Unser Bundesgesundheitsminister

11. September 2014: Interview in der Apotheken-Umschau

Ey, diese September-Ausgabe (A-Ausgabe) der Apotheken-Umschau, ich raff es nicht, ist voller Bonbons für mich bzw. auch euch. Ihr werdet in den nächsten Wochen noch 3 Beiträge dazu finden. Hier kommt der erste, nämlich ein Interview mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Zum Verständnis dieses Interviewtextes erst einmal kurz etwas zu dem Begriff „Rabattverträge“. Wer den Begriff nicht kennt, kann sich bei Wikipedia grob schlau machen: hier http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittel-Rabattvertrag. Kurzgesagt geht es darum, dass aufgrund von Verträgen von Krankenkassen mit Pharmaunternehmen günstige Preise vereinbart werden, was sich bei Verträgen mit wechselnden Pharmafirmen eben so äußern kann, dass die Patienten zwar denselben Wirkstoff, nicht aber dasselbe Präparat bekommen. Und die können sich optisch (und auch in einigen Eigenschaften, wovor die Krankenkassen leider immer die Augen verschließen, wie z.B. Bioverfügbarkeit) unterscheiden.

In dem angesprochenen Artikel geht es „über Reformen bei Kliniken, die Zukunft der Pflege und die Rolle der Apotheken.“ Da gibt es auf Seite 21 eine wunderbare Passage. Die A-U fragt: „Eine neue Studie zeigt, dass Farb- oder Formänderungen bei Tabletten die Therapietreue schwächen. Halten Sie trotzdem an den Rabattverträgen mit wechselnden Arzneimitteln fest?“

Der Minister antwortet:
„Ich glaube nicht, dass die Therapietreue unter den Rabattverträgen leidet“. Und dann reagiert er nicht weiter auf diese Frage.

Ich meine, das ist ja eine Antwort, die wirklich eines Ministers würdig ist. Er GLAUBT es nicht. Er hat keine Zahlen, nicht einmal verfälschte, er hat keine Argumente, er hat nur seinen Glauben. Es wäre schön, wenn er den dann in der Kirche gelassen hätte.
Da fehlen mir die Worte, echt. Ich glaube, ich bin im Wald…. (oder sitze ich doch in einem Zimmer?)
Das Zweitschärfste neben dieser völlig unqualifizierten Antwort aber finde ich, dass die A-U nicht nachhakt. Das ist nicht mal Schülerzeitungsniveau, sorry!

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4 Gedanken zu “Unser Bundesgesundheitsminister

  1. sonnenkind 12. September 2014 / 17:39

    Darf ich raten? : in einem der 2 noch folgenden Artikel geht es um Zucker und Diabetes ^^

    • OneBBO 12. September 2014 / 17:45

      Weiß ich nicht mehr, ich glaube aber eher nein. Wie man sieht… glaube ich auch was 😉 Aber wieso meinst du das?

  2. Dinkelflocke 13. September 2014 / 09:59

    Die Apotheken-Umschau ist von der Pharma-Industrie finanziert, was erwartest du? Und würde unserer Gesundheitsminister, wirklich Interesse an der Volksgesundheit zeigen, hätten wir Vollkorn-Kampagnen und keine Rabattverträge.
    Dieses Blatt ist für etwas naivere ältere Damen gedacht und soll ihnen die Medikamente schmackhaft machen, die sie nicht heilen, sondern auf ihrem Krankheitslevel halten um noch mehr Geld in die Industrie zu pumpen. Die Apotheken-Umschau zu lesen und sich darüber aufzuregen, ist so Sinn-befreit wie die bekannte Zeitung mit den 4 Buchstaben zu lesen und sich über das Niveau zu beschweren.

    • OneBBO 13. September 2014 / 10:25

      Ich weiß nicht, wieso du meinst, ich rege mich über die Apotheken-Umschau auf. Wenn ich mich aufrege, sieht das deutlich anders aus, aber der Unterschied fällt nicht allen Lesern auf 🙂

      In diesem speziellen Artikel ging es mir um den Gesundheitsminister. Und ich erwarte von keinem Mainstream-Gesundheitsminister, dass er die Vollwertkost empfiehlt. Da liegt noch eine große Strecke zwischen, in der ein Minister positiv aktiv werden kann! Dass aber ein Minister eine sachliche Frage mit „Ich glaube…“ beantwortet, finde ich skandalös, egal in welcher Zeitschrift er das macht.

      Die Artikel dort sind auch nicht schlechter als in vielen anderen öffentlichen Medien. Ihre Analyse hilft auch, den Blick bei anderen Dingen zu schärfen.

      Dass Journalisten z.B. nicht nachfragen, wenn Unsinn erzählt wird, kannst du übrigens bis in die letzten Zeitungen verfolgen.

      Gerne, das wirst du merken, wenn du diesen Blog einmal länger verfolgst, picke ich mir auch in der A-U vorgestellte Statistiken heraus. Und glaube mir: Die Art mit Statistiken umzugehen ist kaum irgendwo kritischer als dort.

      Außerdem: Wer sagt mir, dass nicht auch naive ältere oder jüngere Damen (ich sag jetzt mal nix zu diesem Begriff….) meinen Blog lesen? Sie sind hier genauso gerne gesehen wie andere Leser 😛

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