Fett und kein Fett

6. April 2015: Fragen zu FoK

Es gibt einige Dinge, die mich (und nicht nur mich) bei Forks over Knife (fettarme bis fettlose rein pflanzliche Ernährung) immer wieder wundern:

  1. Warum wird Honig als genauso nutzlos dargestellt wie Zucker, während Agavendicksaft – ein Extrakt und im Grunde nicht besser als Industriezucker – lieber verwendet wird?
  2. Warum wird in Gebäcken vorwiegend Hafer verwendet?
  3. Warum werden Pflanzenöle so komplett abgelehnt, ohne einen Unterschied zwischen qualitativ hochwertigem Öl direkt von einer bewährten Ölmühle und normalem Supermarktöl zu machen?

Diese Fragen haben mich länger beschäftigt. Ich bin für mich zu einer Antwort gekommen, die lautet: FoK will massentauglich sein. So erkläre ich mir daher die obigen drei „Probleme“:

  1. Zum Honig: Wenn ich mir den Honig anschaue, der in amerikanischen Videos gezeigt wird, wundert mich nichts mehr. In einem Antihonig-Video saß der Sprecher hinter so einer Plastikquetschflasche mit einem Bärengesicht drauf. Angeblich war da Honig drin 😉 Wer eine einfache Sicht der Dinge hat und sich für eine Ernährungsumstellung nicht erst 3 Jahre in Literatur vertiefen will, dem ist kaum klarzumachen, dass er teuren Imkerhonig kaufen muss und dass der wertvoll ist, sowohl von den Inhaltsstoffen als auch von der wichtigen Funktion der Bienen her. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Mediziner aus der FoK-Bewegung diesen Unterschied auch kennen. Ich will ihnen keine Dummheit oder Ignoranz unterstellen, aber Amerika kommt einfach aus einer anderen (schlechteren) Ernährungsecke.
  2. Zum Hafer: Auch hier steht die Massentauglichkeit (ggf. einfach Unkenntnis?) im Vordergrund. Haferflocken kann man in jedem Supermarkt kaufen, aber wie ist das mit Dinkel- oder Roggenflocken? Wir müssen uns ja auch klarmachen, dass FoK alle Menschen erreichen möchte, nicht nur die Bewohner der großen Städte, wo es vermutlich alles gibt. Wenn ich die Zutaten für eine Ernährung im Laden um die Ecke bekomme, warum sollte ich dann zu so einem komischen Bioladen gehen? Sicher ist das auch mit ein Grund, warum niemandem eine Getreidemühle empfohlen wird. Ich weiß von diversen Kontakten zu US-amerikanischen Lesern, dass es in vielen Landstrichen unmöglich ist, an gute Lebensmittel zu kommen, überhaupt eine Getreidemühle zu kaufen. New York ist nicht mit den USA gleichzusetzen.
  3. Zum Öl: Die Antwort ist dieselbe wie für den Honig. Es ist schon bei Vollwertlern nicht immer einfach, klar zu machen, dass Öl von bekannten Biomarken teilweise auch einfach nicht gut ist. Die Ärzte von FoK, die festgestellt haben, dass Herzpatienten z.B. ganz ohne Öl besser zurechtkommen als auch mit geringen Mengen: Wissen sie wirklich von den feinen Unterschieden beim Öl? Ich wage ihnen zu unterstellen, dass sie das nicht tun.

Amerikaner haben einfach einen deutlich geringeren Ernährungsstandard und auch Wissensstand in diesen Dingen. Von Verwandten, die in Amerika waren, weiß ich, dass Obst- und Gemüsekauf dort nicht so einfach ist wie hier, wo schon die Discounter Frisches auch in Bioqualität anbieten. Ich habe auch vor einigen Monaten im Radio gehört (ich weiß leider nicht mehr, wo), dass in einem Stadtviertel, das bisher ohne Geschäft war, ein Supermarkt gebaut werden sollte. Und es gab einen Kampf darum, ob der auch frisches Obst und Gemüse anbieten sollte/muss. Das ist doch in unseren Verhältnissen undenkbar.

Die amerikanischen Wissenschaftler von FoK kennen meines Wissens Bruker sowie Kollath und auch Kneipp und deren Erfolge nicht, die diese zweifellos gehabt haben. Das hat mich schon bei der Lektüre der China-Study (ich habe sie schon gelesen und zu schätzen gewusst, als es sie in Übersetzung noch nicht gab und sie hier noch nicht jeder Veganer auf dem Nachttisch liegen hatte) genervt, dass sich das so darstellte, als hätten sie das gesunde Essensrad erfunden, dabei ist vieles davon uns schon lange bekannt.

Daher bin ich auch immer vorsichtig im Umgang mit FoK-Ergebnissen. Sie sind nicht unbedingt auf europäische oder deutsche Verhältnisse übertragbar, weil hier grundsätzlich mehr Interesse an Ernährung herrscht und auch Wisssen vorhanden ist. Und daher bin ich nach wie vor der Meinung, dass wir (Vollwertler) zwar auch von der FoK lernen können, nicht aber alles 1:1 übernehmen sollten. Denn wenn auch Brukers Erkenntnis kleine Fehler haben oder teils nicht weit genug gehen – es gibt genügend Menschen, die nur mit der Umstellung auf die vollwertige, noch mehr die tiereiweißfreie Ernährung (in Brukers Sinne) beschwerdefrei geworden sind.

Der hohe Fettkonsum, der teils in der Vollwert à la Lahnstein praktiziert wird, kann sicher einen FoK-Dämpfer gut vertragen. Wer mit Brukerscher Kost nur Teilerfolge erzielt, ist gut beraten, sich einmal intensiv mit FoK auseinanderzusetzen. Auch die FoK ist kein Wunderheilmittel, auch sie hat ihre Schwächen und auch sie wirkt nicht bei allen gleich gut, davon bin ich überzeugt. Natürlich werden Menschen, die mit dieser Ernährung erfolglos bleiben nicht auf der FoK-Webseite vorgestellt 🙂

 

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6 Gedanken zu “Fett und kein Fett

  1. Renate 6. April 2015 / 19:07

    Deine Erkenntnisse kann ich gut nachvollziehen. Das hast du sehr gut überlegt und du könntest damit recht haben. Danke wieder einmal für einen tollen Artikel.

    • OneBBO 6. April 2015 / 19:09

      Danke, Renate.

  2. Tack 7. April 2015 / 08:39

    Wie ist das mit den Unterschieden bei den Pflanzenölen?

    • OneBBO 7. April 2015 / 08:44

      Was meinst du mit dieser Frage? Du erwartest jetzt hoffentlich keine grundsätzliche Einführung von mir? 😉 Du kannst dich, wenn du Grundsätzliches wissen möchtest, bei meinen Videos umsehen, da gibt es diverse Filme in Youtube (über meine Homepage).

  3. Stella 7. April 2015 / 08:45

    Hallo, danke für den Beitrag, kannst Du denn eine gute Bezugsquelle für Bio Rohkostöl Rapsöl und Olivenöl empfehlen? Bin auf der Suche…finde es nicht so einfach…
    Danke, Stella

    • OneBBO 7. April 2015 / 08:47

      Rapsöl empfehle ich grundsätzlich überhaupt nicht. Es ist eine Modefett, und damit Rapsöl überhaupt genießbar gemacht werden konnte, musste Raps komplett umgezüchtet werden, um es einfach auszudrücken. Über meine Bezugsquellenliste findest du auch meine Empfehlungen für Öl.

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