Arbeit und Zeit

11. Juni 2015: Ich gebe auf!

Seit ich mich öffentlich für die Vollwertkost einsetze, war es immer mein Bestreben zu zeigen, dass sie weder besonders zeitaufwändig noch teuer ist. Daher habe ich viele Rezepte vorgestellt, die in maximal 30 Minuten auf dem Tisch stehen.

Heute berichtige ich mich: Es stimmt, eine Vollwerternährung kostet Zeit. Es ist Arbeit. Natürlich viel schlimmere Arbeit, als z.B. in ein Fitness-Center zu düsen und dort Schweiß zu treiben. Mehr Arbeit, als die Kinder einfach mal spielen zu lassen, statt sie von einem Unterricht zum anderen zu transportieren, von einem Freund zu nächsten. Mehr Arbeit, als sich gemütlich vor den Fernseher zu setzen und die schöne Werbung zu gucken, die uns zeigt, was echte Freizeit ist.

Freizeit heißt die Zeit genießen, „lebe jetzt“, „genieße den Tag, es könnte dein letzter sein. Da gucke ich doch lieber eine dieser aufrüttelnden Filme, die mir zeigen, wie verdorben die Welt ist, statt auf heile Welt zu machen und in der Küche was rumzubrutzeln. Natürlich kann ich auch Pech haben, und es ist gar nicht mein letzter Tag, sondern nur einer von vielen. Da ich das nicht wissen konnte, ist ja auch verständlich, dass ich mich nicht mit der Vollwertkost beschäftigt, sondern lieber den kommenden Weltuntergang mit einem Gläschen Wein genossen habe. Was könnte schöner sein?

Und es ist ja nicht nur das lästige Arbeiten in der Küche. Schon das Einkaufen ist eine Zumutung. Vor und hinter mir an der Kasse türmen sich die anderen Kunden schnelle Köstlichkeiten auf das Band: Backmischungen, Fertigtörtchen, panierte Champignons, die nur noch aufgebacken werden müssen, ja, heute lief ein Junge vor mir mit 4 Fertigpizzen unterm Arm nach Haus. Übrigens verliert sich gelegentlich auch mal ein Apfel unter diese herrlichen Fertigdinge. Okay, Fehler machen wir alle da. Nur ich stehe da mit meinen kümmerlichen Einkäufen, kein Wunder, dass die Kassiererin mich komisch anguckt: Äpfel, Bananen, Sellerie, Tomaten, Erdbeeren, Kohlrabi. Und sonst nichts! Das ist wirklich hochpeinlich.

Dann habe ich auch noch die üble Angewohnheit, meine Einkäufe zu Fuß zu erledigen. Was für eine Zeitverschwendung, jeden, jeden Tag muss ich da etwa 30 Minuten sinnlos herumlaufen, mit dem Auto wäre das viel schneller.

Ich bin altmodisch, das ist mir klar geworden. Nur deshalb kann ich so etwas Arbeitsaufwändiges wie die Vollwerternährung propagieren, die zudem ein Heer von Arbeitslosen erzeugt – man stelle sich nur vor: DREI Generationen hintereinander vollwertig ernährt. Ärzte, Krankenschwestern wären doch nur noch für Notfälle erforderlich, Pflegeheime unterbelegt, Läden brauchen kaum noch Verkaufspersonal, die ganzen Fabriken stehen still.

Nee, nee, das ist schon  richtig. Zeit für die Zubereitung der Vollwertkost kann viel besser anders genutzt werden.

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14 Gedanken zu “Arbeit und Zeit

  1. Renate 11. Juni 2015 / 19:46

    Ich komme mir an der Kasse auch immer wie ein Außerirdischer vor.

  2. Anne 11. Juni 2015 / 20:01

    Guten Tag. Mein Name ist Anne. Ich esse vollwertig und koche alles selbst. Und das ist auch gut so.

  3. mamanatur 11. Juni 2015 / 21:37

    Als ich den ersten Satz gelesen habe war ich etwas besorgt, dass Du aufgeben willst.
    Deinen Beitrag verstehe ich gut. Leider.

    • OneBBO 11. Juni 2015 / 21:45

      Dann bin ich ja beruhigt, dass du nicht mehr besorgt bist 😉

  4. sonnenkind 11. Juni 2015 / 23:48

    😆
    Schön herrlich ironisch-sarkastisch!
    bei der Überschrift dachte ich allerdings auch erst es sei dir ernst – ich musste schon ein ganzes Stück lesen bis ich mich da wieder „entspannen“ konnte 😉

    • OneBBO 12. Juni 2015 / 07:33

      Beim Verfassen des Artikels war ich so im Thema, dass ich mit der Fehldeutung gar nicht gerechnet hatte und entschuldige mich offiziell für die Verspannung 🙂

  5. helga 12. Juni 2015 / 18:55

    Ute es geht den Leuten nicht um die Zeit. Nein es lohnt sich einfach nicht für eine Person zu Kochen und die Fertiggerichte sind doch so lecker und gesund

    • OneBBO 12. Juni 2015 / 19:03

      Stimmt, Helga, danke, dass du mir das noch mal gesagt hast und mich vom Irrweg holst 🙂

  6. sandman81 12. Juni 2015 / 19:20

    So kennt mann die Ute. Schön, danke 😉

    • OneBBO 12. Juni 2015 / 20:11

      :mrgreen:

  7. bonnie2000 13. Juni 2015 / 10:11

    Einfach nur schön zu lesen!!

    • OneBBO 13. Juni 2015 / 21:47

      Fein 😈

  8. sandra 13. Juni 2015 / 13:02

    Zuerst bin ich auch erschrocken. Beim zweiten Abschnitt konnte ich dann durchatmen und mir den Schweiß von der Stirn wischen. Das sind die Leute die 20 Minuten nach einem Parkplatz suchen um ins Fitnesscenter zu kommen und dann noch Stundenlang PC-Spiele oder X-BOX zocken. Da sage ich gerne mal was wenn der Zeitfaktor eingeworfen wird. Dann schauen sie oft böse. Vor allem bei meinem Satz: „Das ist doch Dummgequatsche. Kaufe dir ein Theraband und hüpfe vorm Fernseher rum, dann hast du Sport und Fernsehen in einem Abwasch und hast die lästige Parkplatzsuche gespart. Du hast sogar noch eine halbe Stunde Zeit für was Vernünftiges zu essen.“

    Herrlich!

    • OneBBO 13. Juni 2015 / 21:48

      Meine Güte, das tut mir wirklich leid, so viel Kreislaufschwäche, weil ich beim Titel nichtig nachgedacht habe 😳

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