Gastbeitrag Jakobskreuzkraut

13. Aug. 2015: Heimische Giftpflanzen – ein Gastbeitrag

Gift am Wegesrand

Vielen ist die Pflanze vielleicht schon aufgefallen, meistens an Straßenrändern, Verkehrsinseln und auf (weniger oder ganz) unbewirtschafteten Stellen:  langstängelig und gelb blühend: das Jakobskreuzkraut (JKK).

Es ist eine hochgradig giftige Pflanze,  wurde aber vor einigen Jahren noch in Saatmischungen öffentlicher Stellen (Stadt, Land, Gemeinden) eingesetzt, und das, obwohl zu dieser Zeit bereits von Landwirtschaftskammern davor gewarnt wurde.

Was diese Pflanze so gefährlich macht, sind die darin enthaltenen sog. Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in der Leber zu toxischen Produkten verstoffwechselt werden.

Die Inhaltsstoffe der Kreuzkräuter wirken

  • stark leberschädigend
  • krebserregend
  • embryonen- und
  • erbgutschädigend

und wurden zwischenzeitlich schon in Honig, Tee, Salat, Milch und Fleisch nachgewiesen.

In die Nahrungskette gelangen die Gifte natürlich in erster Linie durch das Fressen/die Verfütterung von kontaminierten Futtermitteln bzw. Aufnahme auf der Weide. Es heisst immer, EIGENTLICH fressen die Tiere das nicht, da sie JKK instinktiv als Giftpflanze erkennen.

Das gilt aber nicht für überweidete Flächen, wenn die Tiere die Pflanzen aus Hunger fressen oder die Pflanze über den „Umweg“ Heu oder Getreide im Trog landet. Im Heu, also wenn das Kraut sich im getrockneten/welken oder silierten Zustand befindet, können die Tiere die Pflanze nicht mehr erkennen und sterben im schlimmsten Fall einen qualvollen Tod durch die Vergiftung.

Eine weitere Gefahr birgt das Einatmen der Pollen, hier ist das Gift sogar noch schädlicher als über die Nahrung. Die stark zunehmende Verbreitung von Kreuzkräutern in den letzten Jahren erfolgte grundsätzlich durch Unkenntnis über ihre toxische Wirkungsweise, fehlende, anfangs teils fehlerhafte Informationen oder nicht ernst genommene Warnungen, die zudem größtenteils nur online gestellt und somit nicht flächendeckend verteilt wurden.

Die beste Waffe gegen die Verbreitung ist, die Aussamung zu unterbinden, d.h. die Pflanze vor der Blüte – im Idealfall mit Wurzel – zu entfernen und dann entweder (kontrolliert) zu verbrennen oder über den Biomüll (wird mit Hitze kompostiert) zu entsorgen. Der eigene Komposthaufen ist KEINE Alternative!

Vor Kurzem gab es in Schleswig-Holstein eine Säuberungsaktion von engagierten Bürgern, die unverständlicher Weise vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) kritisiert wurde. Man sollte meinen, dass gerade Vereinigungen wie diese ebenfalls ein Interesse an der Eindämmung  einer  unnatürlichen Verbreitung und somit einem Ungleichgewicht in der Natur zusätzlich zur potentiellen Gefährdung haben sollten, dies scheint aber nicht der Fall zu sein.

Das Thema des Jakobskreuzkrautes ist schon fast zehn Jahre „ein Thema“, in Österreich hagelt es Bußgelder, wenn es nicht entfernt  wird. Was passiert hier in Deutschland? Nicht viel. Die Landwirte fühlen sich nicht zuständig, denn es sind ja in der Regel nur die Ränder der Felder betroffen und somit ist das nicht „ihr Bier“. Dass es das aber ganz bald sein wird, scheint keinem klar.

Die Stadtverwaltungen (und ich habe mit „meiner“ telefoniert) hatte offenbar noch nie davon gehört, obwohl im örtlichen Zeitungsblättchen ein großer Artikel stand und sie als Kontakt genannt wurde.

Es gibt inzwischen Institutionen, die sich darum kümmern, aber es ist sehr wenig und sehr schleppend. Viele (erlebe ich in Facebook-Gruppen über Kräuter etc.) sind der Meinung, die Pflanze könnte ja so schlimm nicht sein und „man könnte sich ja informieren“ .  Wir sprechen uns, wenn das Brot 8.- kostet, weil weite Teile des Nutzlandes verseucht sind.

Nein, informieren reicht einfach nicht! Handeln! Nicht auf die Autoritäten warten! Sonst haben wir morgen den Mist in noch mehr Lebensmitteln!

Eine gute Adresse http://www.ak-kreuzkraut.de/

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Zusatz: In Wikipedia gibt es dazu auch einen Artikel: hier

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3 Gedanken zu “Gastbeitrag Jakobskreuzkraut

  1. culinariaa 13. August 2015 / 23:45

    Was kann der einzelne tun? Wir haben bei dem genannten AK Flyer bestellt, um sie in unserem Umfeld zu verteilen. Zu unserem Leidwesen wohnen direkt neben unserer Pferdeweide Freunde, die die Pflanze hübsch und harmlos finden und in ihrem Garten, direkt am Zaun, der an die Weide angrenzt, stehen lassen. Und selbst die Verpächterin der Weide lässt das ausgerissene Kraut offen auf dem Komposthaufen neben der Weide liegen. Da ist also weiterhin viel Aufklärung vonnöten. Ich bin gespannt, wann die erste direkte Reaktion auf den Flyer erfolgen wird … http://www.ak-kreuzkraut.de/info-material-shop/flyer-%C3%BCber-jkk/#cc-m-product-9499790599

  2. Frau Schmidt 14. August 2015 / 06:50

    Der Einzelne kann zumindest informieren und am Wegesrand auch mal das Kraut entfernen. Das fände ich schon eine tolle Leistung!

    • culinariaa 14. August 2015 / 21:07

      Entfernen vom Wegesrand – und auf den Wiesen und Weiden ringsum. Aber die Entsorgung ist gar nicht so einfach. Unsere Mülldeponie geht ganz unterschiedlich damit um. Mal nimmt sie das Kraut nur als extra bezahlten Sondermüll an, mal winkt sie es mit dem ganz normalen Sperrmüll durch. Viele stecken es auch einfach in ihre normale Hausmülltonne,was gar nicht geht, genauso wenig wie „Entsorgung“ auf dem heimischen Kompost oder Misthaufen. Ich finde es gar nicht so einfach, die nötigen Informationen an den Mann und die Frau zu bringen. Nicht umsonst hat der Flyer 8 Seiten.

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