Alles glutenfrei

16. Jan. 2016: Glutenfrei

Immer wieder erreichen mich Fragen nach glutenfreien Rezepten. Und in den meisten Fällen stellt sich  heraus, dass gar keine Krankheit vorliegt, die eine glutenfreie Ernährung verlangt, sondern es soll quasi eine Vorbeugung, ein Schutz sein. Das heißt, es gibt Kinder, die werden ohne Notwendigkeit glutenfrei ernährt.

Mich schaudert es dabei. Merken Eltern nicht, was sie ihren Kindern und evtl. sich selbst antun? Wer sein Kind glutenfrei aufwachsen lässt, schafft ein Problem, das sonst wahrscheinlich gar nicht bestünde! Einen normalen Bestandteil aus der Ernährung herauszuschneiden, bedeutet eine Empfindlichkeit zu züchten. Ich vergleich das einmal mit übertriebenen Hygienemaßnahmen: Wer sein Kind, das ist mittlerweile Allgemeinwissen, unter zu starker Hygiene aufzieht und ihm jeglichen Kontakt mit Bakterien und Schmutz verbietet, macht sein Kind kränker, denn es wird dann mit ganz normalen Bakterien nicht mehr fertig.

Es ist, als ob ich meinem Kind Bewegung verbiete, weil es sich das Knie oder den Kopf stoßen könnte. Was passiert? Die Muskeln bleiben schwach, das Kind wird sich nie normal bewegen können. Nicht ohne Grund wird dagegen gewettert, dass schon Kinder stundenlang bewegungslos vor dem Computer verharren.

Jetzt könnte jemand sagen: Aha, dann ist es aber besser, wenn ich schon früh mein Kind mit Zucker füttere! Nein, ist es nicht. Zucker ist ein Industrieprodukt, der Zucker, den wir im Geschäft kaufen, ist kein Teil eines natürlichen Lebensmittels. Gluten hingegen ist ein natürlicher Bestandteil von Getreide. Nun wird auch gerne darauf hingewiesen, dass gerade Weizen heute der Backfähigkeit willen viel zu glutenreich gezüchtet wurde. Das ist durchaus ein Argument – aber es gibt Dinkel, Urweizen usw. Wer Bedenken wegen des hochgezüchteten Glutengehalts hat, kann ja auf andere „normale“ Getreide ausweichen.

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2 Gedanken zu “Alles glutenfrei

  1. Alexander 25. Januar 2016 / 13:40

    Das wusste ich gar nicht. Ich habe mich zugegeben die letzten Jahre gewundert, warum wohl überall plötzlich alle möglichen glutenfreien, laktosefreien etc Produkte auftauchen. Zudem hatte ich schon öfter Gespräche mit Menschen, die zwar immer erzählten sie würden kein „Gluten“ vertragen – aber wenn ich dann fragte, wie es mit Dinkel oder Kamut wäre und/oder ob die Probleme auch bei angekeimtem Getreide auftreten würden, hieß es (falls sie von diesen Dingen überhaupt wussten) ganz oft: „nee nee also DAS vertrag ich schon“…. also soviel zum Thema „das Gluten ist Schuld“….

    Na jedenfalls konnte ich mir daher das Auftauchen all dieser Produkte nie erklären. Und auf die Idee, dass diese Nachfrage ihre Ursache in präventiver Vermeidung haben könnte, wär ich ja im Leben nicht gekommen….

    Einen normalen Bestandteil aus der Ernährung herauszuschneiden finde ich auch sehr problematisch. Erstens wegen der Nährstoffe in (Voll-)Getreide. Zweitens sehe ich noch psychologische Gründe: Denn mit diesem Ernährungsverhalten lebt so ein Kind ja, als müsste es aufgrund einer Krankheit eine spezielle Diät einhalten…. und so ein „in negativer Weise anders sein als die anderen“ macht dann ganz bestimmt schon auch was mit dem Selbstwertgefühl….

    Die Aussage, Gluten sei ein natüricher Bestandteil von Getreide, Zucker hingegen kein Teil eines natürlichen Lebensmittels, verstehe ich allerdings nicht… denn Gluten wird ja aus Getreide (z.B. Weizen) herausgewaschen (das Produkt heißt dann „Seitan“), ebenso wie Zucker aus z.B. Zuckerrohr oder Zuckerrüben extrahiert wird.

    • OneBBO 25. Januar 2016 / 13:49

      Der psychologische Aspekt, da hast du recht, ist auch sehr wichtig, den hatte ich noch gar nicht bedacht.

      Der Zucker, den ich meide und meine, steht im Regal abgepackt und isoliert. Ich löse mir aber nicht den Zucker aus dem Obst oder kaufe zuckerfreies Obst, um Zucker zu vermeiden 🙂 Die deutsche Sprache hat für beide Zucker leider nur ein Wort. Das meine ich mit „natürlich“.

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