Das Tierreich

7. Juli 2014: Häufig hört man, Tiere sind besser als Menschen….

Wie der eine oder andere Leser vielleicht noch weiß, füttere ich auf meiner Terrasse eine Streunerkatzenfamilie, mittlerweile schon in 3. Generation (also ich bin immer noch in der ersten Generation 🙂 ) Viele der Tiere, die ich kannte, sind verschwunden. Ich weiß nur, dass es in der jetzigen Gruppe drei gestreifte Tiere gibt. Von den Gestreiften ist eine besonders groß und kräftig. Wenn sie kam, traute sich kaum sonst einer hin. So eine Art Herdentier, ein Alphamännchen, neben dem andere keinen Platz haben.

Vor einigen Tagen schon bemerkte ich, dass Alphamännchen humpelte. Ich schaute genauer hin: Er hält das linke Hinterbein immer vom Boden hoch. Aha, in einen Dorn getreten oder so? Ich hoffte, dass der Kater sich bald erholen würde. Erst vor wenigen Tagen habe ich einmal noch genauer hingeschaut: Da ist mehr als nur ein Trittfehler. Entweder ist die ganze oder die halbe Pfote einfach weg. Puuuuh, das arme Tier!

Letzten Samstag saß ich hier unten, ich bemerkte Unruhe auf der Terrasse und schaute, ob noch Futter da lag. Ja, eine der beiden kleinen Gestreiften war da, sie ist immer sehr schüchtern. Der verletzte Kater kam, offensichtlich hungrig. Und da passierte, was noch nie passiert ist: Es gab Streit, die Kleinere machte Drohgebärden – und die Große flog in Panik auf ihren drei Beinen davon.

Natur ist nicht grausam. Deswegen war ich nicht entsetzt, ich habe nur gestaunt. Das ist normales Tierleben, nicht zu verurteilen, auch nicht zu begrüßen. Ich dachte nur: Ja, es gibt grausame Menschen. Dennoch bin ich froh, dass ich ein Mensch bin, denn ich kann Mitleid empfinden, und das sogar für Nichtartgenossen.

Ich weiß, dass diese Aussage provoziert. Heute ist es „modern“, dass Tiere von vielen als den Menschen überlegen dargestellt werden. Dem kann ich mich nicht anschließen. Es gibt Menschen, die grausam sind – das sind Tiere nie, stimmt, sie sind nur „natürlich“, selbst wenn Katzen mit einer armen kleine Maus spielen, deren Herz rast, bevor sie getötet wird. Ich weiß auch, dass es Geschichten von ergreifender Zuneigung zu anderen oder alten Tieren gibt. Das ist aber nicht die Regel. Tiere sind einfach, wie sie sind. Sie reflektieren nicht über sich und ihre Handlung. Und deshalb bin ich froh, ein Mensch zu sein, denn ich kann über meine Fehler nachdenken und im Streben zu einer höheren Ethik auch ändern.

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6 Gedanken zu “Das Tierreich

  1. culinariaa 7. Juli 2014 / 20:08

    Es ist so, wie du sagst. Hinzuzufügen ist aber leider, dass bisher die wenigsten Menschen Gebrauch von ihrer Möglichkeit zum Streben nach einer höheren Ethik machen.

    • OneBBO 7. Juli 2014 / 20:11

      Ist das so? Oder ist es so, dass die, die das größte Sagen haben, den geringsten Gebrauch davon machen? 😈

      • culinariaa 8. Juli 2014 / 17:53

        Die, die das größte Sagen haben, könnten zwar mit der größten Wirkung ethisch handeln. Der „kleine Mann“ aus der Masse handelt aber eben genauso wenig ethisch, zum Beispiel indem er täglich Fleisch- und Milchprodukte aus der tierquälerischen Massentierhaltung kauft und verzehrt (weil sie ihm so gut schmecken und billig sind). Stimmt, dafür, dass so ein Burger mit Rindfleisch aus Massentierhaltung den Käufer nicht mehr kostet als ein Bioapfel und die Nebenkosten an Umweltbelastung von jedem Steuerzahler bzw. letztlich von jedem Erdbewohner (Tiere eingeschlossen) getragen werden, sind „die da oben“ mit ihrer Subventionspolitik verantwortlich (oder auch nicht, sie können den Schwarzen Peter an die Lobbyisten aus der Wirtschaft weitergeben) – im eigenen Handeln könnte jeder einzelne nichtsdestotrotz jede Menge Ethik entfalten, und die wenigsten tun es,

        • OneBBO 8. Juli 2014 / 18:03

          Ich will den Einzelnen nicht völlig von der Verantwortung freisprechen. Ich selbst zum Beispiel lebe vegetarisch aus gesundheitlichen Überlegungen, nicht ausgelöst durch ethische Gedanken. Und vor 10 Jahren habe ich mir darüber gar keine Gedanken gemacht, ob das wirklich so schlimm ist. Wir werden heute doch ständig mit Unglück und Katastrophen beregnet. Es wird dem kleinen Mann nicht leicht gemacht, über Verantwortung nachzudenken, da er auch mit anderen Problemen – auch wenn es Jammern auf hohem Niveau sein mag – zugeschüttet wird.

          So interessant es auch ist, möchte ich diese Diskussion hier abbrechen. Es hat mit dem Artikel nur wenig zu tun und führt zwar nicht zu Streit 🙂 aber zu einer möglicherweise ausufernder Diskussion, für die Blogs nicht wirklich das geeignete Medium sind.

  2. Nicole 7. Juli 2014 / 20:33

    …“Puuuuh, das arme Tier!“…schön das Du Mitleid empfindest, so wäre es doch wohl auch möglich das arme Tier einzufangen und seine Verletzung Tierärtzlich versorgen zu lassen. Das geht mit ein bißchen Mühe auch bei verwilderten Katzen. Mit mehr oder weniger regelmäßig Futter hinschmeißen ist eben nicht alles getan.

    • OneBBO 7. Juli 2014 / 20:37

      Vielen Dank für deine herablassende Belehrung. Auf so was stehe ich ungemein.

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