Alkohol im Essen

2. Juli 2015: Alkohol

Alkohol ist nicht Teil einer vollwertigen Ernährung. Das ist für mich überhaupt kein Problem, ich habe noch nie Alkohol als Getränk geschätzt, im Gegenteil. Früher, als Alkohol noch nicht so geächtet war wie heute in vielen Fällen, fiel ich durch meine Abstinenz unangenehm auf und mir wurden teils schwerwiegende psychologische Probleme unterstellt, weil ich mich nicht „öffnen“ wollte. Dass er mir einfach nicht schmeckte, wurde teils angezweifelt. Der Umstieg auf die Vollwerternährung bedeutete also keinen neuen Abschnitt in Sachen Alkohol.

Auch wenn ich ihn nicht trinken mag, schätze ich Alkohol durchaus in kleinen Mengen als Gewürz. 1 oder 2 EL Rum im Kuchen, 1 Teelöffelchen Likör an einer Nachspeise (trotz Zucker) oder auch ein Glas Wein in einer Soße schätze ich durchaus. Und da sehe ich auch kein Vollwertproblem.

Gerne auch gebe ich etwas Rum in Kuchen. Ich stelle dann bei Nachbäckern manchmal fest, dass sie dann aus Rücksicht auf mitessende Kinder keinen Rum in den Kuchen tun. Hmmmm.

Ehrlich gesagt kann ich das nicht nachvollziehen. Alkohol im Kuchen benutze ich z.B. für den Trieb, gar nicht mal für den Geschmack. Ich habe mich nun noch einmal kundig gemacht. Früher hieß es, der gesamte Alkohol verdampft beim Kochen / Backen. Dies wurde nun „neuerdings“ bestritten, ein Rest von 35 % bliebe erhalten.

Da rechne ich gerne praktisch um. Zwei Esslöffel Rum entspricht etwa 20 g Rum. 35 % von 20 g sind 7 g Alkohol, der also in meinem Kuchen verbleibt. Selbst wenn ich einen Napfkuchen in große Stücke schneide, bekomme ich 12 Stück. Das heißt, in jedem Stück Kuchen verbleibt 0,58 g Alkohol. Das ist mit einer Haushaltswaage kaum messbar und macht meiner Ansicht nach aus keinem Kind einen Alkoholiker, dazu bedarf es vieler wesentlich deutlicherer auslösender Faktoren.

Ein weiteres Argument gegen die Verwendung von kleinen Alkoholmengen in Essen, das auch Kinder teilen, ist: Sie sollen sich nicht an den Geschmack von Alkohol gewöhnen, daher auch bitte kein Rumaroma nehmen.

Ich halte das, Pardon, für komplett überzogen und praxisfern. Ein Kuchen mit 2 EL Rum schmeckt nicht nach Rum, denn sonst würden Kinder – übrigens mit einer natürlichen Abneigung gegen Alkohol ausgestattet – davon nicht gerne essen. Bei einem oder zwei Glas Rotwein in einer Soße mag das sein, aber in Teelöffelmengen wird sich kein Kind an Alkoholgeschmack gewöhnen. Da können wir auch gerne an die eigene Kindheit denken. Auch wenn zu Hause (in normalen Mengen) ab und an Alkohol getrunken wird, ist dadurch kein Kind gefährdet, davon bin ich überzeugt. Das ist so, als wenn ich mit einem Kind nicht schneller im Auto als 50 km/h über die Autobahn fahre, weil sie sich ja an die gefährlichen Geschwindigkeiten gewöhnen.

Das steht im Gegensatz natürlich zu ehemaligen Alkoholiken, die dürfen nichts essen, was wie Alkohol schmeckt oder kleinste Alkoholmengen enthält. Kinder sind aber in der Regel 🙂 keine ehemaligen Alkoholiker.

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11 Gedanken zu “Alkohol im Essen

  1. karengraceholmsgaard 2. Juli 2015 / 18:18

    Gut darüber kann man wirklich geteilter Meinung sein.
    Ich ersetzte Alkohol im Essen auch gerne mal durch Traubensaft, Johannisbeersaft, oder Gemüsebrühe.
    Und im Kuchen?
    Einfach Orangensaft statt Rum und Likör.
    Habe einen schönen Abend. 🙂
    Gruß Karen

    • OneBBO 2. Juli 2015 / 18:21

      Man kann über viele Dinge geteilter Meinung sein. Das haben Meinungen so an sich 🙂

  2. Daniela 3. Juli 2015 / 08:10

    Ich sehe das wie du, Ute. 🙂
    Ha, da fällt mir ein, wir haben vor Jahren im Hort unserer Einrichtung einen Geburtstag gefeiert, zu dem eine Großmutter einen (leider nicht vollwertigen) Marmorkuchen gebacken hatte. Anschließend habe ich ihr für den leckeren Kuchen gedankt und ihr gesagt, dass die Kinder ihn sehr lecker fanden. Sie eröffnete mir dann ganz stolz, der Kuchen wäre extra in Rüclsicht auf mich „gesund“ gewesen, nur mit Öl, ohne Milch und dafür mit 200 g Eierlikör. Uff, ich konnte meine Gesichtszüge nicht mehr ganz kontrollieren. Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt und ich bin im Anschluss direkt zu unserer Einrichtungsleitung und habe gebeichtet, dass ich unwissentlich den Kindern einen Marmorkuchen mit sage und schreibe 200 g Eierlikör gegeben habe. Na ja, es war ja nun nicht mehr Rückgängig zu machen und wir haben dann ähnliche Berechnungen angestellt. Da bei 25 Kindern jeder nur den Hauch einer Scheibe Kuchen gegesen hatte, kamen wir gemeinsam zu dem Schluß, dass sie es wohl alle problemlos überleben würden. Ich möchte damit keinesfalls sagen, dass es generell unproblematisch ist, Alkohol in Gerichte zu geben, die Kinder zu essen bekommen, aber man muss es auch nicht mit der Sorge übertreiben. Allerdings hätte ich besagten Kuchen wissentlich sicher nicht ausgeteilt, bei dieser Menge an Eierlikör. Diese Großmutter war eine so liebe Frau, ich mochte sie sehr. Als sie mein erschrockenes Gesicht damals sah, legte sie mir tröstend ihre Hand auf die Schulter und sagte zu mir, ich könne ganz beruhigt sien, der Alkohol verfliege gänzlich beim Backen. Na ja, zumindest wohl fast. Beide Enkelsöhne der Dame, die diesen Kuchen zu jedem Geburtstag gebacken bekommen, sind im Übrigen noch immer wohlauf und gesund. 😉

    • OneBBO 3. Juli 2015 / 08:19

      Ein schönes Beispiel, vielen Dank!

  3. sonnenkind 4. Juli 2015 / 10:37

    da muss ich mich jetzt mal wieder neunmalklug einschalten *Klugscheißer-Modus ein*:
    Rum besteht ja nicht zu 100% aus Alkohol sondern hat 30-40 (ganz starker Jamaikarum auch bis zu 60%) Vol%-Alkohol. Das heißt rechnerisch dann: 20g davon 40%= 8g Alkohol. Davon wiederrum 35%= 2,8g alkohol auf den ganzen Kuchen. Bei 12Stück=0,233g/Stück.
    Ich glaube da hat jedes überreife Obst genausoviel, wenn nicht sogar mehr.

    Ich sehe das genauso wie du Ute, Alkohol in kleinen Mengen als Gewürz (oder Backtriebmittel) verwendet, macht noch keinen zum Alkoholiker. Und auch wenn ich als Kind mal bei meinem Vater am Bier nippen durfte, oder eine Schwarzwälder-Kirschtorte essen (die mir im übrigen gerade wegen dem leichten Alkoholgeschmack nie so richtig gut schmeckte), auch Rotweinkuchen war ein Standard-Kuchen zu Geburtstagen- bin ich heute alles andere als Alkoholikerin! mir geht es nämlich wie dir: er schmeckt mir einfach nicht! sobald es auch nur ein klein bisschen nach Alk schmeckt möchte ich’s ausspucken- das krieg ich nicht runter-Pfui!

    Wobei ich (erst seitdem ich Vollwertig esse) manchmal überlege mal eine kleine Flasche Weiß- oder Rotwein zu kaufen um damit eine Soße zu machen. Ich gehe da allerdings davon aus, das der Alkohol geschmacklich nachher nicht mehr wahrnehmbar – und hoffentlich auch nicht „spürbar“- ist, da er größtenteils verkocht.

  4. sonnenkind 4. Juli 2015 / 10:38

    Ach ja, hab ich glatt vergessen: natürlich *Klugscheißer-Modus wieder aus* 😉

    • OneBBO 4. Juli 2015 / 10:49

      Also ist es noch weniger 🙂

      So eine Soße schmeck schon anders mit Wein, so ist z.B. Wein an einem Kartoffel- oder Bohnengulasch sehr lecker. Mir ist das nur immer zu schade, für 3 EL Wein eine ganze Flasche anzubrechen.

      • sonnenkind 4. Juli 2015 / 12:19

        Klar schmeckt die Soße dann „anders“, das soll sie ja auch, sonst könnte man ja auch einfach Wasser nehmen. Ich meinte auch eher das es nicht direkt nach Wein/Alkohol schmeckt (also nicht wie z.B. Schokolade mit Rumrosinen oder Pralinen mit leichtem Alkoholanteil) 😉

        • OneBBO 4. Juli 2015 / 12:20

          Ich finde den Alkoholgeschmack durch Wein in einer Soße deutlich unalkoholischer als in Pralinen. Ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck 🙂

  5. christiangold 4. Juli 2015 / 17:01

    ..wenn meine oma mich als kind gefragt hat welchen kuchen sie am WE backen soll, sagte ich meistens „rotweinkuchen“, ich kann mich nicht erinnern dass ich jemals betrunken in der ecke lag… 🙂 @ute, heute mag ich rotwein nicht mehr so gern, aber ab u. an kaufe ich ne kleine flasche u. friere die dann in eiswürfelbehältern ein um sie dann zu saucen dazuzugeben, is manchmal gar nicht so schlecht.

    • OneBBO 4. Juli 2015 / 17:08

      🙂 Da sieht man mal wieder, auch aus dir ist kein Alkoholiker geworden.

      Bei uns bekam zu Weihnachten jeder eine kleine Tüte Cashewnüsse auf den Weihnachtsteller – ich habe die damals schon geliebt. Meine Tüte war immer fix leer. Einmal, da muss ich so 13 oder 14 gewesen sein, bot mir mein Vater seine Tüte an, wenn ich dafür ein Glas Cognac (so ein flaches Cognacglas) leerrinke. (Ich weiß heute noch nicht, was ihn dazu bewogen hat hihi). Habe ich gemacht. Mir ist nicht schlecht geworden, gar nix… aber meine Geschmackseinstellung zum Alkohol blieb dieselbe – ich mag ihn nicht außer in kleinen Mengen im Essen.

      Das mit dem Einfrieren ist eine feine Idee!!

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