Jeder ist Ernährungsexperte

30. Juli 2015: Ernährungswarnungen  in den Medien

Was ist von kritischer Medienberichterstattung in Sachen Ernährung zu halten?

Leider nicht sehr viel. Abgesehen von ein paar wenigen wirklich kritischen Journalisten (wie z.B. Grimm) wird ja kaum recherchiert. Sensationen verkaufen, darum geht es. Und da verkauft sich natürlich besser, dass Phytin im Getreide gefährlich ist, als dass jeder sich eine Getreidemühle kaufen und selbst sein Getreide mahlen soll (das ist lästig für den Zuschauer und Leser).

Immer wieder werden uns natürliche Lebensmittel madig gemacht. Entweder das Getreide mit seinem Phytin, Lieblingskind der Beschimpfungen auch neuerdings der Honig – eines der natürlichsten Lebensmittel überhaupt, das wir noch unverändert in die Hand bekommen. Natürlich kennen wir alle den Aufdruck auf jedem Honigglas, dass Rohkost für Kinder unter 12 Monaten gefährlich ist und deshalb an Säuglinge kein Honig verfüttert werden darf. Herrlicher Blödsinn. Da hat mal wieder vor Jahren jemand einen falschen Zusammenhang in einem Einzelfall hergestellt, und jetzt steht das so da. Auf jedem Glas. Und deshalb muss das stimmen, denn es ist gedruckt!

Diese Beispiele gibt es mehr und mehr. Sprossen sind EHEC-verseucht – das wird dann auch sofort auf die heimischen Sprossenzuchten übertragen, egal was „damals“ wirklich passiert ist.

Eigentlich ist am gesündesten, was industriell bearbeitet wurde, denn in allen anderen Lebensmitteln lauern schreckliche Gefahren: BAKTERIEN allen voran. Nun ja, ich bin offenbar eine Gefährdung für die Menschheit, wie übrigens viele Menschen – denn ich kann ohne Bakterien gar nicht leben. Dann diese schrecklichen Hemmstoffe in Getreide und Nüssen. Nüsse darf man ja auch nur eingeweicht essen, sonst bringen die uns um. Dass die Hemmstoffe in  Nüssen allenfalls für Tiere in Eichhörnchengröße leichte Wirkung zeigen, müssen wir nicht erwähnen.

Aber, aber, nicht kirre machen lassen. Es gibt ja auch eine Positivliste. So fördert Schokolade das Denken, Kaffee ist gesund, wenn wir es nicht übertreiben, auch ein Stück gutes Fleisch schadet nicht (Zitat von einem Arzt), und wer möchte schon ganz ohne Zucker leben?

Genau, wer möchte das denn außer mir?

 

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4 Gedanken zu “Jeder ist Ernährungsexperte

  1. Adlerauge 30. Juli 2015 / 18:20

    – ich
    – entwickle aber leider auch mit Imker-Honig Suchtverhalten

  2. OneBBO 31. Juli 2015 / 06:22

    Ist die Frage, ob das wirklich eine körperliche Sucht ist oder eher etwas Mentales. Unangenehm auf jeden Fall.

  3. pauli 14. August 2015 / 20:57

    ohne Zucker leben ?, geht das überhaupt noch ?, in jedem Lebensmittel sind Zucker
    oder Zuckeraustauschstoffe verarbeitet. Man müsste alles selbst herstellen und für
    eine vierköpfige Familie wäre das bestimmt für eine Person, ein Vollzeit-Job ?
    Ich lasse mich aber gerne belehren.

    • OneBBO 14. August 2015 / 21:04

      Es geht. Ich mache es seit 10 Jahren und kenne auch etliche andere, die dies tun. Zucker – wir sprechen hier von industriell hergestelltem Zucker, nicht vom natürlichen Zuckergehalt in Lebensmitteln, die Sprache unterscheidet hier leider nicht – ist nicht in jedem Lebensmittel, sondern nur in (Fertig-)Nahrungsmitteln enthalten. Wenn du Obst und Gemüse kaufst, DAS sind Lebensmittel und da ist kein Gramm Zucker zugesetzt. Dies nur als Beispiel.

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