Die Krise der Vollwertkost

8. September 2014: Vollwertkost ist unbedeutend, leider

Warum hat die Vollwertkost praktisch keine Bedeutung?

Während die Rohkostgemeinde wächst, die Zahl der Vegetarier und jetzt auch der Veganer ständig steigt, bleibt die Vollwertanhängerschaft überschaubar. Von irgendeiner Bedeutung in der Presse kann nicht gesprochen werden. Verstanden habe ich das nie, vor allem da vor etwa 10 Jahren der Eindruck hätte entstehen können, dass diese Ernährung attraktiv wird. Leider beobachte ich, dass diese natürliche Ernährung schwindet und wieder in den Bereich der Lächerlichkeit rutscht.

Woran liegt das? Nachdem ich mich eine Weile mit der Gabel & Skalpell-Bewegung auseinandergesetzt habe, ist mir das vermehrt klar geworden und ich mutmaße einige Gründe.

Keine politische Aussage

Zwar sind einige Veganer, Vegetarier oder FoKler (FoK für das englische Original Forks over Knives der Gabel statt Skalpell-Bewegung) durchaus politisch, aber die Bewegungen sind es nicht. Wenn wir uns den Hauptmotor (wie lange noch?) der Vollwertkost nach Bruker in Lahnstein anschauen, so politisieren sie sich selbst. Sie greifen in Themen ein, die nichts mit Ernährung zu tun haben. Das mag verständlich sein, kann aber nach außen hin dann einen sektenhaften Eindruck hinterlassen. So nach dem Motto: Wer sich vollwertig ernährt, kann nicht für Atomkraft sein. Warum aber nicht?

Ein fehlendes Dach

Rohkost, Vegetarismus und Veganismus sind recht klar definierte Begriffe. Nur kurze Zeit Beschäftigung mit diesen drei Wörtern macht es den meisten klar: Rohkost = alles unter 42°C, Vegetarismus = nichts vom toten Tier, Veganismus = nichts vom Tier. Zwar gibt es auch hier kleine „Gruppenkämpfe“, sie haben aber nicht die Qualität, wie das in der Vollwertkost abgeht. Auch die FoK vereint durchaus Dinge und Richtungen, die auf den ersten Blick nicht zueinander zu passen scheinen. Da gibt es Ärzte, die jeglichen Fettkonsum ablehnen, andere sind nur für eine starke Einschränkung. Die Verwendung von vor-bereiteten Zutaten schwankt auch. Das merkt, wer einmal auf der Homepage den diversen Weblinks folgt.

Für die Vollwert ist dies scheins unmöglich. Ich kann mir geradezu vorstellen, wie das Management der GGB reagieren würde, wenn Schnitzer, UGB und GGB aufgefordert würden, als eine Kraft mit einem gemeinsamen Slogan einen Internetauftritt zu gestalten. Von der UGB weiß ich es nicht, aber Schnitzer und GGB tun ja geradezu so, als gäbe es sie gegenseitig nicht.

Jeder hat das Heil für sich gepachtet, bums, das war’s.

Wie schade! Klar, ich finde Rohrohrzucker auch nicht richtig. Einen gemäßigten Fleischverzehr oder Tierprodukteverzehr lehne ich für mich (!) ebenfalls ab. Aber hängt meine Gesundheit wirklich davon ab, ob ich Vollkornnudeln aus Gries oder Mehl esse? Bei FoK ist das völlig egal. Ich würde aber sofort meine Rezepte zur Verfügung stellen, wenn es eine solche Dachorganisation gäbe, deren einziges Motto wäre „So natürlich wie möglich“. Unter einem solchen Dach kann ja jede Organisation, die gewisse noch festzulegende Standards erfüllt, wiederum ihren eigenen Weg vorschlagen. Aber nein. Lieber sieht man die eigentlichen Freunde als Feinde und zermürbt sich in solchen Grabenkämpfen.

Komplizierte Regeln

Obwohl Bruker uns ja mit vier Ja und vier Nein ein überschaubares Instrument in die Hand gegeben hat, werden einige Empfehlungen zu starren Regeln mit weitergegeben. Rohkost vor dem Essen muss sein, ist nur ein Beispiel. Ein Vegetarier hat es einfach – er lässt einfach das Fleisch aus seinem Essen. Ein Veganer weiß auch auf den ersten Blick, was er essen kann und was nicht. Dem normalen Rohköstler, der nicht ewig auf der Jagd nach den 42°C ist, geht es genauso. Nur der Vollwertler muss im Restaurant erst eine halbe Stunde mit dem Koch diskutieren, bevor er sich ein Essen bestellt. Das macht die Ernährung unsozial. Ich habe jahrelang diese Regeln strikt befolgt, frage mich aber heute: Ist das wirklich nötig? Wäre es nicht einfacher, mehr Menschen für diese natürliche Ernährung zu gewinnen, wenn man die Regeln vereinfachen würde? Wer stirbt, wenn er einmal Weißmehlnudeln mit Tomatensoße beim Italiener isst? Anders ist das sicher für Menschen, die sehr häufig außer Haus essen müssen. Da ist größere Vorsicht angebracht. Aber wenn ich mein Leben quasi um 10 Jahre Gesundheit verkürze, weil ich einmal im Monat im Restaurant weiße Nudeln, Weißmehl-Pizzabrötchen, weißen Reis oder ähnliches esse, dann fange selbst ich an, mit der Schulter zu zucken und frage mich: Wie kann das sein und soll ich das wirklich glauben?

Wer die Wirkung von Industrieprodukten sofort bemerkt, weil er krank ist – für den gelten selbstverständlich deutlich strengere Regeln. Da die Vollwerternährung mir aber geholfen hat, trotz meiner Gallenerkrankung wieder „normal“ zu essen und ich keine negativen direkten Beschwerden bekomme, wenn ich einmal im Hotel ein „normales“ Brötchen esse, mache ich mir jetzt das Leben deutlich einfacher.

Wobei die natürliche und auch fettarme Ernährung einen großen Vorteil hat: Wir werden ja deutlich empfindlicher. Ich schmecke also durchaus, ob eine konventionelle Mahlzeit mit guten Zutaten hergestellt wurde oder aus dem Fertigbottich aufgetischt wurde. Auch das sehe ich als Erfolg meiner Ernährungsumstellung.

Ich weiß nicht, ob es der Vollwerternährung gelingen wird, eines Tages wirklich wieder ein Standbein in der Allgemeinbevölkerung zu haben. Ich würde es mir wünschen, denn unter Einbeziehung neuer Erkenntnisse (wie z.B. Vermeidung von Tierprodukten außer Honig und deutliche Reduzierung des Fettgehalts) kenne ich persönlich nichts, was logischer und praktisch besser belegt ist.

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32 Gedanken zu “Die Krise der Vollwertkost

  1. michaela 8. September 2014 / 19:10

    Ute da sprichst du mir aus dem Herzen. Ich finde es sollte sogar in der Schule ein Fach geben wo den Kindern sowas nahe gebracht wird und sei es nur wie man Kartoffelbrei macht ohne in die Tüte greifen zu müssen. Mein 4 jähriger Sohn wollte letztens ein Würstchen essen ( ich verbiete es den Kindern nicht sonst wird es ja erst interessant) und er fragte mich ob ich auch eine Wurst essen will, aber in dem Moment fiel ihm ein, ach ja du ist ja keinen Zucker- da hatte er zwar alles durcheinander gehauen aber theoretisch wußte er es schon mal und das ist mir wichtig. Doch woher sollen es junge Leute wissen wenn keiner da ist der es ihnen vorlebt.

    • OneBBO 9. September 2014 / 06:59

      So Unrecht hat er doch gar nicht, der Sohnemann: Es ist doch bekannt, dass in Wurst jede Menge Zucker ist 🙂

  2. Nick 8. September 2014 / 20:50

    Hallo,

    Ich bin neu auf Deinen Blog gestoßen und schreib mal was zu Deinem Beitrag.

    Ich kann alles nachvollziehen, was du schreibst. Wenn mich jemand fragt, wie mein Ernährungsstiel heißt, dann fange ich an zu stammeln und sage dann „vegan“. Dann passe ich in eine Schublade…. Ist ja so typisch Deutsch, oder?

    Wenn ich erklären würde, vegan, allerdings kein Weizen, nur Vollkorn, am liebsten glutenfrei, Brot esse ich eher auch nicht, kein Zucker, Sojaextrakte nicht, Tofu schon, bitte aktuell am liebsten gekocht (TCM), Rohkost nicht, aber sehr viel Gemüse, basisch wäre auch cool, viele frische Kräuter, Gewürze auch super, nur nicht so scharf, ach ja Bio bitte …..

    Dann bin ich in einer neuem Schublade und zwar für einsame Menschen;-)

    Es ist aber mein Weg und der ist individuell richtig! Und der Weg verändert sich immer mal wieder, so wie wir uns verändern. Daher stimme ich der Lehre über Ernährung und Gesundheit zu (Kommentar 1)Dann kann jeder seine verträgliche Ernährung auswählen und für sich anpassen, mit voller Eigenverantwortung!

    Und dann sagt meine Mutter, ich habe an alles gedacht, lächelt froh und bing holt mein Essen aus der Mikrowelle…. Haha

    Gruß
    Nick

    • OneBBO 9. September 2014 / 07:06

      Ein bisschen Schublade ist gar nicht schlecht, wie wir an der Gabel-und-Skalpell-Bewegung sehen können. Zu „keine Rohkost“ sach‘ ich jetzt mal nix 😛

    • sternenfrau 9. September 2014 / 14:47

      Willkommen in der Schublade für einsame Menschen 🙂
      Mir fiel gerade ein Begriff ein, der auf mich passen würde: VollVegan (vollwertig und vegan).

  3. Carola 8. September 2014 / 20:50

    Hallo Uta,

    vor 30 Jahren bin ich mit der Vollwertkost nach Bruker angefangen und wurde immer dicker, leider. Irgendwann las ich das Buch „Die Weizenwampe“, seitdem lasse ich die meisten Getreidesorten weg. So langsam stabilisierte sich dann auch mein Gewicht wieder nach unten. Vollwert und tiereiweißfrei wäre ja schön, wenn das Getreide nicht so „böse“ wäre.

    Am freundlichsten wäre mir die vegane Kost, leider hab ich noch Tieresser am Tisch.

    Beste Grüße
    Carola

    • OneBBO 9. September 2014 / 07:07

      Ein interessanter Einzelbericht, den zu beurteilen ich wie immer vorsichtig bin. Mein Artikel zu Einzelberichten ist ja vielleicht noch präsent 🙂

  4. Daniela 8. September 2014 / 21:21

    Ein toller Artikel, du sprichst mir auch aus dem Herzen, Ute.
    Ich denke da ganz ähnlich, wie du. Auch ich habe mich schon oft darüber gewundert, warum sich nicht die Gruppierungen, die eine vollwertige, naturbelassene, weitgehend pflanzenbasierte Ernährung propagieren einfach zusammentun und mehrere Möglichkeiten auf der Basis eines für alle lebbaren gemeinsamen Nenners anbieten, die so arg unterschiedlich auch wieder nicht wären. Sie würden viel mehr Menschen erreichen und hätten mehr Einflussmöglichkeiten. Sie könnten sich so auch gegenseitig den Rücken stärken.
    Ich persönlich glaube im Übrigen nicht, dass meine Gesundheit von ein paar Gramm Weißmehl oder weißen Reis gelegentlich abhängt, wenn ich sonst vollwertig, fettarm und tierproduktfrei mit viel Rohkost esse, geht es mir trotzdem hervorragend.
    Ganz andere Erfahrungen habe ich dagegen mit ein paar Gramm tiereiweissarmen Milchprodukten gemacht, aber es gibt sicher auch Menschen, die das vertragen.

    • OneBBO 9. September 2014 / 07:01

      Die Reaktionen bei bestimmten Erkrankungen auf Tiereiweiß in jeder Form können sehr extrem sein, das ist richtig. Ich glaube nicht, dass ein Rheumatiker nach einem Weißmehlbrötchen direkt Rheuma bekommt, sehr wohl aber nach einem bisschen Fleisch (wie ich aus meinem Freundeskreis weiß).

  5. Jammin 8. September 2014 / 22:23

    Interessante Überlegungen. Habe mir auch schon Gedanken gemacht, warum die Bruker-Lehre sich nicht durchgesetzt hat trotz aller Heilerfolge.
    Für mich persönlich ist es eine Offenbarung gewesen. Seit der Bruker-Ernährungsumstellung habe ich keinen Heuschnupfen/Allergien und weniger Infekte als früher. Hätte ich alles früher gewusst, hätte ich mir einiges „Leid“ ersparen können. Allerdings wird man durch diese Ernährungsweise wirklich zum Aussenseiter, da alle anderen Menschen komplett anders essen. Restaurantbesuche oder Urlaube werden zum Spießrutenlauf.
    Problem an der Ernährung ist, dass sie für einen Normalsterblichen mit Job und Kindern einfach zu schwierig umzusetzen ist. Zudem brauch es einen gewissen IQ und auch Invest (Getreidemühle, evtl Thermomix). Für Leute ohne „Not“ und „Leidensdruck“ mit stressigem Alltag alles viel zu kompliziert. Man muss schon wirklich krank sein oder verzweifelt nach einer Lösung suchen, um die Lehre von Bruker konsequent durchzuziehen.
    Das Gesundheitszenzrum und Bruker lehren die perfekte Ernährung und dulden kaum Ausnahmen. Es ist für einen Umsteiger viel zu viel Verzicht und Neues, viel zu viel Verzicht, viel zu viele Regeln und „Verbote“ (keine Trockenfrüchte ins FKG etc). Alles abolut und 100 Prozent richtig und perfekt, aber für die meisten abschreckend. Vielen Menschen fehlt die Disziplin dazu. Habe Bruker auch schon oft weiterempfohlen an Bekannte. Die haben die Internetseite gelesen und mich gefragt, ob es sich um eine Sekte handelt! 🙂 Ich musste lachen, aber so abwegig ist die Vermutung nicht! 🙂 Ich bin jedenfalls ein kleiner Bruker-Jünger!! Wenn ich Ausnahmen mache, tue ich dies aus der Not heraus und bin mir dessen bewusst. Die Konsequenzen darf ich dann mit Juckreiz an meinen Fingern tragen. Bruker hat recht. Schade, dass er sich nicht durchsetzen konnte!!

    • OneBBO 9. September 2014 / 07:02

      Bruker hat in vielen Dingen recht gehabt. In allen nicht, das zeigt nicht nur meine Erfahrung. Und ich finde, man erweist seinen Leistungen einen großen Dienst, wenn man auch diese Dinge beleuchtet, weil dann das, wo er Recht hat, noch viel stärker ist.

  6. Marita Rüter 8. September 2014 / 23:06

    Vor ein paar Jahren hörte ich von einer Gaststätte in unserer näheren Umgebung, wo der Inhaber und gleichzeitig auch der Koch des Hauses vor etlichen Jahren mal eine Zeit lang im Bruker-Haus Seminare besucht hatte – er kannte also schon die Vollwertkost und hat zu Anfang auch versucht, diese seinen Gästen anzubieten. Deklarierte er die Gerichte als “ vollwertig „, wurde kaum probiert, hat er sie mit Wörtern wie “ naturbelassen “ , “ frisch “ oder ähnlich beschrieben, sah das schon anders aus. Vollwert bedeutet für viele trockene , dunkle und, “ mächtige “ Vollkornkuchen,, auch Vollkornnudeln werden von den meisten Nichtvollwertlern verschmäht. Es gibt aber in letzter Zeit immer mehr gute Rezepte für vollwertige Brote, Brötchen und Kuchen, die auch vielen Nichtvollwertlern gut schmecken. Leider ist- vor allem den meisten Veganern- die Vollwertigkeit von Speisen schnuppe. Hauptsache völlig vegan, auch wenn Allergien oder sog. Intoleranzen bestehen.
    Es werden jede Menge Ersatzprodukte verwendet: vegane Wurst, chicken nuggets,Gyros, veganer Käse, Eiersatz, Haferdrink……anscheinend können sie doch sehr schlecht von lang gewohnten Speisen lassen, da sieht es für die Vollwertkost eben noch schlecht aus 😉 das ist den meisten dann zu viel “ Umstellung „.

    • OneBBO 9. September 2014 / 07:03

      Ich bin der festen Meinung, dass eine auf moderne Bedürfnisse zugeschnittene Vollwertkost Erfolg haben könnte, wenn sie die starren Regeln abschwächen und sich auch einen anderen Namen 🙂 suchen würde. Der Begriff Vollwert ist leider mit viel zu viel Negativem behaftet, dass die Kost ja gar nicht verdient hat.

      • sonnenkind 11. September 2014 / 22:22

        Da könntest Du recht mit haben- ich habe auch immer etwas das empfinden nach “trocken” und “angestaubt” wenn ich den Begriff “vollwert(ig)” verwende 😉
        Vielleicht sollte ich es in Zukunft auch besser mit “naturbelassen” oder “so frisch und unverarbeitet wie möglich” probieren 🙂

        • OneBBO 12. September 2014 / 07:32

          Leider gibt es ja immer wieder diese Vollwertler, die mit leuchtenden Augen ihre nahezu ungesüßten, staubtrockenen Kuchen der Umwelt anbieten. Die fallen natürlich mehr auf als leckere Vollwertkuchen, und so setzt sich dieses Bild immer weiter fort.

  7. Karin 8. September 2014 / 23:10

    Das kann ich nur unterstreichen, Ute. Gerade auch dieses Jahr habe ich mich erstmals verstärkt mit der FoK Ernährung bzw. den Empfehlungen nach Colin T. Campbell, Neal Barnard und Caldwell Esselstyn beschäftigt und für mich zuhause im Sinne von „Raw Till 4“ umgesetzt. Gesundheitlich hat es mich unheimlich weitergebracht, wofür ich sehr dankbar bin und ich eigentlich so schnell und so deutlich gar nicht mit einem Erfolg gerechnet hatte.

    Ich denke auch, dass eine vegan ausgerichtete, naturbelassene High Carb Ernährung mit wenigen natürlichen Fettquellen wirklich zukunftsfähig ist. Und ich bemerke es auch, dass es mir unterwegs, im Restaurant oder bei Freunden ebenfalls viel leichter fällt etwas zu essen/bestellen und das auch genießen zu können. Es ist so viel gesellschaftsfähiger!

    • OneBBO 9. September 2014 / 07:10

      Du darfst hier auch gerne „roh bis 4“ und kohlehydratreich sagen, ich verstehe das schon 😈

      Ansonsen gilt das, was ich oben schon gesagt habe: Ein interessanter Einzelbericht, den zu beurteilen ich wie immer vorsichtig bin. Mein Artikel zu Einzelberichten ist ja vielleicht noch präsent 🙂

      • Karin 9. September 2014 / 07:51

        Oh, das war so nicht gemeint. Ich benutze die Begriffe einfach schon ganz automatisch. Sie sind schön griffig, finde ich. Und Raw Till 4 gibt es als Eigenname einer Ernährungsform wie auch die Forks over Knives Ernährung 🙂 Vielleicht hast du schon davon gehört?

        Und ja, gewiss. Es können immer nur einzelne Erfahrungsberichte sein. In den letzten Monaten habe ich erfahren, dass auch andere die gleiche gute Erfahrung gemacht haben. Das ist natürlich ebenso nicht repräsentativ–dennoch gibt es Hoffnung.

        • OneBBO 9. September 2014 / 08:07

          Ich kenne persönlich viele Menschen, die auch ohne FoK-Einfluss große Erfolge mit einer konsequenten Brukerschen Vollwertkost hatten und daher auf sie schwören.

          Die FoK kann an einigen Stellen die VWK optimieren, ohne Zweifel. Wenn mir jemand sagt: „Die VWK hat mir nichts gebracht“ kann ich ja nie wissen – was natürlich nicht persönlich gemeint ist – ob da nicht das eine oder andere Currywürstchen noch durch die VWK geschwirrt ist. Von mir selbst weiß ich, wie konsequent ich bin.

          Für mich z.B. ist die FoK theoretisch und auch an den Beispielen, die man hört, wertvoll. Mir selbst hat die Annäherung überhaupt nichts gebracht und einem Bekannten mit Bluthochdruck genauso wenig. Daher bin ich da mit meinen Gedanken auch noch nicht am Ende. Schau’n wir mal 🙂

  8. wolfnatuerlich 9. September 2014 / 06:12

    Hallo Ute,

    Ich kann Deine Gedanken und auch Deine Enttäuschung über den geringen Bekanntheitsgrad der Vollwertkost sehr gut nachvollziehen. Ich bin erst vor Kurzem auf diese Ernährungsform gestoßen und habe daher natürlich nicht einen so tiefen Einblick in die Hintergründe wie Du. Aber ein paar Gedanken zu dem Thema kann ich vielleicht zu ergänzen.

    Die Gesellschaften, die Du aufzählst (UGG, GGB, Schnitzer) berufen sich alle auf Ernährungslehren von bereits Verstorbenen Gründern der Ernährungsweise. Sie führen deren Arbeit jetzt weiter und gründen auch Ihre ökonomische Existenz darauf. Zum Einen kann ich mir nun vorstellen, dass dadurch ein großes Interesse daran besteht, die eigene Ernährungsrichtung als die einzig richtige darzustellen, denn wenn man zugibt, in manchen Punkten vielleicht „nachgeben“ zu können um mit den anderen zusammen zu arbeiten, dann könnte das zu einer Verwässerung der Ernährung führen (z.B. warum immer frisch gemahlen und nicht mal abgepacktes Mehl etc.) und somit dem Verlust der Existenzsicherheit führen.
    Zum Anderen habe ich das Gefühl, dass Sie nur im Deutschen Sprachraum richtig bekannt ist, was bei den anderen Bewegungen (Rohkost, Veganismus, FOK) nicht der Fall ist, diese schwappen eher aus Amerika zu uns herüber. Und für die Bekanntheit der Bewegung insgesamt kann es dann sehr hilfreich sein, wenn es Gesichter gibt, wie z.B. einen Attila Hildmann, der das Thema wirklich groß aufzieht und vermarktet. Auch die Rohkostbewerung kennt solche prominenten Fürsprecher, die auf Ihren Blogs mit großartigen Heilerfolgen die Werbetrommel rühren. Wobei damit natürlich auch wieder Probleme aufkommen, da z.B. viele Veganer mit Art von Hildmann auch wieder Probleme haben und glauben, dass er damit die Definition des Begriffs „Vegan“ zu stark verwässert.

    Ich bin zumindest froh, auf die Vollwertkost gestoßen zu sein, sie gibt mir einen guten Rahmen, auch wenn ich nicht immer 100% daran halten kann. Insgesamt tun mir 90-99% Vollwertkost schon sehr gut.

    Schön Grüße
    Katharina

    • OneBBO 9. September 2014 / 07:43

      Dann müssen wir nun warten, was wird, wenn Campbell etc. alle verstorben sind 🙂

      Aber im Ernst: Dass die Vollwertkost grundsätzlich mit die derzeit beste Ernährung ist, finde ich nach wie vor. Was aber nicht heißt, dass man sie nicht noch optimieren dürfte 😉

  9. culinariaa 9. September 2014 / 18:07

    Was nach meiner Beobachtung die vegane Bewegung hier in Deutschland ungeheuer vorangebracht hat, war der „Werbegag“, ein Buch mit relativ wenigen Rezepten herauszubringen,, das nur den Anspruch hatte, den Koch für 30 Tage herauszufordern. Sich einer Herausforderung für einen überschaubaren Zeitraum stellen, mit überschaubaren Rezepten, das haben sich viele zugetraut, und viele haben dabei sehr positive gesundheitliche Erfahrungen gemacht und nochmal 30 Tage drangehängt. Im nächsten Kochbuch kamen dann erst deutlich die Vollwertaspekte und die Abkehr von Sojalastigkeit. –

    Ich habe keine Statistik dazu, aber ich kenne doch etliche Menschen, denen der Abschied vom Milcheiweiß innerhalb weniger Wochen einen tollen gesundheitlichen Schub gegeben hat.

    Vielleicht wird sich innerhalb der veganen Bewegung ein Vollwertzweig entwickeln.

    • OneBBO 9. September 2014 / 18:23

      Jeder, der sich auch nur ein bisschen von der heutigen Normalkost entfernt, wird einen positiven Schub bei seiner Gesundheit beobachten. Deshalb ist jeder, der eine solche Richtung neu einschlägt, von ihr überzeugt. Ob sie aber der Zeit standhalten wird, muss sich zeigen. Die Vollwertkost hat das bewiesen. Was aber nicht ausschließt, wie ich schon öfter gesagt habe, dass ich sie an einigen Stellen noch für verbesserungswürdig halte.

  10. eco2021 10. September 2014 / 01:07

    Die Vollwertkost braucht einen Guru mit Marketing Team. Schwubbs ist sie auch trendy 😉

    • OneBBO 10. September 2014 / 06:41

      Das wäre so ungefähr das Übelste, was der VWK passieren könnte. Keine ernst zu nehmende Ernährungsform braucht einen Guru (wäre die weibliche Form eine Guruine?) und Marketing Teams: TCM, Ayurveda, Gabel & Skalpell – das fällt doch auf, dass sich da keine Einzelpersonen in den Vordergrund stellen 🙂

  11. suelwie 10. September 2014 / 18:27

    Auch ich habe mir gerade Gedanken über das Hässliche-Entlein-Dasein der VWK gemacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die VWK einfach nicht dem „Zeitgeist“ entspricht.
    Ich sehe wirklich nur sehr, sehr selten mal Werbung, aber irgendwie hängt vor meinem inneren Auge ein Bild von einer vitalen, jungen, beruflich erfolgreichen Frau, die gerade von ihrem 25-Stunden-Arbeitstag nach Hause kommt, in die Kamera strahlt, leichter Hand einen Stapel Akten (Arbeit, die sie sich mit nach Hause bringt) auf ein Beistelltischchen am Hauseingang wuchtet, leichtfüßig in die Küche wandelt und dabei singsangelt
    „Der Tag war lang und anstrengend“
    (klar, nehm ich ihr voll ab, ehrlich …)
    „und ich möchte jetzt nicht mehr lange in der Küche stehen.“
    (Man sieht eine Gedankenblase von einer gestressten, schwitzenden heruntergerissenen, strähnig-haarigen Köchin, die in einer qualmenden kleinen Küche missmutig vor sich hinbrutzelt.)
    „Trotzdem sollen meine Kinder“
    (sie kommen, jung, vital, schulisch erfolgreich, adrett gekleidet, goldlöckig, mit reizendem Zahnpastastrahlen, gerade durch die vier Meter breite Ganzglasterrassentür aus dem 2000-qm-Garten in die 50-qm-Küche, voll ausgestattet mit allem, was das Köchinnenherz begehrt und in diesem Werbespotleben niemals braucht, hereingeeilt, um ihrer Mamimami mitzuteilen „Mamimami, wir haben Hunger!“)
    „gesund und lecker essen.“
    Sie reißt schwungvoll die Kühlschranktür (austauschbar durch Schranktür) auf, entnimmt einen Becher (austauschbar durch Faltschachtel, Tüte etc.), den sie öffnet und in die Mikrowelle befördert. Eventuell muss die Arme noch etwas Wasser hinzugeben, wenn es ganz schlecht läuft, sogar noch umrühren.
    Der junge, vitale, beruflich erfolgreiche Papa kommt nach seinem 28-Stunden-Tag nach Hause, just in dem Moment, als die Mikrowelle „bing“ macht, schwingt seine junge, vitale, beruflich erfolgreiche Frau lachend einmal im Kreis und strahlt in die Kamera „Und wenn sie mal später kommt, kann sogar ich das Essen machen!“

    Mal ehrlich – da kommt doch die Vollwertkost nicht mit … Da muss man ja alles selber machen. Wer kann das denn heute noch? Wird uns doch erfolgreich abgewöhnt. Und hinterher noch das Aufräumen … Nee, nee, nee, wo bleibt denn dann die Zeit für den Spaß an den ganzen Freizeitvergnügen, die uns das Werbefernsehen auch noch so auftischt, ohne die wir anscheinend genauso wenig überlebensfähig wären wie ohne all die guten, leckeren Sachen, die die Industrie so anpreist – und verzichten möchte man auf die doch schließlich auch nicht.

    Zu FoK kann ich jetzt nichts sagen, aber ich kann mir vorstellen, dass es eine Menge Werbe-Spots mit dem Tenor „vegetarisch“ oder „vegan“ gibt, die in etwa so aussehen wie meine Vorstellung (würde jedenfalls zu dem passen, was so in den Läden liegt und steht). Die passen doch damit voll ins Bild der Zeit.

    • OneBBO 10. September 2014 / 19:53

      Nicht zu vergessen ist auch, dass vegetarisch und vegan nicht gegen den Konsum gehen, im Gegenteil. Daher sind sie verkaufsfördernd. Das kann man von der Vollwertkost nun kaum sagen, weil wir so viel selbst herstellen.

      • suelwie 10. September 2014 / 20:29

        Genau! Wenn ich überlege, wie wenig ich nur noch im Laden einkaufe. Ich komme kaum einmal über die Obst- und Gemüsetheke direkt vorne an den Kassen hinaus …

        • sonnenkind 11. September 2014 / 22:33

          Das geht mir auch so- muss mich da irgendwie noch mehr dran gewöhnen – ich dreh dann oft doch noch eine „extra-Runde“ durch den Laden und nehme mir jedesmal vor, das ab jetzt nicht mehr zu machen da es eh nur Zeitverschwendung ist ^^

          • OneBBO 12. September 2014 / 07:33

            Ich mache das gerne. Andere Leute bezahlen viel Geld, um in für sie exotische Gefilde zu verreisen oder mit einer Geisterbahn zu fahren und sich zu erschrecken: Ich gehe einfach im Supermarkt um eine weitere Ecke und staune 😈

          • sonnenkind 12. September 2014 / 07:46

            auch kein schlechter Ansatz *g*

          • suelwie 12. September 2014 / 13:29

            Genau, Ute! So isses! 😀 😀 😀

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