Avanzia – die kostenlose Kreditkarte

29. Okt. 2015: Unseriöse Kreditkarte

Auf der Suche nach einer neuen Kreditkarte bin ich über ein Vergleichsportal auf die Advanzia gestoßen. Die erschien mir interessant: Bargeldabhebung kostenlos, Partnerkarte kostenlos und die Karte an sich: auch kostenlos. Einzig vermeintlicher Haken: Am Monatsende wird der fällig Betrag nicht automatisch von einem Referenzkonto abgebucht, sondern man erhält per Email eine Rechnung, die man innerhalb von 20 Tagen zahlen muss, sonst gibt es horrende Zinsen.

Außerdem wollte ich eine Partnerkarte, denn die ist dort ebenfalls umsonst. Ich habe die Karte beantragt, aktiviert – alles bestens. Dann habe ich nachgefragt, wie ich an die Partnerkarte komme, denn online fand ich dazu gar nichts. Auf meine Frage kam die Antwort: „Die Partnerkarte bekommen Sie noch nicht. Lassen Sie Ihren Partner doch einfach eine eigene beantragen.“ Ich habe zurückgefragt, wann das denn soweit ist. Antwort „Wir werden Ihnen schon mitteilen, wenn es soweit ist.“ Aha. So redet man ja wohl kaum mit erwachsenen Menschen, oder?

Dann habe ich die kostenlose Barabhebung ausprobiert. Drei Tage später konnte ich online sehen: 4,95 Euro Gebühren wurden erhoben! Ups, ich denke das ist kostenlos? Also habe ich wieder nachgefragt, was das denn soll.

Antwort: Das ist die Gebühr, die die Bank erhebt (das ist sie eigentlich immer!), da können wir nichts für. Und wir berechnen ab Tag der Auszahlung 1,73% Zinsen pro Monat. Ey, davon steht aber in den Werbepamphleten auch nichts und auch die Vergleichsportale schreiben nichts darüber. Soweit zur Güte dieser Portale! Hier das Originalschreiben:

Sehr geehrte Frau WILKESMANN,
vielen Dank für Ihre Mitteilung.
Bargeldauszahlungen sind weltweit gebührenfrei, diese werden ab dem Auszahlungsdatum mit derzeit 1,73% pro Monat verzinst, insofern gibt es kein zinsfreies Zahlungsziel. Es gibt verschiedene Karten ausgebende Banken, die zusätzlich zu diesen Bearbeitungsgebühren der Automaten betreibenden Banken nochmals eigene Bargeldgebühren erheben – auf diese Gebühren verzichten wir.
Automaten betreibende Banken haben das Recht, bei einer Bargeldabhebung mit einer fremden Karte eine Gebühr zu erheben. Auf diese Gebühren wird mittels eines Aufklebers auf dem Geldautomaten aufmerksam gemacht. Sie können auch an Ort und Stelle prüfen, ob eine Gebühr bei Einsatz einer fremden Karte berechnet wird. Auf die eventuellen Gebühren bei Bargeldtransaktionen, die von den Automaten betreibenden Banken erhoben und nicht an uns weitergeleitet werden, haben wir keinen Einfluss.
In diesem Fall haben Sie die Gebühren von der Stadtsparkasse erhalten.

Für mich ist das unseriöse Werbung, denn sonst müsste irgendwo stehen: Achtung, für die Gebühren der Banken sind wir nicht verantwortlich.

Ich habe diese Karte zurückgeben. Auf einem Bewertungsportal habe ich mein Urteil hinterlassen.

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8 Gedanken zu “Avanzia – die kostenlose Kreditkarte

  1. sandra 29. Oktober 2015 / 18:33

    Versteckte Kosten Quasi. Ist ja unseriös! Ich hätte die auch zurückgegeben.
    Was es nicht alles gibt.

    • OneBBO 30. Oktober 2015 / 07:03

      Was ich am schlimmsten finde: In den angeblich objektiven Vergleichsportalen werden diese unseriösen Praktiken mit keinem Wort erwähnt, ich hätte ja die Karte sonst nie beantragt.

  2. Paul 30. Oktober 2015 / 01:02

    Hallo Ute Wilkesmann,

    es freut mich, dass solche vermeintlich seriösen Angbote dieser und auch anderer Banken von Dir veröffentlicht werden um andere Menschen vor solchen Offerten zu schützen.
    Mach weiter so.
    Danke.

    • OneBBO 30. Oktober 2015 / 07:03

      Danke für’s Danke, Paul 🙂

  3. Michael 30. Oktober 2015 / 17:50

    Ich habe so ein Vergleichs Portal einmal zum Kreditvergleich verwendet. Die besten Konditionen lagen bei 3%. Beim Abschluss dann, waren es dann immer zwischen 6,8 und fast 9% Zinssatz. Ich habe das Geld dann innerhalb der Familie bekommen, fast zinslos. Wer mein Geld nicht will, der hat dann schon. Klingt ja glatt nach Teespruch.

    • OneBBO 30. Oktober 2015 / 17:51

      Wow, wirklich… du solltest Teesprechler werden 😉
      Diese Vergleichsportale werden vermutlich auch von irgend jemandem finanziert. Hmmm, von wem wohl?

  4. Anne 2. November 2015 / 23:22

    Ähnliches ist mir fast mit einem Versicherungsvergleichsportal passiert. Obwohl ich etliche Filter reingehauen hatte, musste ich beim Besuch der Webseite des „besten“ Anbieters erkennen, dass da etliche Haken dran waren. Der Anbieter, den ich am Schluss gewählt habe, tauchte im Portal erst gar nicht auf.

    Früher gab es die „freundlichen“ Bekannten, die einem DIE richtige Versicherung, Geldanlage usw. empfohlen hat. Heute haben sie durchs Internet vielfältige Konkurrenz bekommen. Dass das „kostenlose“ Internet finanziert werden muss und Vergleichsportale mittlerweile zur Werbeschiene dazugehören – darauf kann nicht oft genug darauf hinweisen. Danke für Deinen Beitrag!

    Fehlte nur noch das Vergleichsportal für Vergleichsportale… 😉

    • OneBBO 3. November 2015 / 06:41

      Ich habe auch schon bei Tagesgeld festgestellt, dass die Bank mit den eindeutig besten Kondition – soweit insgesamt ersichtlich natürlich nur – nur auf wenigen Vergleichsportalen erscheint.

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