Ein Schwank aus dem echten Leben

19. März 2015: Regale

Wer immer seinen Job satt hat und sich nicht länger gängeln lassen möchte, sagt dann auch schon mal gerne: „Lieber gehe ich im Supermarkt nebenan Regale einräumen, als dass ich das länger mitmache!“ Wobei die meisten in ihrer Rage übersehen, dass es da Kundenkontakt gibt, denn wir Kunden erkennen ja nicht, ob da jemand „nur“ einräumt oder mehr weiß. Deshalb hier aus dem Leben eines Regaleräumers. Nicht geschönt, das erhielt ich so aus jammernder Seele und möchte es euch nicht vorenthalten… Die Arbeitszeit endet übrigens um 11 Uhr – theoretisch.

Heute war der absolute Verrücktentag beim Kaufpark. Weil Beatrice nicht da ist, hatte ich die Ware alleine. Dann war der Vertretungschefin, die aber auch nicht da war, noch eingefallen, dass ich ja heute auch noch MHD-Kontrolle machen könnte. Da man dabei jedes einzelne Produkt kontrollieren und einscannen muss, ist das nicht ganz zeitunaufwändig. Ok, hätte ich trotzdem bis 11 geschafft, wenn nicht ständig irgendwelche Typen angekommen wären. Manchmal ist das echt wie abgesprochen. Der Leergutautomat spinnt, nimmt manchmal Flaschen an, manchmal nicht. „Wechseln Sie mal bitte den Container“. Container gewechselt, ging trotzdem nicht. Dann wollen natürlich gleich mehrere Leute zugleich Flaschen abgeben, aber nicht 3 oder 4 Flaschen, sondern 20 und mehr, die ich dann per Hand annehme. Ich habe sie gebeten, ihre Flaschen zu zählen und mir die Anzahl zu sagen, damit ich ihnen den Bon ausstellen kann. Steht da die Tante mit den tausend Flaschen und fragt mich, ob ich ihr dabei mal helfen kann, das sind so viele.
Klar, kein Problem (???). Kaum bin ich wieder bei der normalen Arbeit, kommt eine: „Sie haben keine Schlesischen Dillhappen und kein sonstnochirgendwas mehr. Gehen Sie doch mal bitte ins Lager und sehen Sie nach.“ Denke: ‚Klar, gerne lasse ich alles stehen und liegen, um Ihnen ein Glas Gurken raufzuholen. … Und Ihnen drei Flaschen Weinbrand“. Es wäre ja lächerlich langweilig gewesen, wenn dann nicht noch eine Kuh (eine Art menschliche Kuh) angekommen wäre, um sich zu beschweren, dass die eine Sorte Joghurt nicht ausgezeichnet ist und um blöde Sprüche zu machen, weil ich mich mit dem Scangerät ein bisschen dumm anstelle. Zum Beispiel weiß ich immer nicht, wie man im Menü zurückkommt. Steht sie neben mir und sagt sagt dauernd: „Gehen Sie am besten nochmal auf escape.“ Das ist ein telefonartiges Gerät mit einer Millionen Funktionen, aber es hat keine Esc-Taste. Am schlimmsten ist es, wenn die Leute dann irgendwann sagen, dass es ihnen sowieso nicht so wichtig ist, was die Sache jetzt genau kostet. Nur mal ein bisschen Mitarbeiter nerven. Und dann kam noch ein Kerl mit einer Instantkaffeedose, bei der der Deckel zerbrochen war. Ob er die nicht billiger kriegen könnte. Ich habe gesagt, dass ich es nicht weiß und dass er bitte an der Kasse nachfragen soll. „Ach was an der Kasse. Sie können mir das doch für 2 Euro geben.“ „Ich kann Ihnen auch was ganz anderes geben“. Aber ich dachte, das sage ich besser nicht.

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Ein Gedanke zu “Ein Schwank aus dem echten Leben

  1. sandra 20. März 2015 / 15:50

    Köstlich! Habe mich sehr amüsiert (sorry an die jammernde Seele). In meinem Markt erkennt man die Einräumer an ihren andersfarbigen Shirts. Verwechslungen sind da zum Glück eher selten.

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