Was ist meine Mission?

23. März 2015: Mission Impossible

Eine Erkenntnis, die ich nicht alleine für mich gewonnen habe, ist: Keine Mission in Sachen Vollwertkost! Die Leute wollen es nicht hören und wir machen uns damit keine Freunde. Wir werden lästig.

Das ist so. Ich selbst gebe schon mal einen kleinen Hinweis – einmal, zweimal, dann ist gut. Wenn kein Interesse besteht, sage ich nicht mehr: Du könntest dein Rheuma mit tiereiweißfreier Kost völlig beseitigen. Nein, ich halte das für mich.

„Wir“ schütteln darüber den Kopf. Wir meinen es doch so gut, wir wissen es besser, warum nur wollen die Kranken nicht lernen?

Ein Grund, den viele auch schon erkannt haben, ist, dass manche ihre Krankheit schätzen. Sie brauchen sie. Wobei ich das jetzt nicht so plump meine in dem Sinne von „Sie wollen sich interessant machen, sie wollen dadurch Zuneigung erzwingen“. Nein, ganz so einfach ist es nicht, auch wenn es diese Fälle natürlich gibt. Krankheit ist auch ein Weg, sich selbst auszudrücken, um sich selbst etwas zu vermitteln. Krankheit ist eine Diskussion mit sich selbst. Krankheit kann ein Lehrmeister sein. Wobei wir mit der Interpretation bei anderen vorsichtig sein sollten 😉 Ich finde auch nicht, dass es immer anzuwenden ist. Denn die Frage, warum ein 4-jähriges Kind an Leukämie erkrankt, lässt sich kaum damit beantworten. Wann immer wir krank werden, lohnt aber die Frage: Warum jetzt und warum gerade das?

Warum noch können Menschen „verbohrt“ bei ihrer Ernährung bleiben? Eine interessante These ist, dass gerade Männer in der Entfernung von der gewohnten Ernährung eine Abwendung von der eigenen Mutter sehen und sie daher irrational verteidigen.

Es gibt aber noch einen Grund, der ist ganz einfach: Egal, was wir einem Kranken sagen, er hält seine Ernährung für wichtiger als alles andere. Wie kann das sein? Nun, es gibt für jeden einen Punkt, an dem er sagt: Nee, also da kann ich mit diesem Essen so gesund sein, wie ich will – das ist es mir einfach nicht wert. Das kannst du dir nicht vorstellen? Dann überlege einmal, was du sagen würdest, wenn herausgefunden würde, dass man die beste Gesundheit dadurch bekommt, dass man jeden Tag 3 Liter Weizensaft trinkt, in den mindestens 20 Ameisen verarbeitet wurden. Ich persönlich würde wohl auf die blendende Gesundheit verzichten und die zweitbeste Gesundheit wählen 😉

Dann gibt es auch Leute, die gerade einen Ernährungsstil für sich gefunden haben und nun uns missionieren wollen. Und diese sind das beste Beispiel dafür, wie überaus nervig das ist. Diese Freunde oder Bekannten sind von ihrem Wissen genauso überzeugt wie wir von unserem. Und nun erzählen sie uns beispielsweise dreimal am Tag, dass eine eiweißreiche Kost wirklich Wunder für die Gesundheit tut. Wir „wissen“, das ist Blödsinn… aber sie „wissen“ das auch. Denn dank Internet gibt es heute quasi für jede Behauptung auch Belege aus mehr oder weniger wissenschaftlicher Hand.

Da auch die beste Ernährung kein absoluter Garant für ewige Gesundheit ist, werden diese Missionare sich sofort bestätigt fühlen, wenn wir mal ein Zipperlein bekommen. „Das wäre dir mit 10 Eiern zum Frühstück nicht passiert!“ Und dabei strahlen sie gesund (noch gesund?), denn das Trickreiche und Wunderbare am menschlichen Körper ist ja, dass er gelegentlich auch malträtiert extrem gesund daher kommt. Ich sage nur – Helmut Schmidt und rauchen.

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die tiereiweißarme Vollwertkost – ob mit oder ohne FoK – eine der besten Ernährungsformen ist, weil sie mir (!) geholfen und für mich (!) die besten Argumente hat. Deshalb versuche ich Interessierten auf dem Weg zu helfen. Aber genauso wie ich nicht mit der Eierschlacht bedrängt werden möchte, bin auch ich zurückhaltend geworden – mehr denn je.

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4 Gedanken zu “Was ist meine Mission?

  1. Renate 23. März 2015 / 22:48

    Ich bin auch sehr zurückhaltend geworden. Es wissen sowieso alle besser.
    Manchmal beiße ich mir fast die Zunge ab, wenn wieder irgendwelche Stammtischparolen über Ernährung ausgetauscht werden.

    • OneBBO 24. März 2015 / 06:42

      Kein Wunder, da ja im Fernsehen bereits jeder mittelmäßige Koch zum Ernährungsexperten hochgespielt wird 🙂

  2. sven 26. März 2015 / 11:13

    Gerade weil das Missionarische/Belehrende nicht im Vordergrund steht sind mir Ihre Rezepte, Tipps und Texte angenehm. Es macht Lust aufs probieren und ist alltagstauglich. wobei ich bisher noch nichts 1 zu 1 „nachgekocht“ habe. Für mich ist es Inspiration! Ich denke auch, gerade die Missionare bekommen Probleme wenn ihre Lehre mal in Frage gestellt wird. Müssen Sie doch ihre Position verteidigen, letztlich auch wider der eigenen Zweifel ..sofern sie überhaupt bereit sind solche zu zulassen. 😉

    • OneBBO 26. März 2015 / 11:25

      Das freut mich, Sven 🙂 Die eigenen Zweifel finde ich für mich persönlich ganz wichtig. Wie soll ich sonst Sicherheit für mich selbst gewinnen oder eine Entwicklung durchlaufen können? Was ja nicht heißt, das ich alles von Adam und Eva an in Frage stellten muss, dann käme ich auch nicht weiter 🙂

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