Schrottig körnig

27. Apr. 2015: Regionale Zutaten

Rezepte in Schrot & Korn – manchmal erreichen die nicht einmal Apotheken-Umschau-Niveau 😉

Ich meine – wenn man einen Titel trägt, in dem Wörter wie „Schrot“ und „Korn“ vorkommen, darf ich zurecht eine gewisse Erwartungshaltung haben. Ja, Bio, ist klar. Einen Schlag Vollwert, auch klar – muss jetzt nicht die „Brukersche Richtung“ sein, aber mindestens UGB-Standards sollten da schon im Hintergrund stehen und eine gewisse Schlichtheit erwarte ich auch.

Dass Schrot & Korn diese Kriterien schon lange nicht mehr erfüllt, mecker ich ja immer wieder an. Was mich zusehends nervt ist auch die Diskrepanz zwischen dem, was sie „predigen“ und dem, was sie an anderer Stelle empfehlen. Das Wort REGIONAL ist ja heute richtig wichtig. Auch für die Redakteure der Zeitschrift Schrot & Korn. Aber jetzt reiten sie natürlich auch auf der veganen Welle mit … aber müssen die Rezepte deshalb dermaßen übers Ziel hinausschießen?

Auf Seite 14 der April Ausgabe 2015 habe ich zwei Rezepte gefunden, da kommt’s mir persönlich echt hoch, wenn ich die Zutatenliste lese:

Chiasamen, Aroniasaft, Ananassaft, Ananas, Sojajoghurt, Kokosflocken, Gojibeeren. Wenn nicht in Dresden neuerdings Ananas angebaut wird und Kokospalmen in Düsseldorf Mitte stehen, finde ich den regionalen Anspruch, äh, ein wenig gewagt.

Direkt daneben eine ähnlich charmante Zusammenstellung: Eier, Soba-Nudeln (Buchweizennudeln), Frühlingslauch, Instant-Wakamealgen, Misopaste, gerösteter Sesam, Kresse.

Juchhuuu, Frühlingslauch und Kresse bekomme ich auch hier 🙂 Aber Instant-Wakamealgen, da dreht sich mir schon der Magen im 3/4-Takt – kochen die das nur oder essen die das auch???

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19 Gedanken zu “Schrottig körnig

  1. Frau Schmidt 27. April 2015 / 17:47

    Linsen oder so klingt halt un-stylish…

    • OneBBO 27. April 2015 / 17:49

      Ja, wer einfach nur Linsen isst – das ist schon schlimm genug. Aber wer da nicht mindestens Zitronengras reinwirft, sondern nur Möhren und Porree ist einfach… mir fehlen die Worte!

  2. Karin 27. April 2015 / 17:56

    Ich fürchte, es wird einfach nur das verwurstet, was die jeweiligen Bio-Hersteller gerade so vermarktet haben wollen. Bei ein paar neuen Produkten bietet sich so eine Asia-Woche doch förmlich an! Instant-Wakamee…. hm. Oder nennen die das vielleicht nur Instant, weil sich getrocknete Algen eh so schnell wieder aufbereiten lassen?

    Aber! Ich muss hier auch mal meckern: in dem hiesigen Reformhaus bekomme ich noch nichtmal Soba-Nudeln, von Udon-Nudeln ganz zu schweigen. 😉

    • OneBBO 27. April 2015 / 17:58

      Na klar, und auch noch verWURSTet 😉

      Das Reformhaus sollte sofort schließen – ein Skandal! 😉

      • Karin 27. April 2015 / 18:03

        Das find ich aber auch!!! 😀

        • OneBBO 27. April 2015 / 18:04

          Reformhäuser haben den Zug der Zeit im Moment nicht so ganz drauf. Ich habe vor ein paar Wochen Kamut bestellt, die Frau sprach dauernd von „Kamu“, dachte wohl, das ist etwas Französisches 😦

          • Karin 27. April 2015 / 23:24

            Dafür bieten sie aber sensationelle Turbo-Diäten mit Bauchfett-weg-Effekt an. Kein Witz!

  3. sonnenkind 27. April 2015 / 19:00

    Ich hatte zufällig Samstag auch mal wieder einen kurzen Blick in diese Zeitschrift geworfen, da sie an einem Bio-Stand auf dem Markt auslag. Natürlich hatte mich die titelseite mit den „Superfood-Rezepten“ (wer kann das Wort noch hören?!) dazu bewogen. Nachdem ich einen kurzen Blick auf die zuaten von 2 Rezepten geworfen hatte, habe ich das Heft ganz schnell wieder zurück gelegt bevor ich noch anfange mich darüber aufzuregen, wie diese Zeitschrift immer mehr ihren eigenen Anspruch verliert…

    • OneBBO 27. April 2015 / 19:27

      Da ist nicht mehr wirklich viel zu verlieren, oder?

      • sonnenkind 30. April 2015 / 23:27

        Ne, in der Tat nicht wirklich! Ist ja eigentlich nur noch eine kostenlose Werbebroschüre für die ganzen tollen neuen Produkte der „Bio-Industrie“ 👿

  4. Jenny 27. April 2015 / 21:38

    Ich arbeite in einem kleinen Bio-Laden mit einem viel zu schnell wachsenden Sortiment. Anfangs war ich dort nur Kundin und liebte diese Einfachheit, das begrenzte regionale und saisonale Sortiment, welches bestimmt hat, was zu Hause auf den Tisch kommt – und nicht umgekehrt! Mich stört jetzt sehr, dass alles immer exotischer werden muss, dass wir inzwischen 5 Sorten Linsen, 10 Sorten Reis, 15 Sorten Nudeln, ein ganzes Regal Aronia-„Spezialitäten“, einen ganzen Aufsteller Chia-Müsli-Toppings, mind. 20 verschiedene Sorten Öl (darunter alleine 5 Sorten Olivenöl), 12 Tofu-Sorten, unzählige haltbare Pflanzen-Drinks, verschiedene Algenarten, tausende von Gewürzen etc. haben müssen, um die Kunden halbwegs zufrieden zu stellen. Und dann kommen sie (Kunden, die man sonst nie im Bioladen sieht, außer wenn sie sich die kostenlosen Zeitschriften abholen) mit einer Schrot und Korn in der Hand und wollen ausgerechnet die eine Sorte Brötchen backen, wo ich – obwohl ich nun schon 3 Jahre in dem Laden stehe und mich seit über 10 Jahren mit Vollwertkost und Rezepten beschäftige – von einigen Zutaten nicht mal wusste, dass sie existieren! Ich denke auch, dass hier einfach nur wirtschaftliche Interessen in die Rezepte eingebaut sind! Ich habe schon ewig nicht mehr in die Zeitschrift reingeschaut, die nicht nur Fertigmüslis anpreist, sondern die kleinen Läden durch ihre Rezepte in den Ruin treibt! Meine Familie kann ich mit den exotischen Variationen ohnehin jagen. Wir greifen immer wieder zu denselben altbewährten Quellen, wenn wir uns Appetit holen wollen, wo wir wissen, dass wir die Basics immer im Haus haben.

    • OneBBO 28. April 2015 / 06:51

      Danke, Jenny, für diesen Beitrag direkt von „vor Ort“. Ich lasse mir ja Biosachen von einem Laden liefern (toller Service) und der Fahrer erzählt mir mal, was ihr Verkaufshit ist: Fertigpizza aus der TK-Truhe! Nun abgelöst von allem, was den Beisatz „vegan“ trägt. Schaurig.

  5. Frau Schmidt 28. April 2015 / 07:02

    Schrot und Korn hängt genauso an der Industrie wie andere auch. Die finanzieren sich durch die Werbung und wenn dann eben auch die entsprechenden Zutaten in den Rezepten erscheinen, ist das den Herstellern auch ganz bestimmt nicht unrecht….
    Ich bin sehr froh, dass wir hier so gut versorgt sind und man nicht jeden Trend mitmachen muss.
    Es hat sich ja gezeigt, wer diesen aus „hip-sein“-Gründen folgt, legt das auch bald wieder ab. Es wird doch alle paar Monate wieder ne neue Sau durchs Dorf getrieben..

    • OneBBO 28. April 2015 / 07:07

      Am „härtesten“ finde ich immer die angeblichen Empfehlungen der Redaktion – das kann man schon riechen, dass selbst die Empfehlungen wortwörtlich dem Herstellertext entnommen sind. Dass sie von Werbung leben (müssen), kann ich akzeptieren, eine Zeitschrift kann sich heute nicht mehr ohne halten. Aber das war in den Anfängen ja nicht anders – und da ging es doch schon ein bisschen „ordentlicher“ zu.

  6. Undine 28. April 2015 / 09:09

    Ich habe bei dem Zeitschriftentitel Schrot(munition) und (Kimme und) Korn immer mal wieder die Assoziation zu einer Jagdzeitschrift. Da kann natürlich keine Vollwert erwartet werden. Jedoch ist der Inhalt auch dann nicht richtig passend.

    • OneBBO 28. April 2015 / 09:10

      Man könnte bei Korn auch an ein Schnäpschen denken 😉

      • sandra 28. April 2015 / 15:37

        Prost! Diese Zeitschrift kann man doch wirklich nur noch im Suff ertragen 😉

        • OneBBO 28. April 2015 / 16:12

          Leider mag ich keinen Alkohol, aber das ist dann mein Problem :mrgreen:

        • sonnenkind 30. April 2015 / 23:31

          oh ja, wie recht du hast- haha, das muss ich mir merken 😆

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