Altersdiskriminierung

23. Mai 2014: Ageism

Ageism (englisch für Altersdiskriminierung) ist ein gutes Mittel, um Dinge an den Mann und vor allem an die Frau zu bringen. Zaubercremes, tolle OPs, das liegt auf der Hand und lässt sich schnell durchschauen.

Es wird aber von der Marketingwirtschaft ganz allgemein ein subtiler Ageism betrieben, der uns einfach suggeriert, dass „alt sein“ immer schlecht ist. Gut konnte ich das in der Diskussion über die neuen Smileys finden. Ich erhielt dazu die (private, also nicht auf dem Blog veröffentlichte) Zuschrift eines Lesers, der schrieb:

„Wieso muss immer alles geändert werden! Ob gut oder schlecht, anders – neu muss es sein. Ich finde, dass unsere Zeit daran krankt. Ich werde die alten Smileys vermissen, diejenigen mit den rosa Bäckchen zum Beispiel fand ich so putzig. Vielleicht passe ich immer weniger in diese Zeit, ich werde ja auch immer älter!“

Diese Anmerkung war als Scherz gemeint, dennoch steckt da etwas Bedenkenswertes hinter.

Zu den Smileys kann ich nur sagen, ja die rosa-Bäckchen (heute 😳 ) gefielen mir auch gut. Ich denke ich weiß, warum sie das geändert haben – um jetzt in der Größe veränderliche = skalierbare Smileys zu erhalten. Früher rissen die schon mal Zeilen auseinander. Sie waren aber zeichnerisch viel, viel besser als diese neuen Plattitüden. Eine andere Leserin kommentierte , dass sie lieber die neuen Bildchen hat, statt nur die Strichmuster „:-)“ wie früher…

Fortschritt um jeden Preis ist nicht mein Ding. Und das hat nichts mit Alter zu tun. Das wird uns älteren Menschen – die ja immer früher in die Seniorenecke verfrachtet werden – nur eingeredet. Mit wachsendem Alter und größerer Einsicht nehmen wir natürlich neue Dinge kritischer unter die Lupe als eine Generation, die mit dem Wegwerfprinzip schon in der Wiege konfrontiert wurde. Hinterhältig wird uns eingeredet, dass jeder, der nicht alles Neue gleich jubelnd willkommen heißt, „alt“ ist, in die „alte Ecke“ gehört. Wobei vorausgesetzt wird, dass alt quasi „nutzlos“ bedeutet. Und so werden sich auch viele Menschen, die dank ihrer mit den Jahren gewonnenen Einsichten vielleicht nicht alles Neue gleich bejubeln, so unter Druck gesetzt, dass sie diese Meinung nicht mehr äußern, aus lauter Scham, dann in die „alte“ Ecke abgeschoben zu werden.

Jugendverfechter (häufig Menschen, die kurz vor dem modernen Seniorentum stehen und sich unbedingt von diesem distanzieren wollen) kommen dann gerne mit dem Argument: „Ach, das war schon immer so, auf die Jugend wurde von den Älteren heruntergeschaut, die Jugend strebt voran, und daran hat sich nichts geändert.“ Doch, daran hat sich etwas geändert. Denn heute haben neue, häufig lebensverändernde Technologien einen atemberaubend kurzen Lebenszyklus. Das ist nicht mehr mit den Zeiten zu vergleichen, wo sich 200 Jahre lang gar nichts änderte, wenn nicht die „aufmüpfige“ Jugend gewesen wäre.

Früher war es teils schwierig, etwas Neues einzuführen, weil die älteren Menschen lieber auf dem Alten beharrten. Somit war ein Filter geschaffen. Dieser Filter ist uns weggerissen worden, jetzt arbeitet der Filter geradezu anders herum: Alles, was neu ist, ist erst einmal „gut“. Das finde ich durchaus bedenklich. Gerade in Zeiten des raschen und stetigen Wandels ist es unsere Pflicht als Erwachsene, so finde ich, auch bewahren zu helfen, ohne Angst, dafür in eine negative Ecke abgeschoben zu werden.

3 Gedanken zu “Altersdiskriminierung

  1. Daniela 24. Mai 2014 / 11:08

    Ich bin auch der Meinung, dass man in der heutigen Zeit ruhig dazu stehen darf, manches bewahren zu wollen und sehe das auch als gute Sache. Ich gehöre ja diesbezüglich auch eher zu den „Alten“ ;), aber so dachte ich seltsamer Weise schon mit 20, war also so gesehen scheinbar nie wirklich jung… 😉
    Irgendwie vermisse ich trotzdem nichts und stehe schon immer zu meinen, in den Augen Anderer sicher oft leicht angestaubt wirkenden Wertvorstellungen, Ansichten und auch zum dazu passenden Musikgeschmack. 😉

  2. Daniela 24. Mai 2014 / 11:09

    Ui, hab mir den spontan formulierten Kommentar grad nochmal durchgelesen, hört sich richtig schrullig an – so schlimm antiquiert bin ich auch wieder nicht… 😉

    • OneBBO 24. Mai 2014 / 11:36

      Keine Sorge, wir kennen dich ja vom Kommentieren und Bloggen – nur wer noch nie einen Satz von dir gelesen hat, könnte auf die Idee ommen, du seist verstaubt 😈

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