Supermärkte und Lebensmittel

27. Aug. 2015: Da irrte ich

Im Grunde war ich auch der Meinung, dass die Supermarktleiter alle unverantwortlich handeln, weil sie einfach Lebensmittel wegwerfen. Bis vor wenigen Wochen hatte mein Lieblingssupermarkt eine Billigecke, wo regelmäßig Obst und Gemüse zu allenfalls der Hälfe des Normalpreises verkauft wurde, weil es den „gehobenen“ Ansprüchen nicht mehr genügte. Ich fande das total bekloppt, dass sie das eingestellt haben. Nun erreichte mich dazu eine Mail einer Leserin, die dieses Thema vertieft hat. Da ist man fast sprachlos, oder? Es sind den Supermärkten gesetztlich die Hände gebunden! Aber lest selbst:

Wenn ich die Gelegenheit habe, wende ich mich gerne mit Fragen, Kritik etc. an Händler, um mehr Informationen zu bekommen.Dieses Mal war der Verbraucher von tegut (einem Supermarkt) um seine Meinung zum Thema umweltfreundliches, nachhaltiges Verhalten des Marktes gefragt. Dazu gab es einen Artikel über die verschiedenen Maßnahmen, die bereits durchgeführt werden. Hörte sich alles ziemlich gut an. Mir gefällt dort schon lange nicht, dass an Samstagen durchaus noch sehr gut zu verwertendes Obst und Gemüse (auch in Bio-Qualität) aussortiert wird und anschließend zur Verbrennung wandert.Eine kurze Zeit lang durfte ich mir das gewünschte Obst und Gemüse kostenlos mitnehmen. Offenbar haben dann andere Kunden auch nachgefragt, daraufhin wurde es untersagt. Mir tut jedesmal das Herz weh, wenn ich an dieser Kiste vorbeigehe. An Wochentagen werden diese Produkte an die Tafel geliefert.
Auf meine Kritik bekam ich von der Geschäftsleitung folgende Antwort.

Sehr geehrte Frau XXX,
Danke für Ihre Nachricht an Herrn Gutberlet und Ihr Interesse am seinem Editorial in der marktplatz-Ausgabe vom August. Wir freuen uns, dass Sie sich für eine nachhaltige Verwertung von Lebensmitteln einsetzen und sich in diesem Zuge für die Abnahme von aussortiertem Bio Obst und Gemüse, das samstags nicht von der Tafel abgeholt werden kann, interessieren.
Bei einer Abgabe von Lebensmitteln müssen wir als Händler nach den kaufrechtlichen Vorschriften des BGB gewährleisten, dass die Sache die vereinbarte und erwartete Beschaffenheit aufweist. Konkret bedeutet dies, dass Sie als Käufer klar und deutlich darauf hingewiesen werden, dass die angebotene Ware nicht mehr marktüblich ist. Weiter muss tegut… sich davon überzeugen, dass das Lebensmittel sicher und auch sonst noch vollständig verkehrsfähig ist. Darüber hinaus müssen wir als Händler lebensmittelrechtliche Vorschriften wahren.
Konkret bedeutet dies, dass u. a. gewisse Kennzeichnungen ( Behandlungshinweise z. B. gewachst, konserviert) angegeben werden müssen, die z. T. ausschließlich auf dem Etikett am Regal genannt sind und je nach Charge differieren können.
Das Gleiche gilt für die Pflichtangabe der Herkunft bei Obst und Gemüse. Zur Risikoeingrenzung ist außerdem die Losnummernangabe ein wichtiges Merkmal.
Bei der Abgabe insbesondere von unverpacktem Obst und Gemüse können wir diese Vorgaben nicht erfüllen und würden als Händler die volle Produkthaftung übernehmen.
tegut… arbeitet deshalb schon viele Jahre mit gemeinnützigen Initiativen, wie der Tafel zusammen. Die Zusammenarbeit zwischen tegut… und den Institutionen ist vertraglich geregelt. Für Ware, die von der Tafel nicht abgeholt werden kann, gibt es klare Entsorgungs- und Verwertungswege. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis.
Das Thema „Vermeidung von Lebensmittelverschwendung“ liegt uns seit vielen Jahren am Herzen und ist ein fester Bestandteil unserer Haltung und unseres Handelns. Eine Zusammenstellung unsere Maßnahmen sowie unsere Broschüre „Weniger Wegwerfen“ finden Sie auf unserer Internetseite.

 

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28 Gedanken zu “Supermärkte und Lebensmittel

  1. Frau Schmidt 27. August 2015 / 17:54

    Solange in Deutschland Kennzeichnungspflichten das Vernichten von Lebensmitteln rechtfertigen, haben wir keine ernsthaften Probleme. ..

    • OneBBO 27. August 2015 / 17:56

      So ist es! Obwohl ich gerade heute Widersprüchliches erlebt habe. Da gibt es nämlich wieder so eine Ecke mit billigem Obst und Gemüse. Wieso? habe ich gefragt. „Neuer Chef“. Netter Chef 🙂

      • Frau Schmidt 27. August 2015 / 18:16

        Aha…offenbar also doch Ermessensspielraum…

        • OneBBO 27. August 2015 / 18:20

          Oder auch verschieden je nach Bundesland?

          • suelwie 28. August 2015 / 10:12

            Oder verschieden je nach Chef und dessen Rückgrat bzw. dem Mut, sich mit dem Gesetz anzulegen, falls es hart auf hart käme …

            Dein Artikel, Ute, hat mich dazu angeregt, mal nach Lebensmittelvernichtung zu googeln. Ich hab einen interessanten Artikel gefunden. Woran ich dabei nicht gedacht hatte, ist die Tatsache, dass eine riesige Menge Obst und Gemüse ja schon vernichtet wird, bevor es überhaupt zum Verbraucher kommt, weil es irgendwelche irrsinnigen Normen, die der Handel durchgesetzt hat (und zum Teil sicher auch der Verbraucher durch sein Kaufverhalten), nicht erfüllt. Auch andere Dinge kamen in diesem Artikel zur Sprache, zum Beispiel, dass die Lebensmittel, die auf dem Müll landen, beim Verrotten eine unvorstellbare Menge an Methan (Klimagas) produzieren … Oder dass mit der Menge, die weggeworfen wird, das Hungerproblem auf der Welt (theoretisch) viermal gelöst werden könnte …

            Nach dem Lesen dieses Artikels bin ich erst so richtig nachdenklich …

          • OneBBO 28. August 2015 / 10:20

            Ich hoffe, der Artikel war aus einer zuverlässigen Quelle 🙂 Das Hungerproblem lässt sich z.B. nicht lösen, indem wir unsere überschüssigen Waren verschenken. Ich habe gelesen – ist schon Jahre her, daher kann ich keine Quelle mehr geben -, dass z.B. in Afrika die einheimische Sorghum-Produktion durch geschenkten US-Weizen komplett vernichtet wurde. Wer kauft noch einheimische Produkte, wenn er etwas anderes geschenkt bekommt? Geschenke dieser Art sind für kurzfristige Maßnahmen sicher gut, langfristig sind sie keine Lösung.

          • suelwie 28. August 2015 / 10:49

            Ja, das weiß ich, dass das Hungerproblem nicht dadurch gelöst werden kann. Man kann ja auch schon rein logistisch nicht das, was bei uns nicht gegessen wird, täglich nach Afrika oder sonstwo hin transportieren. Deshalb auch das „theoretisch“. Es ist einfach die Menge, die weltweit weggeworfen wird. Die finde ich einfach skandalös und unvorstellbar. Sie ist viermal so groß wie die Menge, die benötigt würde, um die hungernden Menschen zu ernähren.
            Wir in unserer Wohlstandsgesellschaft produzieren einfach zu viel und es gibt zu viele Regelungen, wie Obst und Gemüse auszusehen haben, damit es verkauft wird/werden darf/gekauft wird. Wir sind zu verwöhnt.
            In dem Artikel hab ich von einem Film von 2011 gelesen (vieles in dem Artikel bezieht sich auf den Film bzw. sind Aussagen aus dem Film). Der heißt „Taste the Waste“.

            Und was die Sache mit dem geschenkten Weizen angeht, so steckte da – behaupte ich mal – sicher durchaus System dahinter. Denn wenn die Afrikaner kein eigenes Getreide produzieren, müssen sie das amerikanische kaufen … Erst schenken, dann abhängig machen … Das hab ich auch mal irgendwo gelesen, weiß aber auch nicht mehr, wo. (Bzw. es könnte sein, dass ich es in dem Film „Food Inc. – Was essen wir wirklich“ gesehen hab, im Zusammenhang mit Monsanto.) Aber das führt jetzt vom Thema weg.

          • OneBBO 28. August 2015 / 10:54

            Mit den weggeworfenen Lebensmitteln sind wir uns sicher einig.

            Das fängt aber alles auch beim Einzelnen an. Nicht bei dir und mir – aber wer schmeißt denn da ganze Brötchen weg? Letztlich fand ich hier im kleinen Park unter einer Bank ein Achtel Pizza.

            Warum soll sich „oben“ etwas ändern, wenn es „unten“ so aussieht? Ich mache es mir nicht so einfach, dass ich sage „Die lernen das von ‚oben‘ ja nicht anders“. Meiner Ansicht nach ist das, was gesetzlich verabschiedet wird, auch ein Spiegel dessen, wie die Menschen sich persönlich verhalten.

            Ich wette mit dir – viele derer, die sich über einen Film aufregen, in dem tonnenweise Lebensmittel vernichtet werden, haben am selben Tag kein Problem damit etwas wegzuwerfen, weil es nicht mehr taufrisch ist.

          • suelwie 28. August 2015 / 10:59

            Ja, da sind wir uns ja auch weiterhin einig. 🙂 Die Läden beziehen natürlich nur das, was die Verbraucher auch kaufen. Und wenn sie keine krummen Äpfel, Gurken oder sonstwas kaufen, dann stellt sich das der Ladenbetreiber auch nicht in den Laden. Und was der nicht bezieht, wird nach Möglichkeit gar nicht erst produziert, und was produziert wird und nicht der Norm entspricht, wird weggeworfen.
            Wie ich sagte: „Wir“ sind zu verwöhnt. Und Lebensmittel sind (teilweise) zu billig.
            Wenn man satt ist, wirft man den Rest eben weg. Wenn es nicht so richtig schmeckt, wirft man es weg. Wenn es nicht mehr ganz schön aussieht, wirft man es weg. Man braucht ja bloß in den Laden gehen und was neues zu kaufen. Tut ja nicht weiter weh, kostet nur ein bisschen Geld …

          • OneBBO 28. August 2015 / 11:00

            So ist es.

  2. bonnie2000 27. August 2015 / 18:20

    In einem Bioladen durfte ich kürzlich auf Nachfragen aussortiertes Gemüse sogar kostenlos mitnehmen. Es war noch sehr gut brauchbar! Es wird in der Tat sehr unterschiedlich gehandhabt.

    • OneBBO 27. August 2015 / 20:48

      Schade, dass wohl die Firma Tegut nicht mitliest und uns die Diskrepanzen erklären kann 😉

    • suelwie 28. August 2015 / 09:44

      Ich könnte mir das so vorstellen, dass es z. B. in einem Bioladen nicht diese riesigen Mengen an unterschiedlichem Obst und Gemüse gibt, die aus allen erdenklichen Himmelsrichtungen kommen und sowieso schon nicht alle möglichen Behandlungen hinter sich haben. Da kann man dann sicher auch beim aussortierten Gemüse noch sagen, wo es herkommt und dass es mit nichts behandelt wurde ja sowieso.
      Wenn ich in großen Supermärkten stehe, fühle ich mich immer schier erschlagen von den zwanzig Sorten Tomaten, Regalen voller Salaten, zig Sorten Äpfeln und und und. Wenn da etwas aussortiert wird, weiß man nicht mehr, aus welcher Kiste es kam und womit es behandelt worden ist. Da sichern die sich eben ab, indem sie sich streng an die Gesetze halten …

      • OneBBO 28. August 2015 / 10:00

        Nun, die Vielfalt einschränken finde ich jetzt persönlich nicht unbedingt die Lösung 😉

        • suelwie 28. August 2015 / 10:18

          Genau, da hast Du absolut Recht. Ich könnte mir auch gar nicht vorstellen, was ich machen sollte, wenn ich zum Obst und Gemüse kaufen keine Stunde brauche, weil ich nicht weiß, was aus dem Überangebot ich überhaupt nehmen soll und erst mal all die Angebote genau studieren und mich überall durchlesen muss, wo es herkommt und wie (ob) es behandelt ist. Und wenn ich mich entschieden hab, umrunde ich das nächste Regal und siehe: Da sind noch mehr Tomaten und Gurken und Zuchini … grr… Da darf ich dann nochmal von vorne anfangen …
          Also ehrlich: Ein Hoch auf die Vernichtung des Tante-Emma-Ladens! 😉

          • OneBBO 28. August 2015 / 10:22

            Der Tante Emma-Laden ist schon lange tot, das akzeptiere ich jetzt einmal. Wenn ich aber die Auswahl aus drei Tomatensorten habe, finde ich das nicht unbedingt schlecht. Sonst komme ich mir nämlich auch sehr fremdbestimmt vor, wenn jemand „vor mir“ bestimmt, welche Tomaten ich jetzt essen darf!

        • suelwie 28. August 2015 / 10:54

          Na ja, mir geht es nicht um drei Tomatensorten. Das finde ich in meinem kleinen Supermarkt hier auch nett. Aber wenn ich, wie gestern, in einem großen Rewe einkaufe, oder vor ein paar Wochen im riesigen Kaufland, wo die Obst- und Gemüseabteilung sicher ohne Übertreibung doppelt so groß oder noch größer ist wie der ganze kleine Supermarkt hier im Ort, und wo es demzufolge auch jeweils eigene Abteilungen mit zig Sorten von jedem Gemüse gibt, dann frag ich mich, wozu das gut sein soll. Da wird sicher täglich mengenmäßig mehr Obst und Gemüse weggeworfen als in meinem kleinen Supermarkt überhaupt angeboten wird …

          • OneBBO 28. August 2015 / 10:55

            Und bei wie vielen Gemüsesorten ziehst du die Grenze? 🙂

          • suelwie 28. August 2015 / 11:05

            In Zahlen kann ich es nicht ausdrücken. 🙂 Aber wenn Du mal in der Gegend bist, kannst Du in unserem Supermarkt vorbeischauen. Das dort reicht mir als Angebot. Es gibt reichlich Obst und Gemüse, von manchem zwei, drei, vier Sorten. Vieles regional. Die Auswahl reicht einfach.
            Aber ehrlich, diese riesengroße Obst- und Gemüseabteilung im Kaufland hat mich wirklich umgehauen und die fand ich einfach komplett übertrieben. Aber im Grunde finde ich solche Nahrungsmitteltempel sowieso übertrieben …

  3. helga 27. August 2015 / 18:36

    Ich arbeite in einen Supermarkt, keine Fiale privat.
    Das Personal von der Putzfrau bis zum Stellvertreter
    vom Chef dürfen alle Lebensmittel, die nicht mehr verkauft
    werden dürfen mit nach Hause nehmen. Oder gleich
    aufessen.

    • OneBBO 27. August 2015 / 20:49

      Das finde ich ne prima Regelung, das ist das erste Mal, dass ich das höre. Heutzutage höre, denn früher war das wohl durchaus üblich.

  4. Sylvia Schüttler 28. August 2015 / 06:50

    Ich denke mal, es ist unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern. Hier in Baden Würtemberg darf wohl nichts verschenkt werden 😦 Hier wird für aussortiertes Obst und Gemüse immer noch die Hälfte des Preises verlangt. Sowohl im normalen Supermarkt, als auch im Bioladen.

    • OneBBO 28. August 2015 / 06:51

      Die Hälfte finde ich noch okay, wenn die Qualität nicht zu schlecht ist.

  5. suelwie 28. August 2015 / 09:37

    Wenn ich den Brief so lese, gibt es doch grob gesagt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Wenn alles Obst und Gemüse biologisch produziert und regional vertrieben würde, dann gäbe es keinen Grund mehr für all die komplizierten Kennzeichnungspflichten und die daraus resultierenden gesetzlich verordneten Vernichtungen von guten Lebensmitteln. Oder?
    (Ja, ich weiß, Südfrüchte z. B. kann man schlecht in Deutschland produzieren … Aber ich hab ja auch „grob gesagt“ geschrieben. 🙂 )
    Ich denke, je kleiner der Laden desto höher vielleicht die Chance, dass z. B. auch einfach der eine oder andere Mitarbeiter sich traut, das nicht mehr so schön anzusehende Obst und Gemüse an die Kunden zu verschenken … Hab ich zumindest schon erlebt. Allerdings nur in kleinen Supermärkten.

    • OneBBO 28. August 2015 / 09:45

      Mit den kleineren Läden hast du Recht, da ist mehr Handlungsspielraum.

  6. Claudia 22. September 2015 / 08:47

    Hallo,
    vielleicht solltest Du betonen, dass Du das Gemüse selbstverständlich nicht zum verzehr abholen möchtest, sondern um damit Deine Meerschweinchen zu füttern, die danach auch sicher nicht in die Nahrungskette gelangen 😉
    LG

    • OneBBO 22. September 2015 / 08:54

      Sehr wichtiger Hinweis 🙂

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