Wann ernähre ich mich richtig?

24. Okt. 2015: Was ist ein Kriterium für eine gute Ernährung?

„Offiziell“ ist das Mager-Kriterium für Frauen abgeschafft. Angeblich müssen wir nun alle nicht mehr einem Hunger-Ideal hinterherhecheln, wir dürfen sein, wie wir sind.

Schön wär’s. Besonders deutlich zeigt sich das nämlich bei Kriterien für Ernährungsformen. Eine Ernährung ist dann erfolgreich, wenn ich damit abnehme. Das ist doch gruselig! Denn dann kann ich auch Steak mit Salat essen, damit nehme ich auch ab. Low Carb, High Carb, Veganismus, Rohkost – sie alle schreiben sich dick auf die Fahnen „Wenn du diese Ernährung richtig befolgst, erreichst du dein Idealgewicht“ (was immer das sein mag). Und prangen mit Fotos „vorher – nachher“. FoK macht das auch gerne.

Manche verwechseln dabei gerne die Änderung ihrer Lebensumstände mit einer gleichzeitig ergriffenen neuen Ernährungsform und wissen dann: Die Ernährung war’s! Ob andere Faktoren dazu beigetragen haben, ist völlig egal, denn alle anderen Ernährungsweisen (ich sage extra nicht „Diäten“) haben ja nicht zum Erfolg geführt. Und wenn sie dann auf dieser Welt noch 10 finden, die auf dieselbe Weise abgenommen haben – dann wissen sie: Jawohl! Ich gehöre zu den Guten!

Völlig außer acht gelassen wird, dass erstens ihre Zahl statistisch gesehen gering ist und sowieso alles unkontrollierte Ergebnisse sind, d.h. niemand hat objektiv diese Entwicklung beobachtet. Auf Langzeitergebnisse können sie nicht zurückschauen, denn meist sind sie noch recht jung. Ein Langzeitergebnis ist aber nicht ein Ergebnis über 1 Jahr, 2 Jahre, nicht einmal über 10 Jahre. Ein Langzeitergebnis bekommen wir nur, wenn mindestens 1000 Menschen mit vielen Parametern über 30 Jahre beobachtet werden. Von Bruker wissen wir ja, dass die Folgen von Zivilisationskost – und somit von falscher Ernährung – erst nach Jahrzehnten zu Tage treten, was viele von uns am eigenen Körper erleben mussten.

Ein Beispiel: Da berichtet uns vielleicht jemand, er mache schon seit 40 Jahren Rohkost und sei kerngesund. Ich habe Rohkostbücher gelesen, die 20 Jahre alt sind. Da gab es noch keine bekannte Rohkostgrenze von 42 °C. Da war Rohkost mehr oder weniger ein Essen mit viel frischem Obst und Gemüse und alles andere war – nur kalt 🙂

Daher: Lasst Abnehmen kein Kriterium für eine gesunde und gute Ernährung sein. Auch mit einer guten Ernährung kann man „nicht abnehmen“. Wichtig ist, dass wir gesund sind, gesünder als vor der Ernährungsumstellung. Ich habe eines in den Jahrzehnten meines vergangenen Lebens gelernt, eine Lektion, die ich nicht gerne gelernt habe, weil sie mir eigentlich gegen den Charakter geht: Mäßigung ist der Richtungsweiser durch das Leben. Jede Ernährungsform, die mich zum Zählen zwingt, mir als Gesundem „normale“ natürliche Lebensmittel (wie z.B. Getreide) verbietet, die meint, man könne gesund sein, wenn man nicht mehr als 1000 Kalorien isst, die meint, man müsse 20 Bananen zum Frühstück verspeisen, die meint, man müsse alle Kohlehydrate streichen – das sind Extreme, die bei dem einen oder anderen wirken, aus welchen Gründen auch immer. Meiner Meinung nach, ist eine Ernährung dann solide, wenn sie in kein Extrem abgleitet (daher ist mir FoK sowieso suspekt), wenn sie Mäßigung predigt. Wenn mir jemand sagt, ich kann Unmengen essen und nehme dabei ab – dann weiß ich: Das ist keine Ernährung für mich, denn ich bin überzeugt, dass sie irgendwann ins Ungesunde schlagen wird.

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3 Gedanken zu “Wann ernähre ich mich richtig?

  1. Renate 24. Oktober 2015 / 19:30

    Wie wahr!

  2. Maria 25. Oktober 2015 / 20:20

    Ich stimme dir auch zu. Ich habe auch lernen müssen, dass Hunger- und Sättigungsgefühl meine Essenmenge und Häufigkeit bestimmen müssen. Wenn diese beiden noch gut funkionieren! Oder man muss sie versuchen, wieder zu entdecken. Ich habe den Eindruck und auch die Erfahrung, dass es für viele leichter ist, extreme Ernährungsformen zu haben als sich zu mäßigen. Und leicht wollen wir es ja möglichst alle haben.

    • OneBBO 26. Oktober 2015 / 18:43

      Das stimmt, Extremismus ist die einfache Variante, so habe ich das noch gar nicht gesehen.

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