Immer wieder Ärzte

2. Mai 2015: Ärzte, Folge Nr. 345

Aus letzter Zeit liegen mir wieder einmal phantastische Berichte von Arztbesuchen vor.

Mein Freund L. leidet seit vielen Jahren an Bluthochdruck, eigentlich schon seit seiner Kindheit. Das haben ihm die Ärzte zwar gesagt, aber ihm niemals die Konsequenzen aufgezeigt, wozu das führen kann. Seit ein paar Jahren liebäugelt er auch mit der Vollwertkost immerhin soweit, dass er einen aufkommenden Diabetes hat völlig beseitigen können (ich berichtete von den Anfängen hier). In den letzten zwei Jahren hat er es mit der Ernährung jedoch wieder ein bisschen schleifen lassen, er hat kontinuierlich zugenommen.

Nun aber macht ihm der Blutdruck doch Beschwerden, er bekommt bei Anstrengung Atemnot, ist ständig müde usw. Also ging er wieder zum Arzt, der ihn nach 8 Monaten medikamentöser Behandlung endlich einmal zu einem Facharzt, einem Kardiologen schickte. Der wiederum stellte fest, dass L. bereits Endorganschäden hat, wie es so schön heißt: Die Herzwand ist verdickt. Außerdem hat er gelegentlich Vorhofflimmern, womit nicht zu scherzen ist, weil das zu Thrombose (Blutpropfen in den Adern) und dann zu Schlaganfall führen kann.

Geschockt rief er mich an, wir haben uns getroffen und ich habe ihm strikte Vollwerternährung mit Forks-over-Knives-Einfluss empfohlen. Ich weiß, dass er morgens eine Tasse Kaffee trinkt. „Weg damit“, war mein erster Rat. Er verdrehte die Augen, hat sich aber schnell an ein Tässchen Getreidekaffe als gesunden Morgenstart gewöhnt.

Erstaunlich fand ich auch, dass sein Hausarzt ihn nie auf das sichtbare Übergewicht angesprochen oder nach Kaffee- und Salzkonsum gefragt hat, alles Dinge, die auch in der Schulmedizin bekannt sein sollten. Der Kardiologe hatte ihm immerhin gesagt, dass er – neben der Einnahme von Medikamenten – das Gewicht senken muss.

L. war völlig fertig. Ein Lichtblick: Beide Ärzte hatten ihm versichert, dass noch alles zu retten und die eingetretenen organischen Schäden wieder in den gesunden Zustand zurückgeführt werden könnten. Aber so richtig Lust, fünf Medikamente lebenslang zu nehmen (und darauf lief es damals hinaus), hatte er auch nicht. Da ich fest davon überzeugt bin, dass er das mit der richtigen Ernährung erreichen kann und er offen ist für Neues (wenn es dann fast brennt *ggg*), habe ich ihm genau gesagt, wie sein Essen in Zukunft aussehen sollte. Da er Vollwertkost kennt, mag und die Umstellung daher nicht so groß ist – also nur die Dinge wieder weglassen, die sich eingeschliffen hatten, und Butter, Käse und Fleisch endgültig aus dem Speiseplan zu streichen, die er sowieso mehr (Butter) oder weniger (Fleisch und Käse) nur gelegentlich aß -, war er bereit, konsequente Vollwertkost nach FoK 6 Monate zu praktizieren.

Seine Blutdruckwerte lagen mit Medikation immer noch bei Werten um die 150/110 mmHg. Der von der WHO vorgeschlagene Höchstwert beträgt 140/90 mmHg. Er ruft nun eine Weile einmal am Tag an, um mir seine Blutdruckwerte mitzuteilen. Am ersten Tag ohne Kaffee: 138/97 mmHg. Ich feixte. Er: Das kann doch so schnell nicht gehen! Am nächsten Tag: 136/90. Oha. Am dritten dann 123/87 mmHg. Wahnsinn!

Als L. nun das nächste Mal zum Kardiologen ging, berichtete er dem Arzt „stolz“, dass er nun seinen Morgenkaffe wegließe und nichts Süßes mehr äße (okay, er hätte Industriezucker sagen sollen, aber den Begriff kennt der Arzt vermutlich auch nicht). Was sagte der Arzt? Zum Kaffee: „Ach eine Tasse am Morgen schadet doch nicht!“. Zu den Süßigkeiten „Na, so ganz ohne ist ja auch zu schwer.“

Danke lieber Arzt für deine motivierenden Worte! Zum Glück vertraut mir L. und bleibt bei Getreidekaffee und Vollwertsüßigkeiten. Ich bin sicher – wenn es ihm dann eines Tages wieder richtig gut geht, werden die Ärzte das auf die tollen Medikament zurückführen. Nee klar, darunter war der Blutdruck ja auch nicht runtergegangen 😉

Noch nimmt L. seine Medikamente, klar, würde ich auch. Aber er  ist zuversichtlich, dass er mit der Ernährung eines Tages auch wieder ohne die synthetischen Krücken auskommen wird.

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10 Gedanken zu “Immer wieder Ärzte

  1. Warum 2. Mai 2015 / 18:12

    Schön, dass Du so gut auf Deinen Freund L aufpasst. Ich kann Dich gut verstehen, dass Du die Aussagen der Ärzte anzweifelst. Mein Dad ist an einem Kardiogenen Schock gestorben, weil die Ärzte meinen Dad in der Klinik auf Lungenentzündung behandelten (die er nicht hatte) und den akuten Herzinfarkt leider nicht erkannt haben. Grüße auch an Deinen Freund L., er soll bitte nicht so lange warten bis es brennt.

    • OneBBO 2. Mai 2015 / 18:17

      L. nimmt’s zum Glück jetzt sehr ernst. – Manchmal könnte man glauben, es sterben mehr Menschen an Ärztefehler, als dass Ärzte wirklich heilen. Wobei es immer darauf ankommt, wenn man hört – es gibt ja auch Menschen, die dank eines Arztes noch leben. Schwierig, schwierig, es gibt da leider viele Quacksalber. Und das sieht man niemandem an der Nase an.

      • Warum 2. Mai 2015 / 22:13

        Da stimme ich Dir natürlich zu, es gibt auch gute Ärzte. Leider sieht man das niemandem an der Nase an, sonst hätte ich meinen Dad aus der Klinik geholt und in eine andere gebracht, dafür ist es leider zu spät. Gut, dass Dein Freund L es jetzt sehr ernst nimmt. Passt gut auf Euch auf.

        • OneBBO 3. Mai 2015 / 08:52

          Mit der Nase hast du leider, leider Recht. Ich habe mir aufgrund vieler schlecher Erfahrungen bei mir selbst und im nahen Umfeld zur Devise gemacht, erst einmal Misstrauen. Vertrauen darf später einmal kommen. Und: Immer wachsam bleiben!

  2. Tausend 2. Mai 2015 / 18:15

    Ich habe Ärzten noch nie vertraut. Wie unsensibel und dumm kann man denn sein?

    • OneBBO 2. Mai 2015 / 18:17

      Gehört vielleicht mit in die ärztliche Ausbildung 😉

  3. Daniela 2. Mai 2015 / 19:44

    Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob sie es einfach nicht besser wissen oder ihnen eine Heilung ihrer Patienten nicht sonderlich wichtig ist. Ich denke mal positive und vermute ersteres.
    L. hat ein riesen Glück, dich zum Freund zu haben, Ute!

    • OneBBO 3. Mai 2015 / 08:54

      Ich will den meisten einmal zugute halten, dass sie es nicht besser wissen. Bruker bemängelte ja schon, dass Ernährung nicht Teil der ärztlichen Ausbildung ist. Einmal im Arztalltag verfangen, ist die Versuchung sicher auch groß, neue Dinge nicht mehr sehen zu wollen. Wenn L. eines Tages es wirklich gepackt haben sollte (100%ige Sicherheit gibt es auch da nicht), bin ich sicher, kein Arzt wird auf die Idee kommen, dass die Ernährung dabei eine Rolle gespielt hat.

  4. sandra 4. Mai 2015 / 14:36

    Was für eine Story! Auch von mir alles Gute an L. Er soll bloß konsequent bleiben. Mein Herr Papa ist da „altersstarrsinnig“. Er nimmt zwar brav seine 2 Blutdrucktablettchen, macht aber sonst nicht was der Arzt oder meine Mutter und ich sagen (raten). Jetzt hat er einen Bandscheibenvorfall und soll zusätzlich bei Bedarf 600mg Ibubrofen (bis zu 6 Tabletten) einnehmen, 1 ASS 100 (gegen Durchblutungsstörungen) und noch eine Tablette 40mg die ich leider vergessen habe für was oder wie sie heißt. Ob dieser Medikamentencocktail gut ist sei dahingestellt aber er soll auch Gehtraining machen und Kaltanwendungen. Was macht er? Wärme und ansonsten nichts. Wenn es also nicht besser wird ist nicht nur der Arzt Schuld 😉
    Wir raten zu Ernährungsumstellung (eher wegen Blutdruck als Bandscheibe) und Rückengymnastik. Nö, will er nicht. Es sind also nicht immer nur die Ärzte.

    • OneBBO 4. Mai 2015 / 16:12

      Ich stimme dir zu, manchmal sind auch die Patienten selbst unwillig. Hört man von Vätern schon mal öfter 😉

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