Die Stammtischkeule

Achtung, selbst die mit der extrem rosa Brille haben es begriffen: Sie können schlecht geschätzte 95 % der Bevölkerung (und selbst wenn es nur 57 % wären) in die rechte Ecke stellen. Dann würde ja eine Ecke quasi zur Mitte. Und die als Nazis Beschimpften wehren sich auch mittlerweile.

Aber Achtung: Jetzt gibt es etwas Neues. Wenn jemand die Wahrheit benennt – und gar noch subjektiv beurteilt (wer täte das nicht?) – , verbreitet er Stammtischparolen.

So gestern in einer Diskussion über de Maizières neueste Aussprüche (der Link steht in meinem Beitrag von gestern). Der verbreitet nur Stammtischparolen und dummes Zeug! Rückfrage: Was ist dumm an Fakten? (z.B. über die Schlägereien in Flüchtlingseinrichtungen). Weil er diese subjektiv interpretiert (im Gegensatz zu denen mit dem rosa Optimistenbrillchen, die sind natürlich völlig objektiv) und nur Wählerstimmen fangen will. Okay, letzteres sehe ich auch so. Nur: Ist es nicht besser, ein theoretischer Nazi wählt de Maizière statt wirklich rechter Gruppierungen? 😉

Was ich noch gar nicht wusste – es gibt Flüchtlinge, die mit dem Taxi durch ganz Deutschland reisen. de Maizière findet das nicht okay. Ich auch nicht 🙂 Ich habe dann auch gleich lesen dürfen, warum das völlig okay ist: „Das sind ja keine verarmten Syrer, die hierher kommen, nicht als ob die aus Sierra Leone kommen“. (Was natürlich überhaupt nicht rassistisch ist, nein, überhaupt nicht).

Gut, mir ist klar, dass auch Syrer aus der Mittel- und Oberschicht keine Lust auf Krieg, Chaos und Tod haben. Nur sei die Frage erlaubt, warum sie hier nicht den Zug nehmen, sondern ein Taxi? Wenn ich nach einer Flucht unbedingt meine Verwandten wiedersehen möchte, kann ich drei oder vier Stündchen mehr wohl auch noch verkraften.

Aber gut, auch das stelle ich einmal beiseite. Nur frage ich mich wirklich, warum dann Hartz IV-Empfänger, wenn sie sich Geld dazu verdienen, alles bis auf einen geringen Satz angerechnet bekommen, d.h. de facto auch schon einmal für Stundenlöhne (auf der Hand) von 3 Euro arbeiten gehen? Ich kenne persönlich eine Frau mit einer schweren Atemwegserkrankung, Frührentnerin und sie bezieht zahlreiche Sozialleistungen. Nun hat sie einen 400-Euro-Job bekommen als Putzhilfe. Kein Zuckerschlecken, wenn man manchmal kaum atmen kann. Nach wenigen Wochen berichtete sie mir traurig, dass nun bis auf die Sozialmiete alle Sozialleistungen weggefallen sind. Ich fragte sie entsetzt: Ja, warum arbeiten sie dann noch, lohnt das noch? „Ja, ich habe insgesamt schon etwas mehr als früher und kann dann wenigstens ab und an einmal was für meine Enkelkinder kaufen. Und der Job ist gut.“

Jetzt darf wohl die Frage erlaubt sein, warum reiche oder gut finanziell ausgestattete Flüchtlinge sich nicht auch am Sozialsystem beteiligen müssen? Ups, und schon rieseln wieder die Stammtischparolen über meinen Blog 😉

 

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7 Gedanken zu “Die Stammtischkeule

  1. Frau Schmidt 3. Oktober 2015 / 08:36

    Und genau das bringt die Bevölkerung ja zu Recht auf! Und hier geht es auch wieder gar nicht um die wirklich Hilfsbedürftigen, die werden aber unter dem „Blödsinn der anderen leiden müssen, was mich total wütend macht.
    Und wieder nur „man müsste, man sollte“..und nichts, wie man dem Problem begegnen will.

    • OneBBO 3. Oktober 2015 / 08:38

      Völlig richtig, finde ich, was du sagst. Ich mache auch den Flüchtlingen, die mit dem Taxi reisen, keinen Vorwurf – für sie hat Geld momentan noch nicht den Wert, den es real hat. Aber wie hier damit umgegangen wird, das ist unmöglich und fördert solches Verhalten.

  2. Paul 3. Oktober 2015 / 09:48

    Gestern Abend nach der Übungsstunde vom Männerchor, wir sitzen dann immer noch eine Weile zusammen, trinken ein Bier oder Apfelwein und diskutieren eine Runde. Diesmal ging es um die unübersehbare Anzahl der ankommenden und teilweise erstklassig ausgestatteten Flüchtlinge, also wahrlich keine armen Heimatvertriebenen!
    Nun, wir haben in unserem Chor einen pensionierten Beamten, einen echten SPD – Parteisoldat der die Partei durch eine rosarote Brille sieht und alles für gut und richtig befindet, egal was die Parteispitze beschließt. Wir haben noch keine drei Minuten über die teilweise Altersarmut unserer Rentner, unserer, nicht in allen Landesteilen, maroden Infrastruktur, wie Deutschland das alles bewältigen will, welche finanziellen Belastungen auf uns zukommen, die Brüsseler Geldentwerter usw. gesprochen. Da sprang der über allem stehende Beamte auf und wurde ziemlich laut, „Alles Stammtischparolen alles Stammtischgeschwätz, nur er wäre schon immer loyal“ usw.

    Ihm geht es mit seiner Pension ja gut, aber er sieht halt alles mit einem Tunnelblick, nicht was rechts und links von ihm z.B. die wie im Beitrag angesprochene Rentnerin erlebt und durch die „Obrigkeit“ gedemütigt wir nach einem arbeitsreichen, vielleicht nach dem Krieg, auch
    entbehrungsreichen Leben beim Wiederaufbau!

    • OneBBO 3. Oktober 2015 / 16:45

      Das ist es ja, was mich ungeheuer nervt: Man muss ständig so tun, als kämen keine Probleme auf uns zu. Das ist doch etwas anderes als Ausländerhass. Genauso gut darf ich doch bitte fragen, wo plötzlich das Geld herkommt, wenn vorher für nichts Geld da war. All das richtet sich NICHT gegen die Menschen an sich, die hierherkommen – sondern vor allem um den Umgang mit der Problematik.

  3. christiangold 3. Oktober 2015 / 17:32

    …man darf ja noch nicht einmal die frage stellen.. „wieviele menschen kann deutschland überhaupt aufnehmen“, dann is man schon rechts… ich bin seit gut 4 jahren für obdachlose ehrenamtlich tätig, fasst 95% finden in berlin(!) keine wohnung u. das liegt nicht daran das diese menschen zu hohe erwartungen hätten, ich frage mich wie sollen flüchtlinge dauerhaft wohnraum anmieten? ich habe es so satt wenn ich jeden satz mit „ich habe ja nichts gegen ausländer…“ beginnen MUSS. diese mär vom gut ausgebildeten flüchtling der herkommt, binnen einiger wochen deutsch lernt um dann eine arztpraxis zu eröffnen ist doch lächerlich! kritische nachfragen werden als stammtischparolen hingestellt, ich habe die befürchtung dass sich alles innerhalb weniger wochen ins negative umwandeln wird und im übrigen, die spenden für die obdachlosen sind um 80% zurückgegangen, der winter steht vor der tür… und nein, es geht mir um ALLE obdachlosen, ich bin ja nicht RECHTS…

    • OneBBO 3. Oktober 2015 / 17:39

      Häufig wird ja auch betont, dass die Anerkennung von Ausbildungen in Herkunftsländern schneller gehen sollte. Na, dann frohe Weihnachten! Ich kenne einen jungen Spanier, 2. Generation in Deutschland, der hat in D seinen Elektromeister gemacht. Er plante vor ein paar Jahren, nach Spanien zu gehen und hat sich dort in den Betrieben umgesehen. Er kam entsetzt zurück, was es dort für Sicherheitsvorschriften gibt oder nicht. Wird dort alles etwas lockerer genommen… und das ist Spanien.
      Ich habe gerade auf FB so einen Spruch gesehen, der kommt von der Rosa-Brillen-Seite – da wird mal wieder ausgerechnet, wie wenig die Flüchtlinge kosten würden, wenn alle Steuerflüchtlinge ihr Geld hierlassen würden. Das ist natürlich üüüüüberhaupt kein Stammtischniveau, das ist sehr überlegt und durchdacht.
      So traurig der Rückgang der Spenden um 80 % ist: Es ist auch ein Beweis dafür, dass hier eben nichts endlos ist. Menschen spenden gerne, davon bin ich überzeugt. Aber sie können auch nur spenden, was sie haben.

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