Wiegen und Kochen

8. Feb. 2016: Kochen nach Rezept – Warum ich alles in Gramm angebe

Als ich ca. 16 Jahre alt war, hatte ich mit Kochen nichts am Hut. Plötzlich kam meine Mutter für 6 Wochen ins Krankenhaus. Mein Vater, mein Bruder und ich waren zu versorgen und ich beschloss spontan: Das mache ich! Da meine Mutter gerne und lecker kochte, hatte ich bisher in der Küche überhaupt nichts gemacht, außer Teigreste aus Teigschüsseln zu leeren oder Geschirr abzutrocknen. Wie also jetzt drei Leute versorgen? Ich nahm meiner Mutter Kochbuch („Das Große Dr. Oetker-Kochbuch“) zur Hand und habe mir angeschaut, was ich vielleicht einmal versuchen sollte.

Mein erster Versuch war eine Gemüsesuppe mit Speckstückchen. Ich habe mir eine Liste gemacht, was ich dafür brauche und bin zum Laden an der Ecke gegangen. An der Fleischtheke holte ich meinen Zettel hervor und sagte: „Bitte 75 g durchwachsenen Speck.“ Ich wusste ja nicht, dass das recht wenig ist. Die Frau hinter der Theke wog 125 g ab. „Nein“, antwortete ich, „bitte genau 75 g!“ Sie gab sich sehr viel Mühe und ich hatte das Auge wachsam auf die Waage gerichtet und ging glücklich nach Hause. In dem Laden wurde noch lange über meine präzisen Einkäufe geschmunzelt.

Das hat mich nie gestört, denn meine Suppe war ein voller Erfolg. Mein Vater (verwöhnt!) strahlte, mein Bruder aß gerne und mir hat’s auch geschmeckt. Durch diesen kleinen Erfolg motiviert, habe ich mich bald auch an größere Experimente gewagt, ich erinnere mich auch noch an einen Rehrücken (Kuchen), von dem mein Vater meiner Mutter am Krankenbett enorm vorgeschwärmt hat, wie sie mir später erzählte.

Was für mich im Gedächtnis geblieben ist, ist nicht das Amüsement oder die Schwierigkeit, exakte Mengen einzukaufen. Sondern wie lecker man kochen kann, wenn man präzise Angaben genau befolgt. Ich schwöre heute noch auf Dr. Oetker’s Großes Kochbuch, auch wenn es das schon lange nicht mehr gibt.

Die Zahl derer, die heute wirklich kochen können, ist geringer denn je. Funktionen wie Guided Cooking werden das nicht fördern und ich kenne Frauen, die stolz erzählen „Ja, ich habe heute eine Pizza gemacht!“ und auf Nachfragen berichten, dass sie die Pizza von Dr. Oetker (da ist er wieder 😉 ) in den Ofen geschoben haben.

Das bedeutet für mich, dass nicht nur gewiefte Köche und geübte Haufrauen meine Bücher kaufen. Ich möchte, dass auch Greenhorns in der Küche das auf ihrem Tisch stehen haben werden, was mal in meiner Küche stand. Ich möchte ihnen Erfolgserlebnisse vermitteln.

Wer immer mit groben Gewichtsangaben hantiert und ständig Rezepte ändert, während er sie als Anregung nutzt, wird sich von den Grammangaben nicht stören lassen.

 

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2 Gedanken zu “Wiegen und Kochen

  1. helga 8. Februar 2016 / 18:17

    Liebe Ute, wenn man Lust hat geht alles.
    Mit Dr. Oetker hab ich auch angefangen zu kochen

    • OneBBO 8. Februar 2016 / 18:18

      Siehste, und du kochst heute auch so lecker! 🙂

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