Der rosa Vorhang, das grüne Rollo – Fortsetzung

25. Juni 2015: Das grüne Rollo und der rosa Vorhang (Teil 2/2)

*** Fortsetzung vom letzten Montag ***

„Das grüne Rollo“ ist ein Buch von Heinrich Steinfest (ISBN 978-3492056618), die Trilogie „Der rosa Vorhang“ ist eine Bücherreihe von Ute-Marion Wilkesmann und N.N. (ISBN N.N.).

TEIL 2:

Sie geht zum Fenster, streicht über die rosa Gardine. Probeweise zieht sie an der linken Seite, ah, sie kennt den Sog – und schon steht sie wieder in der Welt, in der sie bereits Abenteuer bestanden hat. Wiederum muss sie den jungen Prinzen retten, der jetzt auch immerhin ein Alter von 34 Jahren erreicht hat und auch nicht mehr ganz so hübsch ist wie als niedlicher Knabe. Aber immer noch nicht zum Weggucken. Er schenkt ihr zum Dank ein etwas größeres gelbes Plüschkrokodil und entlässt sie in ihre Welt, in der sie in einem Krankenhaus erwacht.

Zwei Ärzte und drei Krankenschwestern sind über sie gebeugt und sind ganz aufgeregt. „Sie ist wirklich wach!“ ruft die eine Krankenschwester. Emily will wissen, wo sie ist. Es stellt sich heraus, dass sie im Alter von 10 Jahren einen Unfall hatte, in den ein rosa Vorhang verwickelt war, und seitdem im Wachkoma lag. Ihre Eltern sind nun schon Senioren, aber das hatte sie ja im Wachkoma quasi miterlebt.

Wie fade, alle schillernden Abenteuer nur ein Traum. Das denkt sie. Während sie sich in ihrem Krankenzimmer umsieht, fällt ihr etwas auf: Das grüne Plüschkrokodil ist völlig abgeschabt. Das aber könnte ja nicht sein, wenn sie 31 Jahre lang im Wachkoma gelegen hätte. Ihr logischer Verstand beginnt zu arbeiten. Es wird detektivisch spannend, die Hinweise auf fehlende Logik mehren sich, bis sich herausstellt, dass sie gar nicht im Wachkoma gelegen hatte, sondern im Alter von 38 Jahren von Außerirdischen entführt wurde. Sie sagt das den Ärzten bei der nächsten Visite vor den Kopf, die völlig überrascht, dass Emily es erraten hatte, alles zugeben. Sie darf das Krankenhaus deshalb auch verlassen und die Welt dieser Außerirdischen erkunden. Die Kaufhäuser sind voller Plüschtiere und wunderbarer Zuckerwaren. Ihr logischer Verstand aber sagt ihr, dass kluge Außerirdische keine Zuckerwaren verkaufen würden, denn sie wüssten ja, dass dies zahnschädlich ist. Also war auch diese Ebene eine Lüge?

Emily durchläuft in weiteren 10 Jahren noch mehrere dieser Ebenen, die wie Zwiebelschalen übereinander liegen. Hier ist das Problem für den Autor, alle Ebenen logisch ineinander zu verzahnen. Das will mir nicht gelingen, es ist aber der Clou. Und wenn der Leser es schon gar nicht mehr errät, gelangt er zur Auflösung. Diese aber ist geschickt verborgen, indem nämlich die Geschichte auf S. 547 zu Ende ist. Damit der Leser aber nicht ahnt, dass die Geschichte bald zu Ende ist, wenn er z.B. Seite 520 erreicht hat, wurden ein paar falsche Geschichten angehängt, in denen die Protagonisten dieselben Namen tragen. Das Buch „Der Rosa Vorhang“ hat 734 Seiten. Jeder Leser, der ein bisschen vom Verlagswesen versteht, wird sofort erahnen, dass auch dies eine falsche Ebene ist, denn Bücherseitenzahlen müssen immer glatt durch 4 teilbar sein. Außerdem beginnt das Buch auf einer geraden Seitenzahl, was noch eine Ebene ergibt.

Wie sieht die Auflösung aus? Alle Ebenen, bis auf Ebenen 3, 5 und 11, sind echte Erlebnisse. Und am Ende des Buches stellt sich heraus, dass nicht Emily den Prinzen zweimal gerettet hat, sondern nur einmal, und er sie dafür drei mal rettete. Er dankt dann ab, denn er ist der Monarchie überdrüssig. Er verkauft seine goldene Krone, ersteht dafür ein Handelsschiff für den Transport von Biobananen. Außerdem möchte er Emily gerne heiraten. Sie lässt sich unter der Bedingung darauf ein, dass sie in der Kombüse das Kommando führen darf. Hier ist die Geschichte eigentlich zu Ende. Sollte sich das Buch gut verkaufen, kann der Autor das Buch wie folgt um ein Kapitel erweitern:

Sie planen bereits ihr Alter zusammen, ihren Ruhesitz, ihre Zeit als Pensionäre. Sie liegen Arm in Arm auf ihrem schmalen Doppelbett, eng aneinander geschmiegt, und glücklich. Plötzlich kommt ein Sturm auf, das Schiff geht bei starkem Seegang heftig auf und ab. Ängstlich klammert sich Emily an ihren Prinzen, der sie zu beruhigen versucht. Plötzlich zucken sie von einem lauten Geräusch zusammen, der Regen peitscht durch das offene Fenster, ein gelbes Rollo rollt am Fensterrahmen herab, schlängelt sich über den Boden und rollte sich um die Krippe mit dem kleinen Säugling, dem Sohn von Emily Prinz und Prinz Prinz. Der Wind trägt Rollo mit Kind und Krippe davon. Und wer wissen will, wie es weitergeht, muss Band 2 der Trilogie aus möglicherweise 10 Bänden kaufen.

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6 Gedanken zu “Der rosa Vorhang, das grüne Rollo – Fortsetzung

  1. Tausend 29. Juni 2015 / 17:50

    Genial! Endlich einmal wird der Leser nicht mit dem billigen „Alles nur ein Traum“ abgespeist, sondern kriegt ein paar mehr Ebenen geboten.
    Und Du dachtest sicher, Deinen Lesern entgeht der Hinweis auf das Universum, in dem alle Männer ihre Berufsbezeichnung als Nachnamen tragen und in dem alle Bücher auf einer graden Seite beginnen. Ha! Einen Sherlock kannst Du nicht täuschen.
    Aber wer schreibt jetzt das Buch?

    • OneBBO 29. Juni 2015 / 17:52

      Ich habe schon sehr viele Bewerbungen von möglichen Autoren. Aber so ganz das Richtige ist noch nicht dabei. Ich sammle also weiter.

      • Tausend 29. Juni 2015 / 17:57

        Am Ende wirst Du es noch selber schreiben.

        • OneBBO 29. Juni 2015 / 18:02

          Ich habe mir schon eine Bewerbung geschickt, aber wegen Poststreik konnte ich sie noch nicht einsehen und überprüfen.

          • Tausend 29. Juni 2015 / 18:05

            Die Post legt wirklich alles lahm. Sie ist Schuld, wenn die Bewerbung nicht im rechten Moment eintrifft, bei Dir dann nicht auf Zustimmung stößt und das Buch nie geschrieben wird. Indirekter Kunstraub. Das ist kein Kaviarsdelikt.

          • OneBBO 29. Juni 2015 / 18:10

            Nein, das ist kein Kaviarsdelikt, das wird mit Gefischnis nicht unter 3 Jahren bestraft!

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