchwelle. Natürlich sollen sie nicht grauslig sein, sondern zum Essen einladen. Aber ich möchte auch, dass anschließend in meiner Küche etwas steht, das ähnlich aussieht wie in der Vorlage. Ich sage ja immer: Wenn ich noch ein Essen sehe, das in einem älteren Teller serviert wird, das auf einer gefalteten Serviette liegt und das Ganze noch auf einer Holzbohle platziert wurde: Ey, dann pfeffer ich das Ganze schon in die Ecke.

Ich selbst brauche nicht unbedingt Fotos. Gerne habe ich sie, wenn das Rezept einen komplizierten Vorgang beschreibt oder Zutaten / Zubereitungsweisen, die ich mir nicht vorstellen kann. Es ist schön, wenn zu jedem Rezept ein Foto zu sehen ist – aber ein Muss ist das nicht. Übrigens haben die wenigsten Bücher wirklich zu jedem Rezept ein Foto. Ein Foto bei jedem Rezept heißt nämlich nicht notwendigerweise, dass auch das entsprechende Gericht wirklich darauf zu sehen ist.

Auch wichtig ist mir eine optisch klare Aufarbeitung. Ich will das Rezept mit einem Blick erfassen können. Das schließt eine gute oder auch „kreative“ Aufbereitung des Layouts nicht aus. Aber wenn die Zeilen auseinandergerissen sind, die Zutaten im Fließtext untergehen, dann habe ich schon keine Lust mehr.

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10 Gedanken zu “Kochbücher

  1. suelwie 24. April 2014 / 18:56

    Oh, wie recht Du hast, Ute! Wie oft bin ich verzweifelt, weil auf meinem Blech, in meinem Topf, auf meinem Teller nicht so etwas lag wie auf dem Rezeptfoto abgebildet! Besonders an Hefeteigen bin ich immer verzweifelt. Die wurden nie so toll locker-fluffig, wie die Fotos vorgaukelten! Oder, auch ein Lieblings-Verzweiflungs-Thema von mir: Wenn auf eine Sahne- oder Cremeschicht einer Torte oben drauf noch heißer Torten- oder heißer Schokoguss gegeben werden sollte – das hat sich bei mir immer vermischt und blieb nie so wunderhübsch anzusehen getrennt wie auf dem Bild … Oder das Gemüse, das nach der Kochzeit nie so knackig und bunt war, wie es hätte sein sollen. Jedenfalls laut Foto.
    Klingt im Nachhinein ziemlich bl…auäugig, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass an den Fotos oder mit den Rezepten etwas nicht stimmen könnte … Mittlerweile, als fleißige Leserin und Nachkocherin von Dir, bin ich ja in der Hinsicht schon aufgeklärt. Wär ich doch nur früher auf Dich gestoßen! Dann hätte ich mich zusätzlich auch schon viel länger gesund ernährt. 🙂
    Deine Bilder jedenfalls liebe ich. Wirklich! Die sind so schön und authentisch; schön authentisch. Herzerwärmend ehrlich. Und das ist nicht beschönigend gemeint, sondern ehrlich und von Herzen kommend. Zu einem Deiner Bücher hat bei A… jemand eine bitterböse Rezension wegen Deiner Bilder geschrieben. Nun hab ich genau dieses Buch noch nicht, aber ich hab noch kein Foto von Dir gesehen, das mir den Appetit VERDERBEN würde, also kann ich mir nicht vorstellen, dass Du jemals solche Fotos gemacht oder für ein Kochbuch verwendet haben solltest.
    Deine Kochbücher sind wirklich für Benutzer gedacht und nicht nur hübsche, realitätsferne Bilderbücher mit Misslinggarantie. Sie sind so aufgebaut, dass man sie gut nutzen kann. So wie alle Deine Rezepte im Internet auch. Danke!

  2. suelwie 24. April 2014 / 18:59

    Und übrigens: Meistens suche ich in Deinen Rubriken nach Rezepten für die Zutaten, die ich gerade da habe, und koche den jeweiligen Favoriten dann, gerade WEIL das dazugehörige Foto mir so richtig Appetit macht. 🙂

    • OneBBO 24. April 2014 / 21:08

      Oh ja, hast du schon jemals eine Sahnetorte so hinbekommen wie auf einem Foto? Ich nicht. Gemüse wird meines Erachtens häufig halb roh fotografiert….
      Es freut mich sehr, dass meine Fotos dir Appetit machen. Und das Wort Misslinggarantie gefällt mir ausgesprochen gut 😈

      • suelwie 25. April 2014 / 13:56

        Bei Sahnetorten habe ich immer gedacht, dass ich eben kein Konditor bin. Mittlerweile kann ich mir vorstellen, dass, falls das Bild tatsächlich die Torte des jeweiligen Rezepts zeigt, so zumindest beim Zusammenbasteln gemogelt wird. Und dann gibt es ja auch noch all die schönen, praktischen Profihelferchen, von denen wir Laien nichts wissen bzw. die wir nicht besitzen …
        Ja, das mit dem Gemüse sehe ich auch so. Das verliert einfach an Festigkeit und Farbe, je länger es gegart wird.
        Auf meine Misslinggarantie-Wortkreation bin ich auch ein bisschen stolz. 😀

  3. Tatjana 25. April 2014 / 12:02

    Ich bin eingentlich immer davon ausgegangen, dass die Fotos passend zu den Gerichtensein sollten. Neulich hatte ich in einer Zeitschrift geblättert, da waren ein paar schöne, vollwertige Getreidesalate, dazu große Fotos. Ich hatte mehrmals die Zutaten angeguckt und die Fotos dazu, aber auf den Fotos waren etwas andere Zutaten als im Rezept, das wollte ich irgendwie nicht glauben. Und siehe da, dank deinem Artikel ist es ja wohl Realität…

    • OneBBO 25. April 2014 / 12:34

      Ich habe früher genauso wie du gedacht, immer „geglaubt“, was geschrieben und gezeigt wird – und an mir gezweifelt. Das hat sich erst vor wenigen Jahren geändert, als ich selbst Rezepte veröffentlicht habe. Da bekam ich einen ganz anderen Blickwinkel.

  4. sandra 25. April 2014 / 16:19

    Ist mir auch schon mal so ergangen. Da war ein wunderschönes Bild von einem noch schöneren Dessert, aber keines der Rezepte passte dazu. Ich frage mich dann immer „Losen die etwa die Bilder aus?“ Ich mag Bilder, ich kaufe mir am liebsten Kochbücher die Bilder haben, aber nur weil’s Appetit macht 🙂

    • OneBBO 25. April 2014 / 16:24

      Wenn’s gar nicht passt, ist natürlich doof…. 🙂

  5. Rita Von Hettenhausen 26. April 2014 / 21:08

    Da triffst Du genau ins Schwarze ! Genau so ist es ! Wenn es bei Barbara Rütting auch so sein sollte, bin ich allerdings sehr enttäuscht, denn hier hatte ich immer das Gefühl, sie sei wenigstens authentisch !
    Aber , liebe Ute, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie gerne ich Deine Videos anschaue. Es ist eine große Freude zu sehen, wie patent Du die leckeren Gerichte kochst. Ich bin ein super Fan von Dir.
    Liebe Grüße aus Hamburg
    Von Rita

    • OneBBO 27. April 2014 / 08:50

      Vielen Dank, Rita! Früher passte hier der Ooops-Smiley, weil er bescheiden dankend errötend aussah, heute leider nicht mehr ( 😳 )

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